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Erfurt

Typ: Artikel

Neue Mitte Süd-Ost

Das Bild zeigt einen weißen Transporter in einer Mehrfamilienhaus-Siedlung.

Quelle: Matthias Pöhler

Zeitschiene: 2020-2026

Städtebauliche Herausforderungen:
Die drei Großwohnsiedlungen aus den 1970er und 1980er Jahren im Südosten der Stadt Erfurt, der Herrenberg, der Drosselberg und der Wiesenhügel, sind seit Mitte der 1990er Jahre in überdurchschnittlichem Maße von vielfältigen sozialen Problemlagen geprägt. Zu Beginn der 2000er Jahren waren hier infolge hoher abwanderungsbedingter Leerstände umfangreiche Rückbaumaßnahmen im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost erfolgt. Im Ergebnis des Rückbaus und verstärkt durch die Trendumkehr bei der Einwohnerentwicklung haben sich diese Stadtteile inzwischen zwar einwohnermäßig wieder stabilisiert, die soziale Spaltung gegenüber dem übrigen Stadtgebiet hat sich jedoch weiter verschärft. Zudem hat sich der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund seit 2015 mehr als verdreifacht.
Alle drei Stadtteile befinden sich in isolierten topographischen Lagen, was ihre Trennung zum Stadtgebiet weiter verstärkt hat. In Tallage befindet sich der alte, weitgehend intakte, aber mit dem Bau der Großwohnsiedlungen beschnittene und von ihnen umschlossene Ortsteil Melchendorf. Zwischen den Stadtteilen bestehen nur rudimentäre stadtstrukturelle Anknüpfungspunkte. Dieser städtebaulichen Situation geschuldet, hat sich trotz mehrerer vorhandener Stadtteilzentren nicht durchgehend ein klares Bezugssystem der Stadtteile auf ihr jeweils eigenes Stadtteilzentrum herausbilden können.

Ziele des Modellvorhabens:
Mit dem Modellvorhaben soll erprobt werden, wie die bestehenden städtebaulichen und sich verschärften sozialen Missstände in den Großwohnsiedlungen im Erfurter Südosten durch eine grundlegend veränderte Einpassung in das umgebende Stadtgebiet und ihre räumlichen und freiraumplanerischen Bezugssysteme behoben werden können.
Das übergeordnete Ziel besteht darin, der weit verbreiteten sozialen Spaltung innerhalb von Städten mit einem umfassenden Paket städtebaulicher Maßnahmen entgegen zu wirken und diese Stadtteile der sich abgehängt fühlenden benachteiligten Bevölkerung durch Sorgfalt und Wertschätzung wieder zu gleichwertigen Teilen der Stadt werden zu lassen.

Konkret werden folgende Ziele verfolgt:

  • Entwicklung von Modernisierungs- und Anpassungsstrategien für den klimagerechten Umbau,
  • Schaffung von Infrastruktur für neue, zukunftsorientierte Mobilitätsformen,
  • Nachverdichtung und Multifunktionalität im Stadtteil durch Nebeneinander von Sport, Wohnen, Freizeit und Gewerbe und
  • Stärkung des sozialen Zusammenhalts und der Identifikation mit den Stadtteilen.


Geplante Maßnahmen:
Die oben genannten Ziele sollen durch neue hochwertig gestaltete öffentliche Raum mit hoher stadträumlicher und Aufenthaltsqualität, die eine positive Identifikation und Selbstdefinition der Bewohner aller vier umgebender Stadtteile ermöglichen, erreicht werden. Die Indikation wie auch die Lösungsansätze reagieren auf deutschlandweit, wahrscheinlich europaweit bestehende Problemlagen und können damit auch einen Beitrag für mehr gegenseitiges Voneinander-Lernen aus dem Erfahrungsschatz der Städtebauförderung leisten.