Navigation und Service

Hallstadt - Neue Stadtmitte

Schwerpunkte: Konzepte / Öffentlicher Raum / Mobilität / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Das Projektgebiet liegt im Zentrum der Stadt und ist Teil des historischen Kerns. Die Innenstadt hat mit einem erheblichen Kaufkraftabfluss zu kämpfen, der durch die Errichtung von randstädtischen Gewerbegebieten mit großen Filialisten ausgelöst wurde. Mit der Förderung aus dem Zentrenprogramm soll eine qualitätsvolle neue Stadtmitte konzipiert und realisiert werden. Als zielführender Rahmen wird ein gesamtstädtisches Einzelhandelskonzept entwickelt und umgesetzt.


Kontext

Die Stadt Hallstadt (9.000 Einwohner) liegt im fränkischen Maintal in unmittelbarer Nähe zu Bamberg. Die Zweiteilung der Stadt in den historischen Kern mit Wohngebieten im Norden sowie umfangreichen Gewerbegebieten im Süden und Osten wird durch die Lage an der Autobahntrasse (BAB 70) verstärkt. Das Hallstädter Stadtzentrum ist geprägt von überwiegend kleinteiliger Bebauung mit zahlreichen Baudenkmälern, die sich um einen historischen Marktplatz gruppieren. Bis vor wenigen Jahren bestand eine sehr hohe Verkehrsbelastung durch die enge Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 4. 2013 wurde sie in eine Ortsstraße umgewidmet. Dies eröffnete Möglichkeiten für ihren stadtverträglichen Umbau und die Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Stadtmitte. Bis zur Umwidmung war die Hauptstraße als Aufenthaltsort kaum nutzbar. Aufgrund dieser schwierigen stadträumlichen Situation und der großflächigen Gewerbegebiete am Stadtrand blieben im alten Stadtzentrum nur noch wenige Einzelhandelsgeschäfte erhalten. Es existieren jedoch unzureichend genutzte zentrumsnahe Flächen, die sich für die Etablierung einer neuen Stadtmitte anbieten. Deren Entwicklung erfolgt auf Basis eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts mit Hilfe eines Architektenwettbewerbs. Dazu wurde ein Quartiersmanagement installiert. Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie weiterer lokaler Akteure hat einen hohen Stellenwert.

Projektbeschreibung

In Hallstadt ist ein stark auf die Innenstadt fokussierter, breit und offen angelegter Stadtentwicklungsprozess eingeleitet worden, der durch integriertes Handeln auf mehreren Ebenen geprägt ist.

Von strategischer Bedeutung war die Erarbeitung eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts (SEK). Ab Juli 2009 wurden dafür folgende Themenschwerpunkte von Fachgutachtern umfassend untersucht: Demographie und soziale Infrastruktur, Wirtschaft und Regionalentwicklung, Einzelhandel, Wohnungswesen, Tourismus / Sport / Freizeit / Kultur, technische Infrastruktur und Umwelt, Energie und Klimaschutz, Natur und Landschaft, Stadtplanung, Verkehr und Umwelt. Gemeinsam mit dem Stadtrat wurden Ziele für die zukünftige Entwicklung Hallstadts erarbeitet. Wesentlicher Bestandteil war die aktive Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, die sich in mehreren Zukunftswerkstätten zu den (Zwischen-)Ergebnissen der einzelnen Fachgutachten einbringen konnten. Im Jahr 2010 wurde das Stadtentwicklungskonzept fertiggestellt.

Zentraler Baustein des Stadtentwicklungskonzeptes ist die städtebauliche Weiterentwicklung und behutsame Umgestaltung des Innenstadtbereichs von Hallstadt (circa zwei Hektar). Dafür sollten Flächen, die unmittelbar an den historischen Marktplatz grenzen, umstrukturiert und kleinteilig bebaut werden. Ziel ist die Aufwertung des öffentlichen Raums, eine Verkehrsberuhigung und die Erhöhung der Aufenthaltsqualität. Derzeit erfolgt die Umgestaltung des historischen Marktplatzes, des Kirchenumfeldes und der Lichtenfelser Straße (ehemalige Bundesstraße) auf Grundlage des unter Einbindung der Bürgerschaft erarbeiteten Plankonzepts aus dem Jahr 2015.

