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Mittelbereich Pritzwalk - Wittstock/Dosse

Schwerpunkte: Kooperation, Infrastruktur / Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Die Städte Pritzwalk und Wittstock/Dosse arbeiten seit 2007 auf Basis eines Kooperationsvertrages erfolgreich zusammen und bilden seit 2009 ein Mittelzentrum in Funktionsteilung. Neben Pritzwalk und Wittstock/Dosse beteiligen sich die Gemeinden Heiligengrabe und die Kommunen des Amts Meyenburg an der Kooperation. Um die Lebensbedingungen in der Region trotz schrumpfender Bevölkerungszahlen zu verbessern und neue Formen der interkommunalen Planung, Entscheidung und Umsetzung vorzubereiten, wurde gemeinsam ein integriertes Konzept zur Wahrnehmung der mittelzentralen Funktionen und Aufgaben erarbeitet.

Nach der Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" Im Jahr 2010 konnten zügig Projekte zur Sicherung der Daseinsvorsorge identifiziert und Potenziale zur Bündelung von Funktionen und Fördermitteln ermittelt werden. Im Mittelpunkt stehen die Aufwertung öffentlicher Einrichtungen vor allem in den Bereichen Bildung und Kultur. Wichtiger Partner ist der Verein "Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse". Die interkommunale Kooperation im Mittelbereich Pritzwalk-Wittstock/Dosse zeigt die Impulswirkung, die von der Erarbeitung eines überörtlichen integrierten Konzepts ausgehen kann.

Kontext

Der Kooperationsraum Pritzwalk-Wittstock/Dosse liegt im strukturschwachen Nordosten Brandenburgs und hat circa 35.000 Einwohner. Bis 2030 wird ein Bevölkerungsrückgang um bis zu 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 2008 prognostiziert, was zu einer abnehmenden Siedlungsdichte und reduzierten kommunalen Finanzausstattung führt. Früh wurde offensichtlich, dass die Herausforderungen der Zukunft eine intensive Zusammenarbeit und Arbeitsteilung erfordern. Die langjährige Kooperation der Kommunen ist durch vertrauensvolle Zusammenarbeit und intensive Abstimmung gekennzeichnet. Die Ausweisung des funktionsteiligen Mittelzentrums im Jahr 2009 ist auf die Initiative der Städte Pritzwalk und Wittstock zurückzuführen und verdeutlicht den Willen zur Zusammenarbeit.

Projektbeschreibung

Wichtiger Meilenstein der Kooperation ist die Erarbeitung eines integrierten Konzeptes zur Wahrnehmung der mittelzentralen Funktionen und Aufgaben im Rahmen eines Pilotprojektes der "Nationalen Stadtentwicklungspolitik". Die ursprünglich vor allem auf wirtschaftliche Themen fokussierende Kooperation wurde im Zuge der Erarbeitung des Konzeptes thematisch ausgeweitet und umfasst nun sämtliche Bereiche der Daseinsvorsorge. In Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themenbereichen konnte sich die Öffentlichkeit in die Erarbeitung des Konzeptes einbringen.

Das integrierte Konzept bildet heute die Grundlage für die strategische Steuerung und Abstimmung der Zusammenarbeit. Jährlich wird ein Ziel-Maßnahmen-Katalog fortgeschrieben und an die aktuelle Situation angepasst. Ein Kooperationsrat, bestehend aus Vertretern der kooperierenden Gemeinden und dem Vorsitzenden des Vereins "Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/ Dosse", ist das zentrale Gremium der Zusammenarbeit. Es berät die Beantragung und Verteilung von Fördermitteln, die Durchführung gemeinsamer Projekte und die Koordinierung kommunaler Einzelmaßnahmen.

2010 wurde die interkommunale Kooperation in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" aufgenommen. Maßnahmen, die aus dem integrierten Konzept abgeleitet wurden, umfassen vor allem Vorhaben zur Aufwertung und arbeitsteiligen Gestaltung sozialer Infrastrukturen und zur Umnutzung denkmalgeschützter Bauwerke für Bildungs- und Kultureinrichtungen.

