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Berlin - Müllerstraße

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Konzepte / Wohnen / Öffentliche Einrichtungen / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Das Stadtteilzentrum Müllerstraße soll als Zentrum des Berliner Stadtteils Wedding in seinen Qualitäten für die Bewohner und für Besucher wieder stärker ins Bewusstsein rücken und seinen Status als Hauptzentrum entsprechend des Berliner Zentrenentwicklungsplans behalten. Der auf eine soziale Stadtentwicklung ausgerichtete Handlungsansatz leitet sich aus einer umfassenden empirischen Analyse im Rahmen zahlreicher gesamtstädtischer und teilräumlicher Konzepte ab. Defizite hinsichtlich der Gestaltung des öffentlichen Raums, der Eingangs- und Übergangsbereiche und der Platzgestaltung erforderten den Anstoß einer gesteuerten Entwicklung. Von großer Bedeutung für die Programmumsetzung sind Maßnahmen in den Bereichen öffentlicher Raum, öffentliche Einrichtungen/ Infrastruktur, Mitwirkung und Kooperation.

Kontext

Die Müllerstraße, eine der längsten Einkaufsstraßen Berlins, ist ein Zentrum im Stadtteil Wedding (Bezirk Mitte). Die Bebauung der Müllerstraße erfolgte nach der Jahrhundertwende im Zuge der Industrialisierung. Es überwiegt eine geschlossene Blockbebauung mit stadträumlich bedeutenden Plätzen. Ein für die weitere Entwicklung des Quartiers wichtiges Potenzial besteht in seinem baukulturellen Wert. Die Müllerstraße ist geprägt durch misch- und kerngebietstypische Nutzungen, in den oberen Geschossen und den Seitenstraßen auch durch Wohnnutzungen. Das Gebiet verfügt über zahlreiche Infrastrukturstandorte sowie Freizeit- und Erholungsangebote, öffentliche Spiel- und Stadtplätze und großflächige Nutzungen großer Unternehmen und eine Hochschule (Beuth Hochschule).

Vor der Aufnahme in das Zentrenprogramm 2009 wurden 20 Jahre lang keine Aufwertungsmaßnahmen durchgeführt. Das Gebiet wies zahlreiche städtebauliche und funktionale Missstände auf. Die Müllerstraße als Durchgangsstraße mit hoher Kfz-Frequenz, Gestaltungsmängeln im öffentlichen Raum, wie zum Beispiel fehlenden Radverkehrsanlagen, der im stadtweiten Vergleich hohe Wohnungsleerstand von 10 bis 15 Prozent sowie der Strukturwandel im Einzelhandel, verbunden mit einer Abwertung des qualitativen Angebots auf der Müllerstraße, zeigten den Handlungsbedarf auf. Das Gebiet hatte ein tendenziell negatives Image in der Innen- und Außenwahrnehmung. Mittlerweile konnten wichtige Maßnahmen der Zentrenentwicklung umgesetzt werden, zum Beispiel wurde der Leopoldplatz aufgewertet, die Schillerbibliothek neu gebaut und es haben sich tragfähige Akteursstrukturen etabliert. Eine positive Entwicklungsdynamik – auch ausgelöst durch das Bevölkerungswachstums Berlin – hat sich eingestellt.

Projektbeschreibung

Die Umsetzung der Gesamtmaßnahme ist durch einen integrierten Ansatz geprägt, der konsequent verfolgt wird. Zudem wird ein hoher Anspruch an die Beteiligung der für das Gebiet ins Leben gerufenen Stadtteilvertretung, als auch mit den Anwohnern und Initiativen, wie dem "Runden Tisch Leopoldplatz" gepflegt. So entstanden Impulse auch für private Projekte, die die Zielstellung des integrierten Handlungskonzeptes aufgreifen. Mit der Koordination, Betreuung und Kommunikation des Gesamtprozesses und der vielen unterschiedlichen Gremien ist seit 2011 ein Prozessmanagement beauftragt.

Ziel der Gesamtmaßnahme ist es, die Müllerstraße als attraktives, wirtschaftliches Zentrum zu stärken, neue Potenziale durch Mitwirkung und Partnerschaften vor Ort zu erschließen und sie gleichzeitig als Ort des Wohnens, der Bildung, Kultur und der Freizeit zu erhalten und weiterzuentwickeln. Vor dem breiten konzeptionellen Hintergrund ist die Umsetzung von Maßnahmen im Zentrenprogramm auf eine ausgleichende soziale Stadtentwicklung orientiert.

