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Oben an der Volme

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge, überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Die Städte Meinerzhagen, Kierspe, Halver und die Gemeinde Schalksmühle haben sich im Jahr 2009 zu einer regionalen Kooperation zusammengeschlossen, um sich erfolgreich für die REGIONALE Südwestfalen 2013 zu bewerben. Mit der Kooperation begegnen die vier Kommunen den Herausforderungen im Zuge des demografischen und strukturellen Wandels, um in der Region Oberes Volmetal in Südwestfalen eine nachhaltige Entwicklung anzustoßen.

Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" im Jahr 2010 konnte eine tragfähige Kooperation etabliert werden. Neben gemeinsamen Aktivitäten in den Bereichen Mobilität, Kultur und Bildung liegt ein besonderes Augenmerk der Stadtentwicklung auf den Stadtzentren – diese sollen aktiviert werden und die Lebensqualität in der Region stärken. Hierfür wurden unter anderem Stadt- und Freiräume umgestaltet und qualifiziert sowie neue Mobilitäts-, Freizeit- und Kulturangebote geschaffen. Eine Besonderheit stellen die in allen vier Kommunen eingerichteten Fassadenprogramme dar, mit denen Gebäudeeigentümer aktiviert und das Stadt- und Ortsbild nachhaltig gestärkt werden konnten. Die Umsetzung lokaler Projekte wird zudem über Verfügungsfonds vor Ort unterstützt. Damit stehen die Sicherung der Grundversorgung sowie die Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung im Fokus der Kooperation.

Kontext

Die Volme, ein Nebenfluss der Ruhr, verbindet die Städte Halver, Kierspe, Meinerzhagen und die Gemeinde Schalksmühle, in denen insgesamt 63.500 Einwohner leben. Die städtebauliche Struktur der vier Kommunen ist stark durch die Mittelgebirgslage am nordwestlichen Rand des Sauerlandes geprägt. Aufgrund dieser geografischen Lage existieren mehrere Bereiche mit zentrumsrelevanten Einrichtungen, insbesondere in den historischen Kernen, die allerdings nur teilweise miteinander verknüpft sind

Das Obere Volmetal ist wirtschaftlich stabil, verzeichnet aber etwa seit der Jahrtausendwende einen teilweise deutlichen Bevölkerungsrückgang in Folge sinkender Geburtenzahlen und eines negativen Wanderungssaldos. Hieraus resultierte eine Unternutzung der vorhandenen Daseinsvorsorgeeinrichtungen, sodass diese in Teilen aufgegeben wurden oder andere Nutzungen finden mussten.

Um den Herausforderungen zu begegnen, wurde ein gemeinsames Projekt im Rahmen der REGIONALE Südwestfalen 2013 konzipiert. Die bis dahin nur in ausgewählten Bereichen bestehende Zusammenarbeit der Kommunen wurde zu einer integrierten, interkommunalen Kooperation ausgebaut. Mit der Erstellung eines "Regionalen integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes Oben an der Volme" (RIEHK), welches sich als Handlungsagenda versteht, reagierten die Kommunen auf strukturelle Mängel, wie zum Beispiel die fehlende Vernetzung der Einzelhandelsstandorte, auf städtebauliche Missstände in den Versorgungsbereichen sowie eine unzureichende städtebauliche Einbindung von einzelnen Verkehrsknotenpunkten. Das Konzept unterstützt die überörtliche Schwerpunkt- und Prioritätensetzung, stellte die Weichen für die vorgesehenen Prozesse und Maßnahmen und schaffte die Grundvoraussetzungen für die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden". Das Projekt "Oben an der Volme" wird im Rahmen dieses Städtebauförderprogramms durch zahlreiche Maßnahmen begleitet, die die Entwicklung der Region insgesamt befördern und die vier Kommunen eine gemeinsame Perspektive für das Volmetal gestalten lässt.

