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Esens - Altstadt

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Das Sanierungsbiet umfasst die gesamte Esenser Altstadt. Als Zentrum der Stadt beherbergt sie wichtige kulturelle, religiöse und öffentliche Gebäude und dient als Versorgungs- und Einzelhandelszentrum. Städtebaulich und architektonisch wird die Altstadt durch z. T. historische ein- bis zweigeschossige Wohn- und Geschäftsgebäude geprägt. Im Rahmen der 1998 abgeschlossenen Maßnahme ist es gelungen, bau- und stadtgeschichtlich bedeutsame Gebäude sowie den historischen Stadtgrundriss zu erhalten und heutigen Anforderungen anzupassen.

Kontext

Bereits 1965 begannen erste Strukturuntersuchungen, woraufhin neun Bebauungspläne erstellt wurden, die das gesamte Sanierungsgebiet abdeckten. 1967 wurde das Sanierungsvorhaben als "Modell zur Erneuerung von Städten und Dörfern" durch den Bund anerkannt. Damit verbunden war eine geringe Förderung investiver Maßnahmen durch das Land Niedersachsen und den Bund. Aus dem Modellvorhaben sollten Erfahrungen gesammelt werden, die in die Ausgestaltung des Städtebaufördergesetzes einfließen sollten.

Projektbeschreibung

Das Sanierungserfordernis entstand durch die Zunahme des motorisierten Individualverkehrs, der die Altstadt erheblich belastete. Weiterhin sollte eine großflächige Möbelfabrik aus der Altstadt an die Peripherie der Stadt verlegt werden. Eine erhebliche Anzahl von Wohn- und Geschäftsgebäuden war baufällig. Baulücken entstanden und Investitionen sowohl in den Erhalt als auch in den Neubau blieben aus. 1967 galt nur ca. ein Drittel der Gebäude als gut erhalten.


Die Sanierung lässt sich in zwei Phasen einteilen: Nach der teilweisen Flächensanierung, die den Rückbau von 47 Gebäuden umfasste, sind Neu- und Ersatzbauten entstanden, die im Verlauf der Sanierungsmaßnahme zunehmend in die ortübliche Bauweise eingepasst wurden. Eine wichtige Maßnahme war die Aufwertung des zentralen Kirchplatzes über Gebäudesanierungen und eine Platzgestaltung. Danach folgten gezielte Objektsanierungen an 17 Gebäuden sowie Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und -lenkung sowie zur Schaffung von Parkplätzen. Über die Stärkung der Nutzungsmischung von Wohnen, Versorgung und Fremdenverkehr sollte eine langfristige Stabilisierung des Altstadtkerns sichergestellt werden.
Als Sanierungsträger wurde 1970 die Niedersächsische Landesentwicklungsgesellschaft mbH (NILEG) beauftragt.

Handlungsfelder

Erhalt historischer Bausubstanz, Nachverdichtung in ortsüblicher Bauweise, Stärkung des Geschäftszentrums, Stärkung der Nutzungsmischung von Wohnen, Versorgung und Fremdenverkehr, Neuordnung des ruhenden und fließenden Verkehrs

Einzelmaßnahmen

Umgestaltung Kirchplatz, Bau einer Fußgängerzone, Sanierung und Umnutzung der ehem. Volksschule zum evangelischen Gemeindehaus, Umgestaltung Marktplatz, Sanierung des historisches Rathauses, Umnutzung einer Sonderschule zum "Haus der Begegnung", Umgestaltung der Kirchwarf und Errichtung einer Freilichtbühne

Finanzierung

Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf 16,8 Mio. DM. Innerhalb der Kostengruppen liegt der Schwerpunkt auf den Ordnungsmaßnahmen, die mit 8,1 Mio. DM ca. 48% der gesamten Kosten ausmachen. Etwa jeweils ein Viertel der Kosten machen die Bau- bzw. Modernisierungsmaßnahmen mit 3,7 Mio. DM sowie der Grunderwerb mit 4,1 Mio. DM aus.

