Berlin - Turmstraße
Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Konzepte / Mitwirkung und Kooperation
Zusammenfassung
Das Quartier rund um die Turmstraße ist geprägt durch kleinteiligen Einzelhandel
Quelle: Plan und Praxis, Berlin
Das Stadtteilzentrum des Berliner Ortsteils Moabit, die Turmstraße, soll sich zu einem vielfältigen und funktionsfähigen Kern der "Moabiter Insel" entwickeln. Dabei ist der Bereich als räumliches, funktionales und identitätsstiftendes Zentrum Moabits wieder zu gewinnen. Die Ziele der Sanierung ergeben sich sowohl aus erheblichen Funktionsschwächen, die sich in fortschreitendem Verlust der vielfältigen Nutzungen und der Funktion als Einkaufs-, Versorgungs- und Wohnstandort sowie in einem Attraktivitätsverlust der Geschäftsstraße niederschlagen. Erhebliche Funktionsmängel zeigen sich auch im öffentlichen Raum, wie bspw. eine auf die Bedürfnisse des motorisierten Verkehrs zugeschnittene Straßenraumgestaltung. Die das Gebiet prägenden großen Grünanlagen Ottopark und Kleiner Tiergarten weisen ebenso Nutzungs- und Gestaltdefizite auf wie die teilweise unzureichend ausgestatteten Spielplätze. Auch das starke sozio-ökonomische Auseinanderdriften der nördlichen und südlichen Wohnquartiere ist zunehmend problematisch. Mit der Etablierung eines Geschäftsstraßenmanagements, der Umgestaltung der Grünflächen und des öffentlichen Raumes sowie einer Neuordnung der Straßen- und Kreuzungsbereiche sollen diese Probleme bewältigt werden.
Kontext
Das Gebiet Turmstraße befindet sich am westlichen Innenstadtrand von Berlin im Ortsteil Moabit des Stadtbezirks Mitte. Moabit wird durch Spree, Kanäle und Bahnflächen begrenzt, aufgrund dessen entsteht eine stadträumlich abgegrenzte "Insellage". Das Quartier ist im "Stadtentwicklungsplan Zentren" des Landes Berlin als "besonderes Stadtteilzentrum" definiert. Gründerzeitbebauung sowie Gebäude aus den 1950er und 1960er Jahren prägen die städtebauliche Struktur. Viele Bewohner haben einen Migrationshintergund.
Die Turmstraße ist eine traditionelle Geschäftsstraße, die mit Problemen des strukturellen Wandels im Einzelhandel konfrontiert ist. Sie ist gekennzeichnet durch eine hohe Dichte von Discountern und Filialisten. Die relativ "geringe" Kaufkraft wird zusätzlich durch nahegelegene bzw. schnell erreichbare Einkaufszentren aus dem Gebiet abgezogen. Die Attraktivität als Einkaufsstraße für Berliner aus anderen Stadtteilen sinkt stetig – nicht zuletzt deshalb hat das Quartier ein relativ schlechtes Image in der Bevölkerung. Durch die Schließung des Hertie-Kaufhauses im August 2009 ging dem Gebiet ein wichtiger Anker und Einkaufsmagnet verloren.
Projektbeschreibung
Die Neugestaltung der Grün- und Freiflächen wird durch ein Wettbewerbsverfahren vorbereitet
Quelle: Plan und Praxis, Berlin
Auf Grundlage der bestehenden Potenziale ist die Erhaltung, Stabilisierung und Weiterentwicklung der Vielfalt der Turmstraße und ihres Umfeldes als Ort zum Wohnen und Arbeiten, als Einkaufs-, Dienstleistungs- und Unternehmensstandort, als Ort der Versorgung mit sozialer und medizinischer Infrastruktur, mit Kultur- und Freizeitangeboten sowie als Ort der Kommunikation und der Identifikation mit dem Stadtteil angestrebt.
Mit der Einrichtung eines Geschäftsstraßenmanagements ab Herbst 2010 ist eine Stärkung des Einzelhandels- und Dienstleistungsstandortes sowie die Aufwertung und Erhöhung der Attraktivität der Geschäftsstraße vorgesehen. Mit der Ausschreibung eines landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerbes im Jahr 2010 soll die große zentrale Grünfläche des Quartiers, bestehend aus Ottopark und "Kleinem Tiergarten", umgestaltet und den Nutzungsansprüchen der Bewohner unter Bewahrung schützenswerter Bereiche angepasst werden. Der angrenzende Ottoplatz soll zu einem attraktiven Stadtplatz mit unterschiedlichen Nutzungsangeboten, insbesondere für die Ansprüche von Jugendlichen, umgestaltet werden. Ferner steht ein Verkehrs- und Gestaltungskonzept für Turmstraße / Alt-Moabit und den Ortsteil Moabit kurz vor dem Abschluss. Wesentliche Inhalte sind hier die Reduzierung der Turmstraße auf eine Fahrspur, die Herstellung von Radfahrstreifen und Querungshilfen, Verkehrsberuhigung und Erhöhung der Aufenthaltsqualität besonders für die Thusneldaallee und rund um die Arminius-Markthalle.
