Berlin - Karl-Marx-Straße
Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Mitwirkung und Kooperation
Zusammenfassung
Die von Funktionsschwächen und Defiziten im öffentlichen Raum geprägte, traditionelle Berliner Geschäftsstraße ist der zentrale Versorgungsbereich des multikulturellen Bezirks Neukölln. Seit mehreren Jahren gibt es bereits Bemühungen, die Karl-Marx-Straße in eine erfolgreiche Einkaufstraße zu verwandeln. Die Hauptthemen Handeln, Begegnen und Erleben werden in den Handlungsfeldern "Interessen bündeln", "Platz schaffen" und "Vielfalt stärken" verfolgt. Ziele der Erneuerung sind Umbau und Aufwertung des Straßenraums, Qualifizierung des Handels und der weiteren zentralen Funktionen sowie die noch stärkere Vernetzung der Akteure.
Kontext
Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln
Quelle: Sandra Hoyn
Das Programmgebiet "Karl-Marx-Straße" liegt am südlichen Berliner Innenstadtrand im Bezirk Neukölln und gehört mit einem Einzugsbereich von ca. 300.000 Menschen zu den wichtigsten Bezirkszentren der Innenstadt. Im Stadtentwicklungsplan "Zentren" des Landes Berlin ist das Gebiet als "Hauptzentrum" definiert. Es verfügt über eine hervorragende Anbindung an den ÖPNV.
Das Gebiet ist gekennzeichnet durch eine gründerzeitliche Bebauung und das Stadtbild prägende Gebäude wie das Rathaus, das Amtsgericht Neukölln oder die ehemalige Kaiserliche Post sowie durch kulturelle Einrichtungen (z.B. Saalbau Neukölln, Neuköllner Oper). In das Fördergebiet wurde das Gelände einer ehemaligen Brauerei einbezogen, das für einen Nutzungsmix aus Einzelhandel, Kultur, Kunst, Kultur, Dienstleistungen und Wohnen entwickelt wird.
Die derzeitige Situation im Gebiet ist geprägt von Funktionsverlusten im Einzelhandel, die sich in Leerständen zentraler Immobilien und in Qualitätsverlust des kleinteiligen, häufig inhabergeführten Einzelhandels ausdrücken. Folge sind hohe Fluktuation und Zunahme von Vergnügungsstätten. Der hohen Passantenfrequenz stehen schlechte Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer sowie eine geringe Aufenthaltsqualität gegenüber. Obwohl es viele engagierte Akteure und eine hohe Mitwirkungsbereitschaft gibt, mangelt es noch an der Vernetzung untereinander. Insbesondere übergreifende Initiativen zwischen Handel, Kultur und Kunst sowie Anwohnern fehlten bisher.
Projektbeschreibung
Wochenmarkt auf dem Karl-Marx-Platz
Quelle: Sandra Hoyn
Im Rahmen des Handlungsfeldes "Interessen bündeln" soll das größte Potenzial des Gebietes – die hohe Mitwirkungsbereitschaft verschiedener Akteure – genutzt werden, indem sie in einer kooperativen Organisationsstruktur gebündelt und vernetzt werden. Dazu wurde die [Aktion! Karl-Marx-Straße] gleichzeitig als Kommunikationsplattform und als organisatorische Einheit ins Leben gerufen. Zwischen Mai 2008 und März 2009 fanden fünf Treffen des Aktionsbündnisses statt. Eine im Mai 2009 neu eingerichtete Lenkungsgruppe trifft sich einmal monatlich. Seit Februar 2010 fungiert die Lenkungsgruppe gleichzeitig als Beteiligungsgremium für den Sanierungsprozess.
Ein wichtiges Ziel der Fördermaßnahme ist die Stärkung der Struktur und Qualität von Handel und Dienstleistungen im Gebiet. In Kooperation mit privaten Akteuren/Initiativen wurden und werden die das Gebiet stark prägenden Gebäude des geschlossenen Warenhauses Hertie und der ehemaligen Kindl-Brauerei umgebaut und wieder- bzw. neu genutzt. Ein weiteres Ziel ist außerdem der Umbau und die Aufwertung der Straße und angrenzender öffentlicher Räume zur Steigerung der Aufenthaltsqualität. Dazu sollen u.a. eine fußgänger- und radfahrerfreundliche Neugestaltung des Straßenraums, die Wiedernutzung leerstehender Immobilien, die Erneuerung der gründerzeitlichen Fassaden und die Verbesserung des öffentlichen Raums durch Straßenbeleuchtung und Illumination stadtbildprägender Gebäude beitragen. Um die Vielfalt des Gebiets zu stärken, soll das Einzelhandels- sowie das gastronomische Angebot qualifiziert und ausgeweitet werden. Events wie "48 Stunden Neukölln", Kunstaktionen im öffentlichen Raum und die Wiedernutzung der leer stehenden Post, nach Möglichkeit im Rahmen der Kultur- und Kreativ-Wirtschaft, dienen der Stärkung des Kulturstandortes und seiner Wahrnehmung. Begleitend wird eine offensive Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit (Website, Newsletter, Kunstaktionen etc.) geleistet, um dem negativen Image der Karl-Marx-Straße und Nord-Neuköllns entgegenzuwirken. Schwerpunkte 2010 werden das Wettbewerbsverfahren für die Neugestaltung des Platzes der Stadt Hof, die Beauftragung eines Citymanagements sowie der Baubeginn im südlichen Abschnitt der Karl-Marx-Straße sein.
