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Initiative Rodachtal

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung

Zusammenfassung

Die interkommunale Kooperation "Initiative Rodachtal" besteht aus neun Städten und Gemeinden in Bayern und Thüringen mit insgesamt ca. 28.000 Einwohnern. Die Gemeinden haben sich im Jahr 2001 zusammengeschlossen, um den Auswirkungen des demografischen und wirtschaftsstrukturellen Wandels mit gemeinsamen Lösungsansätzen und Projekten zu begegnen. Ein Regionalmanagement unterstützt die interkommunale Zusammenarbeit. Mit Hilfe der Fördermittel aus dem Programm Kleinere Städte und Gemeinden haben die beteiligten Kommunen begonnen, ihre Siedlungsentwicklung gemeinsam zu steuern und eine abgestimmte Strategie zum Umgang mit Leerstand und Baulücken zu entwickeln.

Kontext

Aufgrund ihrer peripheren Lage im ehemaligen Grenzgebiet zwischen den beiden deutschen Staaten war die wirtschaftliche Entwicklung im Kooperationsraum jahrzehntelang gehemmt, noch heute sind die Städte und Gemeinden vom wirtschaftlichen Strukturwandel betroffen. Durch den Bevölkerungsrückgang und die Alterung der Bevölkerung treten weitere Herausforderungen auf. Bereits im Jahr 2001 gründeten die Kommunen den länderübergreifenden Verein Initiative Rodachtal e.V., um die Herausforderungen des Strukturwandels gemeinsam zu bewältigen. Seitdem haben sie mehrere überörtliche Entwicklungskonzepte mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten erarbeitet. Ein 2002 eingerichtetes Regionalmanagement koordiniert die interkommunale Zusammenarbeit und unterstützt die Umsetzung der Maßnahmen in den Kommunen.

Projektbeschreibung

Die Initiative Rodachtal wurde im Jahr 2011 in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" aufgenommen. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind eine abgestimmte Siedlungsflächenentwicklung und die Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen. Damit reagieren die Kommunen auf die mit dem wirtschaftsstrukturellen und demografischen Wandel einhergehende Zunahme von Brachflächen, Baulücken und leerstehenden Gebäuden.

Handlungsgrundlage ist das Rahmenkonzept Siedlungsentwicklung aus dem Jahr 2014. Darin werden Strategien und Maßnahmen für ein überörtlich abgestimmtes Flächenmanagement formuliert, um den Umgang mit Leerständen und Baulücken überörtlich abzustimmen. Als eine der ersten Maßnahmen wurde eine Datenbank mit Innenentwicklungspotenzialen erstellt. Daraus wurden regionale und lokale Strategien für die Siedlungsentwicklung abgeleitet. Identifiziert wurden unter anderem sogenannte Potenzialgebäude und -flächen in den Ortskernen, die vorrangig revitalisiert werden sollen. Ziel ist es, Projekte zu fördern, die zur Sicherung der Daseinsvorsorge in der Region beitragen und/oder die Lebensqualität durch die Aufwertung des öffentlichen Raums stärken, ohne neue Flächen außerhalb der Siedlungsbereiche in Anspruch zu nehmen. Erste Projektideen und bauliche Maßnahmen auf regionaler und lokaler Ebene werden erarbeitet. Zur Umsetzung der Maßnahmen werden Mittel des Städtebauförderprogramms Kleinere Städte und Gemeinde mit anderen Programmen des Bundes, der Länder und der EU- und Landesebene gebündelt.

Im Rahmen der Programmumsetzung wird die Öffentlichkeit für das Thema Innenentwicklung und Flächenmanagement sensibilisiert. Zu diesem Zweck wurde frühzeitig eine Eigentümerbefragung durchgeführt, mehrere Informationsveranstaltungen wurden organisiert und eine Internetseite erstellt. An einem "Tag der offenen Tür" waren Interessierte eingeladen, Leerstände und Baulücken zu besichtigen. Auf lokaler Ebene werden Gutscheine für eine kostenlose Beratung durch Fachexperten an Private vergeben, die an der Revitalisierung der Potenzialgebäude oder -flächen interessiert sind.

Zukünftiges Kompetenzzentrum Bauen in Ummerstadt Zukünftiges Kompetenzzentrum Bauen in UmmerstadtZukünftiges Kompetenzzentrum Bauen in Ummerstadt Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Als eine städtebauliche Maßnahme ist die Einrichtung des "Kompetenzzentrums Bauen" in der thüringischen Gemeinde Ummerstadt geplant. Hier soll ein verfallenes historisches Fachwerkhaus in zentraler Lage modellhaft saniert und zu einem Informationszentrum zum Thema Bauen im Rodachtal qualifiziert werden. Darüber hinaus sollen Räumlichkeiten für regionale Veranstaltungen und Ausstellungen eingerichtet werden. Mit der Sanierung wurde 2014 begonnen.

In Bad Rodach wurde der historische Wallgraben im nördlichen Innenstadtbereich zu einem "Park der Generationen" umgestaltet, der als Erholungs- und Kommunikationsbereich in der Innenstadt dient. Das Projekt wurde mit Unterstützung der Städtebauförderung und privaten Mitteln realisiert. Im zweiten Schritt soll der Schlossplatz in Bad Rodach umgestaltet werden, wozu ein Planungswettbewerb ausgelobt wird. Vorgesehen sind in diesem Rahmen auch Nutzungs- und Gestaltungsvorschläge für das ehemalige historische Gasthaus "Zum Goldenen Löwen" sowie die Neugestaltung der Flächen innerhalb der Stadtmauer.