Projektbeschreibung

Ein Ziel der Gesamtmaßnahme "Oben an der Volme" ist die Vertiefung der interkommunalen Zusammenarbeit, um die Region nachhaltig zu entwickeln und Strategien gegen die Folgen des demografischen Wandels umzusetzen. Hierzu werden im 2010 erarbeiteten und 2011 beschlossenen RIEHK Perspektiven für die Region aufgezeigt und Orientierungshilfen für das kommunale Handeln gegeben. Im Mittelpunkt stehen elf Leitprojekte, die repräsentativ für den gewählten integrierten Lösungsansatz sind und in die Region ausstrahlen werden.

So sollen die Stadtzentren beziehungsweise Ortskerne in Meinerzhagen, Halver und Schalksmühle sowie das Stadtteilzentrum Kierspe-Bahnhof so aktiviert werden, dass sie zukünftig die räumlichen und wirtschaftlichen Kristallisationspunkte für die Region bilden. Zur Steigerung der Attraktivität der Ortskerne und zur Verbesserung der Lebensqualität und Daseinsvorsorge für die Bewohnerinnen und Bewohner werden die Zentren durch städtebauliche Maßnahmen gestärkt. Wohngebiete werden mit der Innenstadt verbunden, die Aufenthaltsqualität öffentlicher Räume (Straßen und Plätze) gesteigert und das Erscheinungsbild aufgewertet.

In Meinerzhagen entstand im Jahr 2015 eine Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Bahnhof durch eine öffentliche Fußgängerbrücke. In Kierspe wurde im durch Leerstand stark beeinträchtigten Stadtteil Bahnhof ein Kreativquartier – unter anderem durch die Nutzung leerstehender Ladenlokale und die Einrichtung von Angeboten für "Wohnen und Arbeiten" – geschaffen sowie 2015 der natürliche Verlauf der Volme im Rahmen des Baus des "VolmeFreizeitPark" auf einem ehemaligen Industrieareal wiederhergestellt. Zur Belebung des Zentrums von Schalksmühle wurde im Jahr 2015 der Rathausplatz zu einem multifunktionalen Platz umgebaut sowie der Volmepark zu einem Mehrgenerationenpark ausgebaut und über eine bestehende Brücke an die Innenstadt angebunden. Der Park ist für Veranstaltungen nutzbar, bietet ein gastronomisches Angebot direkt an der Volme und wurde insbesondere auf die Bedürfnisse von Radfahrern ausgelegt.

Mit einem "Hof- und Fassadenprogramm" soll in allen vier Kommunen das zukünftige Erscheinungsbild der Quartiere weiter aufgewertet und die Wohnqualität verbessert werden. Hierfür wurden sämtliche Gebäude in den Gebietskulissen einer Ersteinschätzung (Bewertung der Gebäudesubstanz, Fotodokumentation) unterzogen und Gestaltungsrichtlinien für die Städte erarbeitet. Durch die in allen vier Gemeinden verfügbaren Fassadenprogramme konnte eine Aktivierung vieler Gebäudeeigentümer erreicht werden und auf diesem Wege eine Verbesserung des Ortsbildes durch umgesetzte Maßnahmen verzeichnet werden. Dies trägt insbesondere zu einer erhöhten Akzeptanz des Kooperationsprojektes bei.

Ein weiteres Leitprojekt im Kooperationsraum, das sich durch eine besondere regionale Bedeutung auszeichnet, ist die Reaktivierung der Volmetalbahn. Diese zielt darauf ab, das Volmetal überregional an die Rheinschiene und das Ruhrgebiet anzuschließen. In diesem Zuge werden die Bahnhöfe in Kierspe und Halver reaktiviert und auch die Umfelder mit Mitteln des Programms und Vorplätze der Bahnhöfe in allen vier Kommunen neu gestaltet (unter anderem Beleuchtung, Bepflanzung, Freiflächen) und besser an die Ortskerne angebunden. Zusätzlich zu Park and Ride-Flächen werden Fahrradstationen und Informationspunkte eingerichtet. Seit Dezember 2013 fährt die Volmetalbahn bereits zwischen Marienheide und Meinerzhagen. Zusätzlich wurde in Meinerzhagen und in Kierspe im Jahr 2013 ein ZOBin Betrieb genommen. Innerhalb des Jahres 2018 sollen die Aufwertungsmaßnahmen der Bahnhofsumfelder abgeschlossen sein.

