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Zörbig – Zentrum

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Zörbiger Schülerbeteiligungshaus nach der Aufwertung Zörbiger Schülerbeteiligungshaus nach der AufwertungZörbiger Schülerbeteiligungshaus nach der Aufwertung Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Das Gebiet der Einheitsgemeinde Stadt Zörbig (circa 10.000 Einwohner, Landkreis Anhalt-Bitterfeld) liegt im südöstlichen Teil des Landes Sachsen-Anhalt und besteht aus der Kernstadt Zörbig sowie zehn weiteren Stadtteilen (sogenannten Ortschaften). Die demografische Entwicklung und die sich verschärfende Haushaltslage führten im Jahr 2004 zur Bildung der Einheitsgemeinde. Seitdem wird gemeinsam versucht, effiziente Lösungen zur Sicherung der Daseinsvorsorge zu finden. Eingeschränkte kommunale Mittel verhinderten jedoch die weitere Behebung funktionaler und städtebaulicher Missstände im Sanierungsgebiet.

Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" im Jahr 2010 wird die Stadt Zörbig bei der Bewältigung der sich ändernden Anforderungen unterstützt. Der Fokus liegt auf der Stärkung der Angebote der Daseinsvorsorge. Hierfür wurden das "Integrierte Entwicklungskonzept der Stadt Zörbig" und das "STADTLEITBILD Zörbig 2020" erarbeitet. Die hieraus abgeleiteten Maßnahmen sind räumlich auf das Zentrum der Kernstadt Zörbig sowie ausgewählte Ergänzungsstandorte konzentriert. Zu den Schlüsselmaßnahmen gehören unter anderem die Einrichtung des Schülerbeteiligungshauses "Haus der Vielfalt" in der Kernstadt von Zörbig sowie der Aufbau eines Berufsorientierungszentrums (BOZ) mit mehreren Standorten in der Einheitsgemeinde. Durch die Vernetzung bestehender Einrichtungen und eine enge Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort ist es gelungen, die "Zörbiger Bildungslandschaft" nachhaltig zu sichern und zu stärken.

Kontext

Seit 2000 verzeichnen das Grundzentrum Zörbig und die umliegenden Gemeinden einen starken Bevölkerungsrückgang. Dieser resultiert aus der Abwanderung junger Menschen und anhaltend niedriger Geburtenraten. Bis 2025 wird ein weiterer Bevölkerungsrückgang von circa 16 Prozent prognostiziert (Basisjahr 2013). Gleichzeitig findet eine Verschiebung der Altersstruktur zu einer immer älter werdenden Bevölkerung statt. Der Bevölkerungsrückgang der vergangenen Jahre in Kombination mit fehlenden Steuereinnahmen und steigenden Unterhaltskosten führte zu einem strukturellen Haushaltsdefizit und nur geringfügigen Investitionen in die bestehenden Infrastruktureinrichtungen. Im Ortskern von Zörbig bestehen daher funktionale und städtebauliche Missstände: Eine geringe Auslastung von Infrastrukturen, leerstehende Objekte, Baulücken sowie unsanierte Gebäude prägen das Stadtbild. Gemessen an der demografischen Entwicklung fehlt es zudem an ausreichenden Angeboten, um den künftigen Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner gerecht zu werden.

Die Stadt Zörbig erarbeitete daher im Jahr 2013 im Rahmen des 2011 initiierten Leitbildprozesses ein integriertes Entwicklungskonzept. Dieses knüpft an bereits bestehende Sanierungsaktivitäten des Landesprogramms "Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen im ländlichen Bereich" zur dauerhaften Stärkung der zentralörtlichen Funktion des Zörbiger Stadtkerns an. Zentrale Entwicklungsziele der Gesamtmaßnahme im Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" sind die Bündelung verschiedener Funktionen an einem Ort, die Sicherung der Angebote der Daseinsvorsorge im Bereich Bildung, Kultur und Integration sowie die Stärkung der kommunalen Infrastruktur.

