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München-Pasing

Schwerpunkte: Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Öffentlicher Raum / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Marienplatz nach der Umgestaltung Marienplatz nach der UmgestaltungMarienplatz nach der Umgestaltung Quelle: Stadtteilmanagement Pasing

Das Stadtteilzentrum Pasing im Münchner Westen verlor zunehmend an Attraktivität und war von Funktionsverlusten gekennzeichnet. Gestaltungsmängel im öffentlichen Raum, zunehmende Ladenleerstände und Konkurrenzdruck durch ein neues Einkaufszentrum schwächten die Anziehungskraft. Die hohe Verkehrsbelastung und eine ungünstige Verkehrsführung beeinträchtigen die Attraktivität des Gebiets zusätzlich. Im Jahr 2009 startete ein Stabilisierungsprozess, um das Geschäftszentrum des Stadtteils zu stärken und als Identifikationsraum für die Pasinger wirtschaftlich und städtebaulich weiter zu entwickeln.

Mit der Stärkung des gewachsenen, kleinteiligen Einzelhandels und dem Ausbau einer vitalen Nutzungsmischung sowie neuen Wegeverbindungen für Radfahrer und Fußgänger soll das Gebiet nachhaltig stabilisiert werden. Zentrale Bausteine sind dabei die Aufwertung identitätsstiftender Bereiche und eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit unter Einsatz des Verfügungsfonds.

Kontext

Das Fördergebiet umfasst das Zentrum des Stadtteils Pasing, das sich südlich des Fernbahnhofs Pasing erstreckt. Das Gebiet ist geprägt durch eine gründerzeitliche Blockrandbebauung mit baulichen Ergänzungen aus der Nachkriegszeit. Der Einzelhandel ist kleinteilig und oftmals inhabergeführt. Das Stadtteilzentrum übernimmt teilweise die Versorgung benachbarter Stadtteile und Ortschaften mit insgesamt etwa 310.000 Menschen im Einzugsbereich. Dennoch leidet das Stadtteilzentrum unter Funktionsverlusten, die sich in zunehmenden Ladenleerständen und einer Reduzierung qualitativ hochwertiger Angebote ausdrücken. Hierzu hat auch die Konkurrenz durch ein Einkaufszentrum beigetragen, dass 2011 am Bahnhof Pasing eröffnete.

Projektbeschreibung

Kirche Maria-Schutz Kirche Maria-SchutzKirche Maria-Schutz Quelle: Stadtteilmanagement Pasing

Aufbauend auf Vorbereitenden Untersuchungen wurden ein integriertes Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet und im März 2012 verabschiedet. Ein Sanierungsgebiet nach § 142 BauGB wurde festgelegt und ein Sanierungsträger beauftragt.

Zentrales Ziel sind der Erhalt, die Stabilisierung und Weiterentwicklung Pasings als Einzelhandelsstandort mit Bedeutungsüberschuss für den Münchener Westen. Schwerpunkt bildet die Stärkung der gewachsenen kleinteiligen Einzelhandelsstruktur. Der Pasinger Marienplatz spielt dabei eine wichtige Rolle. Er wurde 2015 umgestaltet und ist heute wieder deutlich als der zentrale Stadtplatz Pasings mit hoher Aufenthaltsqualität zu erkennen. Der Marienplatz bildet einen Anziehungspunkt, soll so als Gegengewicht zu dem neu entstandenen Einkaufszentrum am Bahnhof Pasing fungieren und damit zur Stabilisierung des Stadtteilzentrums beitragen. Durch eine neue Umgehungsstraße im Norden war es möglich, den Platz verkehrlich zu beruhigen und eine Wendeschleife der Tram zu entfernen. Nur Bussen, Taxen und Radfahrern ist das Kreuzen des Platzes gestattet.

Ein an den Marienplatz angrenzendes Gebäude aus den 1920er Jahren, die sogenannte "Pappschachtel", wurde im Frühjahr 2016 zusammen mit der angrenzenden Wirtschaftsschule abgerissen. Ein Neubau für Einzelhandel mit Hotel sowie eine neue begrünte Durchwegung mit kleinen Platzsituationen sollen den Standort zusätzlich stärken.

Für die vor dem Abriss leerstehende Pappschachtel wurde ein Zwischennutzungskonzept erarbeitet. Von Januar bis April 2016 dienten die Räumlichkeiten als Kreativquartier und konnten von verschiedenen Künstlern, Fotografen, Einzelhändlern etc. kostenfrei genutzt werden. Kleinere Umbauarbeiten wurden dabei durch das Zentrenprogramm finanziell unterstützt. In den vier Monaten entstanden kleine Ateliers, Ausstellungsräume sowie eine gastronomische Nutzung. Neben dem Marienplatz wurden auch der Rathausplatz und das Umfeld der Kirche Maria-Schutz neu gestaltet und die Aufenthaltsqualität erhöht.