Um eine hohe architektonische Qualität für den Umbau der Innenstadt zu sichern und innovative Lösungsansätze zu ermöglichen, wurde 2009 in einem aufwendigen Workshopverfahren ein Architekten-Wettbewerb durchgeführt, zu dem acht Architektenteams eingeladen wurden. Im Rahmen eines mehrtägigen Werkstatttreffens wurden vor Ort erste städtebauliche Konzepte für die "Neue Stadtmitte Hallstadt" entwickelt und anschließend vertiefend bearbeitet. Eine Jury aus Vertretern der Stadt und externen Gutachtern wählte den Siegerentwurf aus. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Ausstellung präsentiert und mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Zentrale Maßnahme ist die Errichtung der sogenannten Marktscheune mit Lebensmittelmarkt als Nutzungsmöglichkeit für öffentliche, örtliche und überörtliche Veranstaltungen.

Im Sommer 2011 berief die Stadt Hallstadt eine öffentlich-private Lenkungsgruppe zur Projektsteuerung ein, die mit Vertretern des Stadtrats sowie Vertretern der SEK-Arbeitskreise besetzt ist. Die Lenkungsgruppe ist Entscheidungsgremium für den Verfügungsfonds (in Bayern: Projektfonds) und trifft sich circa viermal im Jahr. Die Koordination der Lenkungsgruppe hat Ende 2011 das Quartiersmanagement übernommen, das in diesem Rahmen auch über den jeweiligen Projektstand in der Lenkungsgruppe informiert.

Das Quartiersmanagement soll den innerstädtischen Entwicklungsprozess vorantreiben. Die Aufgaben und Ziele sind die Stärkung der Wirtschaft und die Reduzierung des Gebäudeleerstands, die Aufwertung des öffentlichen Raumes im Ortskern, die Schaffung eines geeigneten Nahversorgungsangebotes sowie die Fördermittelberatung. Das Quartiersmanagement verfolgt die Absicht, bürgerliches Engagement hinsichtlich der Umsetzung einzelner Projekte zu fördern und die Zusammenarbeit privater und öffentlicher Akteure zu verstärken.

Ein entscheidender Schritt war im Jahr 2012 die Beauftragung eines Experten auf dem Gebiet der Nahversorgung zur Erstellung eines Betreiberkonzeptes für die Marktscheune durch die Stadt Hallstadt. Im Herbst 2012 fand eine erste Arbeitskreissitzung mit Hallstadter Bürgerinnen und Bürgern statt, um die Grundlagen des Betreiberkonzeptes zu entwickeln. Weitere Sitzungen unter anderem zu den Themenschwerpunkten Bau-/Ausbau, Ladeneinrichtung, Sortimentsgestaltung und Betriebswirtschaft, fanden unter Beteiligung der Bürger statt.

2013 konnte ein Betreiber für die Marktscheune gefunden und mit dem Bau begonnen werden. Die im September 2015 eröffnete Marktscheune beherbergt neben einem Frischemarkt mit Metzgerei, Bäckerei und Bistro im Obergeschoss auch einen Veranstaltungsort, den sogenannten Kulturboden. Eine Tiefgarage und oberirdische Stellplätze bieten zusätzlichen Parkraum im Zentrum der Stadt. Der Kulturboden eröffnet neue Möglichkeiten, um Kulturveranstaltungen und private Feiern durchzuführen. Er entwickelte sich zu einem wichtigen Veranstaltungszentrum in der Region. Das Gebäude und alle Räume sind barrierefrei gestaltet.

Mit der Schaffung des neuen Stadtparks wurde im Jahre 2017 begonnen. Die Arbeiten wurden rechtzeitig zur Sommersaison 2018 abgeschlossen und der Park für die Öffentlichkeit freigegeben. Dieser erfreut sich seitdem großer Beliebtheit in der Bevölkerung als zentraler Treff, nicht zuletzt aufgrund der ansprechenden Gestaltung, der Begrünung, der Wasserspielmöglichkeiten und der installierten Sportgeräte für alle Altersgruppen.

Im Jahre 2018 wurde mit den umfangreichen Maßnahmen zur Neugestaltung des historischen Ortskernes am Marktplatz, dem Kirchenumfeld und der Lichtenfelser Straße begonnen. Bis vor kurzem wurde das Stadtzentrum von der Bundesstraße durchschnitten. Nach deren Abstufung zur Ortsstraße kann hier, nach Umsetzung der baulichen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, die neu gewonnene Fläche künftig bei Bedarf als einheitlicher Platz genutzt werden. Das historische Zentrum erfährt insgesamt eine qualitätvolle Aufwertung und erlangt eine vielfach gesteigerte Aufenthaltsqualität.

