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Illingen (Saar) – Zentralort Illingen 2030

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Illingen hat knapp 17.000 Einwohner in sechs Ortsteilen. Der Hauptort ist staatlich anerkannter Erholungsort. Die Gemeinde an der Ill liegt zentral im Saarland und ist gut in das Fernstraßen- und Bahnnetz eingebunden. Der Ortskern von Illingen litt unter erheblichen Funktionsverlusten. Sie traten auf, nachdem eine großflächige, im Ortskern gelegene Fabrik (Höll-Areal) geschlossen hatte. Hinzu kommt die Konkurrenzsituation mit dem nahe gelegenen Oberzentrum Saarbrücken und dem Mittelzentrum Neunkirchen. Auf der Grundlage eines Gemeindeentwicklungskonzeptes (GEKO) und eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) für den Ortskern des Hauptortes wird das Zentrum funktional und gestalterisch gestärkt. Beide Konzepte wurden unter intensiver Mitwirkung der Öffentlichkeit erarbeitet. Schwerpunkt bildet die Revitalisierung der Industriebrache Höll-Areal. Gemeinsam mit Investoren entwickelten Bürgerinnen und Bürgern ein Bebauungs- und Nutzungskonzept, das derzeit umgesetzt wird.

Kontext

Das Fördergebiet im Zentrenprogramm umfasst den Ortskern von Illingen und hat eine Größe von circa 68 Hektar. Im November 2008 wurde das Fördergebiet durch den Gemeinderat beschlossen. Im Herbst 2017 soll das Fördergebiet als Sanierungsgebiet im vereinfachten Verfahren förmlich festgelegt werden. Im Fördergebiet befinden sich die zentrale Einkaufsstraße Hauptstraße und ein kleiner historischer Ortskern um die St. Stepanunskirche. Im Osten des Fördergebietes liegt das Tal der Ill, im Westen schließt sich an die Hauptstraße das Höll-Areal an. Es gibt mehrere öffentliche Einrichtungen im Fördergebiet, unter anderem Schule, Rathaus, Kulturforum, Jugendzentrum.

Abgesehen vom brach gefallenen Höll-Areal überwiegt eine kleinteilige Bebauungsstruktur unterschiedlichen Baualters. Die Gebäude weisen zum Teil erheblichen Sanierungsbedarf auf, mehrere Ladenlokale und Wohnungen stehen leer. Problematisch sind die Verkehrsbelastung im Ortskern und die unübersichtliche Verkehrsführung. Auch ist der zwölf Meter oberhalb des Höll-Areals gelegene Bahnhof ist für Fußgänger nur schlecht an die Hauptstraße angebunden.

Projektbeschreibung

Ziel der Gesamtmaßnahme ist es, den Funktionsverlusten im zentralen Versorgungsbereich entgegenzuwirken. Der Ortskern soll als wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Mittelpunkt der Gemeinde gestärkt und als funktionsgemischter Ort zum Wohnen und Leben, für Arbeit, Kultur, Erholung und die tägliche Versorgung weiterentwickelt werden. Zu diesem Zweck wurde ein Verkehrskonzept erarbeitet. Die Hauptstraße soll umgestaltet werden, so dass mehr Aufenthaltsqualität entsteht und sich die Standortbedingungen für Gewerbetreibende verbessern. Als eine der ersten Maßnahmen, mit denen die verkehrliche Situation im Ortskern verbessert wurde, ist die Kreuzung Hauptstraße/Gennweiler Straße zu einem Kreisverkehr umgebaut worden. Dadurch hat sich der Verkehrsfluss beruhigt und das Erscheinungsbild am Eingang des Zentrums wurde aufgewertet.

Die Lebens- und Wohnqualität im Ortskern sollen gesteigert werden, indem Gebäude saniert, Wohn- und Gewerbeleerstände reaktiviert sowie Frei- und Erholungsräume aufgewertet und vernetzt werden. Hierbei spielt die Anpassung an die Auswirkungen des demografischen Wandels eine bedeutende Rolle. So sollen zum Beispiel Seniorenwohnungen im Zentrum realisiert werden. Weiterhin ist geplant, bestehende kulturelle Einrichtungen zu vernetzen sowie den Naherholungsraum "Illgrund" aufzuwerten und besser an den Ortskern anzubinden.