Häuser der Kultur in Halver Häuser der Kultur in HalverHäuser der Kultur in Halver Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Mit der interkommunalen Kunst- und Kulturachse "Art Volmetal" – ebenfalls eines der elf Leitprojekte – ist ein Ort wirtschaftlicher und kultureller Vielfalt in der Innenstadt von Halver entstanden. Hierfür wurden drei leerstehende, denkmalgeschützte Gebäude zu einem neuen soziokulturellen Zentrum ausgebaut und nach historischem Vorbild saniert. Die "Häuser der Kultur" beherbergen heute das Kulturmanagement, ein Café, Künstlerateliers- und Werkstätten sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Ferner wird hier das regionale Heimatmuseum eingerichtet. Im Mai 2015 wurden die ersten Häuser der Kultur eröffnet.

Die offene Kommunikationskultur, nicht nur zwischen der Politik und den Verwaltungen der vier Kommunen, sondern auch mit Akteuren aus Wirtschafts- und Sozialbereichen sowie der gesamten Öffentlichkeit in der Region spielte eine besondere Rolle bei der Erarbeitung des Konzepts und bei der Abstimmung von Maßnahmen und Projekten. So gab es Workshops, öffentliche Auftaktveranstaltungen in den Städten sowie eine gemeinsame Veranstaltung für alle vier Kommunen, um Informationen zu bündeln. Dabei wurde die Kooperation einerseits durch die Südwestfalenagentur (Management der REGIONALE 2013) unterstützt und andererseits durch ein externes Planungsbüro koordiniert. Zudem wurde in allen vier Kommunen ein Quartiersmanagement mit Vor-Ort-Büro eingerichtet.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Integrierte Entwicklungskonzepte
  • Innenentwicklung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Bildung
    • Mobilität
    • Kultur / Freizeit
    • Nahversorgung
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Wirtschaft / Tourismus
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Erarbeitung eines Regionalen Tourismuskonzepts für das obere Volmetal (2013-2014)
  • Ausbau der Bahnhöfe und deren Umfeld zu Mobilitätspunkten in allen Kommunen (2012-2017)
  • Entwicklung der Kulturachse "Art Volmetal" in Halver (2013-2016)
  • Schaffung einer Fußgängerbrücke in Meinerzhagen (2015)
  • Entwicklung eines Kreativquartiers auf einem brachliegenden Areal in Kierspe (seit 2013)
  • Bau des VolmeFreizeitParks auf einem ehemaligen Industrieareal in Kierspe (2012-2016)
  • Umbau des Volmeparks zu einem Mehrgenerationenpark in Schalksmühle (2015)
  • Umbau des Rathausplatzes in Schalksmühle zu einem Multifunktionsplatz (2012-2015)
  • Fassadenprogramme zur Aufwertung der Ortskerne (seit 2014 / 2015)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz
  • Wasserrahmenrichtlinie Nordrhein-Westfalen
  • LEADERLiaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2010Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2011Beschluss des "Regionalen integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes Oben an der Volme" (RIEHK) / Beschluss der Fördergebiete
2012Erstellung integrierter Handlungskonzepte für die Ortskerne und Zentren von Meinerzhagen, Halver, Schalksmühle und Kierspe auf der Grundlage des RIEHK / Baubeginn für den VolmeFreizeitPark in Kierspe / Beginn des Ausbaus der Bahnhöfe in Kierspe und Meinerzhagen sowie Qualifizierung der Bahnhofsumfelder/ Öffnung und Revitalisierung der Volme
2014Fertigstellung des Freizeit- und Tourismuskonzeptes
2015Eröffnung der "Häuser der Kultur" und Beginn der Herrichtung der Villa Wippermann zum soziokulturellen Zentrum als Teil der Kunst-und Kulturachse "Art Volmetal" in Halver / Umbau des Volmeparks zu einem Mehrgenerationenpark in Schalksmühle / Fertigstellung der Fußgängerbrücke in Meinerzhagen / Fertigstellung der Umgestaltung des Rathausplatzes in Schalksmühle / Start des Fassadenprogramms in allen vier Kommunen
2016Eröffnung der Villa Wippermann, mit Räumlichkeiten für Ausstellungen und Veranstaltungen