Als weiteres Großprojekt zur Aufwertung des Ortskerns wird seit 2018 die historische Gaststätte "Georgenhof" aufwändig saniert. Zur Wiederbelebung des historischen Gasthofes und ehemaligen Braustätte in der Stadtmitte konnte hier bereits im Vorfeld der Baumaßnahmen ein lokaler Betreiber mit langjähriger Erfahrung im Gastronomiegewerbe gewonnen werden. Neben der Gaststätte ist in den Sommermonaten der Betrieb eines Biergartens im rückwärtigen, neu gestalteten Außenbereich möglich.

Sanierung ehemalige Gaststätte "Georgenhof" Sanierung ehemalige Gaststätte "Georgenhof"Sanierung ehemalige Gaststätte "Georgenhof" Quelle: ibs A & H GbR Suhl

Im Auftrag eines Investors entstehen zentral im Umfeld der Marktscheune auf einer innerstädtischen Brachfläche sechs Doppelhaushälften und fünf Mehrfamilienhäuser, die teils mit seniorengerechten Wohneinheiten ausgestattet werden. Durch einen entsprechenden Zuschnitt der Wohnungen wird ein Angebot geschaffen, wo verschiedene Generationen – junge Familien mit Kindern und Senioren – miteinander in räumlicher Nähe wohnen können.

Weitere kleinere, bereits umgesetzte Projekte des SEK sind die Etablierung eines saisonalen Biergartens in der bislang leer stehenden Gaststätte "Georgenhof" als Zwischennutzung, die Errichtung eines Basketballfeldes für Jugendliche, die Beschilderung historischer Gebäude und die Aufwertung von Radwegeunterführungen.

Handlungsfelder

  • Einzelhandel
  • Handwerk, Dienstleistungen
  • Wohnen
  • Öffentlicher Raum
  • Infrastruktur
  • Verkehr und Mobilität
  • Baukultur und Stadtgestalt
  • Kooperation und partnerschaftliche Zusammenarbeit

Einzelmaßnahmen        

  • Erarbeitung eines gesamtstädtischen Stadtentwicklungskonzeptes
  • Durchführung von Zukunftswerkstätten mit Bürgerinnen und Bürgern
  • Architektenworkshop zur Gestaltung der "Neuen Stadtmitte Hallstadt" mit Ausstellung der Ergebnisse im Bürgerhaus
  • Aufwertung des öffentlichen Raumes am Marktplatz
  • Neubau "Marktscheune" für einen Lebensmittelmarkt
  • Erstellung eines Betreiberkonzeptes für den Nahversorgungsbereich in der Marktscheune
  • Konzepterstellung für das Obergeschoss der Marktscheune – "Kulturboden"
  • Schaffung des neuen Stadtparks
  • Neugestaltung des historischen Marktplatzes und der Lichtenfelser Straße
  • Generalsanierung und Wiederbelebung des leer stehenden Gasthofs "Georgenhof" (Finanzierung mit Eigenmitteln der Stadt Hallstadt)
  • Umsetzung des Konzepts des innerstädtischen Quartiers durch Schaffung neuen Wohnraums im Zentrum (Umsetzung der Vorschläge aus dem ISEK durch privaten Investor)
  • Durchführung eines Planungsworkshops für Jugendliche zur Gestaltung einer Brachfläche / Erstellen eines Basketballfeldes
  • Verkehrsberuhigung der Innenstadt durch Umleitung des Durchgangsverkehrs
  • Einrichtung eines externen Quartiersmanagements
  • Beschilderung historischer Gebäude (Finanzierung über Projektfonds)
  • Aufwertung der Radwegeunterführungen

