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Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte und integrierte Handlungsansätze

Luftbild vom Lindenauer Markt in Leipzig Die Entwicklung von Stadt- und Ortsteilzentren erfordert immer integrierte HerangehensweisenQuelle: Stadt Leipzig, ASW (Eberhard Mai)

Räumlich integrierte, ressort- und akteursübergreifende Entwicklungskonzepte sind das zentrale Instrument für die Umsetzung der Fördermaßnahmen im Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren". Sie sind das Ergebnis eines kooperativen Planungsprozesses.

Die Einbindung der Zentrenentwicklung in ein übergreifendes, ganzheitliches Entwicklungskonzept für die Gesamtstadt sowie die stadtregionale Kooperation sind bereits in der Programmstrategie des Zentrenprogramms als wesentliche Grundlage definiert. Als zugehöriges Instrument werden dort integrierte Stadtentwicklungskonzepte, Zentrenkonzepte, regionale Entwicklungskonzepte oder auch regionale Einzelhandelskonzepte benannt.

Ansätze integrierter Stadtentwicklung beziehen aktivierende und kooperative Ansätze ein und zählen zu den profilbildenden Merkmalen des Zentrenprogramms. Die große Mehrzahl der geförderten Kommunen hat die erste Phase der Umsetzung des Programms für die Erarbeitung und Abstimmung entsprechender Konzepte genutzt. Teilweise wurde auf bereits bestehende Planungen aufgebaut. Damit gibt es in den meisten Programmkommunen eine fundierte Basis für die inhaltliche, räumliche, zeitliche und ökonomische Koordination bei der Zentrenentwicklung.

Charakteristika

Basis der Zentrenentwicklung (und Fördergrundlage gemäß Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung) ist die Erarbeitung und Umsetzung von integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepten (ISEK), die auf unterschiedlichen Ebenen das integrierte Handeln der Akteure anregen: Es geht um das Zusammendenken räumlicher Bezüge (vom Objekt im Stadtquartier bis zur Gesamtstadt und zur Stadtregion) mit einer akteursübergreifenden, einer zeitlichen (prozessorientierten) sowie einer ressort-, funktions-, maßnahmen- und ressourcenübergreifenden Dimension.

Die Analyse ausgewählter Konzepte und ihrer Umsetzung zeigt, dass in vielen Gebieten des Zentrenprogramms ein integrierter Ansatz im Mittelpunkt steht. Räumlich integrierte, ressort- und akteursübergreifende Handlungskonzepte, verstanden als Ergebnis eines kooperativen Planungsprozesses stellen somit das zentrale Instrument für die Umsetzung der Fördermaßnahmen im Zentrenprogramm dar. Sowohl die Erstellung als auch die Umsetzung eines ISEK ist für die verantwortlichen Akteure in den Programmkommunen ein anspruchsvoller Prozess. Strategisches Denken, Bewusstsein über die Prioritäten der Stadtentwicklung, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft zur Beteiligung sind entscheidend, damit ein zielgerichtetes und umsetzungsfähiges Konzept entsteht. Zahlreiche Programmkommunen im Zentrenprogramm, die einen integrierten Prozess angestoßen und mit der Umsetzung des Konzepts begonnen haben, zeugen davon, dass dies gelingen kann. Die einzelnen Ebenen integrierten Handelns sind dabei in unterschiedlicher Intensität ausgeprägt. Damit reagieren die Kommunen auch auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen vor Ort.

Grundlagen

Beispiel für ein Integriertes Handlungskonzept Beispiel für ein Integriertes HandlungskonzeptBeispiel für ein Integriertes Handlungskonzept Quelle: Stadt Baunatal / Büro Junker und Kruse

Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung (VV) 2017, Artikel 7

(2) Das Fördergebiet ist räumlich abzugrenzen. Die räumliche Abgrenzung kann als Sanierungsgebiet nach § 142 BauGB, städtebaulicher Entwicklungsbereich nach § 165 BauGB, Erhaltungsgebiet nach § 172 BauGB, Maßnahmegebiet nach § 171 b oder § 171 e BauGB, Untersuchungsgebiet nach § 141 BauGB oder durch Beschluss der Gemeinde erfolgen. Fördervoraussetzung ist ein unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger erstelltes integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, in dem Ziele und Maßnahmen im Fördergebiet dargestellt sind. Das Entwicklungskonzept ist in ein gegebenenfalls bereits vorhandenes gesamtstädtisches Konzept einzubetten bzw. davon abzuleiten, die Aktualität des Entwicklungskonzepts ist sicherzustellen.

