Kassel - Friedrich-Ebert-Straße
Schwerpunkte: Konzepte / Öffentlicher Raum / Mobilität / Mitwirkung und Kooperation
Zusammenfassung
Friedrich-Ebert-Straße zwischen Annastraße und Karl-Marx-Platz. In vielen Bereichen ist die Überquerung für Fußgänger nicht gefahrlos möglich.
Quelle: Plan und Praxis, Berlin
Das Gebiet mit seiner hohen Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten, aber auch Kultur und Erholung soll als an die Innenstadt angrenzendes Stadtteilzentrum bewahrt und in seinen Funktionen gestärkt werden. Die Ziele der Sanierung ergeben sich sowohl aus einem zunehmenden Leerstand und Fluktuation von Büro- und Einzelhandelsflächen als auch durch Funktions- und Nutzungsdefizite der Straßen- und Grünräume. Bei der Umsetzung der Maßnahme wird ein integrierter Beteiligungs- und Kooperationsansatz verfolgt, der die zahlreichen im Quartier existierenden Anwohnerinitiativen umfassend einbezieht.
Kontext
Das Programmgebiet "Friedrich-Ebert-Straße" grenzt westlich an das Stadtzentrum an und ist aufgrund der Bebauungsstruktur in zwei Teile geteilt. Die Friedrich-Ebert-Straße ist das verbindende Element zwischen dem östlichen, nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgebauten Teil bis zur Annastraße und dem westlichen, durch gründerzeitliche Bebauung geprägten Teilquartier. Sie bildet das Rückgrat dieses hochverdichteten Stadtteils und zeichnet sich durch viele inhabergeführte Ladengeschäfte aus. Das Quartier ist ein wichtiger Standort für Arbeitsplätze, Dienstleistungen jeder Art und für bekannte Cafés, Restaurants und Kneipen. Der Stadtteil "Vorderer Westen" ist insgesamt ein attraktives Wohnquartier mit teils historischer Bausubstanz. Trotz dieser Stärken nehmen Leerstand und Fluktuation immer mehr zu, das Straßenbild wirkt teilweise vernachlässigt und die Laufkundschaft der Geschäfte geht zurück. Vor allem im Ostabschnitt stellt die breite Verkehrsachse eine behindernde Barriere dar.
Projektbeschreibung
Gestaltungsvorschlag für den Umbau der Friedrich-Ebert-Straße. Für Fußgänger wird die Überquerung der Straße einfacher.
Quelle: Stadt Kassel, Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht
Der bereits 2007 gegründete Runde Tisch zwischen den beiden Ortsbeiräten Mitte und West, der Stadt Kassel und dem Stadtteilverein regte früh eine Bürgerbeteiligung und Diskussionen an. Auf dieses Netzwerk zurückgreifend wurde zügig ein Arbeitsprogramm entwickelt, welches sich zum einen auf bauliche Maßnahmen wie die Aufwertung der Straßen- und Grünräume, die Wiedernutzung von Brachflächen und einzelne Neubauprojekte konzentriert, zum anderen mit einem Leerstandsmanagement und einem Marketingkonzept für das Sanierungsgebiet darauf ausgelegt ist, positive Impulse für das Viertel zu setzen. Mit Modellprojekten wie "Eigentümer helfen Eigentümern" und "Leerstand als Chance" soll privates Engagement im Quartier angestoßen werden.
Handlungsfelder
- Neuordnung des Verkehrs
- Aufwertung der öffentlichen Räume
- Sicherung und Ausbau des Einzelhandels
- Stärkung des Wohnens
- Sicherung und Ausbau der Kulturszene
- Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit
- Privat-öffentliche Kooperation
- Standortvermarktung (Marke Friedrich-Ebert-Straße)
Einzelmaßnahmen
- Umgestaltung des Straßenraums und der Kreuzungsbereiche
- Vernetzung von Grünflächen
- Erstellen eines Gesamtkonzeptes "Ruhender Verkehr" für das Quartier
- Einrichten von Bürgerräumen in kirchlichem Gemeindehaus
- Aufwertung der Innenhöfe im westlichen Bereich des Quartiers
- Neues Wohnen und Arbeiten an der Samuel-Beckett-Anlage
- Wiedernutzung verschiedener Brachflächen durch Aufwertung und Nachverdichtung
- Einrichten von Wirtschaftsgärten für die Gastronomie
- Aufbau eines Leerstandsmanagements und eines Marketingkonzeptes
Finanzierung
- Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
- Fördermittel für kommunale Verkehrsprojekte (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz)
Projektumsetzung
| Jahr | Umsetzungsschritt |
|---|---|
| 2007 | "Runder Tisch Friedrich-Ebert-Straße" zwischen lokalen Akteuren und der Stadt Kassel |
| 2008 | Aufnahme in das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" |
| 2009 | Bestandsaufnahme, Akteursgespräche, Perspektivenwerkstatt, teilräumliche Projektwerkstätten, Erarbeitung eines integrierten Handlungskonzeptes, Initiierung einer "lokalen Partnerschaft", |
| 2010 | Beauftragung eines Kernbereichsmanagements, Umsetzung von Startermaßnahmen (öffentlich hoch wirksam) |
Besonderheiten
Die Umsetzung der Fördermaßnahme wird begleitet durch eine intensive Kommunikation mit den Anwohnern und den lokalen Akteuren.
Quelle: Stadt Kassel, Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht
Das Programmgebiet Friedrich-Ebert-Straße in Kassel ist eines der bislang wenigen Beispiele für ein Stadtteilzentrum im Rahmen des Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren". Eine weitere Besonderheit ist das bereits vor Aufnahme in das Programm sehr breite bürgerschaftliche Engagement in Gestalt von unterschiedlichen Anwohnervereinen und Initiativen. Die Berücksichtigung möglichst aller vorhandenen Gruppierungen und die Bündelung ihrer jeweiligen Einzelinteressen stellt eine besondere Herausforderung für den Kommunikations- und Beteiligungsprozess in diesem Fördergebiet dar.
Lernerfahrungen
Das Projekt steht beispielhaft für die strukturierte Erstellung eines integrierten Handlungskonzeptes unter Einbeziehung eines breiten Akteursspektrums. Der angestoßene Kommunikations- und Beteiligungsprozess umfasst zahlreiche bereits zuvor bestehende Anwohnerinitiativen und bezieht auch andere Gruppierungen sowie weitere Akteure, wie z.B. im Gebiet ansässige Einzelhändler und Behörden mit ein.
Bereits in der Diskussionsphase zum Integrierten Handlungskonzept zeigen sich schon erste Erfolge: Die Nachfrage nach Ladengeschäften bzw. gewerblich nutzbaren Flächen nimmt deutlich zu, lange leerstehende Flächen werden jetzt wieder genutzt und die Neunutzung von freiwerdenden Läden erfolgt nahezu umgehend.
Am gewählten Kommunikations- und Beteiligungsprozess zeigt sich, dass ein frühzeitiges, umfassendes und transparentes Verfahren die privaten Potenziale und deren Gestaltungswillen schnell aktiviert.


