Baunatal - Stadtmitte
Schwerpunkte: Konzepte / Öffentlicher Raum / Mobilität
Zusammenfassung
Das Stadtzentrum der Stadt Baunatal wurde in den 1970er Jahren als verbindendes Element zwischen den stetig wachsenden Ortsteilen, als neue Stadtmitte sowie als zentraler Einkaufsstandort geplant Es wurde innerhalb einer relativ kurzen Periode nach damals modernen Maßstäben errichtet. Ab den 1990er Jahren kennzeichneten Funktionsverluste im Einzelhandel sowie eine nicht mehr zeitgemäße städtebauliche Struktur und fehlende Aufenthaltsqualitäten das Zentrum. Das Fördergebiet, gleichzeitig auch ein "Business Improvement District" nach dem hessischen Gesetz zur Stärkung innerstädtischer Geschäftsquartiere (INGE), wird im Rahmen des Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" auf der Basis eines integrierten Konzeptes aufgewertet. Dabei werden verschiedene Themen (u.a. Verkehr, Einzelhandel, Baustruktur, öffentlicher Raum, Bildung, Kultur) mit einbezogen. Darüber hinaus werden die Gewerbetreibenden im Zentrum durch das hessische Landesprogramm Lokale Ökonomie unterstützt.
Kontext
Stadtzentrum von Baunatal mit Marktplatz
Quelle: Christoph Haller
Die Stadt Baunatal, ein Mittelzentrum mit ca. 27.500 Einwohnern, grenzt südlich an die Stadt Kassel an und ist überregional hauptsächlich als Standort eines großen VW-Werkes mit ca. 13.000 Arbeitsplätzen bekannt. Die Innenstadt von Baunatal mit ihrem zentralen Einkaufszentrum, geplant und errichtet in den 1970er Jahren nach den seinerzeit üblichen städtebaulichen Maßstäben, litt bis vor kurzem unter einem anhaltenden Bedeutungsverlust, der sich u.a. in leer stehenden Ladenlokalen manifestierte. Neben einem Rückgang der Einzelhandelsbedeutung sind insbesondere eine fehlende architektonische Ausstrahlung sowie gravierende funktionale und ästhetische Mängel der Innenstadt als Schwächen deutlich erkennbar. Verstärkt wird diese Situation durch eine vierspurige Ringstraße um die Innenstadt, die dazu führt, dass die Innenstadt von Besuchern kaum wahrgenommen wird und an vielen Stellen Rückseiten nach außen zeigt.
Projektbeschreibung
Integriertes Handlungskonzept - Übersichtsplan
Quelle: Stadt Baunatal / Büro Junker und Kruse
Grundlage für alle Maßnahmen im Fördergebiet ist das im Frühjahr 2010 fertiggestellte Integrierte Handlungskonzept. Das Konzept wurde in kooperativen Prozessen erarbeitet. Entstanden ist ein "Konsenspapier" relevanter gesellschaftlicher Gruppen, von Bürgern und Innenstadtakteuren. Das Handlungskonzept zielt auf eine städtebauliche und funktionale Stärkung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mitte der Stadt Baunatal ab. Es gilt, die mittelzentrale Funktion der Stadt zu sichern. Durch unterschiedliche Bau- und Gestaltungsmaßnahmen soll die Innenstadt deutlich an Attraktivität gewinnen. Der hohe Standard im öffentlichen Raum, die Familien- und Fußgängerfreundlichkeit des Zentrums werden ausgebaut, der Marktplatz als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt profiliert. Hierzu wird ein freiraumplanerischer Wettbewerb durchgeführt. Einen besonderen Schwerpunkt stellt die Qualifizierung des Einzelhandels und die Stärkung der mittelständischen Betriebe dar. Ziel ist es, Nutzungen und Projekte anzustoßen, die sich privatwirtschaftlich umsetzen lassen.
In den Jahren 2010 und 2011 wurden bereits Modernisierungsmaßnahmen durch die privaten Akteure umgesetzt, teilweise mit Förderung durch das hessische Landesprogramm Lokale Ökonomie. Besonders hervorzuheben sind dabei der Umbau eines großen Einkaufsmarktes ("Herkules") in ein modernes Einkaufszentrum und die Wiederbelebung großflächiger Leerstände in der Westpassage durch Handel und Gewerbe.
Die bauliche Umgestaltung wird flankiert durch Infrastrukturmaßnahmen: Durch den Ausbau der Bibliothek und die Ansiedlung eines Begegnungszentrums werden das Rathaus und der Marktplatz in ihrer Funktion als Bürgerzentrum weiter gestärkt. Auch die umgebenden vierspurigen Straßen sollen angepasst werden. Mit Kreisverkehren an wichtigen Knotenpunkten lassen sich die Verkehrsströme sicherer abwickeln als heute, so die Ergebnisse eines Verkehrsgutachtens. Gleichzeitig kann die Leistungsfähigkeit der Straßen erhöht und abschnittsweise auf Fahrstreifen verzichtet werden.
Handlungsfelder
- Handel, Handwerk und Dienstleistungen
- Öffentlicher Raum
- Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen
- Privat-öffentliche Kooperation
- Verkehr
- Wohnen
- City-Management
Einzelmaßnahmen
- Umbau des Herkulesmarkts - vom SB-Warenhaus zum Innenstadtmagneten: In der Mitte Baunatals, am Marktplatz, ist die Umsetzung eines Schlüsselprojektes gelungen. Der Umbau stablisiert die Einzelhandelsstrukturen bzw. macht sie attraktiver. Das Projekt wurde Ende 2010 fertiggestellt.