(3) Die Fördermittel können eingesetzt werden für Investitionen zur Profilierung und Standortaufwertung, insbesondere für

  • Vorbereitung der Gesamtmaßnahme wie Erarbeitung (Fortschreibung) der integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepte,
  • (…)

Arbeitshilfe des Bundes

Der Bund hat für Städte und Gemeinden zur Erfüllung der Fördervoraussetzungen gemäß VV Städtebauförderung bzw.  zur Erreichung ihrer Entwicklungsziele eine programmübergreifende, praxisorientierte Arbeitshilfe zur Erstellung von integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepten bereitgestellt. Die Arbeitshilfe wurde in Zusammenarbeit mit den für die Städtebauförderung zuständigen Landesministerien und den Kommunalen Spitzenverbänden erarbeitet, so dass jeweilige länderspezifische Vorgaben berücksichtigt wurden.

Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte in der Städtebauförderung:
Eine Arbeitshilfe für Kommunen

Vorgaben und Leitlinien ausgewählter Länder

Belebte Fußgängerzone in einem historischen Stadtzentrum Belebte Fußgängerzone in einem historischen StadtzentrumBelebte Fußgängerzone in einem historischen Stadtzentrum Quelle: Plan und Praxis GbR

Nachfolgend findet sich eine Zusammenstellung aus Programmrichtlinien, Leitfäden und Arbeitshilfen ausgewählter Länder zur Ausgestaltung der integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepte:

  • Im Land Brandenburg ist ein aktuelles integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK) Voraussetzung für die Gewährung von Mitteln der Städtebauförderung. Das INSEK dient der Bündelung, Integration und Abstimmung der Planungen untereinander und ggf. der punktuellen Ergänzung bzw. Aktualisierung der vorhandenen Analysen, Konzepte und Strategien in den Kommunen. Das INSEK soll gleichermaßen als Planungs- und als Abstimmungsinstrument bei der Vorbereitung und Umsetzung von integrierten Maßnahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung einsetzbar sein. Zur Unterstützung der Kommunen bei der Erarbeitung und Fortschreibung der Stadtentwicklungskonzepte wurde eine Arbeitshilfe veröffentlicht. In ihr werden der Aufbau und die Qualitätsanforderungen für die INSEKs erläutert und beispielhaft dargestellt. Der Leitfaden beinhaltet auch Hinweise zu Bündelungsansätzen mit anderen Förderprogrammen.

    Arbeitshilfe zur Erstellung und Fortschreibung von Integrierten Stadtentwicklungskonzepten (INSEK) im Land Brandenburg, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg (MIL), Potsdam 2012
    Arbeitshilfe zur Erstellung und Fortschreibung von Integrierten Stadtentwicklungskonzepten (INSEK) im Land Brandenburg

  • In Hamburg ist die Erstellung integrierter Entwicklungskonzepte (IEK) eingebunden in das Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE). Für jedes Fördergebiet ist eine Problem- und Potenzialanalyse (PPA) zu erstellen, die aus einer Bestandsaufnahme mit Bewertung von Problemen und Potenzialen, einem schlüssigen Vorschlag zur Gebietsabgrenzung sowie Vorüberlegungen zur Zielstruktur und zu Handlungsschwerpunkten besteht. Auf Basis dieser PPA trifft das Land die Entscheidung über die Aufnahme in das RISE. Aufbauend darauf wird das IEK erstellt, das die strategischen und operativen Ziele der Gebietsentwicklung formuliert sowie als Grundlage für die Projektumsetzung und Finanzierungsplanung dient. Außerdem ist das IEK verbindliche Grundlage der Ressourcensteuerung im Kooperationsnetz aus Gebietsmanagement im Bezirksamt, Gremien und Fachbehörden sowie ggf. weiteren Partnern. In den integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepten ist zur Prozesssteuerung zudem ein Controlling und Monitoring vorgesehen, durch das Informationen und Daten aus den Projekten und Maßnahmen für das Bezirksamt und die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg zusammengetragen und verwaltungsintern ausgewertet werden können. Hierdurch wird eine fundierte Basis zur Fortschreibung des Entwicklungskonzeptes und die (Selbst-) Evaluierung der Gesamtmaßnahme hergestellt.

    Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) – Leitfaden für die Praxis, Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Hamburg 2012
    Leitfaden RISE Hamburg
  • Das Land Hessen fordert von den Programmkommunen spätestens ein Jahr nach Aufnahme in das Programm "Aktive Kernbereiche" ein integriertes Handlungskonzept. Dieses hat laut "Richtlinien des Landes Hessen zur Förderung der Nachhaltigen Stadtentwicklung – RiLiSE" eine wichtige Funktion über das Förderprogramm hinaus. Alle kernbereichsrelevanten Einzelmaßnahmen – öffentliche und private – sollen in abgestimmter Form dargestellt werden. Das integrierte Handlungskonzept beschreibt auch Maßnahmen, die nicht durch das Programm "Aktive Kernbereiche" gefördert werden, aber zur Kernbereichsaktivierung beitragen. Im Zeit- und Maßnahmenplan sowie in der Kosten- und Finanzierungsübersicht sind alle Maßnahmen gebündelt darzustellen. Das Hessische Bauministerium stellt den hessischen Kommunen zudem Leitlinien zum Förderprogramm "Aktive Kernbereiche" zur Verfügung.

