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Norden | Historischer Marktplatz

Maßnahmenschwerpunkte: Modernisierung des Ostfriesischen Teemuseums | Sanierung des Schöninghschen Hauses | Erstellung des Städtebaulichen Rahmenplans

Zusammenfassung

Die Stadt Norden (24.887 Einwohner, Stand: 2013) ist insbesondere im Sommer aufgrund der Lage an der Nordsee und den nahegelegenen Ostfriesischen Inseln Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen. Auch die historische Innenstadt mit dem größten Marktplatz Norddeutschlands, der Fußgängerzone Neuer Weg sowie dem Ostfriesischen Teemuseum wird gerne besucht. Der historische Ortskern besteht zum Großteil aus Denkmalen sowie weiteren stadtbildprägenden, erhaltenswerten Bauten. Im Rahmen der Stadtsanierung zwischen 1968 und 2005 wurde bis in die Mitte der 1970er Jahre ein Teil der historischen Innenstadt abgerissen und durch Geschosswohnungsbau ersetzt. Der Bereich östlich der Heringstraße wurde ab den 1980er Jahren unter Berücksichtigung der historischen Bausubstanz saniert.

Abgrenzung des Sanierungsgebiets "Historischer Marktplatz" Abgrenzung des Sanierungsgebiets "Historischer Marktplatz"Abgrenzung des Sanierungsgebiets "Historischer Marktplatz" Quelle: Stadt Norden/BauBeCon Sanierungsträger GmbH

Im Rahmen von Vorbereitenden Untersuchungen für das Städtebauförderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz und dem 2013 erarbeiteten Rahmenplan für das Sanierungsgebiet wurden die künftigen Herausforderungen und Handlungsbedarfe in der historischen Innenstadt aufgezeigt. Übergeordnetes Ziel ist es, die Erhaltung der historischen Bausubstanz und Stadtstruktur mit den heutigen Anforderungen an Wohnen und Einzelhandel in Einklang zu bringen und so die Innenstadt von Norden zukünftig lebendiger und attraktiver zu gestalten. Neben der Sanierung herausragender Einzelobjekte wird so mithilfe des Programms die historische Innenstadt als Ganzes gestärkt und ihr historisch begründetes Erscheinungsbild aufgewertet.
Mit dem Einkaufszentrum Norder Tor, das im April 2012 eröffnete, hat die Stadt gegenüber dem Markt am nördlichen Ende der Straße einen neuen Anziehungspunkt am südlichen Ende des Neuen Weges geschaffen. So werden der Neue Weg auf seiner gesamten Länge belebt sowie Leerstände in den Obergeschossen und Ladenlokalen beseitigt.

Kontext

Das Fördergebiet umfasst im Rahmen der Vorbereitenden Untersuchungen und dem Rahmenplan für das Sanierungsgebiet den kompletten historischen Stadtkern der Stadt Norden. Dort bildet der Marktplatz gemeinsam mit der westlichen Osterstraße und dem Neuen Weg die historische Entwicklungsachse des Stadtkerns. Der zentrale rechteckige Marktplatz ist eingerahmt von Bürgerhäusern, die größtenteils aus der Zeit zwischen 1550 und 1900 stammen. In der Mitte des Platzes befindet sich die Ludgeri-Kirche im romanisch-gotischen Stil, die im Ursprung aus dem 13. Jahrhundert stammt und den Mittelpunkt des Stadtgefüges bildet. Der mittelalterliche Ursprung der Stadtstruktur lässt sich an den nur fünf bis acht Meter schmalen, aber tiefen Grundstücken – vor allem im Neuen Weg – erkennen.