In Pritzwalk wurde das Bahnhofsgebäude saniert, die Eingangshalle aufgewertet und Räumlichkeiten für eine Polizeiwache umgebaut. Am Rande der Altstadt wird die historische Quandtsche Tuchfabrik saniert und umgenutzt. Die Stadt hat den seit der Wiedervereinigung leerstehenden, stadtbildprägenden Gebäudekomplex im Jahr 2012 erworben und ein neues Nutzungskonzept entwickelt. Die Tuchfabrik befindet sich am nordöstlichen Stadtrand von Pritzwalk. Das Gelände grenzt direkt an den historischen Stadtkern und liegt auf einer von der Dömnitz umflossenen Insel. Um die historisch wertvollen Gebäude zu revitalisieren und die Bausubstanz zu sichern, wird die nur teilweise genutzte Tuchfabrik umfangreich saniert und umgebaut. Die Fabrik bündelt zukünftig außerschulische Bildungsangebote der Region und schafft Raum für neues Wohnen sowie das bereits bestehende Stadt- und Brauereimuseum. Im südlichen Gebäudeteil der Tuchfabrik ist bereits die Bildungsgesellschaft mbH Pritzwalk – eine bedeutende Bildungsstätte in der Region – untergebracht. Zur Erweiterung des Angebots wurden zusätzliche Werkstatt-, Ausbildungs- und Unterrichtsräume bis 2016 im südlichen Seitenflügel und im Quergebäude im Hof eingerichtet. Im repräsentativen Kopfbau und früheren Verwaltungsgebäude der Fabrik sind in den ehemaligen Büroräumen 30 barrierefreien Wohneinheiten auf 2.400 Quadratmetern Wohnfläche am Rand der Altstadt von Pritzwalk entstanden. Die zwei- bis vier-Raum-Wohnungen werden durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft mbH Pritzwalk vergeben und bewirtschaftet. Noch in 2017 wird aus Mitteln der Städtebauförderung (Stadtumbau Ost ), der Stadt und Spenden der Familie Quandt der nördliche Seitenflügel als Erweiterungsfläche für das angrenzende Stadt-und Brauereimuseum der Stadt Pritzwalk mit 1.400 Quadratmetern Nutzfläche umgebaut und durch einen Anbau ergänzt. Zudem entsteht ein Internat mit 500 Quadratmetern Wohnfläche zur Unterbringung von Auszubildenden der Bildungsgesellschaft. Die gesamte Maßnahme mit dem Museum soll bis 2018 fertiggestellt sein.

Im alten Bahnhofsgebäude in Wittstock sollen ein Jugendzentrum, die Touristeninformation und auch eine Physiotherapie sowie Arztpraxis einziehen. Hierzu haben die Planungen bereits begonnen. Ebenso wie die Sanierung der Wittstocker Schwimmhalle, der einzigen öffentlichen Schwimmhalle in der Region. Die Aufwertung einer Grundschule und eines Integrationskindergartens in Meyenburg konnten ebenfalls realisiert werden.

Mit Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" haben die Kommunen ein externes Kooperationsmanagement eingesetzt. Es ergänzt die verwaltungsinterne Kooperation und ist mit der Koordinierung der Gesamtmaßnahme, der überörtlichen Moderation, Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Vorbereitung und Durchführung von Projekten beauftragt.

Die Kooperationsgemeinden streben eine langfristige Zusammenarbeit an, die auch nach Ablauf der Förderung im Städtebauförderungsprogramm fortgeführt wird. Insbesondere soll zukünftig die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden, um die Kooperation und die Bedeutung der Einzelmaßnahmen für den Erhalt der Lebensqualität und die Sicherung der Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger stärker als bislang nach außen zu tragen.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf Bildung / Kultur und Freizeit / Gesundheit / Jugend und Familie
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz

