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Citykirche Reutlingen

Themenschwerpunkt: Barrierefreiheit

Zusammenfassung

Eingangsbereich der Citykirche Reutlingen Eingangsbereich der Citykirche ReutlingenEingangsbereich der Citykirche Reutlingen Quelle: Stadt Reutlingen

Im Rahmen eines städtebaulichen Ideenwettbewerbes wurde ein Entwicklungskonzept erarbeitet und auf dessen Grundlage die Altstadt als Zentrum Reutlingens saniert. Berücksichtigt wurden sowohl baukulturelle Aspekte als auch Anforderungen des Denkmalschutzes. Auch die Nikolaikirche war ein Projekt der städtebaulichen Erneuerung: Sie wurde umgewidmet und dient nun als "Citykirche Reutlingen" als Begegnungs- und Veranstaltungsstätte.

Kontext

Die Altstadt als räumliches und funktionales Zentrum Reutlingens ist wichtigster Baustein im Gesamtkonzept der Stadtentwicklung. Charakteristisch für die historische Struktur der Altstadt sind vergleichsweise kleine Gebäude mit spitzen Giebeln, teilweise in Fachwerkbauweise, die eine geschlossene Häuserfront bilden. Diese Struktur wird an vielen Stellen zum Teil durch großräumige Neubauten der letzten Jahrzehnte aufgebrochen. Trotz mehrerer kleinerer Sanierungsmaßnahmen ist die Altstadt in weiten Teilen nach wie vor in städtebaulich-gestalterischer und funktionaler Hinsicht erneuerungsbedürftig.

Projektbeschreibung

Die Modernisierung der "Citykirche Reutlingen" gilt als besondere Maßnahme im Rahmen der Sanierung der Altstadt Reutlingens. Als integrative, nicht konfessionell gebundene Begegnungs- und Veranstaltungsstätte entstand sie aus der umgewidmeten Nikolaikirche. Träger der Einrichtung sind die Evangelische und Katholische Gesamtkirchengemeinden Reutlingen.

Die Nikolaikirche wurde als gotische Kirche Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut und liegt mitten in der Altstadt am Nikolaiplatz und der Wilhelmstraße – direkt an der Reutlinger Fußgängerzone.

Um die Nutzung des Gebäudes langfristig zu sichern, führte der Eigentümer Modernisierungsmaßnahmen am Gebäude durch, für die die Stadt einen Zuschuss gewährte. Die Citykirche wird trotz ihrer Umwidmung auch weiterhin als Ort für besondere ökumenische Gottesdienste genutzt. Auf diese Weise wird gemeinsam mit dem Café Nikolai, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten, ein Zeichen für erfolgreiche Integration gesetzt.

Für die Stadt Reutlingen ist die Modernisierung der Citykirche ein Schritt zur städtebaulichen Erneuerung der Altstadt. Bereits in den Jahren 2005/2006 hat die Stadt einen städtebaulichen Ideenwettbewerb "Neugestaltung der Straßen und Plätze in der Altstadt" durchgeführt. Dabei wurden Leitideen eines Entwicklungskonzeptes für die Altstadt erarbeitet. Das Konzept verknüpft strukturell-funktionale und gestalterische Aspekte und ist Ausgangspunkt dafür, die städtebaulichen Ziele in einem Altstadtrahmenplan zu formulieren.

Die Schwerpunkte des Rahmenplanes und der Sanierung in der Altstadt sind die Neugestaltung des öffentlichen Raumes, die punktuelle Neuordnung von bebauten Bereichen, die Schaffung öffentlicher Stellplätze und insgesamt die erhaltende Erneuerung des Gebäudebestandes.

Handlungsfelder

Neugestaltung des öffentlichen Raumes im Rahmen der städtebaulichen Erneuerung; bauhistorische, denkmalpflegerische Sanierung; Modernisierung und Umgestaltung historischer Bausubstanz; Einrichtung einer Begegnungs- und Veranstaltungsstätte

Einzelmaßnahmen

  • Bebauung von innerstädtischen Freiflächen (nach Abbruchmaßnahmen) mit Stadthäusern (Besonderheit: Stadthäuser als neuer Gebäudetypus für den Standort)
  • Umbau eines gründerzeitlichen Produktionsgebäudes zu einem Wohnhaus mit Lofts
  • Umbau und Sanierung ehemaliger Eisenbahnerhäuser aus der Vorgründerzeit mit nicht marktgängigen Grundrissen zu Einfamilienhäusern

Einzelmaßnahmen und Projektumsetzung

Umbau des Kircheninnenraumes, Küche, Theke, Mitarbeiterräume, barrierefreie Toilettenanlage, behindertengerechter Zugang

Tabelle: Einzelmaßnahmen und Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
April 2007

1. Bauabschnitt

Im Innenraum der Kirche wird für das Café eine kleine Küche und eine Theke eingerichtet. Im Untergeschoss entstehen Toilettenanlagen und Mitarbeiterräume für die Angestellten des Cafés. Weitere Maßnahmen sind die Sanierung der Treppen zum Untergeschoss und zur Empore, die Sanierung der Heizung (Fußbodenheizung im Kirchenschiff sowie nicht sichtbare Wandkonvektoren anstelle einer energieintensiven Warmluftheizung) und die Schaffung von 40 Sitzplätzen auf der Empore.