Projektbeschreibung

Mit den ersten gemeinsamen Haushalten der Einheitsgemeinde wurden ab 2005 zunächst verschiedene Problemlagen angegangen und konsequent an der Haushaltskonsolidierung gearbeitet. In allen Ortsteilen wurden zweckdienliche Maßnahmen durchgeführt, bei denen besonders Fördermittel über das EU-Programm LEADER bzw. EFRE und das Landesprogramm "Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen im ländlichen Bereich" zum Einsatz kamen. Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm im Jahr 2010 wurde der Prozess zur langfristigen Sicherung der Daseinsvorsorge und zur ganzheitlichen Entwicklung der Einheitsgemeinde fortgeführt. Ein zentrales Fördergebiet mit drei Ergänzungsstandorten wurde festgelegt sowie ein Leibildprozess im Jahr 2011 begonnen, der im Jahr 2014 mit dem erarbeiteten "STADTLEITBILD Zörbig 2020" abschloss. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2013 das "Integrierte Entwicklungskonzept der Stadt Zörbig" in Abstimmung mit den Umlandgemeinden Petersberg, Südliches Anhalt und Bitterfeld-Wolfen beschlossen. Das Konzept ist auf die Infrastruktur und die Einrichtungen der Daseinsvorsorge ausgerichtet. Ausgehend vom Leitbildprozess waren eine umfassende Bestandsaufnahme (inklusive Prognosen), eine Stärken-Schwächen-Analyse und Detailuntersuchungen Teil der strategischen Entwicklungsgrundlage. Ziele und Maßnahmen wurden abgeleitet sowie sieben Handlungsschwerpunkte definiert:

Handlungsfelder "STADTLEITBILD Zörbig 2020" Handlungsfelder "STADTLEITBILD Zörbig 2020"Handlungsfelder "STADTLEITBILD Zörbig 2020" Quelle: Integriertes Entwicklungskonzept der Stadt Zörbig

  • Demografie,
  • Daseinsgrundversorgung,
  • "Zörbiger Wohnlandschaft",
  • "Zörbiger Unternehmenslandschaft",
  • "Zörbiger Bildungslandschaft",
  • "Zörbiger Kulturlandschaft" und
  • Mobilität.

Unter Berücksichtigung des demografischen Wandels sollen die kommunalen Aufgaben der Daseinsvorsorge im Zuge der Programmumsetzung stärker vernetzt werden. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Bildung, Altenpflege, Arbeitsplatzschaffung, offene Kinder- und Jugendarbeit, Kultur sowie soziale Belange. Die Kernstadt soll gestärkt und somit die zentralörtliche Funktion und Lebensqualität gesichert werden. Neben der Schaffung von Voraussetzungen für einen sicheren Schul- und Bildungsstandort und der Qualifizierung von Freizeit- und Kultureinrichtungen, sind die Errichtung multifunktionaler Treffpunkte und der Ausbau barrierefreier Infrastrukturen (Straßen, Wege, Plätze) geplant. Dies soll unter anderem durch den Abbau von Leerständen sowie die Modernisierung und Umnutzung von städtischen Immobilien erfolgen. Ergänzend wurden themenspezifische überörtliche Entwicklungskonzepte (Einzelhandelsentwicklungskonzept, Tourismuskonzept "Wettiner Weg") erstellt.

Im Zentrum von Zörbig wurde zur Stärkung des Bildungsstandortes und der Kinder- und Jugendarbeit ein außerschulischer Lernort geschaffen. Ein an den Schulkomplex angrenzendes ehemaliges genutztes Gebäude der Diakonie-Sozialstation wurde hierfür modernisiert und unter aktiver Beteiligung der Schülerinnen und Schüler und weiterer Akteure zu einem Schülerbeteiligungshaus umgestaltet. Das sogenannte "Haus der Vielfalt" dient als multifunktionaler Begegnungs-, Beratungs-, und Kommunikationstreffpunkt, an dem unterschiedliche Gruppen (unter anderem Vereine, Stadtjugendbeauftragte, örtliche Unternehmen) vernetzt werden. Damit wird zur Verbesserung des außerschulischen Angebots und zur Berufsorientierung von Schülern beigetragen.