Neben Städtebauförderungsmitteln in Höhe von ca. 14,9 Mio. DM, die v. a. in Erschließungsmaßnahmen und die Schaffung von Gemeinbedarfseinrichtungen flossen, wurden für die Umgestaltung der Kirchwarf Mittel aus dem Konjunktur- und Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP) des Landes Niedersachsen genutzt. Von privater Seite sind geschätzte Mittel in Höhe von 35-40 Mio. DM für den Neubau, die Modernisierung und die Instandhaltung des Gebäudebestandes mobilisiert worden.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1965Ratsbeschluss zur Durchführung der Sanierung
1965 Beauftragung der Niedersächsischen Heimstätten GmbH für eine Strukturuntersuchung
1967   Anerkennung als "Modell zur Erneuerung von Städten und Dörfern" durch den Bund
1970Verlagerung der Möbelfabrik und Beginn der Flächensanierung
1971Förmliche Festlegung der Sanierungsgebiete I und II
1984Esens erhält für die Stadtsanierung den 1. Preis im Landeswettbewerb "Bauen und Wohnen in alter Umgebung"
1987Sanierungssatzung zum Sanierungsgebiet III wird rechtskräftig
1997Offizieller Abschluss der Sanierungsmaßnahmen
1998Aufhebung der Sanierungssatzung

Besonderheiten

Die private Sanierungstätigkeit spielte eine große Rolle und wird auf das 2-3-fache Volumen der öffentlichen Investitionen geschätzt. Hervorzuheben ist auch, dass vergleichsweise problemlos die öffentlichen Mittel durch Ausgleichsbeträge in Form von Ablösevereinbarungen ergänzt werden konnten. Diese betragen ca. 5% der Gesamteinnahmen.

Lernerfahrungen

  1. Rückblickend ist die Hinwendung zur erhaltenden Erneuerung und zur Neubebauung in ortsübliche Bauweise bedeutend gewesen, um die Attraktivität der Altstadt langfristig zu sichern. Der 1. Preis im Landeswettbewerb "Bauen und Wohnen in alter Umgebung" bestätigte bereits 1984 diese Strategie.
  2. Auch wenn die Dauer von 33 Jahren für einen langwierigen Sanierungsprozess spricht, sind die positiven Effekte für die Altstadt deutlich zu sehen. Es ist gelungen, die Altstadt durch die Sanierungsmaßnahme umfassend aufzuwerten und langfristig zu stabilisieren. Heute weisen der Einzelhandel, die gastronomischen Einrichtungen sowie der Zustand der Gebäude und Straßen eine gute Qualität auf, was für eine vom Tourismus abhängige Kommune von außerordentlich hohem Wert ist.

Das Gebiet heute

Heute stellt sich Esens als lebendige Kleinstadt dar, die durch die Sanierungsmaßnahmen nachhaltig aufgewertet worden ist. Derzeit sind keine gravierenden städtebaulichen oder funktionalen Mängel festzustellen, die eine weitere Förderung nach sich ziehen würden. Die verkehrlichen Probleme durch den motorisierten Individualverkehr sind weitgehend beseitigt. Die verkehrsberuhigten Straßen sind nach wie vor in einem sehr guten baulichen Zustand.

Zusatzinformationen

Bundesland

Niedersachsen

Gemeinde

Stadt Esens

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren

Projektbeginn

1965: Ratsbeschluss zur Durchführung der Sanierung

1971: förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes

Projektende

1998

Größe des Sanierungsgebietes

ca. 13,4 ha

Volumen der Städtebaufördermittel

ca. 14,9 Mio. DM

Gebietstypus

Historischer Stadtkern mit kleinteiliger Bebauungsstruktur

Kontaktdaten

Kommune:

Samtgemeinde Esens

Tilman Petters (Leiter Bau- und Stadtplanungsamt)

Am Markt 2-4

26427 Esens

Tel.: +49 4971 20614

Stand

Dezember 2009

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