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Kiel - Innenstadt

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Kiel hat circa 249.000 Einwohner und ist Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Seit 2010 werden Mittel des Zentrenprogramms eingesetzt, um Funktionsverlusten der Innenstadt entgegenzuwirken, den öffentlichen Raum aufzuwerten und Straßen stadtverträglich umzubauen. Grundlage für die Innenstadtentwicklung sind das integrierte Rahmenkonzept "Perspektiven für die Kieler Innenstadt" sowie Vorbereitende Untersuchungen (VU) gemäß § 141 BauGB. Ergänzend zu den Maßnahmen im Zentrenprogramm stärken zahlreiche Wohnbauprojekte die Funktionsvielfalt, die von privaten Investoren ohne den Einsatz von Städtebaufördermitteln realisiert werden.

Kontext

Das Fördergebiet umfasst einen Teilbereich der Innenstadt. Die Innenstadt besteht aus der Altstadt und der Vorstadt und erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung entlang der Kieler Förde. Die Innenstadt wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und nach den Prinzipien des modernen Städtebaus wiederaufgebaut. Dabei entstanden kaum Wohnungen, sondern vorrangig Gebäude für Verwaltung, Handel und Dienstleistungen. Es wurden überwiegend verkehrsgerechte Stadtstrukturen mit breiten Verkehrsachsen und einer großen Zahl an Parkplätzen im öffentlichen Raum realisiert.

Die gering ausgeprägte Wohnfunktion, fehlende Aufenthaltsqualitäten und ausbleibende Investitionen Privater in den Gebäudebestand verbunden mit Leerstand im Einzelhandel veranlassten die Stadt, Vorbereitende Untersuchungen durchzuführen.

Projektbeschreibung

Berliner Platz mit Kleinem Kiel Kanal (Visualisierung) Berliner Platz mit Kleinem Kiel Kanal (Visualisierung)Berliner Platz mit Kleinem Kiel Kanal (Visualisierung) Quelle: bgmr Landschaftsarchitekten GmbH Berlin

Ziel ist es, die Innenstadt zu beleben und insbesondere die Anziehungskraft der Altstadt zu stärken. Das Stadtbild und der öffentliche Raum sollen aufgewertet und neue Aufenthaltsqualitäten entwickelt werden. Als weitere wichtige Ziele sollen die Wohnfunktion und kulturelle Einrichtungen gestärkt, touristische Potenziale genutzt sowie Teilbereiche der Innenstadt besser vernetzt werden.

Im Rahmen des Zentrenprogramms werden vorrangig Maßnahmen umgesetzt, um den öffentlichen Raum zu qualifizieren und die Dominanz des ruhenden und fließenden Verkehrs zu mildern. So ist zum Beispiel vorgesehen, in der Altstadt zwei überwiegend zum Parken genutzte Plätze umzugestalten, um mehr Raum zum Verweilen und für Außengastronomie zu schaffen. In der Vorstadt soll der Holstenplatz aufgewertet werden. Die großzügige Platzfläche fungiert als Eingangstor in die Fußgängerzone. Die an den Platz angrenzende Andreas-Gayk-Straße wird in die Umgestaltung einbezogen. Die Straße ist überdimensioniert und soll im Bereich des Holstenplatzes reduziert werden. Damit steigt die Aufenthaltsqualität und das auf der anderen Straßenseite gelegene "Neue Rathaus" mit zahlreichen kulturellen und sozialen Einrichtungen wird besser erreichbar. Weitere Maßnahmen, die derzeit vorbereitet werden, sind die Einführung eines Leerstandsmanagements und eines Verfügungsfonds.

Zentrale Maßnahme im Rahmen des Zentrenprogramms ist die Realisierung des Kleinen Kiel-Kanals als Zitat der ursprünglichen Wasserumgürtung der Altstadt. Der Kleine Kiel wurde im Zuge der Stadtentwicklung immer weiter verkleinert. Die Verbindung des Kleinen Kiels mit dem Bootshafen wurde 1905 zugeschüttet und mit der Straße Holstenbrücke und dem Berliner Platz überbaut.

Ziel ist es, ein Teilstück der Wasserverbindung wiederherzustellen und den derzeit überdimensionierten Verkehrsraum zu einem Aufenthaltsbereich am Wasser an der Nahtstelle zwischen Alt- und Vorstadt umzugestalten. Die Baumaßnahme begann im Frühjahr 2017. Es entstehen in Wasserlage neue innerstädtische Orte, die zum Verweilen einladen. Entwickelt werden Angebote für mehrere Alters- und Zielgruppen und unterschiedliche Bereiche mit vielfältigen Qualitäten – vom städtischen Freiraum bis hin zu naturnahen Zonen.

Die Aufwertung des Bereichs ist eine komplexe Maßnahme, die mit hohen Investitionskosten verbunden ist, da die Verkehrsführung umstrukturiert werden muss. Um die technischen und funktionalen Rahmenbedingungen zu klären, wurde zunächst im Jahr 2011 eine Vorstudie erstellt. Sie war die Grundlage für einen architektonischen Wettbewerb, in dem es um die konkrete Form und Gestaltung des Kleinen Kiel-Kanals ging.