Um die Innenentwicklung zu fördern, haben die Stadt Seßlach und die Gemeinde Ahorn zudem kommunale Förderprogramme auf den Weg gebracht. Neben einer kostenlosen Beratung werden Investitionen privater Eigentümer bei Sanierung bzw. barrierefreiem Umbau alter Wohngebäude unterstützt. Bereits in den vergangenen Jahren wurde ein Objekt- und Leerstandsmanagement in jeder Partnergemeinde aufgebaut, eine öffentlich zugängliche Immobilien- und Baustoffbörse installiert sowie einheitliche Baukulturrichtlinien zur Beratung der Bürgerinnen und Bürger erarbeitet.

Überregionale Bedeutung hat zudem der Erhalt des multifunktionalen Freizeitzentrums in Witzmannsberg, einem Ortsteil der Gemeinde Ahorn. Neben der Sanierung der Kulturhalle soll das Hallenbad als einzige noch existierende Einrichtung für den Schulschwimmsport in der Region saniert werden.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Leerstandsmanagement
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Kultur / Freizeit
    • Pflege und Senioren
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Rahmenkonzept Siedlungsentwicklung (2014)
  • Integriertes Entwicklungskonzept Rodachtal (Beschluss 2014)
  • Kompetenzzentrum Bauen in Ummerstadt (Baubeginn Ende 2014)
  • Umgestaltung des historischen Wallgrabens in Bad Rodach zu einem Mehrgenerationenpark (2013)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Bund-Länder-Programme "Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen", "Städtebaulicher Denkmalschutz", "Stadtumbau West"
  • EU-Mittel für die ländliche Entwicklung
  • Bundesforschungsprogramm Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement (REFINA)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2001Gründung der Initiative Rodachtal e.V.
2002Regionalmanagement nimmt seine Arbeit auf
2007Fertigstellung des Regionalen Entwicklungskonzepts REK
2010Beginn des Projekts "Flächenmanagement im Rodachtal"
2011Aufnahme in das Programm Kleinere Städte und Gemeinden
2014Fertigstellung des Rahmenkonzepts Siedlungsentwicklung / Beginn der Erstellung des Integrieren Entwicklungskonzepts Rodachtal


Besonderheiten

Die länderübergreifende Zusammenarbeit der Kommunen ist eine Besonderheit. Die beteiligten Städte und Gemeinden haben erkannt, dass gemeinsame Probleme auch über Ländergrenzen hinweg effizienter bewältigt werden können. Herausforderung dabei ist der Umgang mit unterschiedlichen Förderanforderungen. Das Regionalmanagement hat in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Funktion.

Lernerfahrungen

Die Initiative Rodachtal baut verschiedene überörtliche Konzepte vorbildlich aufeinander auf. Während ein Regionales Entwicklungskonzept (REK) im Jahr 2007 einen allgemeinen, überörtlich integrierten Ansatz leistete, wurden zentrale Themen in mehreren Konzepten sektoral vertieft (Strategiepapier "Tourismusmarketing Rodachtal"/ Strategiepapier "Radtourismus Rodachtal"/ Regionalstrategie Daseinsvorsorge/ Rahmenkonzept Siedlungsentwicklung/ Energiekonzept Rodachtal). Im 2014 wurde ein integriertes Entwicklungskonzept erarbeitet, das diese Konzepte aufgreift und Grundlage einer Neuausrichtung für die Jahre 2014 bis 2020 ist. Viele Ideen für die Zukunft wurden in Workshops und auf der Beteiligungsplattform im Internet von den Bürgerinnen und Bürgern der Region eingebracht.

Hervorzuheben ist außerdem die Verknüpfung verschiedener Förderansätze, um Konzepte zu entwickeln und Maßnahmen umzusetzen. Die Fördermittel werden auf lokaler Ebene vergeben, aber regional mit Hilfe des Regionalmanagements abgestimmt. Das geschickte Fördermittelmanagement zeigt sich auch darin, dass die Entwicklungskonzepte programmübergreifend angelegt sind. Zum Beispiel werden die im Rahmenkonzept Siedlungsentwicklung erarbeiteten Maßnahmen verschiedenen Finanzierungsquellen zugeordnet.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern/ Thüringen


Gemeinden

Bayern: Ahorn, Bad Rodach, Itzgrund, Seßlach, Weitramsdorf / Thüringen: Bad Colberg-Heldburg, Straufhain, Ummerstadt, Westhausen


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2014: ca. 832.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Bayerische Kommunen: ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen
Thüringische Kommunen: dünn besiedelte ländliche Kreise


Kontaktdaten

Gemeinde Ahorn
Bürgermeister Martin Finzel
Hauptstr. 40
96482 Ahorn
Tel. +49 9561 814127
E-Mail: info@ahorn.de


Regionalmanagement der Initiative Rodachtal
IPU – Ing.-Büro für Planung und Umwelt
Sigrun Palinske
Breite Gasse 4-5
99084 Erfurt
Tel.: +49 361 60020042
E-Mail: s.palinske@ipu-erfurt.de


Link / weitere Informationen

Internetseite der Initiative Rodachtal e.V.


Stand

März 2015

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