Handlungsstrategie

Im Rahmen der Stadtsanierung wird grundsätzlich eine Attraktivitätssteigerung des historischen Zentrums angestrebt. Dazu zählen zum einen eine attraktive Gestaltung des Marktplatzes und seines näheren Umfeldes. Zum anderen soll durch Angebote im Bereich Einzelhandel und Gastronomie am Neuen Weg zwischen Marktplatz und dem Norder Fließ eine Belebung des Gebiets erreicht werden. Um den Bereich über die Geschäftsöffnungszeiten und die besucherreiche Sommersaison hinaus zu beleben, sind attraktive zeitgemäße Wohnangebote zu realisieren. Ansätze hierfür bieten sich in den historischen Gebäudebeständen und durch die erheblichen Nachverdichtungspotenziale. Weiterhin wird eine Neustrukturierung der Verkehrsflächen im Bereich des Marktplatzes und damit eine Optimierung der Verkehrslenkung und der – möglichst barrierearmen – Fußgängerverbindungen angestrebt. Neben der allgemeinen verkehrlichen Entlastung des Marktplatzes, soll zukünftig eine bessere und stimmungsvollere Beleuchtung des historischen Markplatzes verwirklicht werden.

Ein strategischer Schwerpunkt der Maßnahmen ist die Belebung des Neuen Weges in seiner gesamten Länge – insbesondere im südlichen Teil gibt es dafür Nachholungsbedarf. Durch die Ansiedlung des Einkaufszentrums kommt es zu einer höheren Passantenfrequenz im Neuen Weg. Neue Einzelhandels- und Gastronomiebetriebe sollen davon zukünftig profitieren. Prägend für die Stadtstruktur Nordens sind darüber hinaus die schmalen länglichen Grundstücke im Bereich des Neuen Weges sowie die Lohnen. Der Erhalt der Lohnenstruktur ist zum einen von erheblichem denkmalpflegerischen Interesse. Zum anderen besteht ein großer Zuspruch durch die Öffentlichkeit, da die Lohnen als rückwärtige Verbindungswege fungieren und somit für die fußläufige Erreichbarkeit von Bedeutung sind. In diesem Rahmen sind die Erhaltung und die Sanierung der historischen Gebäudebestände, insbesondere rund um den Markt, im Neuen Weg und in der Osterstraße, ein wesentliches Ziel. Da mehr als die Hälfte des Gebäudebestands derzeit sanierungsbedürftig ist, ist der Handlungsbedarf groß. Bei den Objekten handelt es sich fast ausschließlich um Denkmale oder besonders erhaltenswerte Gebäude, wodurch eine Sanierung unter baukulturellen Gesichtspunkten angestrebt wird. Gerade auch im Kontext der energetischen Gebäudesanierung ist es wichtig, Lösungen zu finden, die über die reine Fassadensanierung hinausgehen.

Handlungsfelder            

  • Modernisierung von Gebäuden, Nutzung von Energieeinsparpotenzialen im Rahmen der Gebäudesanierung und Beseitigung von Leerstand
  • Optimierung der Verkehrslenkung im Stadtkern und Umgestaltung sowie Aufwertung der öffentlichen Räume
  • Erhalt der historischen Lohnenstruktur bei Nutzung der Freiraumpotenziale
  • Funktionsstärkung des Stadtkerns als Wohn- und Arbeitsort
  • Belebung der Innenstadt

Einzelmaßnahmen (Auswahl)   

Neben den bisher umgesetzten Maßnahmen sind weitere Maßnahmen an Gebäuden sowie insbesondere im öffentlichen Raum am Markt geplant (Stand: September 2015). Darunter fallen unter anderem Aufwertungsmaßnahmen im nordöstlichen Teil des Marktes und die Lohnenentwicklung im rückwärtigen Quartier zwischen Post- und Osterstraße.

  • Modernisierung des Ostfriesischen Teemuseums

    Das Ostfriesische Teemuseum befindet sich im historischen Rathaus und wurde zwischen 2012 und 2014 umfangreich saniert, umgebaut und erweitert. Bei der Sanierung erfolgte in einem ersten Bauabschnitt von November 2012 bis Oktober 2013 die Außensanierung. Im Vordergrund stand dabei eine Sanierung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten – so wurde das Dach entsprechend der ursprünglichen barocken Farbgebung mit dunklen schwarz-bläulichen Ziegeln eingedeckt und die Wetterfahne wieder hergestellt. Im zweiten Bauabschnitt erfolgte die Innensanierung: Dabei wurde im Erdgeschoss auf einen offenen und leichter zugänglichen Eingangsbereich geachtet sowie eine behindertengerechte Toilette eingebaut.
    Im ersten Obergeschoss lag der Schwerpunkt der Sanierung auf dem sogenannten Rummel. Hierbei wurde trotz des Einbaus einer neuen Elektrik und Heizungsanlage sowie Wärmedämmmaßnahmen auf eine denkmalpflegerische Vorgehensweise Wert gelegt, bei der der Raumeindruck mit der historischen Holzbalkendecke möglichst unverändert erhalten werden sollte.