Die Realisierung von Neubauten zur Stärkung des Gebietes als Handels- und Kulturort geht einher mit der Umgestaltung von öffentlichen Plätzen und des Straßenraumes. Mit breiter Bürgerbeteiligung wurde ein Verkehrs- und Gestaltungskonzept erarbeitet. Bildungseinrichtungen im Gebiet werden auf der Grundlage eines Standortentwicklungskonzeptes vernetzt (Anbindung der Beuth Hochschule an die Müllerstraße; Verbindung zwischen dem Virchow-Klinikum (Charité), dem Leopoldplatz und den lokalen Bildungs- und Kultureinrichtungen).

Zur Stärkung des Einzelhandels in der Müllerstraße wurde 2011 ein Geschäftsstraßenmanagement eingerichtet, das eine Standortgemeinschaft initiierte und bis heute unterstützt, die lokalen Einzelhändler vernetzt und monatlich ein Händlerfrühstück organisiert. Im Jahr 2015 hat das Geschäftsstraßenmanagement in Zusammenarbeit mit der Standortgemeinschaft ein Zentrumskonzept erarbeitet, das der Steuerung des Branchenmixes im Hauptzentrum Müllerstraße dient.

Um die Kultur- und Bildungsangebote in der Müllerstraße auszubauen, wurde die Bibliothek am Rathausplatz durch einen Neubau erweitert. Sie hat sich seit der Eröffnung im Jahr 2015 zu einem Bildungs- und Lernzentrum entwickelt und ist wichtiger Anziehungspunkt in der Müllerstraße.

Zentral für die Gesamtmaßnahme ist außerdem die Aufwertung des öffentlichen Raums und die Schaffung von Aufenthaltsorten für unterschiedliche Alters- und Nutzergruppen. Der Leopoldplatz wurde zwischen 2011 und 2013 umgestaltet. In der Vergangenheit insbesondere durch Konflikte mit Alkohol- und Drogenkonsumenten, Mangel an Sauberkeit und Instandsetzungsbedarf gekennzeichnet, konnten durch die Umgestaltung die vorhandenen Qualitäten wie die Schinkelkirche, Spiel- und Aufenthaltsbereiche, Wochenmarkt etc. wieder stärker hervorgehoben werden. Seine Umgestaltung gilt auch über die Grenzen Berlins hinaus als Modell für die Entschärfung von Interessenskonflikten ohne Verdrängung und mit Beteiligung der betroffenen Anwohner, Akteure und Initiativen ("Runder Tisch Leopoldplatz") sowie der Polizei, dem Ordnungsamt und der Verwaltung des Bezirks Mitte von Berlin.

Der Rathausplatz, neben dem Leopoldplatz einer der zentralen Plätze des Weddings, wird seit 2015 umgestaltet. Hier entstehen vier Teilräume mit unterschiedlichen Funktionen: Ein Stadtplatz an der Müllerstraße, ein Baumhain entlang des alten Rathauses, ein Lesegarten in Bibliotheksnähe und eine Rasenfläche in Richtung Genter Straße. Auch der Zeppelinplatz wird derzeit nach einem intensiven Beteiligungsverfahren umgebaut. Ein Teilbereich ist bereits fertig gestellt. Hier wurde ein Kinderspielplatz grundlegend erneuert und eine Grünfläche für Erholungszwecke umgestaltet. Der Platz wird damit seiner Funktion als Quartiersplatz für die steigende Zahl an Familien im Quartier besser gerecht.

Auch weitere repräsentative öffentliche Räume wurden umfassend umgestaltet: Der Zeppelinplatz, direkt angrenzend an den Campus der Beuth-Hochschule, wurde zwischen 2014 und 2017 nach einem intensiven Beteiligungsverfahren umgebaut. Hier wurde ein Kinderspielplatz grundlegend erneuert und eine Grünfläche für Erholungszwecke umgestaltet. Der Platz wird damit seiner Funktion als Quartiersplatz für die steigende Zahl an Familien im Quartier besser gerecht.