September 2008

2. Bauabschnitt

An der Südseite der Kirche entsteht ein barrierefreier Eingang mit einer behindertengerechten Rampe und einem Glaswindfang, der zugleich als Wärmedämmungsmaßnahme dient.

September 2008

3. Bauabschnitt 

An der Nordseite des Gebäudes wird eine barrierefreie Toilette für Menschen mit Behinderung gebaut.

Finanzierung

Tabelle: Finanzierung
Kosten der Gesamtmaßnahme

ca. 560.000 Euro

1. Bauabschnitt (Umbau Kirchenraum)ca. 420.000 Euro
2. Bauabschnitt (barrierefreier Zugang am Südportal) ca. 60.000 Euro
3. Bauabschnitt (barrierefreies WC auf der Nordseite)ca. 80.000 Euro

An den Umbaukosten beteiligten sich die BruderhausDiakonie Reutlingen und zahlreiche Spender. Eine Finanzierungslücke in Höhe von 70.000 Euro sicherte die Stadt Reutlingen ab und gewährte einen Modernisierungszuschuss in gleicher Höhe.

Besonderheiten

Die Nikolaikirche ist ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung im Sinne des §28 Denkmalschutzgesetz. Auflagen in der Baugenehmigung stellten einen geringen Eingriff in die denkmalgeschützte Substanz sicher. Grundsätzliche Bedenken gegen die geplanten Anbauten – den Glaswindfang auf der Südseite und die behindertengerechte Toilette auf der Nordseite der Kirche – wurden zurückgestellt, um dem Kirchengebäude für seine neue Funktion eine bedarfsgerechte Infrastruktur zu verschaffen. Beide Elemente müssen sich jedoch möglichst unauffällig in die historische Fassade einpassen.

Während des Umbaus fanden regelmäßige Ortstermine mit Bauherren, Architekten, Restaurator, Fachhandwerkern und Vertretern des städtischen Bürgerbüros Bauen statt. So konnte das Gebäude im Sinne des Denkmalschutzes und den Belangen der neuen Nutzung entsprechend saniert werden.

Lernerfahrungen

Die Umnutzung der Nikolaikirche zur Citykirche Reutlingen und der Umbau des historischen Kulturdenkmals stellte die Gebäudeeigentümerin, die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Reutlingen, und ihre Partner vor große Herausforderungen. Gemeinsam mit der Katholischen Kirchengemeinde gründete sie daher bereits 2006 die Citykirche Reutlingen GbR.

Ihr Ziel war, die neue Citykirche für verschiedene Nutzungen zu öffnen. Als integrative Begegnungsstätte in der Innenstadt sollte sie ein Begegnungsort werden. Das neue Café, das von der BruderhausDiakonie mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Menschen mit Behinderung geführt wird, verdeutlicht diesen Aspekt. Gleichzeitig sollte die Citykirche ein Ort der Information, Beratung und Seelsorge werden, ein Ort der Besinnung und ein Ort, an dem über gesellschafts- und sozialpolitische Themen, Lebens- und Glaubensfragen geredet wird.

Es war schwierig, diesen verschiedenen Nutzungsansprüchen (Cafébetrieb, Information, Besinnung, Vermittlung von Seelsorgeangeboten, Veranstaltungen) gerecht zu werden und im denkmalgeschützten Gebäude baulich umzusetzen. Mit Hilfe eines Ideenwettbewerbes für Studierende der Fachhochschule Nürtingen wurden neue Vorstellungen entwickelt, die der Architekt Helmut Goldbach vom Büro "Goldbach+Heß", Reutlingen, in die Pläne einfließen ließ. In enger Zusammenarbeit mit dem Bauherren und dem Architekten, mit Fachleuten, Denkmalschutz und dem städtischen Bürgerbüro Bauen entstand die Citykirche Reutlingen. Sie konnte somit als historisches Bauwerk gesichert und einer neuen sinnvollen Nutzung zugeführt werden.

Das Gebiet heute

Die "Sanierung Altstadt" wird bis 2016 im Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren fortgesetzt. Die Erneuerung der "oberen" Wilhelmstraße findet großen Anklang bei Anwohnern, Geschäftsleuten und Passanten. Der Bereich der "unteren" Wilhelmstraße, an der die Citykirche Reutlingen liegt, wird gegenwärtig saniert. Mittlerweile konnten mit weiteren Gebäudeeigentümern Modernisierungsverträge abgeschlossen, alte Gebäude saniert und damit die historische Bausubstanz erhalten werden. Der Bau der Stadthalle ist ebenfalls weit vorangeschritten und wird das Gesicht des Bereiches um die Altstadt positiv verändern.

Zusatzinformationen

Projektname

Citykirche Reutlingen

Bundesland

Baden-Württemberg


Gemeinde

Stadt Reutlingen


Programmbereich

Sanierungsmaßnahme


Projektbeginn

April 2007


Projektende

Dezember 2008


Größe des Sanierungsgebietes

ca. 25 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

2,9 Mio. Euro

Gebietstypus

Altstadt – Innenstadtbereich

Kontaktdaten

Kommune:
Stadtkämmerei Abt. Stadterneuerung / Finanzzuweisung
Oskar-Kalbfell-Platz 21
72764 Reutlingen
Frau Angelika Raiser

Weitere Informationen

Citykirche Reutlingen

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