Eine große städtebauliche Bedeutung für das Quartier besitzt die architektonisch reizvolle Arminius-Markthalle. Die Revitalisierung der Markthalle kann einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Zentrumsfunktion, zum Abbau des Funktionsverlustes der Geschäftsstraße und zur nachhaltigen Stabilisierung der Wirtschaftskraft leisten.
Einen großen Stellenwert im Rahmen der Fördermaßnahme hat das Thema Öffentlichkeitsarbeit. Neben der Durchführung zahlreicher Informations- und Beteiligungsveranstaltungen sowie Expertenrunden wurden auch Flyer, Newsletter (Printmedium), eine Internetseite sowie einige themenbezogene Veröffentlichungen erstellt (z.B. zur "Moabiter Kochkultur" oder zur Vorstellung ausgewählter Gewerbebetriebe).
Handlungsfelder
- Prozesssteuerung, Geschäftsstraßenmanagement
- Öffentlichkeitsarbeit und kleinteilige Projekte
- Grün- und Freiflächen
- Straßenräume
Einzelmaßnahmen
- Etablierung eines Geschäftsstraßenmanagements, u.a. zur gezielten Ansprache von Eigentümern, Gewerbetreibenden und potenziellen Investoren für un- oder untergenutzte Grundstücke, Aktivierung der ethnischen Unternehmer für gemeinsames Handeln
- Unterstützung von kleinteiligen Projekten als Beitrag zur Förderung der Image- und Zentrumsentwicklung (im Bereich Kunst und Kultur, aber auch öffentlicher Raum)
- Umsetzung der aus dem Verkehrs- und Gestaltungskonzept gewonnenen Erkenntnisse: u. a. Straßenraum- und Kreuzungsgestaltung im gesamten Gebiet, Verbreiterung der Gehwege, Herstellen von Radfahrstreifen und Querungshilfen
- Umgestaltung der bedeutenden Grünflächen und Schaffen von vielfältigen Nutzungsangeboten für breite Bevölkerungsgruppen auf Grundlage der Ergebnisse des landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerbes Ottopark / Kleiner Tiergarten
- Entwicklung eines Nutzungskonzepts für den Außenraum der Arminius-Markthalle
- Qualifizierung von Spielplätzen
- Neubebauung einzelner Grundstücke, um städtebaulich wichtige Raumkanten auszubilden
- Maßnahmen zur besseren Vernetzung zwischen nördlichen und südlichen Stadtquartieren des Programmgebietes
Finanzierung
- Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
- Konjunkturpaket II der Bundesregierung
Projektumsetzung
| Jahr | Umsetzungsschritt |
|---|---|
| 2008 | Aufnahme in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Auftaktveranstaltung / Erstellung von Ausstellungstafeln |
| 2009 | Beginn Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 BauGB, Erarbeitung Verkehrs- und Gestaltungskonzept Turmstraße, Unterstützung kleinteiliger Projekte, zahlreiche öffentliche Veranstaltungen und Expertenrunden |
| 2010 | Abschluss Vorbereitende Untersuchungen, Abschluss der Verfahren zum Verkehrs- und Gestaltungskonzept sowie zum landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb, Planung und Umsetzung erster Umgestaltungsmaßnahmen, Erstellung Außenraumkonzept Arminius-Markthalle, Einrichtung eines Gebietsfonds, Unterstützung kleinteiliger Projekte. |
Besonderheiten
Die Arminius-Markthalle - stadtbildprägend für das Quartier Turmstraße
Quelle: Plan und Praxis, Berlin
Eine Stadtteilvertretung Turmstraße ist im 4. Quartal 2009 aus 33 Mitgliedern gewählt worden. Die Stadtteilvertretung erarbeitet in thematischen Arbeitsgruppen (Grün, Verkehr, Öffentlichkeitsarbeit, Nutzung, Soziales und Markthalle) Beiträge, Anregungen und Stellungnahmen. Obwohl die Stadtteilvertretung lediglich informellen Charakter hat und keine direkten Mitbestimmungsrechte besitzt, besteht ein überdurchschnittlich hohes Engagement ihrer Mitglieder. So wurden zahlreiche Veranstaltungen vorbereitet und durchgeführt sowie Informationsmaterialien hergestellt und verbreitet.
Lernerfahrungen
Das Projekt Turmstraße bietet insbesondere aufgrund seines konsequent integrierten Ansatzes vielfältige Lernerfahrungen für ähnlich gelagerte Stadtteilzentren mit Funktionsdefiziten. Hervorzuheben ist der Ansatz, die Neuordnung und Umgestaltung der Grün- und Freiflächen durch ein Wettbewerbsverfahren vorzubereiten. Auch das große Engagement und die vielfältigen Aktivitäten der Stadtteilvertretung können als beispielhaft gelten, zumal aufgrund der lediglich informellen Mitbestimmungsmöglichkeiten hier keine direkten Anreize für eine Beteiligung gesetzt wurden.