Das Schülerbeteiligungshaus wurde im Mai 2015 zum Tag der Städtebauförderung teilweise eröffnet und im Jahr 2016 weitgehend fertiggestellt. Mit der Erweiterung des Schulhofgeländes in Form eines "Grünen Klassenzimmers" für den Unterricht im Freien wurde zudem eine direkte Wegeverbindung zwischen Schule und Schülerbeteiligungshaus geschaffen. Ferner wurde ein sogenanntes Berufsorientierungszentren (BOZ), das Schülerinnen und Schüler an Anforderungen des Arbeitslebens heranführen soll, integriert. Weitere Standorte des Berufsorientierungszentrums sollen an den Ergänzungsstandorten in den Stadtteilen Mößlitz und Quetzdölsdorf entstehen.

Mit der Maßnahme Zentrale Jugendfreizeit- und Sportstätte soll auf dem Gelände des Stadtbades in Zörbig bis 2017 eine multifunktionale Jugendfreizeiteinrichtung mit einem Gesundheitssportzentrum entstehen. Generationenübergreifende Betreuungsangebote, ein energieeffizienter Ausbau des bestehenden Gebäudekomplexes und die Schaffung neuer Sport- und Spielanlagen sind beabsichtigt. Im Fokus stehen die Vernetzung bestehender sportlicher Angebote im Schulpflicht-, Seniorensport- und Freizeitbereich sowie die Konzentration von Einrichtungen der Jugendfreizeitarbeit an einem Standort. Bis 2020 sollen weitere Schulsportanlagen in Zörbig für die Erweiterung des Sport- und Freizeitangebots im Freien qualifiziert werden.

Multifunktionale Treffpunkte und Veranstaltungsorte, Erholungsbereiche für unterschiedliche Alters- und Interessengruppen und die Ausweitung des kulturellen und touristischen Angebots sind als weitere Vorhaben geplant. Hierfür sollen das bereits durch EU-Fördermittel sanierte Kultur- und Bildungszentrum im Schloss Zörbig, das bereits ein Anziehungspunkt für Besucher ist, und der Schützenplatz mit seiner günstigen Lage zu den Verkaufseinrichtungen im Zentrum umgestaltet und erweitert werden. Darüber hinaus ist die Aufwertung des Grünraums entlang der historischen Wallanlage zu einem Bewegungsbereich geplant. Ausganspunkt für den sogenannten "Kulturgeschichtlichen Weg" ist der Schützenplatz.

Abgestimmtes Handeln zwischen den Akteuren ist ein wesentlicher Bestandteil des Kommunikationsprozesses innerhalb der Stadt. Kooperatives Handeln ist durch eine enge Zusammenarbeit von Stadtrat, Ausschüssen, Ortschaftsräten und Verwaltung in Zörbig verankert. So werden je nach Bedarf Arbeitsgruppen bzw. Diskussionsforen einberufen, um die Sicherung der Daseinsvorsorge bewusst und aktiv zu gestalten. Zur Programmsteuerung, zum Monitoring und zur Evaluierung des Programms wurde eine halbjährlich tagende Lenkungsgruppe eingerichtet, in der Vertreterinnen und Vertreter aus der Stadtverwaltung, Bildungsträger, Organisationen, Vereine und Bürgerschaft vertreten sind.

Der gesamte Prozess wird von einer Bürgerbeteiligung in Form von verschiedenen Veranstaltungen begleitet. Beispielsweise wurden eine Zukunftswerkstatt zur Leitbildentwicklung des "STADTLEITBILD Zörbig 2020", Bürgerbefragungen und ein landesweiter Studentenwettbewerb zur Gestaltung des Schützenplatzes, Ideenwettbewerbe, Einwohnerversammlungen oder Wirtschafts- und Bildungsforen zur Sicherung von Fachkräften durchgeführt, wodurch Bürgerinnen und Bürger den Prozess aktiv mitgestalten können.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Bildung
    • Kultur / Freizeit
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Wirtschaft / Tourismus
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Einzelhandelsentwicklungskonzept (2012)
  • Integriertes Entwicklungskonzept der Stadt Zörbig (2013)
  • Stadtleitbild Zörbig 2020 (2014)
  • Tourismuskonzept "Wettiner Weg" (2014)
  • Schülerbeteiligungshaus "Haus der Vielfalt" unter anderem mit Jugendclub, Berufsorientierungszentrum, Schülercafé (2013-2015)
  • Zörbiger Berufsorientierungszentrum – BOZ (2015-2016)
  • Multifunktionaler Treffpunkt Schützenplatz (2016-2017)
  • Zentrale Jugendfreizeit- und Sportstätte im Zörbiger Stadtbad (2016-2017)
  • Nutzungsergänzung des Kultur- und Bildungszentrums (2017)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • LEADER-Fördermittel für Dorferneuerung und -entwicklung
  • Förderung durch EFRE-Mittel
  • Landesprogramm "Städtebauliche Sanierung im ländlichen Bereich"
  • Dorferneuerung
  • Konjunkturpaket II
  • EU- Schulbauförderung

