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Grundlagen

Klein- und Mittelstädte in ländlichen, dünn besiedelten Räumen sind wichtige wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zentren und Ankerpunkte für die Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie erfüllen mit ihrem öffentlichen Infrastrukturangebot elementare zentralörtliche Versorgungsfunktionen für die Gemeinden und dörflich geprägten Orte im Umland. Durch die Folgen des demografischen und wirtschaftlichen Wandels wird die öffentliche und private Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen jedoch zunehmend gefährdet.

Demografische Trends in ländlichen Räumen

Städte und Gemeinden geraten im Zuge des demografischen Wandels und ökonomischer Veränderungen zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Demografische Trends wie der Rückgang und die Alterung der Bevölkerung sind in vielen Regionen Deutschlands bereits gravierend. Dies betrifft gleichermaßen ländliche und auch städtische Räume.

Zunehmend sind es jedoch vor allem kleinere und mittlere Kommunen in dünn besiedelten, ländlichen Räumen, die mit abnehmenden Geburtenraten, der Abwanderung junger Menschen aufgrund fehlender Ausbildungs- und Arbeitsplätze und der Zunahme des Seniorenanteils in der verbleibenden Bevölkerung zu kämpfen haben. Demografische und wirtschaftliche Entwicklungstrends verlaufen in den Städten und Gemeinden zudem nicht linear und zum Teil auch gegensätzlich. Einwohnerzuwachs in einer Stadt und Stagnation bzw. Verlust in benachbarten Orten vollziehen sich in den Regionen oftmals nebeneinander und erschweren kommunales Handeln zusätzlich. Gegenseitige Verstärkung erhält diese Entwicklung zudem durch den Wettbewerb zwischen den Kommunen um Einwohner und Unternehmensansiedlungen. Dabei spielt neben harten Standortfaktoren wie günstigem Bauland und Erreichbarkeit auch das Angebot für Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur und kultureller Einrichtungen eine bedeutende Rolle.

Infrastrukturnachfrage und Anpassungsbedarf

Diese Trends haben in mehrfacher Hinsicht unmittelbare Auswirkungen: Nimmt die Bevölkerung ab, verändert und verringert sich auch der Bedarf nach Leistungen der Daseinsvorsorge. Folgen der sinkenden Nachfrage sind in der Regel mittel- und langfristige Tragfähigkeitsprobleme. Sollen die Kosten nicht explodieren, muss die öffentliche Hand das kommunale Angebot nicht ausgelasteter Einrichtungen an die geänderte Nachfrage anpassen und neuartigen Bedarfen Rechnung tragen. Auch die Angebote privater Dienstleister der Daseinsvorsorge müssen auf sinkende Einnahmen reagieren.

Der Anpassungsbedarf ist vor allem in Räumen mit schrumpfender Bevölkerung ein Thema. Aber auch in stagnierenden oder prosperierenden Regionen, in denen mittelfristig noch ein Einwohnerzuwachs erwartet wird, erzeugt der demografische Wandel einen Anpassungsbedarf von Daseinsvorsorgeangeboten. In vielen Räumen gehen auch Ausbau und Reduktion Hand in Hand, weil sich gleichzeitig der Anteil der Älteren erhöht und der Anteil der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwerbstätigen abnimmt.

Folgen für Infrastruktur, Wohn- und Lebensumfeld

Die Gleichzeitigkeit von Abbau, Umbau und Ausbau belastet die kommunalen Haushalte zunehmend. Vielen Städten und Gemeinden bleibt oft keine andere Möglichkeit als die Verringerung des Angebots durch Schließung von Einrichtungen. Werden öffentliche und private Infrastrukturangebote der Daseinsvorsorge aus Kostengründen reduziert, hat dies unmittelbare Folgen für die Stadt- bzw. Ortsentwicklung und die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft. Gebäudeleerstände und Brachflächen bedeuten in den betroffenen Gemeinden mit dem Wegfall wichtiger Bezugspunkte des öffentlichen Lebens erhebliche Funktions- und Attraktivitätsverluste für das unmittelbare städtebauliche Umfeld und den Stadtteil sowie für die Kommune als Wirtschaftsstandort und deren Wohn- und Lebensqualität. Bewohnerinnen und Bewohner, Unternehmerinnen und Unternehmer müssen zudem nun deutlich längere Wege zu den verbleibenden Infrastruktureinrichtungen auf sich nehmen, was eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität und Standortattraktivität bedeutet.

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