    Im zweiten Obergeschoss wurde das Ständerwerk des Dachstuhls erneuert. Der stützenfreie Raum wird heute von der Kunstschule Norden e.V. genutzt. Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung war die Erschließung der Gebäude Westerstraße 1, 2, 3 und 4 sowie der Lohne um die Westerstraße 2. Bislang waren die Gebäude, die bereits 2006 als Erweiterung des Teemuseums genutzt wurden, nicht miteinander verbunden. Eine große Herausforderung war die Verbindung der beiden Gebäude und die Überbrückung des Höhenunterschiedes. Im Gebäudeensemble befinden sich seit der Eröffnung im Oktober 2014 die "Erlebniswelt Ostfriesische Teekultur". Der Bereich des Alten Rathauses widmet sich der Stadt- und Regionalgeschichte von Norden.

  • Sanierung des Schöninghschen Hauses

    Das Schöninghsche Haus in der Osterstraße 5 wurde in den Jahren 2014 und 2015 saniert. Dabei stand insbesondere die Wiederherstellung der historischen Fassade im Vordergrund. Im Rahmen der vorherigen Sanierung des Gebäudes wurden die Fenster über breite weiße Rahmen deutlich hervorgehoben. Nun nehmen sich die Fenster mit dunkelroten Rahmen, anlehnend an das historische Erscheinungsbild, zurück, sodass sich die Fassade wieder in ihrer ursprünglichen Wirkung darstellt.

  • Erstellung des Städtebaulichen Rahmenplans

    Eine wichtige Maßnahme im Hinblick auf das strategische Vorgehen und die Schwerpunktsetzung im Rahmen des Städtebauförderprogramms war die Erstellung des Städtebaulichen Rahmenplans, die in 2013 und 2014 mit Mitteln aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz erfolgte. Der Rahmenplan dient als Handlungs- und Entscheidungsgrundlage, mit dem die Stadtsanierung gesteuert wird. Hierfür beinhaltet er Aussagen zu größeren städtebaulichen Zusammenhängen und zeigt planerische Zielsetzungen auf. Als Beurteilungsgrundlage für alle städtebaulichen Maßnahmen im Sanierungsgebiet und dessen Umfeld, soll der Plan den zielführenden Einsatz von Städtebaufördermittel gewährleisten. Außerdem werden auf diese Weise Vorhaben verhindert, die von den Vorgaben der Sanierungsplanung abweichen.

Finanzierung

Es erfolgte keine Bündelung von Finanzmitteln mit anderen Förderansätzen.
Das an das Fördergebiet angrenzende Doornkaat-Gelände wurde 2015 in das Programm Stadtumbau West aufgenommen (Stand: April 2016).

Meilensteine der Gebietsentwicklung

Tabelle: Meilensteine der Gebietsentwicklung
JahrUmsetzungsschritt
1961Beginn der Sanierung der Altstadt
1968Erstellung eines Gutachtens zu den städtebaulichen und strukturellen Missständen in der Altstadt
1960er/1970er JahreAbriss von Teilen der Altstadt, Bau neuer Wohnblöcke
1970er/1980er Jahrebehutsame Sanierung von Teilen der Altstadt unter Berücksichtigung der historischen Gebäudesubstanz
2006Abschluss der Sanierung
2008/2009Aufnahme in das Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz
2009Fertigstellung der Ortsumgehungsstraße
2009Durchführung von Vorbereitenden Untersuchungen für das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz
05/2009Beschluss der Vorbereitenden Untersuchungen
11/2011Festlegung des Sanierungsgebietes "Historischer Marktplatz" nach § 142 BauGB

Besonderheiten

Eine strukturelle Besonderheit der ostfriesischen Städte – so auch in Norden – sind die Lohnen: Dabei handelt es sich um Traufgassen zwischen den mittelalterlichen Parzellen. Am Neuen Weg ist die Lohnenstruktur besonders gut erhalten. Die geschlossene Bebauungsstruktur mit den Lohnen ist besonders schützenswert.

