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Leipzig – Georg-Schumann-Straße

Konzepte / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Mobilität / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Logo Magistralenmanagement Logo MagistralenmanagementLogo Magistralenmanagement Quelle: Magistralenmanagement

Die Georg-Schumann-Straße befindet sich im Nordwesten von Leipzig. Sie ist eine von zwei Leipziger Magistralen, die 2010 in das Zentrenprogramm aufgenommen wurden. Während das umgebende Stadtgebiet der circa sechs kilometerlangen Hauptverkehrsstraße einen guten Entwicklungsstand aufzeigt, konzentrieren sich im Stadtteilzentrum entlang der Georg-Schumann-Straße funktionale Schwächen und städtebauliche Defizite, so dass die Zentrumsfunktion gefährdet ist. Ein hohes Verkehrsaufkommen und die damit verbundenen Beeinträchtigungen (Emissionen, Barrierewirkung, geringe Aufenthaltsqualität) führten dazu, dass die Magistrale zu Beginn der Förderung ihre Funktion als urbane Wohn‐ und Geschäftsstraße weitestgehend verloren hatte.

Seit 2009 gibt es Aktivitäten, die Georg-Schumann-Straße zu reaktivieren. Grundlage hierfür ist ein integriertes Handlungskonzept, in dem die Neuaufteilung und Aufwertung des öffentlichen Raumes, die Entwicklung von Bestandsgebäuden, der Abbau des Leerstandes und die Verbesserung der Versorgungsfunktion als Ziele formuliert sind. Besonderen Stellenwert im Entwicklungsprozess haben die Aktivierung lokaler Akteure und die Stärkung sozialer Netzwerke.

Kontext

Die Georg-Schumann-Straße verläuft durch die nordwestlichen Leipziger Stadtteile Wahren, Möckern, Gohlis-Süd sowie Zentrum Nord. Für den Entwicklungsprozess der Magistrale werden unterschiedliche Förderprogramme eingesetzt (unter anderem Stadtumbau Ost).

Das Fördergebiet im Zentrenprogramm umfasst den zentralen Bereich der Magistrale mit angrenzenden Kreuzungsbereichen und Grundstücken. Das Gebiet ist durch eine gründerzeitliche Blockrandbebauung mit zahlreichen Baulücken und Bauten der Nachkriegszeit gekennzeichnet. Lediglich einzelne stadtbildprägende Gebäude wie das Heisenberg-Gymnasium oder die Auferstehungskirche sowie öffentliche Plätze unterbrechen den Rhythmus der Blockrandstruktur. Die schwindende Attraktivität als Wohn- und Geschäftsstandort hat zu überdurchschnittlich hohen Leerstandzahlen und sozialen Problemlagen im Stadtteilzentrum geführt. Als Folge verwahrlosten viele Gebäude entlang der Magistrale.

Im Jahr 2012 wurde der Neubau der parallel zur Georg-Schumann-Straße verlaufenden Bundestraße B 6 fertig gestellt. Durch die damit verbundene verkehrliche Entlastung der Magistrale ergaben sich Chancen für ihre städtebauliche und funktionelle Revitalisierung. Viele engagierte Akteure, die mit ihren Aktivitäten maßgeblich zur Verbesserung und zu positiven Ausstrahlungseffekten beitragen können, wurden in den Prozess der Zentrenentwicklung eingebunden.

Projektbeschreibung

Um auf die spezifischen Herausforderungen von Stadtteilzentren entlang von Hauptverkehrsstraßen zu reagieren, wurde die Georg-Schumann-Straße im Frühjahr 2009 im integrierten Stadtentwicklungskonzept "Leipzig 2020" (SEKo) als prioritärer Handlungsschwerpunkt definiert. Hierauf aufbauend sind unter Beteiligung lokaler Akteure, der Immobilienwirtschaft und verschiedener Verbände im Rahmen eines Experimentallabors "Magistralenentwicklung" erste Ideen zur Revitalisierung der Magistrale entstanden. Als konzeptionelle Grundlage für die Umsetzung der Fördermaßnahme wurde ein integriertes Handlungskonzept "Georg-Schumann-Straße" für das Stadtteilzentrum im zentralen Bereich der Straße entwickelt und im Sommer 2009 fertig gestellt. Dieses wurde mit einem im Jahr 2011 erarbeiteten integrierten Stadtteilentwicklungskonzept "Magistralenentwicklung Georg-Schumann-Straße" verknüpft, das den gesamten Verlauf der Magistrale einbezieht.