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Aufnahme in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Auftaktveranstaltung zur Entwicklung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes / Architektenworkshop zur "Neuen Stadtmitte Hallstadt" / Zukunftswerkstätten mit Jugendlichen und Wirtschaftsvertretern / Bürgerversammlung und integrierte Fachgespräche
2010Zukunftswerkstatt mit Bürgerinnen und Bürgern / "Stadtoase Hallstadt": Projektwerkstatt mit Jugendlichen zur Findung und Gestaltung einer Freifläche / Impulsprojekt: Zwischennutzung der Brache "Georgenhof" mit Biergarten und Bierkeller / Vorstellung des Stadtentwicklungskonzeptes
2011Einberufung einer öffentlich-privaten Lenkungsgruppe / Einrichten eines Quartiersmanagements und des Quartiersbüros "Neue Mitte"
2012Bürgerversammlung Stadtentwicklung mit Projektauswahl / Broschüre Quartiersmanagement / Beschilderung historischer Gebäude / Beauftragung eines Nahversorgungsexperten mit der Erstellung eines Betreiberkonzeptes für die Marktscheune / Bürgerbeteiligung bei der Erstellung des Betreiberkonzeptes (Info-Veranstaltungen, Arbeitskreise) / Aufwertung Radwegeunterführungen / Ausstellung Zukunft Hallstadt
2013Baubeginn der Marktscheune
2015Bürgerbeteiligung zum Umbau der Lichtenfelser Straße und des Marktplatzes / Fertigstellung der Marktscheune mit Lebensmittelmarkt und Kulturboden
2017Schaffung des neuen Stadtparks als zentrale Begegnungsfläche
2018Fertigstellung des neuen Stadtparks / Baubeginn zur Neugestaltung des Marktplatzes und der Lichtenfelser Straße / Beginn Sanierung Gaststätte ''Georgenhof''
2019Wohnbauvorhaben im innerstädtischen Quartier


Besonderheiten

Bamberger Straße - stark belastet durch Durchgangsverkehr Bamberger Straße - stark belastet durch DurchgangsverkehrBamberger Straße - stark belastet durch Durchgangsverkehr Quelle: Christoph Haller

Der Stadtentwicklungsprozess in Hallstadt ist gekennzeichnet durch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit und ein breites Beteiligungsverfahren mit unterschiedlichen Methoden (Zukunftswerkstätten, Versammlungen, Ausstellungen). Dabei wurden auch die Interessen von Jugendlichen im Rahmen spezieller Beteiligungsverfahren (Jugendwerkstatt) einbezogen. Hallstadts intensive Bemühungen um die Aufwertung der Stadt kommen auch darin zum Ausdruck, dass es bereits seit 2004 ein kommunales Förderprogramm zur Unterstützung privater Baumaßnahmen gibt. Mit diesem Programm, das gestalterische Verbesserungen (zum Beispiel von Fassaden, Dächern und Freiflächen) auf privaten Grundstücken fördert, soll die Bereitschaft der Bürger zur Stadtbildpflege unterstützt werden. Mit diesem Ansatz stellt das kommunale Förderprogramm eine gute Ergänzung zu den Maßnahmen im Zentrenprogramm dar.

Lernerfahrungen

In Hallstadt wird der integrierte Ansatz des Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" beispielhaft angewendet und für die Weiterentwicklung und Stärkung des Stadtzentrums genutzt. Der Einsatz eines Quartiersmanagements mit einem eigenen Quartiersbüro (seit 2011) als direkte Anlaufstelle für die Hallstadter Bevölkerung und als Schnittstelle zur Stadtverwaltung war ein wichtiger Schritt zur weiteren Vernetzung der lokalen Akteure. Die Einbeziehung ausgewiesener Experten für die einzelnen Handlungsfelder als externe Gutachter sicherte eine hohe Qualität bei der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes. Auch der Architekten-Workshop kann aufgrund seines ambitionierten und öffentlichkeitswirksamen Vorgehens als empfehlenswerter Ansatz gelten. Ihm kommt eine hohe Symbolwirkung für den Stadtentwicklungsprozess zu und er hat positive Resonanz in der Bevölkerung und in der Presse hervorgerufen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern


Gemeinde

Hallstadt (Landkreis Bamberg)


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

Voraussichtlich 2022


Größe des Gebietes

11 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2018: circa 2.233.600 Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Hallstadt
Marktplatz 2
96103 Hallstadt
Telefon: +49 951/750-0
E-Mail: stadt@hallstadt.de


Links / weitere Informationen

Informationen zur Stadtentwicklung der Stadt Hallstadt
Video "Hallstadts neue Mitte" bei youtube

Stand

Oktober 2019

Diese Seite