Das Wettbewerbsergebnis stand zwischen Oktober 2014 und Februar 2015 im Mittelpunkt eines umfangreichen Beteiligungsprozesses, um das Projekt Kleiner Kiel-Kanal mit der Stadtgesellschaft zu diskutieren. An einem sechs Meter langen Modell, das die zukünftige Wasserverbindung zeigte, wurden im Rahmen mehrerer Veranstaltungen die geplanten Maßnahmen diskutiert, Veränderungsvorschläge erörtert und neue Ideen gesammelt. Ergänzend dazu fanden an sogenannten Mitwirkungstagen Stadtrundgänge, Workshops und Diskussionsrunden statt.

Insgesamt gingen über 670 Beiträge und Hinweise zum Entwurf ein. Durch die Ergänzungen hat sich das Modell fortlaufend weiterentwickelt und als Zukunftsmodell die Wünsche der Bürger dokumentiert. Das Modell wurde an unterschiedlichen Orten (Rathaus, Ladenlokal und Marktplatz) aufgebaut. Es gab zudem spezifische Beteiligungsveranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Gewerbetreibende. Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses sind in die Planungen eingeflossen.

Handlungsfelder            

  • Funktionsvielfalt durch Stärkung des Einzelhandels, der Gastronomie, des Wohnens und der Kultur
  • Öffentlicher Raum
  • Verkehr und Mobilität
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Beteiligung, Mitwirkung und Öffentlichkeitsarbeit

Einzelmaßnahmen

  • Vorbereitende Untersuchungen (VU) (2011 - 2013)
  • Wettbewerbsverfahren für den Kleinen Kiel Kanal (2012)
  • Öffentlichkeitsbeteiligung zum Projekt Kleiner Kiel Kanal (seit 2014)
  • Umbau Holstenbrücke / Berliner Platz zur Freilegung des Kleinen Kiel Kanals (seit 2017)
  • Baustellenmanagement und -marketing (seit 2016)
  • Leerstandsmanagement (seit 2017)
  • Verfügungsfonds (in Vorbereitung)
  • Umgestaltung Andreas-Gayk-Str. / Holstenplatz (geplant)
  • Umgestaltung diverser Plätze im Fördergebiet (geplant)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Rahmenkonzept "Perspektiven für die Kieler Innenstadt"
2011-13Durchführung Vorbereitender Untersuchungen (VU) gemäß § 141 BauGB
2012Wettbewerbsverfahren zum Kleinen Kiel-Kanal
2013Abschluss VU / Beschluss Sanierungsgebiet gemäß § 142 BauGB
2014Baubeginn Wohnquartier "Alte Feuerwache" (private Maßnahme)
seit 2014Öffentlichkeitsbeteiligung zum Projekt Kleiner Kiel-Kanal
2016Baubeginn Wohnprojekt "Schlossquartier" (private Maßnahme)
2017Beginn Umgestaltung Holstenbrücke zur Freilegung des Kleinen Kiel-Kanals / Fertigstellung Wohnquartier "Alte Feuerwache" (private Maßnahme)


Besonderheiten

Die Maßnahmen im Zentrenprogramm werden durch zahlreiche private Maßnahmen ergänzt, mit denen auf untergenutzten Flächen oder als Ersatz für leerstehende Einzelhandelsimmobilien neue, zum Teil multifunktionale Gebäude entstehen. Am Berliner Platz wird an der Stelle eines ehemaligen Bekleidungskaufhauses ein Quartier mit Einzelhandel, Hotel, Dienstleistungen und Wohnungen errichtet. Im Nordwesten der Altstadt ist das kleinteilig strukturierte Wohnquartier "Alte Feuerwache" entstanden (circa 130 Wohnungen). Direkt am Alten Markt ist das Schlossquartier mit circa 200 Wohnungen und Einzelhandelsflächen in Bau. Mit diesen und weiteren Neubauprojekten wird insbesondere die Wohnfunktion in der Innenstadt gestärkt. Damit soll die Innenstadt belebt und nachhaltig stabilisiert werden. Bislang entstanden über 600 Wohnungen oder werden in Kürze fertiggestellt.

Lernerfahrungen

Die Freilegung des Kleinen Kiel-Kanals ist eine komplexe Maßnahme, die mit einer Änderung der Verkehrsführung in der Innenstadt verbunden ist, die zu großräumigen Verlagerungen von Verkehrsströmen führt. Der vielseitige, unterschiedliche Methoden umfassende Beteiligungsprozess zum Kleinen Kiel-Kanal hat nicht nur dazu geführt, dass die Planungen angepasst und weiterentwickelt wurden. Darüber hinaus hat sich die Zusammenarbeit der Akteure intensiviert, der stadtbaukulturelle Diskurs wurde gefördert und es ist gelungen, dass sich Bürger und wichtige Akteure der Innenstadt stärker mit dem Vorhaben identifizieren.

Zusatzinformationen

Bundesland

Schleswig-Holstein


Gemeinde

Kiel


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2010


Projektende

Voraussichtlich 2023


Größe des Gebietes

Circa 26 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2016: 4,13 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Landeshauptstadt Kiel
Stadtplanungsamt
Herr Matthias Koep
Tel. +49 431 9012559
E-Mail: matthias.koep@kiel.de


Herr Nils Horstmeyer
Tel. +49 431 9012572
E-Mail: nils.horstmeyer@kiel.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt zur Innenstadtentwicklung

Informationen der Stadt zum "Kleinen Kiel-Kanal"


Stand

Juni 2017

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