Am Max-Josef-Metzger-Platz, der eine wichtige Fußwegeverbindung zwischen zwei Teilquartieren im Fördergebiet darstellt, wurde ein "Freizeit- und Sportband" geschaffen. Dies beinhaltet eine neue Laufstrecke und verschiedene Aktivitätsangebote, wie beispielsweise eine Sitz- und Kletterlandschaft. Die große Liegewiese wurde erhalten und der vorhandene Spielplatz an der Gerichtsstraße unter dem Motto "einen Bogen schlagen" erneuert. Wegeachsen wurden begradigt und zusätzlich besser beleuchtet. Eine "Workout-Anlage" und ein Trinkbrunnen ergänzen die Laufstrecke rund um den Platz. Besonderheit der Neugestaltung ist das neue Informationssystem. Bronzetafeln beschreiben das Leben und Wirken des Priesters Max-Josef Metzger, der aufgrund seiner pazifistischen Überzeugungen von den Nationalsozialisten 1944 hingerichtet wurde. Die Laufstrecke wird neben Streckenangaben um farbig aufgebrachte Wörter in Esperanto ergänzt, einer Sprache, für die sich Max-Josef Metzger zeitlebens einsetzte. Die Geschichte des Platzes, Informationen zur so genannten Trümmersäule und zur Botanik werden auf Holzpodesten dargestellt.

Wichtiges Instrument zur Aktivierung von Engagement ist der Verfügungsfonds, in Berlin Gebietsfonds genannt. Mit ihm werden zum Beispiel Veranstaltungen gefördert, die die aufgewerteten Aufenthaltsorte beleben. Unter anderem werden die sozialen und kulturellen Veranstaltungen "Musik im Kiez", "Iftar-Essen auf dem Leopoldplatz", "Mein Wedding³" und die "Galerie Schaumschlag" gefördert.

Handlungsfelder            

  • Öffentlicher Raum und Straßenraum
  • Kultur und Bildung
  • Prozessmanagement und Beteiligung
  • Geschäftsstraßenmanagement und Image
  • Sozialer Zusammenhalt

Einzelmaßnahmen

  • Prozessmanagement (seit 2011)
  • Geschäftsstraßenmanagement und Initiierung einer Standortgemeinschaft (seit 2011)
  • Erarbeitung eines Verkehrs- und Gestaltungskonzept für die Umorganisierung des Radverkehrs in der Müllerstraße mit einer teilweisen Umgestaltung der Mittelstreifens sowie einer Aufwertung der Seitenräume (2011)
  • Einrichtung eines Gebietsfonds (2012)
  • Erarbeitung Kommunikationskonzept (2012)
  • Umgestaltung des Leopoldplatzes und Einrichtung eines sozialen Platzmanagements unter Einbindung aller betroffenen Akteure und Anwohner (Fertigstellung 2013)
  • Erarbeitung eines Zentrumskonzeptes (2015)
  • Erweiterung und Ausbau der Schiller-Bibliothek (Fertigstellung 2015)
  • Umbau des Zeppelinplatzes (Fertigstellung 2017)
  • Umgestaltung des Rathausplatzes (seit 2015)
  • Umbau des Max-Josef-Metzger-Platzes und Neugestaltung der Sport- und Spielflächen (Fertigstellung 2019)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Erstellung eines integrierten Entwicklungskonzeptes als Wettbewerbsbeitrag (Teilnahmewettbewerb Aktive Zentren Berlin)
2009Aufnahme in das Zentrenprogramm, Beauftragung Prozessmanagement, Auftaktveranstaltung, Wahl Stadtteilvertretung, städtebauliche Studie zur Erweiterung der Schillerbibliothek
2010Abschluss Vorbereitender Untersuchungen, Beginn der Planungen zur Umgestaltung des Leopoldplatzes, Realisierungswettbewerb Schillerbibliothek
2011Festlegung des Sanierungsgebietes gemäß § 142 BauGB, Beauftragung eines Geschäftsstraßenmanagements und Initiierung eines regelmäßigen "Händlerfrühstücks", Aufstellung eines Verkehrs- und Gestaltungskonzeptes, Beginn der Umgestaltung des Leopoldplatzes
2012Beginn des ersten Bauabschnitts der Umgestaltung des Straßenraumes der Müllerstraße, Vorstellung Kommunikationskonzept, Eigentümerinformation zum Rahmen- und Entwicklungskonzept, Einrichtung des Gebietsfonds
2013Fertigstellung der Umgestaltung des Leopoldplatzes
2015Eröffnung der Schiller-Bibliothek, Beginn der Umbauarbeiten am Rathaus- und Zeppelinplatz, Erarbeitung Zentrumskonzept
2016Eröffnung des umgestalteten Kinderspielplatzes auf dem Zeppelinplatz
2017Abschluss der Umgestaltung des Zeppelinplatzes, Beginn der Umgestaltung am Max-Josef-Metzger-Platz
2019Abschluss Umgestaltung des Max-Josef-Metzger-Platzes


Besonderheiten

Neubau Schillerbibliothek Neubau SchillerbibliothekNeubau Schillerbibliothek Quelle: Plan und Praxis, Berlin

In der Müllerstraße kommen neben den Mitteln aus dem Zentrenprogramm seit 2009 auch Mittel aus dem Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz zum Einsatz. 