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2004Bildung der Einheitsgemeinde Stadt Zörbig
2010Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2011Beginn Entwicklung "STADTLEITBILD Zörbig 2020"
2013ZukunftsWerkStadt-Zörbig zum "STADTLEITBILD Zörbig 2020": Erarbeitung der Handlungsfelder / Festlegung der Fördergebiete durch Beschluss des Stadtrates / Integriertes Entwicklungskonzept der Stadt Zörbig (2013)
2014Beschluss Stadtleitbild Zörbig 2020 / Tourismuskonzept "Wettiner Weg"
2015Eröffnung Schülerbeteiligungshaus im Zentrum von Zörbig


Besonderheiten

Eine Besonderheit in Zörbig stellt die Idee einer ganzheitlichen und nachhaltigen Erziehung und Bildungsentwicklung von Kindern und Jugendlichen dar. Dabei sollen die schulische und persönliche Entwicklung von Heranwachsenden von der Schule bis zur Berufsausbildung gefördert und Voraussetzungen für eine berufliche und soziale Integration geschaffen werden.

Die Stadt entwickelt seit 2005 mit der sogenannten "Zörbiger Bildungslandschaft" eine Strategie, um ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot zu schaffen und zukünftige Fachkräfte nachhaltig zu sichern. Hierzu wurden inhaltliche Fragestellungen in einem Netzwerk aus Kindertagesstätten, Horten, Schulen und Unternehmen diskutiert. Im Interesse der Bildung junger Menschen wurden Lösungen gefunden und Angebote geschaffen. Mit Hilfe von regelmäßig stattfindenden Bildungskonferenzen werden Informationen ausgetauscht, neue Bildungsansätze diskutiert und in die Praxis überführt. Neben der Sicherstellung von außerschulischen Lernorten wie dem Schülerbeteiligungshaus sind daraus auch die geplanten Berufsorientierungszentren im Stadtgebiet zur Unterstützung von Berufsanfängern entstanden. Das Projekt wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.

Lernerfahrungen

Im Zuge der Einrichtung und Konzeption des Schülerbeteiligungshauses wurden mit Hilfe einer aktiven Beteiligung von Schülerinnen und Schülern in Zusammenarbeit mit Eltern, Jugendpflegern, Lehrern, Stadtverwaltung, Vereine, Unternehmen etc. vielfältige Angebote für die Grund- und Sekundarschule, für den Hort, andere Projekte der Kinder- und Jugendarbeit sowie Vereinsarbeit geschaffen. Das entwickelte Schülerbeteiligungshaus verdeutlicht in besonderer Weise, wie mit einem kombinierten und von vielen Akteuren getragenen Konzept eine gute Lösung gefunden werden kann. So gelang es, einen zentralen Standort für Schüler zu entwickeln und den Platzbedarf des zentral gelegenen Schulstandortes nachhaltig zu decken. Gleichzeitig entstand ein multifunktionales und von unterschiedlichen Gruppen (unter anderem Schüler, Regionalbeamte der Polizei, Stadtjugendbeauftragte) genutztes Haus, das die "Zörbiger Bildungslandschaft" stärkt und sozial-integrative Ansätze fördert.

Zusatzinformationen

Bundesland

Sachsen-Anhalt

Gemeinde

Stadt Zörbig


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2010 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2015: 592.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtische Kreise

Kontaktdaten

Rolf Sonnenberger
Bürgermeister der Stadt Zörbig
Markt 12
06780 Zörbig
Tel.: 0349 5660-102
E-Mail: buergermeister@stadt-zoerbig.de


Link / weitere Informationen

Internetauftritt der Stadt Zörbig


Stand

August 2016

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