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Nürnberg – Nördliche Altstadt

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Stadtgestalt und Baukultur / Klimaschutz und Klimaanpassung / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Abgrenzung Sanierungsgebiet Nördliche Altstadt Nürnberg Abgrenzung Sanierungsgebiet Nördliche Altstadt NürnbergAbgrenzung Sanierungsgebiet Nördliche Altstadt Nürnberg Quelle: Stadt Nürnberg

Die Fördermaßnahme in der nördlichen Altstadt von Nürnberg folgt einem umfassend integrierten Handlungsansatz. Sie vereint Elemente der "klassischen Stadterneuerung" wie die Aufwertung von Straßen, Wegen und Plätzen oder die Modernisierung von Gebäuden mit kooperativen Ansätzen der Zentrenentwicklung wie dem Citymanagement oder dem Verfügungsfonds. Der Fokus liegt auf den Handlungsfeldern Städtebau, öffentlicher Raum, Klimaschutz und Akteurskooperation.

Besonders berücksichtigt wird die Querschnittsaufgabe Klimaschutz und Klimaanpassung. Bereits bei der konzeptionellen Vorbereitung der Fördermaßnahme und der einzelnen Aufwertungsprojekte wurde dieser wichtige Aspekt von Beginn an mitgedacht. Die Umsetzung der Ziele wird dadurch unterstützt, dass die Stadt Nürnberg mit ihrem gesamtstädtischen Stadtentwicklungskonzept "Nürnberg am Wasser" und dem daraus abgeleiteten teilräumlichen Konzept "Altstadt ans Wasser" sowie mit der gesamtstädtischen Klimaanpassungsstrategie auf mehreren Ebenen fundierte Voraussetzungen für die Verbesserung des Stadtklimas geschaffen hat.

Kontext

Die nördliche Nürnberger Altstadt ist von einem mittelalterlichen Stadtgrundriss mit engen Gassen und Straßen, einem hohen Bestand an denkmalgeschützten Gebäuden sowie Verwaltungs- und Wohnbauten der 1950er und 1960er Jahre geprägt. Der Versiegelungsgrad sowie die Bebauungsdichte sind sehr hoch. Der Bestand an Grünflächen ist hingegen verhältnismäßig klein und beschränkt sich vor allem auf die Uferbereiche des Flusses Pegnitz, der das Fördergebiet am südlichen Rand durchfließt. Die bauliche Situation hat zur Folge, dass sich die nördliche Altstadt verhältnismäßig stark erwärmt und aufgrund fehlender Frischluftschneisen nur unzureichend durchlüftet wird. Insbesondere im Hochsommer kann dies für Bewohnerinnen und Bewohnern oder Nutzer der Altstadt eine große Belastung sein. Im Zuge der erwarteten Klimaerwärmung und der Zunahme von heißen Tagen ist zudem damit zu rechnen, dass sich die Situation weiter verschlechtert.

Vor diesem Hintergrund sind die Ansprüche, die aus der baulichen Entwicklung der nördlichen Altstadt resultieren mit den Erfordernissen, die sich aus der Klimaerwärmung ergeben, zu vereinbaren. Dies ist eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung der Fördermaßnahme des Zentrenprogramms. Entsprechend wurden im Rahmen der Vorbereitenden Untersuchungen zur Festlegung als Sanierungsgebiet und zur Aufnahme in das Zentrenprogramm 2008 Handlungsempfehlungen im Bereich des Klimaschutzes und der Klimaanpassung formuliert. Im 2014 beschlossenen Integrierten Stadtentwicklungskonzept Altstadt wurden die entwickelten Maßnahmen weiter ausformuliert und mit den Zielen der Klimaanpassungsstrategie für die Stadt Nürnberg (2012) abgeglichen.

Projektbeschreibung

Auf Basis Vorbereitender Untersuchungen wurde im Mai 2010 das Sanierungsgebiet "Nördliche Altstadt" (vereinfachtes Verfahren) förmlich festgelegt. Im Mittelpunkt der Fördermaßnahme steht eine nachhaltige Zentrumsentwicklung. Im Wesentlichen geht es darum, die öffentlichen Räume (Straßen, Wege, Plätze) aufzuwerten, stadtbildprägende Gebäude instand zu setzen und zu modernisieren sowie energetisch zu erneuern. Ausgehend von der energetischen Substanz der Gebäude, den wenigen meist ungenügend gestalteten Freiflächen, öffentlichen Räumen und Verkehrsflächen ergeben sich in der nördlichen Altstadt insbesondere Missstände in ihrer Funktion als Wohn-, Tourismus- und Einzelhandelsstandort.