Zur Vernetzung und Aktivierung von Akteuren und Einbindung der Öffentlichkeit wurde ein Stadtteilmanagement mit Vor-Ort-Büro eingerichtet. Der 2010 eröffnete Stadtteilladen dient der Information über die Entwicklung im Rahmen des Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren". Interessierte können vor Ort Anregungen und Ideen einbringen. Er steht kleineren Initiativen und Projektgruppen auch als Arbeitsraum zur Verfügung. Das Stadtteilmanagement führt auch ein Leerstands- und Flächenmanagement durch, mit dem unter anderem die Branchenvielfalt im kleinteiligen Einzelhandel erhalten und ausbaut werden soll. Mit dem Leerstandsmanagement und der engen Vernetzung mit Einzelhändlern und Dienstleistern vor Ort konnten Ladenlokale einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Gemeinsam mit lokalen Akteuren erarbeitete das Stadtteilmanagement ein Werbe- und Gestaltungs- sowie ein Marketingkonzept. Das Werbe- und Gestaltungskonzept trifft Aussagen über Möblierung, Schirme und Markisen, Begrünung, Warenpräsentation, Werbung und Beleuchtung. Gewerbetreibende erhalten eine finanzielle Unterstützung aus dem Verfügungsfonds, wenn sie ihren Laden oder die Sondernutzungsfläche mit einer sichtbaren Wirkung auf den öffentlichen Raum qualitätsvoll und aufeinander abgestimmt gestalten und möblieren oder eine Zwischennutzung etablieren. Voraussetzung ist, dass die Gestaltungsmaßnahmen und Ausstattungsgegenstände dem Werbe- und Gestaltungskonzept entsprechen und eine Beratung des Stadtteilmanagements wahrgenommen wird.

Das Marketingkonzept zielt auf die Bindung alter und neuer Kundengruppen an den Einkaufsstandort. Das Stadtteilmanagement konnte hierzu in Kooperation mit verschiedenen Akteuren mehrere Maßnahmen durchführen. So wurde beispielsweise ein Einkaufsführer gestaltet und ein Leitsystem für den Fuß- und Radverkehr installiert.

Im Gebiet wurde 2010 ein Verfügungsfonds eingerichtet. Über die Vergabe der Mittel des Fonds entscheidet die Projektgruppe Pasing. Die Projektgruppe begleitet und diskutiert als fachkundiges Vor-Ort-Gremium die Umsetzung der Projekte und Vorhaben aus dem Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK). Sie setzt sich aus Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern der Lokalpolitik, der Stadt, von sozialen Einrichtungen und örtlichen Vereinen, unter anderem dem Gewerbeverein Aktives Pasing und dem Kulturforum München-West, zusammen.

Mit dem Verfügungsfonds wurden verschiedene Projekte wie Feste, Märkte, Aktionen oder auch der Internetauftritt des Vereins "Aktives Pasing e. V." unterstützt. Der Verein wurde 2009 von Gewerbetreibenden, Gesundheitsdienstleistern, Immobilieneigentümern sowie Bürgerinnen und Bürgern gegründet. Ziele des Vereins sind die Erhaltung und Stärkung des Standortes, die Belebung und Steigerung der Anziehungskraft des Stadtteilzentrums und die Durchführung gemeinsamer Aktivitäten.

Flankiert wird die Gesamtmaßnahme im Zentrenprogramm durch eine Reihe von privaten und öffentlichen Investitionen. Hierzu zählen zum Beispiel der Umbau des Fernbahnhofs München-Pasing und die Verlängerung einer Tramlinie. Diese Infrastrukturprojekte haben positive Impulse für die Entwicklung des Stadtteils. Sie können zielgerichtet für die Stärkung des Stadtteilzentrums genutzt werden, da die Infrastrukturprojekte mit dem integrierten Entwicklungskonzept verzahnt sind.