Handlungsfelder
- Handel und Dienstleistungen
- Öffentlicher Raum
- Vernetzung und Kooperation der Akteure
- Marketing und Öffentlichkeitsarbeit
- Urbane Vielfalt und ihre sektorale Ausprägung (Kultur, Ökonomie, Baustruktur, Bewohner und andere Akteure)
Einzelmaßnahmen
- Umgestaltung der Karl-Marx-Straße einschließlich angrenzender Plätze vom Verkehrs- zum Erlebnisraum
- Umgestaltung und Erweiterung des Platzes der Stadt Hof als Zentrum der Karl-Marx-Straße
- Lichtkonzept Karl-Marx-Straße
- "Neuköllner Tor" – Gestaltung des Eingangs in das Zentrum
- Wiedernutzung Post - Front Office der kreativen Karl-Marx-Straße
- Revitalisierung des ehemaligen Hertie-Warenhauses
- Entwicklung/Umnutzung der Kindl-Brauerei als Teil des Zentrums
- Erneuerung der gründerzeitlichen Fassaden
- Aufwertung des Kulturstandortes "Passage"
- Kulturfestival "48 Stunden Neukölln"
- Baustellenmarketing
- Räume entdecken - Öffnung von Innenhöfen
- Citymanagement ab 2010
Finanzierung
- Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
- Bund-Länder-Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen"
- KfW-Programm zur Modernisierung und Instandsetzung von Wohnungen
- Mittel nach Sozialgesetzbuch III (Arbeitsförderung)
- Mittel aus dem Berliner Landesprogramm Kulturelle Bildung
- Wirtschaftsdienliche Maßnahmen (EFRE)
- Eigenmittel des Bezirks Berlin-Neukölln
Projektumsetzung
| Jahr | Umsetzungsschritt |
|---|---|
| 2007 | Beschluss der Vorbereitenden Untersuchungen |
| 2008 | Erstes Treffen der [Aktion! Karl-Marx-Straße] / Beschluss des Entwicklungskonzepts durch das Bezirksamt Neukölln unter dem Motto [Aktion! Karl-Marx-Straße] |
| 2009 | Aufnahme in das Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Orts-teilzentren" / Erstes Treffen der (informellen) Lenkungsgruppe der [Aktion! Karl-Marx-Straße] / Abschluss der Vorbereitenden Untersuchungen / Umsetzung erster kleinerer Projekte |
| 2010 | Wahl der Lenkungsgruppe als formelle Vertretung / Beginn der Umsetzung von Maßnahmen / Einrichtung eines Citymanagements |
Besonderheiten
Aktion im öffentlichen Raum (Sommer 2009)
Quelle: Armin Gründler
Nach dem Vorbild der Quartiersfonds in Quartiersmanagement-Gebieten wurde bereits im Jahr 2008 ein "Aktionärsfonds" implementiert, um das Image des Gebietes und Projekte von lokalen Akteuren zu fördern, die die Karl-Marx-Straße im Rahmen der zentralen Handlungsfelder unterstützen. Die Nachfrage in den Jahren 2008 und 2009 war so groß, dass der Aktionärsfonds im Jahr 2010 zweimal aufgelegt wird. Unter dem Motto "Neukölln spinnt … ein Netzwerk der Karl-Marx-Straße" werden insbesondere Kooperationen und Vernetzung unterschiedlicher Akteursgruppen aus den Bereichen Einzelhandel, Dienstleistungen, Gewerbe und Kultur gefördert. In der ersten Runde 2010 stehen ca. 18.000 Euro aus dem Programm Aktive Zentren zur Verfügung. Die Obergrenze für die Unterstützung eines einzelnen Projektes beträgt 3.000 Euro. Bei investiven Maßnahmen ist die Erbringung eines angemessenen Eigenanteils Voraussetzung für die Vergabe von Geldern aus dem Aktionärsfonds. Dieser Eigenanteil kann in Form von Geldmitteln oder in Form von Sach- oder sonstigen Eigenleistungen vom Antragsteller erbracht werden.
Lernerfahrungen
Die Bildung einer Kerngruppe aus den Akteuren der unterschiedlichsten Gruppen an der Karl-Marx-Straße hat zu einem dynamischen und vertrauensvollen Umgang beigetragen. Die hohe Kontinuität der Teilnahme an den monatlichen Treffen signalisiert ein großes Interesse und die Bereitschaft sich in die Prozesse einzubringen.Von Beginn an war das Engagement das Kriterium für die Teilnahme an den Sitzungen der Lenkungsgruppe. Die Gruppe stand und steht allen Interessierten offen. Dennoch wuchs der Wunsch seitens der Akteure, aber auch seitens der Verwaltung und der politischen Entscheidungsträger, durch eine demokratische Legitimation eine stärkere Verbindlichkeit herzustellen. Mit der Wahl der Lenkungsgruppe wurde diesem Wunsch entsprochen. Die Lenkungsgruppe nimmt nun formal die Aufgaben der bisherigen Betroffenenvertretung im Sanierungsgebiet (§ 137 BauGB) wahr.Die frühzeitige intensive Öffentlichkeitsarbeit bewirkte nach innen und außen Veränderungen in der Wahrnehmung des problematischen Bezirks Neukölln. Grundlage aller öffentlichen Auftritte und der entwickelten Medien ist ein abgestimmtes Kommunikationskonzept. Die Kampagne der [Aktion! Karl-Marx-Straße] baute auf ein einheitliches Corporate-Design auf, das mit einem Design-Büro in Bürgerversammlungen erarbeitet wurde.


