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Brockwitz

Typ: Artikel

Haushebung im Überschwemmungsgebiet im Elbedorf Brockwitz (Coswig)

Das Bild zeigt ein Modell von den Hebemöglichkeiten von drei Häusern.

Quelle: Stadt Coswig

Zeitschiene: 2021 - 2026

Städtebauliche Herausforderungen:
Das über 1000 Jahre alte Dorf Brockwitz ist in seiner Entwicklung hinter anderen ländlich geprägten Ortsteilen der sächsischen Stadt Coswig und ihrer Umgebung zurückgefallen. Mitten durch den Ort verläuft eine unsichtbare Grenze, die den hoch liegenden und weitgehend überschwemmungsfreien Teil des Dorfes von der tiefer gelegenen Niederseite trennt. Die Niederseite ist im 18.-20. Jahrhundert bebaut worden, teilweise mit Gebäuden, die heute unter Denkmalschutz stehen. Die Hochwassergefahr hat seit der Jahrtausendwende zugenommen. Die Niederseite wurde in den Jahren 2002 und 2013 überflutet, im Jahr 2006 konnte eine Katastrophe um Haaresbreite abgewendet werden. Viele Bewohner der Niederseite sehen keine Bleibeperspektive mehr. Es drohen der Verfall der denkmalgeschützten Bausubstanz und damit der Verlust einer städtebaulichen Seite des Straßendorfes.

Ein Deichbau in klassischer Art und Weise ist zum Schutz des Ortes aufgrund der Spezifik und Lage des Ortes sowie der sich daraus ergebenden Besonderheiten technisch nicht umsetzbar.

In dieser Situation ersann die Stadtverwaltung Coswig eine innovative Alternative: Die Hebung der Gebäude auf der Niederseite einschließlich der denkmalgeschützten Objekte und die anschließende Aufschüttung des Geländes. Projektvorbereitend wurde der Ort mit seiner spezifischen Lage sehr umfangreich untersucht und die Möglichkeiten des Hochwasserschutzes wurden im Rahmen des Forschungsprojektes „HUeBro“ erarbeitet. Dazu wurden die Teilbereiche: Hydrologie, Hydraulik, Wasserbau, Geotechnik, Natur und Landschaft, Denkmalschutz (Kulturdenkmale, historische Dorflage), Ortsbild, Gebäudeanalyse, Orts- und Freiraumplanung, Architektur und Technologie, Bewertung möglicher Folgen des Vorhabens, Schadenspotentialvergleich, Nachhaltigkeit analysiert.

Beteiligt waren hierbei:

  • Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWWN), TH Nürnberg
  • Institut für Hydrologie und Meteorologie (IHM), TU Dresden
  • Institut für Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege (IBAD), TU Dresden
  • Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur (DSAI), TH Ostwestfalen‐Lippe
  • Leibniz‐Institut für ökologische Raumentwicklung e.V. (Dresden)

Ziele des Modellvorhabens:
Anpassung des mehr als 1000 Jahre alten, teilweise denkmalgeschützten Elbdorfes Brockwitz an die gestiegene Hochwassergefahr mittels Haushebungen als Alternative zu Deichbauten.

Geplante Maßnahmen:
Es sollen 24 Wohnhäuser und sieben Nebengebäude gehoben werden. Zudem sollen alle kulturhistorisch und städtebaulich relevanten Gebäude mit einbezogen werden. 35 Nebengebäude sollen als Ersatzneubau, teilweise unter Verwendung alter Bauteile, errichtet werden. 2 Straßen müssen angehoben und anschließend neu errichtet werden.