    Richtlinien des Landes Hessen zur Förderung der Nachhaltigen Stadtentwicklung – RiLiSE, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Oktober 2017
    RiLiSE Hessen

    Aktive Kernbereiche in Hessen: Leitlinien zum Förderprogramm. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (Hrsg.), März 2009
    Aktive Kernbereiche in Hessen: Leitlinien zum Förderprogramm
  • Das Land Mecklenburg-Vorpommern fordert die Darstellung sämtlicher zentrumsrelevanten öffentlichen und privaten Einzelmaßnahmen in abgestimmter Form in einem integrierten Handlungskonzept. Die Leitlinien zum Förderprogramm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren erläutern auch die Fortentwicklung der integrierten Stadtentwicklungskonzepte, die im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost erstellt wurden, für Maßnahmen im Zentrenprogramm.

    Leitlinien zum Förderprogramm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren in Mecklenburg-Vorpommern, Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung
    Leitfaden "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" des Landes Mecklenburg-Vorpommern


  • Die Förderrichtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen sehen integrierte Handlungskonzepte seit 2008 als verpflichtende Grundlage für alle Teilprogramme der Städtebauförderung vor. Die Konzepte sollen eine ganzheitliche, sektorenübergreifende Betrachtungsweise der Probleme und Chancen sowie die ressortübergreifende Bündelung von Ressourcen fördern. Auf Basis der Konzepte sollen wichtige Akteure der Stadtentwicklung eingebunden und Beteiligungsprozesse durchgeführt werden. Zur Unterstützung der Kommunen bei der Erstellung der Handlungskonzepte hat das zuständige Landesministerium im Frühjahr 2012 den Leitfaden "Integrierte Handlungskonzepte in der Stadtentwicklung" veröffentlicht. Er gibt methodische Anregungen, definiert wesentliche Handlungsfelder und schildert die wichtigsten Schritte zur Erstellung integrierter Handlungskonzepte. Einzelne Beispiele aus nordrhein-westfälischen Kommunen dienen der Veranschaulichung.


    Integrierte Handlungskonzepte in der Stadtentwicklung. Leitfaden für Planerinnen und Planer, Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2012
    Integrierte Handlungskonzepte in der Stadtentwicklung. Leitfaden für Planerinnen und Planer.

  • Das Gemeindeentwicklungskonzept im Saarland soll die einzelnen Maßnahmen und Projekte sowohl inhaltlich und räumlich als auch zeitlich und ökonomisch koordinieren und sicherstellen, dass damit die Programmziele erreicht werden. Weiterhin dient es der Aktivierung der beteiligten Personen und Interessengruppen, da bereits in einer frühen Phase alle zentrenrelevanten Akteure einbezogen werden müssen. Das Saarland legt den integrierten Konzepten folgende Kriterien zugrunde:

    1. Ganzheitlicher, integrierter Planungsansatz: Einbeziehung aller relevanten sektoralen Themen, Maßnahmen und Planungen sowie interdisziplinäre, kooperative Arbeitsweise

    2. Dialogorientierte und konsensuale Erarbeitung unter Einbeziehung aller zentrenrelevanten Akteure

    3. Prozesshaftes Verfahren, welches eine kontinuierliche Fortschreibung und Anpassung vorsieht.


    Aktive Zentren, Leitfaden zum Städtebauförderungsprogramm, Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, Saarbrücken 2010
    Leitfaden zum Städtebauförderungsprogramm Aktive Zentren

Beispiele

Folgende Praxisbeispiele widmen sich städtebaulichen Entwicklungskonzepten und integrierten Handlungsansätzen:

Folgende weitere Beispiele auf den Seiten der Bundestransferstelle liefern Informationen zum integrierten Handlungsansatz in der Praxis:

Veranstaltungsdokumentationen

Dokumentation der Transferwerkstatt "Instrumente des Zentrenprogramms - Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis" mit vertiefenden Informationen zu integrierten Handlungsansätzen in der Zentrenentwicklung und Beispielen aus der Praxis:
>>weitere Informationen

Dokumentation der Transferwerkstatt "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren durch integriertes Handeln" mit vertiefenden Informationen zum Thema "Städtebauliche Entwicklungskonzepte und integrierte Handlungsansätze" sowie weiteren Anwendungsbeispielen:
>> weitere Informationen

Dokumentation der Transferwerkstatt "Zentren – Orte der Vielfalt für Wirtschaft, Wohnen, Versorgung und Freizeit" mit Informationen zur Fortschreibung und Qualifizierung integrierter städtebaulicher Entwicklungskonzepte und zu ihrer Bedeutung als Instrument zur Stärkung der Nutzungsvielfalt sowie weiteren Anwendungsbeispielen:
>> weitere Informationen

Fragen zum Thema

Haben Sie konkrete Fragen zu städtebaulichen Entwicklungskonzepten und integrierten Handlungsansätzen? Das Team der Bundestransferstelle steht Ihnen gern zur Verfügung: aktivezentren@planundpraxis.de

Stand: Mai 2018

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