- Erweiterung der Bücherei - das Rathaus als Haus für Bürger und Treffpunkt für Jung und Alt: Das Großprojekt ist ein weiteres Schlüsselvorhaben. Beim Umbau der Sockelgeschosse des Rathauses stehen die Erweiterung Bücherei und deren Neugestaltung als moderne Mediathek im Mittelpunkt.
- Entwicklung neuer Einzelhandelsbausteine für ein attraktives Geschäftszentrum: Der geplante Bau zweier neuer Einzelhandelseinrichtungen soll das vorhandene Angebot an strategisch günstigen Standorten im Zentrum ergänzen und der Innenstadt einen weiteren Schub geben.
- Ein neuer Stadteingang an der Post und Entwicklung attraktiver Baustrukturen: Das ehemalige Postgebäude und sein Umfeld werden ihren Potenzialen und der Lage nicht gerecht und sollen umgebaut werden. In dem Gebäude soll eine Begegnungsstätte entstehen.
- Das Westviertel - Entwicklung und Einbindung in die Innenstadt: Die leer stehende Westpassage war ein weithin sichtbares, negatives "Aushängeschild". Ende 2010 wurde das Gebäude saniert und mit Einzelhandel und gewerblichen Nutzungen wiederbelebt.
- Ein attraktiver öffentlicher Raum als Aushängeschild der City: Der öffentliche Raum am und um den Marktplatz, vernachlässigte Randbereiche der Innenstadt und ungepflegte Eingänge sollen aufgewertet und umgestaltet werden.
- Entwicklung des Geländes der Theodor-Heuss-Schule - Wohnen an der Innenstadt und im Grünen: Auf einem ehemals durch die Theodor-Heuss-Schule genutzten Areal an der Bauna soll ein neues Wohnquartier entstehen. Die durchgrünte und innenstadtnahe Lage steht für hohe Qualitäten und einen Impuls für das Zentrum.
- Umgestaltung der Verkehrsstraßen zu attraktiven Stadtstraßen: Vierspurige Verkehrsstraßen erschließen das Zentrum und prägen die Außenwirkung. Sie sollen zu attraktiven, städtischen Straßen umgestaltet werden. Dabei kann deren Leistungsfähigkeit sogar noch verbessert werden.
Finanzierung
- Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
- Landesförderprogramm "Lokale Ökonomie"
- GVFG-Mittel
- Eigenmittel der Stadt
Projektumsetzung
| Jahr | Umsetzungsschritt |
|---|---|
| 2008 | Aufnahme in das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" |
| 2009 | Bestandsaufnahme, Akteursgespräche, Erarbeitung eines integrierten Handlungskonzeptes, Initiierung einer "lokalen Partnerschaft", Baubeginn am SB-Warenhaus |
| 2010 | Bauftragung Kernbereichsmanagement, Einrichtung eines Bürgerbüros, Erstellung einer Website, Projektvorplanungen, Umbau Herkulesmarkt und Westpassage |
| 2011 | Modernisierung von Einzelhandels- und Dienstleistungsbetrieben, Planungen zum Umbau Rathaus und Post, Durchführung Wettbewerb Öffentlicher Raum |
Besonderheiten
Der stadtbildprägende Einkaufsmarkt vor dem Umbau 2009
Quelle: Stadt Baunatal / Büro Junker und Kruse
Im Rahmen des innerstädtischen Entwicklungsprozesses werden in Baunatal Anreize für Investitionen geschaffen, indem Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung eng zusammenarbeiten: Einerseits wird mit dem Programm Lokale Ökonomie die lokale Wirtschaft gestärkt. Kleine und mittelständische Betriebe werden z. B. durch finanzielle Hilfen bei erforderlichen Investitionen, Existenzgründer z. B. durch Zuschüsse für die Ladeneinrichtung unterstützt. Auch Beratung, Schulung, Fortbildung oder Betriebs-/ Marketingkonzepte gehören zum Spektrum der Möglichkeiten dieses Förderprogramms. Weiterhin ist die Einrichtung eines Verfügungsfonds geplant. Damit sollen die lokalen Akteure zum Investieren "ermuntert" und die Wirtschaft im Zentrum angekurbelt werden. Maßgeblicher Akteur ist dabei auch die INGE-Initiative, die ein passendes Handlungskonzept erarbeitete. Die Gruppe soll durch den Verfügungsfonds noch intensiver in den Umbau des Zentrums eingebunden werden.
Lernerfahrungen
Herkules-Einkaufszentrum nach Umgestaltung 2011
Quelle: Stadt Baunatal / Büro Junker und Kruse
Die Zentrenentwicklung in Baunatal ist geprägt durch einen konsequent integrierten Ansatz sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und privaten Akteuren. Dabei soll der Aufschwung nicht nur für einige Wenige von Vorteil sein, sondern möglichst Vielen zu Gute kommen. Dieser umfangreiche Prozess wird von einem Kernbereichsmanagement professionell unterstützt. Aus diesem Vorgehen lassen sich für andere Kommunen Erfahrungen ableiten, wie insbesondere kleine und mittelständische Betriebe sowie Gebäude- und Grundstückseigentümer für eine Mitwirkung an der Weiterentwicklung der städtischen Zentren aktiviert werden können. Weitere Lernerfahrungen lassen sich durch die geplante Koppelung der BID-Initiative (INGE) mit einem Verfügungsfonds gewinnen.