Eine architektonische Besonderheit in der Norder Innenstadt sind – da sie eine hohe baukulturelle Qualität aufweisen – 13 Gebäude im Neuen Weg, die der Architekt Helmut Riemann umbaute, sanierte, durch Neubauten ergänzte oder in Einzelfällen auch ersetzte. Um die interessierte Öffentlichkeit über diese Gebäude zu informieren, führt die Stadt Norden regelmäßig Fachführungen zu den Riemann-Bauten durch.
An das Fördergebiet grenzt im Bereich des Neuen Weges in östlicher Richtung das potenzielle Entwicklungsareal der ehemaligen Firma Doornkaat an, das unter anderem erhebliches Potenzial zur Realisierung neuer Wohneinheiten bietet und somit für das Sanierungsgebiet im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz von großer Bedeutung ist.

Lernerfahrungen

Der Ansatz des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz, nicht nur Einzelgebäude in den Fokus zu nehmen, sondern das Fördergebiet als Gesamtmaßnahme zu betrachten, führt dazu, dass in der Stadt Norden Themen wie der fließende und ruhende Verkehr, die öffentlichen Räume und die historische Gebäudesubstanz integriert betrachtet werden. Gerade die Umgebung des Marktplatzes wird von diesem Ansatz zukünftig besonders stark profitieren.

Das Gebiet heute

Im Gebiet befinden sich einschließlich Nebengebäuden 430 Gebäude, davon sind 122 Denkmale. Insgesamt wurden bisher 22 Gebäude saniert, darunter zwölf mithilfe von Programmmitteln. Mit der abgeschlossenen Sanierung des Ostfriesischen Teemuseums hat die Stadt ein Leuchtturmprojekt mit überregionaler Strahlwirkung fertiggestellt. Aktuell sind jedoch noch 70 Prozent der Gebäude im Bereich Markt und 77 Prozent der Gebäude im Bereich Neuer Weg/westliche Osterstraße sanierungsbedürftig (Stand: September 2015). Da es sich bei den Gebäuden hauptsächlich um Einzeldenkmale und besonders erhaltenswerte Bausubstanz handelt, sind weitere Sanierungsmaßnahmen unter baukulturellen Gesichtspunkten notwendig.

Der bereits erfolgte Bau der Ortsumgehung bietet die Möglichkeit, die Verkehrsflächen im Bereich des Marktplatzes neu zu organisieren und so die Aufenthaltsqualität im Herzen der Stadt zu steigern. Die historische Kleinteiligkeit der Bebauung in Verbindung mit der Lohnenstruktur als herausragendes Zeugnis für die ostfriesische Städtebaukultur ist in hohem Maße erhaltenswert. Die Stadt Norden hat seit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz über die Erstellung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (2014) und insbesondere den Städtebaulichen Rahmenplan (2013/2014) die aktuelle Situation im Programmgebiet analysiert, wesentliche Aussagen über die Weiterentwicklung des Gebiets getroffen, Handlungsschwerpunkte definiert sowie Projekte und Maßnahmen aufgezeigt. Somit sind wesentliche Voraussetzungen für eine weitere zielgerichtete Programmumsetzung gegeben.

Zusatzinformationen

Bundesland

Niedersachsen


Gemeinde

Norden


Programm

Städtebaulicher Denkmalschutz


Programmaufnahme

2009


Realisierungszeitraum (geplant)

2018


Größe des Gebietes

28,7 ha


Volumen der Bundesfinanzhilfen

2009-2016: 1.018.000 €


Gebietstypus

Historischer Stadt- und Ortskern


Kontaktdaten

Stadt Norden
Fachdienst Stadtplanung und Bauaufsicht
Dietrich von Hardenberg
Am Markt 43, 26506 Norden
Tel. + 49 4931 / 923 337
E-Mail: dietrich.vonhardenberg@norden.de


Stand

2016

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