Einzelmaßnahmen

  • Einrichtung eines Kooperationsmanagements (2010)
  • Sanierung des Bahnhofs Pritzwalk: Aufwertung der Eingangshalle, Schaffung einer Touristen-Information und Umnutzung zur Polizeistation (2011 bis 2014)
  • Sanierung und Umnutzung der ehemaligen Quandtschen Tuchfabrik in Pritzwalk für Wohnen, Bildungseinrichtungen und Museum (seit 2012)
  • Sanierung des Eingangsbereichs der Schwimmhalle Wittstock (2012)
  • Erarbeitung eines Nutzungskonzepts für eine ehem. Möbel-/Tuchfabrik in Wittstock (2012)
  • Aufwertung eines Integrationskindergartens in Meyenburg (2012)
  • Aufwertung der Grundschule in Meyenburg (2012)
  • Einrichtung der "Klosterscheune" in Heiligengrabe als Veranstaltungsort (in Umsetzung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Bündelung mit den Bund-Länder-Programmen "Sanierung und Entwicklung", "Städtebaulicher Denkmalschutz" und "Stadtumbau Ost" sowie mit EU-Mitteln (LEADER)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2007Unterzeichnung des Kooperationsvertrags zwischen Wittstock, Pritzwalk, Meyenburg und Heiligengrabe
2009Fertigstellung des überörtlichen integrierten Konzeptes
2010Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" / Kooperationsmanagement nimmt seine Arbeit auf
2011Weiterentwicklung des Kooperationsvertrages: Gründung der kommunalen Arbeitsgemeinschaft "Kooperation Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse"
2012Ausbau der Grundschule in Meyenburg / Fahrstuhleinbau im Integrationskindergarten in Meyenburg / Umbau und Sanierung des Eingangsbereichs der Schwimmhalle in Wittstock / Erstellung von Nutzungskonzepten für die ehem. Möbelfabrik und den Alten Bahnhof in Wittstock / Beginn der Baumaßnahme Quandtsche Tuchfabrik
2014Fertigstellung Umbau und Sanierung Bahnhof Pritzwalk
2016Fertigstellung barrierefreie Wohneinheiten im Kopfbau der Tuchfabrik / Fertigstellung Werkstatt-, Ausbildungs- und Unterrichtsräume im südlichen Seitenflügel der Tuchfabrik


Besonderheiten

Die Rahmenbedingungen und Organisationsformen der Kooperation sind in einem Kooperationsvertrag festgehalten. Durch die Weiterentwicklung des bestehenden Kooperationsvertrages im Jahr 2011 und die Umsetzung von investitven Maßnahmen wurde die Kooperation ausgebaut und intensiviert.

Hervorzuheben ist der Einbezug privater Akteure. 2007 wurde ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zur Bildung der kommunalen Arbeitsgemeinschaft "Kooperation Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/ Dosse", einer Verantwortungsgemeinschaft zur Sicherung der Funktionen eines Mittelzentrums in Funktionsteilung abgeschlossen. Neben den kommunalen Vertragspartnern ist auch der private Verein Teil der Kooperation, um öffentliche und private Kapazitäten und Interessen zu bündeln. Heute engagieren sich über 30 Unternehmen und fünf Kommunen im Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse e.V.. Mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft sollen unter anderem bessere Voraussetzungen für die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Sicherung der Daseinsvorsorge geschaffen sowie die Akquisition und das Management von Fördermitteln erleichtert werden. Zur Verstetigung der Gesamtmaßnahme wird zudem ein Kooperationsmanagement innerhalb der Verwaltung eingerichtet, um den Kooperationsprozess in die lokalen Verwaltungsstrukturen zu implementieren.

Lernerfahrungen

Die interkommunale Kooperation Pritzwalk-Wittstock/Dosse zeigt die Impulswirkung, die von der Erarbeitung eines überörtlichen integrierten Konzepts ausgehen kann. Die bestehende Zusammenarbeit wurde intensiviert und thematisch erweitert. Das Konzept ist die Grundlage für abgestimmtes Handeln und eine übergreifende Entwicklungsstrategie, aus der die spezifischen Einzelmaßnahmen abgeleitet werden. Nach der Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" konnten zügig Projekte zur Sicherung der Daseinsvorsorge identifiziert, Potenziale zur Bündelung von Funktionen und Fördermitteln ermittelt und investive Maßnahmen umgesetzt werden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Brandenburg


Gemeinden

Stadt Wittstock/Dosse (federführend), Stadt Pritzwalk, Amt Meyenburg, Gemeinde Heiligengrabe


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2010 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016: 2.437.500 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

ländlicher Raum


Kontaktdaten

Stadt Wittstock/Dosse
Herr Dieter Herm
Stellvertretender Bürgermeister / Amtsleiter Wirtschaftsförderung und Liegenschaften
Markt 1
16909 Wittstock/Dosse
Telefon: +49 3394 429240
E-Mail: D.Herm@stadt-wittstock.de


Stadt Pritzwalk
Dr. Ronald Thiel
Leiter des Geschäftsbereichs Stadtentwicklung, Bau, Wirtschaft, Ordnung und Verkehr
Gartenstraße 12
16928 Pritzwalk
Tel: +49 3395 760816
E-Mail: r.thiel@pritzwalk.de


Kooperationsmanagement
B.B.S.M. Brandenburgische Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung
Herr Rainer Blank
Behlertstraße 3 a
14467 Potsdam
Tel: +49 331 2899734
E-Mail: rainer.blank@bbsm-brandenburg.de


Weiterführende Informationen (Links):

Modellprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik

Kooperationsverein "Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock-Dosse"


Stand

März 2017

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