Besonderheiten

In allen vier Gemeinden wurde im Jahr 2013 ein Verfügungsfonds zur Umsetzung lokaler Projekte eingesetzt. Gefördert werden Projekte, die einen inhaltlichen Bezug zur Stabilisierung, Erneuerung, Verbesserung und Vitalisierung des Zentrums haben (Öffentlichkeitsarbeit/Internet, Leerstandsmanagement), einen Nutzen für die Allgemeinheit erwarten lassen und das Miteinander sowie das Engagement von Einzelpersonen, Gruppen/Vereinen und anderen Akteuren fördern und stärken sowie die Kooperation untereinander und die privat-öffentliche Zusammenarbeit verbessern. Dabei variiert die Zusammensetzung der Entscheidungsgremien von Kommune zu Kommune.

Ferner wurde zur Darstellung nach außen die Webseite www.oben-an-der-volme.de als zentrales Kommunikationsorgan eingerichtet. Die zahlreichen Einzelprojekte und Maßnahmen, die unter dem Titel "Oben an der Volme" zusammengefasst sind, sollen über eine Corporate Identity repräsentiert werden. Hierfür wurde ein gemeinsames Logo entwickelt.

Lernerfahrungen

Die vorbildliche interkommunale Zusammenarbeit im Rahmen des Projekts "Oben an der Volme" und der lebendige Austausch der vier Bürgermeister sind Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung der gemeinschaftlichen sowie der ortskernbezogenen Vorhaben. Ganz entscheidend getragen wurde das erfolgreiche Projekt von der REGIONALE 2013, da in diesem Zusammenhang eine erhebliche Dynamik in dem Raum entstanden ist.

Über die REGIONALE haben die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung einen inhaltlichen Zugang zum Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" gefunden und haben innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums ein sehr gut strukturierte interkommunale Kooperation auf den Weg gebracht. Dabei hatten die Verantwortlichen intensive Überzeugungsarbeit zu leisten, um die geplanten Maßnahmen in den Räten aber vor allem in der Öffentlichkeit erfolgreich zu kommunizieren.

Sehr erfreulich ist die im Kooperationsraum gelungene Etablierung einer Bau- und Planungskultur mit hohem Anspruch, die durch den guten konzeptionellen Ansatz der Kooperation ermöglicht wurde. Die Bestätigung erfolgt aktuell durch die Akzeptanz von zuvor kritisch betrachteten Projekten.

Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz und einer starken interkommunalen Kooperation agiert die Kooperation sehr programmspezifisch. Dies zeigt sich auch im Einsatz der Instrumente des Programmes. Die professionelle Programmbegleitung, die Einbettung in tragfähige Kommunikationsstrukturen, eine weiterhin gut funktionierende Aktivierung der Akteure vor Ort und eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit deuten auf eine weitere erfolgreiche Umsetzung der Kooperation "Oben an der Volme" hin.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinden

Meinerzhagen, Kierspe, Halver, Schalksmühle


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2010 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016: 6.457.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtische Kreise


Kontaktdaten

Stadt Meinerzhagen
Bürgermeister Jan Nesselrath
Bahnhofstraße 15
58540 Meinerzhagen
Tel.: +49 2354 77102
E-Mail: buergermeister@meinerzhagen.de


ASS – Architektur Stadtplanung Stadtentwicklung
Projektmanagement
Hans-Joachim Hamerla
Jutta Gruß-Rinck
Kanalstraße 28
40547 Düsseldorf
Tel.: +49 211 5502460
E-Mail: due@archstadt.de


Weiterführende Informationen (Links):

Informationsportal Oben an der Volme

Informationsportal der REGIONALE Südwestfalen


Stand

Juli 2017

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