Ziel ist es, die Georg-Schumann-Straße zu einem belebten, funktionsgemischten Stadtteilzentrum zu entwickeln. Dafür sollen neben der Sanierung öffentlicher Einrichtungen und leerstehender Gebäude, Platzbereiche aufgewertet und die Magistrale stadtverträglich umgebaut werden. Das integrierte Handlungskonzept benennt Aktionsräume entlang der Magistrale, auf die öffentliche Investitionen fokussiert werden sollen. Weitere Schwerpunkte sind der Aufbau von stabilen Netzwerken, die Aktivierung von Engagement und Maßnahmen zur Imageaufwertung, um die Voraussetzung für eine nachhaltige Stabilisierung der Magistrale zu schaffen.

Nach dem Wegfall des Status als Bundesstraße und der Verlagerung von Verkehrsströmen wurde der Straßenraum der Georg-Schumann-Straße seit 2012 schrittweise umgestaltet. Zunächst wurden Sofortmaßnahmen umgesetzt (unter anderem neue Rad- und Parkstreifen, Reduzierung des motorisierten Verkehrs auf zwei Fahrspuren). Hierdurch konnten schnell die Bedingungen für alle Verkehrsteilnehmer verbessert und eine höhere Aufenthaltsqualität zur Stabilisierung der Geschäftsstraße erzielt werden. Erst im zweiten Schritt folgte der umfassende Umbau: Gehwege wurden aufgewertet und verbreitert sowie neue Bäume gepflanzt.

Möckernscher Markt nach Umgestaltung Möckernscher Markt nach UmgestaltungMöckernscher Markt nach Umgestaltung Quelle: Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, Stadt Leipzig

Ein weiterer Baustein zur Aufwertung der Magistrale ist die Neugestaltung von Plätzen entlang der Straße. Der im Zentrum gelegene Huygensplatz wurde im Jahr 2013 und der Möckenscher Markt Ende 2014 aufgewertet. Sie wurden als multifunktionale Stadtplätze gestaltet, wobei auch angrenzende Straßenbahnhaltestellen barrierefrei umgebaut wurden. Die Plätze sind heute beliebte Treffpunkte für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen im Stadtteilzentrum.

Zur Sicherung des sozialen Ausgleichs und Stärkung des bürgerlichen Engagements wird das Vereinshaus "Der Anker" am Renftplatz als soziokulturelles Zentrum neugestaltet und erweitert. Seit 2015 wird zudem das benachbarte Heisenberg-Gymnasium mit der Turnhalle saniert und ab 2017 durch die geplante Qualifizierung des Renftplatzes zu einem multifunktionalen Freizeit- und Sportplatz ergänzt.

Ein Zentrenmanagement (in Leipzig: Magistralenmanagement) zur Koordinierung und Steuerung der Prozesse entlang der Georg-Schumann-Straße und Vernetzung und Einbindung von Akteuren in die Zentrenentwicklung wurde installiert. Als Anlaufstelle dient ein Vor-Ort-Büro. Ebenso gibt es einen Verfügungsfonds. Mit ihm werden vorrangig Aktivitäten zum Leerstandsabbau von Gewerberäumen gefördert. Hierzu zählen zum Beispiel Kunstaktionen und Zwischennutzungen, die zur sozialen und kulturellen Belebung beitragen. Eine Lenkungsgruppe (in Leipzig: Magistralenrat) entscheidet über die Verwendung der Mittel aus dem Verfügungsfonds. Sie setzt sich aus Anwohnern, Gewerbetreibenden und Eigentümern zusammen.

Handlungsfelder            

  • Öffentlicher Raum und Verkehr
  • Stadtbild und Gebäudebestand
  • Soziale Infrastruktur
  • Wohnen, Wirtschaft und Beschäftigung
  • Zentrenmanagement und Identität
  • Mitwirkung und Vernetzung von Akteuren

Einzelmaßnahmen

Huygensplatz nach Umgestaltung Huygensplatz nach UmgestaltungHuygensplatz nach Umgestaltung Quelle: Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, Stadt Leipzig