Zentraler Baustein der Ortskernentwicklung ist die Revitalisierung des Höll-Areals, eine circa 1,8 Hektar große Brache im Ortskern, die das Ortsbild stark beeinträchtigt. Bis 2001 befand sich hier eine Fleischwarenfabrik, die unter anderem Gebäude einer ehemaligen Brauerei nutzte. Das Betriebsgelände soll funktional und gestalterisch in den Ortskern integriert werden und die Revitalisierung des Areals einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Ziele der Ortskernentwicklung zu erreichen. Die ortsbildprägenden Teile eines historischen Fabrikgebäudes werden saniert und um Neubauten ergänzt. Das Nutzungs- und Bebauungskonzept sieht vor, ein multifunktionales Gebäude, die sogenannte Brauturmgalerie, für Wohnen, Nahversorgung, Handel und Dienstleistungen, Gastronomie und medizinische Versorgung zu entwickeln. Weitere Bestandsgebäude auf dem Höll-Areal wurden 2014 abgerissen, um das Areal städtebaulich neu ordnen und erschließen zu können. Die Brauturmgalerie soll Ende 2018 öffnen.

Werner-Woll-Platz Werner-Woll-PlatzWerner-Woll-Platz Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Im Norden des Höll-Areals grenzt in Zukunft ein Neubau mit Wohnungen für ältere und behinderte Menschen sowie für jüngere Pflegebedürftige (ASB-Gebäude) an. Betreiber der Einrichtung ist ein sozialer Träger. Zwischen Bahnhof und Hauptstraße entsteht ein großzügiger Platz mit Wasserfläche, Bäumen und hoher Aufenthaltsqualität. Er soll in allen vier Himmelsrichtungen mit dem Ortskern verbunden werden und so die ehemalige Industriebrache städtebaulich integrieren. Der Platz bietet künftig Raum für den Wochenmarkt und weitere Veranstaltungen. Zwischen Bahnhof und Hauptstraße entsteht durch eine neue Treppenanlage eine direkte und großzügige Fußwegeverbindung. Durch einen öffentlich zugänglichen Fahrstuhl, der an das ASB-Gebäude angebaut wird, wird auch die Barrierefreiheit gewährleistet.

Um die Verwaltung bei der Organisation, Steuerung und Moderation des Ortskernentwicklungsprozesses zu unterstützen, wurden 2013 ein Zentrumsmanagement eingerichtet und ein Ortskernbüro in zentraler Lage eröffnet. Zu den Aufgaben des Zentrumsmanagements gehört unter anderem, die Prozesse der Zentrumsentwicklung zu koordinieren, Aktivitäten zu organisieren und zu bündeln sowie Vorhaben öffentlichkeitswirksam zu initiieren und zu steuern. Weiterhin betreibt das Zentrumsmanagement ein Leerstands- und Flächenmanagement, ein Einzelhandelsmanagement sowie ein Veranstaltungsmanagement und setzt Marketingmaßnahmen um. Es fungiert insbesondere als erste Ansprechstelle vor Ort und Schnittstelle zwischen Gemeinde und Lenkungsgruppe sowie anderen beteiligten Akteuren.

Die Lenkungsgruppe begleitet den Ortskernentwicklungsprozess und entwickelt Ideen für Projekte. Sie fungiert als Vergabegremium für den Verfügungsfonds, der Ende 2014 eingerichtet wurde. Das bisher bedeutendste Projekt aus dem Verfügungsfonds war die Erneuerung der Weihnachtsbeleuchtung. Weitere Projekte, die mit dem Fonds umgesetzt wurden oder sich bereits in Planung befinden, sind unter anderem:

  • Keine Tasche für Lasche: Wettbewerb für Bürger zur Gestaltung einer identitätsstiftenden Einkaufstasche
  • Schule Kunterbunt: Gestaltung der Schulhallenfassade durch Grundschüler
  • Blickfang - Die Wanderbank: Installation einer Wanderbank, die neue Perspektiven auf den Ortskern und seine Entwicklung zeigt
  • City_Hot_Spot: kostenloser Hotspot rund um den Werner-Woll-Platz
  • Zeitsprung: fotografische Zeitraffer-Aufnahmen ("Timelapse"-Video) sowie Webcam mit Liveaufnahmen zur Dokumentation der Veränderungen auf dem Höll-Gelände
  • Hand und Fuß: Installation einer Boulder-Wand (Kletterwand) auf dem revitalisierten Höll-Gelände

Handlungsfelder            

  • Reaktivierung von Brachen und Leerstand
  • Öffentlicher Raum, Grün- und Freiflächen
  • Verkehr und Mobilität
  • Handel und Dienstleistungen
  • Kultur
  • Wohnen
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Beteiligung und Aktivierung