Handlungsfelder            

  • Öffentlicher Raum
  • Mobilität
  • Lokale Ökonomie
  • Stadtgestalt und Grün
  • Zwischennutzungen
  • Beteiligung und Aktivierung

Einzelmaßnahmen

  • Erarbeitung des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzeptes Pasing (ISEK Pasing) (bis 2012)
  • Etablierung eines Stadtteilmanagements / Eröffnung eines Stadtteilladens (seit 2010)
  • Leerstands- und Flächenmanagement (seit 2010)
  • Erarbeitung eines Marketingkonzepts (2010)
  • Erarbeitung eines Werbe- und Gestaltungskonzeptes mit Aussagen zur Außenmöblierung, Gestaltung von Gebäudevorzonen und Werbeanlagen (2014)
  • Umgestaltung und Verkehrsberuhigung des Marienplatzes (2015)
  • Zwischennutzung und Abriss der "Pappschachtel" am Marienplatz (2016)
  • Verbesserung der Wegeverbindungen im Stadtteilzentrum durch "Pasinger Rundwege" (laufend)
  • Aufwertung von Plätzen und Grünflächen (Viktualienmarkt, Rathausplatz, Würminsel, Kirchplatz Maria Schutz, Bahnhofsplatz Nord)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Aufnahme in das Zentrenprogramm / Gründung des Vereins Aktives Pasing e.V.
2010Eröffnung des Stadtteilladens Pasing / Einrichtung Verfügungsfonds / Gründung der Projektgruppe Pasing / Einrichtung Leerstands- und Flächenmanagement
2012Verabschiedung des ISEKs / Beschluss des Sanierungsgebiets "Zentraler Geschäftsbereich Pasing"
2013Begehung "Verkehrliche Regelungen im Pasinger Zentrum" / Workshop mit Thema "Werbe- und Gestaltungskonzept für Pasing"
2014Fertigstellung Werbe- und Gestaltungskonzept
2015Fertigstellung des Pasinger Marienplatzes / Realisierungswettbewerb für Neubau am Standort der "Pappschachtel"
2016Zwischennutzung der "Pappschachtel" (Januar-April), anschließend Abriss


Besonderheiten

In Pasing wird ein Fokus auf die Stärkung des Fuß- und Radverkehrs gelegt. Neben dem Leitsystem sind die neuen "Pasinger Rundwege" eine zentrale Maßnahme. Entstehen soll ein engmaschiges Fußwegenetz. Bestehende Wegeverbindungen in den Blockinnenbereichen werden hierzu aufgewertet und durch neue ergänzt. Die Wegeverbindungen verknüpfen bestehende Plätze, wie Marien-, Rathaus-, Bahnhofsplatz, den Würmgrünzug und die Handelsbereiche Bäckerstraße und Gleichmannstraße mit dem neuen Einkaufszentrum.

Um Radfahrerinnen und Radfahrer auf vorhandene Radstellplätze im Stadtteilzentrum aufmerksam zu machen wurde vom Stadtteilmanagement die Aktion "Wir hätten da ein besseres Plätzchen für Sie!" gestartet. Durch einen Anfahrtsplan werden neue großzügig angelegten Radstellplätzen in das Bewusstsein gerufen und Radfahrer in das Stadtteilzentrum gelenkt.

Zur Förderung privater Investitionen wurde das kommunale Förderprogramm "aktiv.gestalten" initiiert, das in allen Münchner Fördergebieten im Zentrenprogramm angewendet wird. Mit ihm unterstützt die Landeshauptstadt München in Verbindung mit dem Zentrenprogramm private Investitionen zur Verbesserung des Wohn- und Gewerbeumfeldes. Gefördert werden Maßnahmen zur Begrünung und Aufwertung von Spielflächen, Treffpunkten, Gewerbe- und Ladenvorbereichen sowie Fassaden und Freiflächen an stadtteilbedeutsamen Straßenräumen.

Lernerfahrungen

Die Zwischennutzung der Pappschachtel durch Kunst- und Kulturschaffende hatte positive Effekte auf die Wahrnehmung des Stadtteilzentrums und stießen auf ein großes Interesse in der Öffentlichkeit. Die positive Resonanz aus der Bevölkerung und die im Rahmen der Zwischennutzungen umgesetzten Projekte verdeutlichen, dass es in kurzer Zeit und mit einem geringen finanziellen Aufwand möglich ist, kreative Potenziale zu aktivieren und damit Impulse für die Entwicklung des Stadtteilzentrums auszulösen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern


Gemeinde

Stadt München


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

voraussichtlich 2017


Größe des Gebietes

circa 36 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 874.500 Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Stadt München
Referat für Stadtplanung und Bodenordnung, Stadtsanierung und Wohnungsbau
Abteilung Stadtsanierung HA III/3
Sabine Steger, Markus Groß, Eva Pfeiffer, Christina Ackermann
Blumenstraße 31
80331 München
Tel.: +49 89 233 239 10
Fax : +49 89 233 280 78
E-Mail: plan.ha3-3@muenchen.de


Stadtteilladen Pasing
Gleichmannstraße 5a
81241 München
Tel: +49 89 550 671 33
Fax: +49 89 550 671 34
E-Mail: info@aktive-zentren-pasing.de


Link / weitere Informationen

Aktive Zentren Pasing

Stand

Dezember 2016

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