Um in der nördlichen Altstadt Impulse für eine nachhaltige Entwicklung zu setzen, spielt die Qualifizierung alter und die Anlage neuer öffentlicher Räume eine bedeutende Rolle. In Kombination mit der (energetischen) Sanierung von Gebäuden erhofft man sich nicht nur positive Auswirkungen auf das Stadtbild sondern auch auf das Klima der Altstadt. Dazu wurde 2012 das Handbuch Klimaanpassung für die Gesamtstadt veröffentlicht. Diese Thematik wird auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept "Nürnberg am Wasser" und dem daraus abgeleiteten teilräumlichen Konzept "Altstadt ans Wasser" aufgegriffen und in Verbindung mit neuen öffentlichen Freiflächen in der Altstadt gesetzt. Um die Uferbereiche der Pegnitz besser nutzen zu können werden darin konkrete Vorschläge zur Zugänglichkeit des Flusses gemacht. Entsprechende investive Maßnahmen wurden mit der Umgestaltung des Südufers der Insel Schütt (Umgestaltung der Fuß- und Radwege, attraktive Ufergestaltung durch terrassenförmig angelegte Sitzstufen) und des am westlichen Rand des Fördergebiets gelegenen Stadtparks "Kontumazgarten" bereits umgesetzt. Um das Angebot an Freiflächen zu erhöhen, wurde der Schulhof der Ganztagsschule auf der Insel Schütt zu einem öffentlich zugänglichen Spielhof umgestaltet.

Zur Qualifizierung wichtiger öffentlicher Räume wurde ein Ideen- und Realisierungswettbewerb für die Neugestaltung von Hauptmarkt, Obstmarkt und Augustinerhof durchgeführt. Die bauliche Umsetzung der Ergebnisse ist für die nächsten Jahre geplant und wird mit Fördermitteln aus dem Zentrenprogramm unterstützt. Kleinere Umgestaltungsmaßnahmen wie die Anlage eines "Pocket-Parks" auf einer gebäudebezogenen Freifläche oder die Umgestaltung eines Innenhofs, der mehrere Wohngebäude erschließt, wurden bereits umgesetzt. Um solche kleinteiligen Projekte künftig noch besser unterstützen zu können, wurden 2016 in einer Potenzialanalyse Hinterhof- und Blockinnenbereiche untersucht und auf den Grad ihrer Versiegelung geprüft. Ziel des daraufhin beschlossenen kommunalen Förderprogramms "Mehr Grün für die Altstadt" ist es, den Anteil an entsiegelten Flächen zu erhöhen und durch gezielte Begrünung das Wohnumfeld zu verbessern. Förderfähig sind: Umgestaltung und Begrünung von Höfen, Baumpflanzung und Sanierung von Altbäumen, Dachbegrünung intensiv und extensiv, Fassaden- und Wandbegrünung, begrünte Pergolen und Rankgerüste, Spielecken für Kinder sowie die Planungskosten.

Zur Intensivierung der Zusammenarbeit lokaler Akteure sowie zur Anregung privat-öffentlicher Kooperationen wurden ein Citymanagement und ein Verfügungsfonds eingerichtet. Das Citymanagement ist vor Ort in einem zentral gelegenen Stadtteilbüro für die Bewohnerinnen und Bewohner ansprechbar. Dort wurden von 2014 bis 2016 auch kostenlose Energieberatungen für Immobilieneigentümer angeboten.

Handlungsfelder            

  • Öffentlicher Raum
  • Öffentliche Infrastruktur
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Klimaschutz und Klimaanpassung
  • Mitwirkung und Kooperation