  • Erarbeitung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes "Leipzig 2020" (2009, Fortschreibung 2015-2017)
  • Handlungskonzept "Georg-Schumann-Straße" (2009)
  • Erarbeitung des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes "Magistralenentwicklung Georg-Schumann-Straße" (2011)
  • Einrichtung eines Magistralenmanagements und Verfügungsfonds (2011)
  • Abschnittsweiser Umbau der Georg-Schumann-Straße (seit 2012)
  • Aufwertung des Huygensplatzes (2013)
  • Aufwertung des Möckernschen Marktes (2014)
  • Sanierung des Renftplatzes (Umsetzung ab 2017)
  • Umbau des soziokulturellen Zentrums "Der Anker" (2014-2017)
  • Sanierung des Heisenberggymnasiums (2015-2017)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Erarbeitung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes "Leipzig 2020" / Beschluss des integrierten Handlungskonzeptes "Georg-Schumann-Straße"
2010Aufnahme in das Zentrenprogramm / Arbeitsworkshop im Rahmen des Experimentallabors "Magistralenentwicklung Georg-Schumann-Straße" zur Platzgestaltung der Bereiche Möckernscher Markt, Renftplatz und Huygensplatz
2011Erarbeitung des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes "Magistralenentwicklung Georg-Schumann-Straße"/ Einrichtung des Magistralenmanagements und des Verfügungsfonds / Temporäre Gestaltung und Nutzung des Huygensplatzes (Sitzwürfel, Lichtinstallationen Kulturmarkt und Nacht der Kunst)
2012Beginn des schrittweisen Umbaus der Magistrale
2013Sanierung und Umgestaltung des Huygensplatzes
2014Baubeginn zur Sanierung des Vereinsgebäudes "Anker" / Aufwertung des Möckernschen Marktes
2015Baubeginn der Sanierung der Turnhalle am Heisenberg-Gymnasium / Eröffnung der sanierten gründerzeitlichen Sporthalle


Besonderheiten

In ausgewählten Schwerpunkträumen entlang der Magistrale werden Maßnahmen gebündelt. Hier werden öffentliche Investitionen zur Aufwertung des öffentlichen Raums, zur Umgestaltungen von Straßenbahnhaltestellen und zur Qualifizierung sozialer Infrastruktur aufeinander abgestimmt. Ergänzend dazu wurden temporäre Aktionen, wie Kunstinstallationen und Zwischennutzungen initiiert. Die konzentrierten öffentlichen Investitionen haben Impulse bei den Eigentümern für die Sanierung angrenzender Gebäude ausgelöst und zu einer erhöhten gewerblichen Nachfrage geführt, woraus positive Effekte für die Entwicklung der direkten Umgebung resultierten.

Mit der Schaffung attraktiver öffentlicher Räume sind anziehende Aufenthaltsorte im Stadtteilzentrum entstanden, die von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aktiv genutzt werden. Hierdurch traten allerdings auch negative Begleiterscheinungen (Lärm, Vermüllung, soziale Konflikte) auf. Durch eine intensive Kommunikation und den Einsatz von Sozialarbeitern wird frühzeitig versucht, der Entstehung von Konflikten zwischen den Nutzergruppen und einer Verdrängung von Nutzergruppen entgegen zu wirken. Ziel ist es, das Verantwortungsbewusstsein der Nutzerinnen und Nutzer zu erhöhen und die Kommunikation zwischen den Nutzergruppen zu verbessern.

Lernerfahrungen

Um den nach wie vor hohen Leerstand von Ladenlokalen und Wohnräumen an der Georg- Schumann-Straße zu reduzieren (40 Prozent Wohnungsleerstand Ende 2014), bieten Stadtverwaltung und das Magistralenmanagement verschiedene Dienstleistungen an. Ein Leerstandsmanagement wurde eingeführt, Beratungsangebote für Gewerbetreibende geschaffen und ein Gründer- und Unternehmernetzwerk initiiert. Maßgeschneiderte Ansätze zur Ansprache von Eigentümern unterstützen zusätzlich den Abbau des Leerstandes. Die Ansätze umfassen je nach Eigentümerstruktur der Immobilie beispielsweise eine intensive, aufsuchende Beratung, Netzwerkbildung und Kommunikation, die gezielte Bündelung von Fördermitteln, die Förderung von Zwischennutzungen oder die Umsetzung niedrigschwelliger Nutzungs- und Sanierungskonzepte. In der Verwaltung gibt es zudem eine Arbeitsgruppe, um das Problem verwahrloster Gebäude ämterübergreifend anzugehen. Durch diesen vielschichtigen Ansatz gelingt es, den Leerstand schrittweise zu reduzieren und Einfluss auf die zukünftige Nutzung der Gebäude zu nehmen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Sachsen


Gemeinde

Stadt Leipzig


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2010


Projektende

voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

ca. 17 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 3.766.972 Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Stadt Leipzig, Technisches Rathaus
Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung
Prager Straße 118 -136
04317 Leipzig
Stefan Geiss
Tel.: +49 341 1235441
Fax: +49 341 1235516
E-Mail: stefan.geiss@leipzig.de


Magistralenmanagement Georg-Schumann-Straße
Georg-Schumann-Straße 126
04155 Leipzig
Frank Basten
Tel.: +49 341 26319060
Fax: +49 341 26373214
E-Mail: info@schumann-magistrale.de

Link / weitere Informationen

Internetseite der Stadt Leipzig

Internetseite des Magistralenmanagements

Stand

Juni 2016



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