Einzelmaßnahmen

  • Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (2008, Fortschreibung 2015)
  • Gemeindeentwicklungskonzept (2011)
  • Zentrumsmanagement mit Ortskernbüro (seit 2013)
  • Städtebaulicher Entwurf nach Abschluss der umfassenden Bürgerbeteiligung (2014)
  • Verfügungsfonds (seit 2014)
  • Erhebung der Innenentwicklungspotenziale der Gemeinde Illingen (2014)
  • Einzelhandelsgutachten (2008)
  • Wohnungsmarktanalyse (2012)
  • Verkehrstechnisches Gutachten Höll-Areal und Umfeld (2014)
  • Öffentlichkeitsarbeit, Beteiligung und Aktivierung, unter anderem Abrissparty auf dem Höll-Areal (2014)
  • Bau des Kreisverkehrs im Kreuzungsbereich Hauptstraße/Gennweiler Straße (2014)
  • Bau eines Aufzugs an der Rückseite des Rathauses (2016)
  • Bau der Brauturmgalerie (private Maßnahme, in Umsetzung)
  • Städtebauliche Planungen für Neuordnungsflächen im Süden und Osten des Höll-Areals, um die Einbindung des Areals zu verbessern (in Umsetzung)
  • Bau eines Gebäudes für Seniorenwohnen (private Maßnahme, in Vorbereitung)
  • Planung und Bau der "Freifläche Höllgelände" (in Vorbereitung)
  • Grunderwerb (in Vorbereitung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • EFRE ("Integrierte nachhaltige Stadtentwicklung")

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Beschluss über die Festlegung des Fördergebiets durch den Gemeinderat / Fördergebietsfestlegung durch den Gemeinderat Illingen/ Aufnahme in das Zentrenprogramm / Erarbeitung integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für den Ortskern Illingen (ISEK)
2011Fertigstellung des integrierten Gemeindeentwicklungskonzepts (GEKO) / Start Modellvorhaben im ExWoSt-Forschungsfeld "Innovationen für Innenstädte"
2012Erwerb des Höll-Areals durch die Saarland Bau und Boden Projektgesellschaft (SBB)
2013Einrichtung Zentrenmanagement mit Ortskernbüro / Vor-Ort-Ideenwerkstatt
2014Abschluss des Modellvorhabens im ExWoSt-Forschungsfeld "Innovationen für Innenstädte" / Beschluss des städtebaulichen Konzeptes für das Höll-Areal im Gemeinderat / Fortschreibung des ISEK / Einrichtung Verfügungsfonds / Beginn der Abrissarbeiten auf dem Höll-Areal
2015Abrissparty auf dem Höll-Areal / Baubeginn Brauturmgalerie
2017Förmliche Festlegung des Fördergebiets Ortskern Illingen als Sanierungsgebiet (geplant)


Besonderheiten

Die Entwicklung des Ortskerns hängt eng mit der Reaktivierung des brach gefallenen Höll-Areals zusammen. Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes "Innovationen für Innenstädte" wurde 2012 bis 2014 unter breiter Beteiligung ein Bebauungs- und Nutzungskonzept für die Brache entwickelt. Währenddessen fanden sich Investoren, die das Areal entwickeln wollten. Es ist gelungen, sie in diesen Prozess einzubinden und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern die städtebaulichen und nutzungsstrukturellen Konzepte weiterzuentwickeln. Wichtige konzeptionelle Grundlagen und Gutachten (unter anderem Wohnungsmarktanalyse, Verkehrsgutachten, Machbarkeitsstudien) wurden mit Mitteln aus dem Zentrenprogramm finanziert und schafften die Voraussetzungen, um das Areal reaktivieren zu können.

Lernerfahrungen

Zu Beginn der Förderung im Zentrenprogramm und bei der Erarbeitung des ISEK war nicht absehbar, wann welche Entwicklungen auf dem brach gefallenen Höll-Areal stattfinden könnten. Es kristallisierte sich jedoch heraus, dass die Reaktivierung des Höll-Areals ein Schlüsselprojekt für den Ortskernentwicklungsprozess ist, das sich auf das gesamte Zentrum und darüber hinaus auswirkt. Nachdem das Konzept für die Neustrukturierung des Areals feststand, wurde das ISEK entsprechend fortgeschrieben. Die integrierte Beachtung und Verknüpfung der Planungen für das Höll-Areal mit den weiteren Maßnahmen für die Stärkung des Ortskerns sind dadurch gewährleistet. In Illingen ist es zudem gelungen, dass die Öffentlichkeit gemeinsam mit den Investoren ein Bebauungs- und Nutzungskonzept für das Areal entwickeln konnte. Hierzu hat ein breiter, dialogorientierter Beteiligungsprozess beigetragen, der hohes Engagement bei allen Beteiligten auslöste.

Zusatzinformationen

Bundesland

Saarland


Gemeinde

Stadt Illingen (Saar)


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2023


Größe des Gebietes

Circa 68 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewillige Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2016: circa 1,44 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Gemeinde Illingen (Saar)
Fachbereich Bauen und Wohnen
Frau Dr. Andrea Berger
Hauptstraße 86
66557 Illingen
Tel.: +49 6825 409163
E-Mail: andrea.berger@illingen.de


Link / weitere Informationen

Ortskernentwicklung Illingen

ExWoSt-Forschungsfeld Innovationen für Innenstädte - Modellvorhaben Illingen


Stand

September 2017

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