Im Rahmen der Voruntersuchung für das Sanierungsgebiet Müllerstraße wurden die Förderprogramme Aktive Stadt- und Ortsteilzentren und Städtebaulicher Denkmalschutz zusammengeführt. Seit 30.03.2011 ist das Gebiet als Sanierungsgebiet gemäß § 142 BauGB ausgewiesen.

Das Berliner Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2008 wies für Berlin fünf großräumige Gebiete, die sogenannten "Aktionsräume plus", mit besonders komplexen Problemlagen aus. Senat und Bezirke konzentrierten in diesen Gebieten im Zeitraum zwischen 2009 und 2015 ihre Aktivitäten für eine Verbesserung der sozialräumlichen und städtebaulichen Entwicklung. Dafür wurden eigene Städtebaufördergebiete förmlich abgegrenzt. Das Fördergebiet, das auch die Müllerstraße tangiert, liegt im Aktionsraum plus "Wedding/ Moabit" und grenzt an das Quartiersmanagementgebiet Pankstraße und Sparrplatz. Es besteht ein Austausch der Akteure innerhalb des "Aktionsraums plus" und im Rahmen von themenbezogenen Veranstaltungen, an denen auch Vertreter der beteiligten Verwaltungen teilnehmen.

Lernerfahrungen

Die Koordinierung der Mitwirkung und Kooperation sowie der Öffentlichkeitsarbeit erfolgt auf Grundlage eines Kommunikationskonzeptes, das im Jahre 2012 erstellt wurde. Neben dem Prozessmanagement und dem Geschäftsstraßenmanagement gibt es eine im Rahmen der Auftaktveranstaltung 2009 gewählte Stadtteilvertretung. Ein Beirat aus den zuständigen Mitarbeitern des Bezirksamts, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, dem Prozessmanagement und einem Vertreter der Stadtteilzeitung "Ecke Müllerstraße" begleitet die Programmumsetzung. Ein Vor-Ort-Büro wird von Prozessmanagement, Geschäftsstraßenmanagement und der Stadtteilvertretung gemeinsam genutzt.

Die breite Beteiligung und die Umgestaltungen führten zu Erfolgen. So wurden Konflikte gelöst und der öffentliche Raum aufgewertet. Bei der Umgestaltung von Stadtplätzen wurden auch Kinder- und Jugendliche gezielt in den Planungsprozess eingebunden. Dadurch konnten wichtige Anregungen für die Neugestaltung gewonnen und auf spezifische Bedürfnisse reagiert werden. Zudem leistete ihr aktiver Einbezug einen Beitrag zur Stärkung der Identifikation mit dem Stadtteil.

Wie in allen Fördergebieten des Landes Berlin erfolgen Monitoring und Selbstevaluierung auch im Sanierungsgebiet Müllerstraße systematisch über jährliche Sachstandsberichte und Berichte zur Gesamtmaßnahme an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und deren jeweiligen Programmbeauftragten. Im Rahmen von zweimal jährlich stattfindenden Fördergesprächen, an denen unter anderem Prozessmanagement, Bezirksvertreter, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie der Programmbeauftragte für Aktive Zentren teilnehmen, wird der Stand der Programmumsetzung reflektiert. Diese strukturierte und regelmäßige Evaluierung trägt dazu bei, dass kurzfristig Hemmnisse in der Programmumsetzung beseitigt werden können und effektiv nachgesteuert werden kann.

Zusatzinformationen

Bundesland

Berlin


Gemeinde

Berlin (Bezirk Mitte, Ortsteil Wedding)


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

voraussichtlich 2026


Größe des Gebietes

76,7 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2018: circa 6.952.629 Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Bezirksamt Mitte von Berlin
Stadtentwicklungsamt
Müllerstraße 146/147
13353 Berlin
Telefon: +49 30 9018-45409
E-Mail:stadtplanung@ba-mitte.berlin.de


Beauftragte für das Programmgebiet
Jahn, Mack & Partner
Alt Moabit 73
10555 Berlin
Telefon: +49 30 85757726
E-Mail:muellerstrasse@jahn-mack.de


Links / weitere Informationen

Informationsportal der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Stadtteilvertretung Müllerstraße
Informationsportal "Aktives Stadtzentrum Müllerstraße"

Stand

Oktober 2019

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