Einzelmaßnahmen

  • Einrichtung des Citymanagements für die nördliche Altstadt (2010)
  • Einrichtung eines Verfügungsfonds (Projektfonds) (2011)
  • Umbau und Erweiterung der Stadtbibliothek im Luitpoldhaus zur Zentralbibliothek (2012 abgeschlossen)
  • Gründung der Initiative "Nürnberger Meisterhändler" (2012)
  • Umfassende Umgestaltung öffentlicher Räume am Hauptmarkt und am Obstmarkt (seit 2012)
  • Umgestaltung des Schulhofs der Ganztagsschule auf der Insel Schütt zu einem begrünten Spielhof (2012-2013)
  • Umgestaltung und Modernisierung von Straßen und Gehwegen im Bereich Spitzenberg (2013-2014)
  • Angebot einer kostenlosen Energieberatung für Immobilieneigentümer (2014-2016)
  • Bau einer Rad- und Gehwegunterführung an der Hallertorbrücke als barrierefreier Zugang zum Stadtpark "Kontumazgarten" (2015)
  • Unterstützung privater Eigentümer bei der Begrünung von Innenhöfen (seit 2015)
  • Umgestaltung des Südufers der Insel Schütt (170 Meter Uferterrassen) sowie des Stadtparks "Kontumazgarten" (2015-2016)
  • Umgestaltung einer wohnungsbezogenen Freifläche zu einem "Pocket-Park" (2016)
  • Neubebauung des Areals "Augustinerhof" mit gemischter Nutzung (50 Wohnungen, Hotel, Büros, Läden und Gastronomie) (geplant ab 2017)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Bund-Länder Programm "Soziale Stadt"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Programm Aktive Stadt‐ und Ortsteilzentren / Fortführung der Umgestaltung des Luitpoldhauses zur zentralen Stadtbibliothek (zuvor begonnen mit Förderung aus dem Programm Soziale Stadt)
2010Beschluss der Vorbereitenden Untersuchungen / Einrichtung eines Citymanagements mit Stadtteilbüro
2011Einrichtung eines Verfügungsfonds (Projektfonds) / Durchführung eines Ideen- und Realisierungswettbewerbs für die Neugestaltung von Hauptmarkt, Obstmarkt und Augustinerhof
2012Stadtbibliothek im Luitpoldhaus fertiggestellt / Gründung der Initiative "Nürnberger Meisterhändler" / Beschluss des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts "Nürnberg am Wasser" und des teilräumlichen Entwicklungskonzepts "Altstadt ans Wasser"
2013Umgestaltung des Schulhofs der Ganztagsschule auf der Insel Schütt abgeschlossen
2014Umgestaltung von Straßen und Wegen im Bereich Spitzenberg abgeschlossen / Einrichtung einer kostenlosen Energieberatung für Immobilieneigentümer (bis April 2016) / Beschluss des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts für die gesamte Nürnberger Altstadt (ISEK Altstadt)
2015Bau einer Fahrrad- und Gehwegunterführung an der Hallertorbrücke (Verbindung zum Kontumazgarten) / Umgestaltung eines privaten Innenhofs
2016Umgestaltung des Südufers der Insel Schütt (Flussterrassen) und des Kontumazgartens abgeschlossen / Umgestaltung einer wohnungsbezogenen Freifläche zum "Pocket-Park"


Besonderheiten

Neben den baulich-investiven Maßnahmen an Gebäuden und in öffentlichen Räumen spielt die Vernetzung lokaler Initiativen in der Nürnberger Altstadt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Fördermaßnahme. Wichtige Bestandteile des Nürnberger Stadtmarketings sind die speziell in der nördlichen Altstadt agierenden betrieblichen Kooperationen "Treffpunkt Trödelmarkt e.V." und "Erlebnis Nürnberg e.V.". Mit Unterstützung des aus dem Zentrenprogramm finanzierten Citymanagements sollen diese Institutionen insbesondere auf eine Verbesserung der Kundenbindung und der Anziehung neuer Kunden hinwirken. Dazu soll ein Anstoß zu einer Ausweitung der Mitgliederzahlen der einzelnen Interessengemeinschaften und/oder der Standortmarketingaktivitäten der Kooperationen gegeben werden. Um dieses Ziel zu erreichen wurde im Jahr 2012 die Initiative Nürnberger Meisterhändler ins Leben gerufen. Fachgeschäfte in der nördlichen Altstadt, die sich durch besondere Individualität, Originalität und Qualität auszeichnen, werden von einer Jury bewertet und bei Erfüllen der Kriterien in die Liste der Nürnberger Meisterhändler aufgenommen. Dadurch sind sie berechtigt, das Logo der Meisterhändler zu führen und werden über ein eigens eingerichtetes Internetportal vermarktet. Das Citymanagement koordiniert die Aktivitäten. Das Projekt ist Gewinner des Bayerischen Stadtmarketingpreises 2014.

Lernerfahrungen

Mit der baulichen Erneuerung der nördlichen Altstadt nutzt die Stadt Nürnberg die Gelegenheit, die Zentrenentwicklung mit den Herausforderungen der Klimaerwärmung zu verknüpfen. Zum einen werden durch die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen Potenziale zur Verbesserung des Lokalklimas ausgeschöpft, wodurch sich zugleich die Aufenthaltsqualität für die Nutzer der Altstadt erhöht. Zum anderen finden auch Maßnahmen des Klimaschutzes Berücksichtigung. Durch die energetische Sanierung der historischen Gebäude sowie der Wohnbauten der Nachkriegszeit bietet sich die Möglichkeit, die nördliche Innenstadt stadtbaukulturell sowie als Wohnstandort weiter zu stärken.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern


Gemeinde

Nürnberg


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

20098


Projektende

voraussichtlich 2020


Größe des Gebietes

94 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 2.670.000 Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum

Kontaktdaten

Stadt Nürnberg
Stadtplanungsamt, Sachgebiet Stadterneuerung
Frau Sonja Ruf
Marienstr. 6
90402 Nürnberg
Tel. +49 911 231-7391
E-Mail: sonja.ruf@stadt.nuernberg.de


Link / weitere Informationen

Informationsangebot der Stadt Nürnberg zum Fördergebiet "Nördliche Altstadt"

Initiative Nürnberger Meisterhändler

Stand

Dezember 2016

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