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Jena - Sophienstraße

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Durch die Rahmenbedingungen der Vorwendezeit befand sich die vorhandene Altbausubstanz im Sanierungsgebiet "Sophienstraße" in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Eine starke Verkehrsbelastung, ein vernachlässigtes Wohnumfeld und schlechte Wohnbedingungen waren weitere Problemfelder. Die daraus resultierende Sanierungsbedürftigkeit des innerstädtischen Wohnquartiers mit seinem prägnanten Charakter und nahezu vollständig erhaltener Baustruktur führte 1991 zum Beginn der Vorbereitenden Untersuchungen und noch im selben Jahr zu einer förmlichen Festlegung als Sanierungsgebiet. Zu Beginn wies das Quartier kaum Leerstände auf, es bestand ein hoher Identifikationsgrad seitens der Bewohner.

Kontext

Das Sanierungsgebiet "Sophienstraße" ist Teil des wegen seiner Straßennamen "Damenviertel" genannten Quartiers. Es entstand im Zuge der industriellen Entwicklung als planmäßig angelegtes, bürgerliches Wohnquartier mit rechtwinklig angeordneten Straßen und drei- bis viergeschossiger geschlossener Blockbebauung mit Gewerbebetrieben, Einzelhandel und Gaststätten in den Blockinnenbereichen und Erdgeschosszonen. Es grenzt nördlich an die mittelalterliche Kernstadt an. Das Damenviertel wurde aufgrund seiner Raumstrukturen und der vorhandenen Bausubstanz 1993 als Denkmalensemble unter Schutz gestellt. Die meist im Originalzustand erhaltenen Fassaden präsentieren die Epoche der späten Gründerzeit und des Jugendstils wider.

Projektbeschreibung

Zu Anfang der 1990er Jahre konzentrierte sich die Stadtentwicklung Jenas vorrangig auf die Erneuerung des Stadtzentrums und der Innenstadtrandgebiete. Bei allen Sanierungsgebieten, auch bei der "Sophienstraße", stand der Ansatz einer behutsamen Stadterneuerung im Vordergrund. Wert wurde auf die Erhaltung und Wiederherstellung von Wohnraum mit möglichst moderater Zunahme von Gewerbenutzung in den Wohngebieten trotz Citynähe sowie die Schaffung einer wohnungsnahen Infrastruktur gelegt. Leitbild war die Fortentwicklung des Viertels als urbanes Wohnquartier bei gleichzeitiger Bewahrung der Nutzungsmischung sowie der sozialen Struktur. Weiteres Ziel war die Erhaltung des städtebaulichen Gesamtensembles unter Beachtung des Denkmalschutzes. Das Sanierungskonzept beinhaltete u. a. einen städtebaulichen Rahmenplan und einen Sozialplan. Die Durchführung sollte durch die aktive Mitwirkung Betroffener und Eigentümer erfolgen. Der Erwerb von Gebäuden durch Investoren und Kapitalanleger nach dem Investitionsvorrangesetz beschleunigte die Modernisierung, deren Höhepunkt Mitte der 1990er Jahre erreicht wurde.

Bis 1993 erfolgten Sicherungsmaßnahmen an verfallsbedrohten Gebäuden. Zu den Ordnungsmaßnahmen zählten Abbrüche von Nebengebäuden für Innenhofgestaltungen, die Erneuerung öffentlicher Grünflächen und der Bau dezentraler Stellplatzanlagen. Der denkmalgerechte Grundausbau des öffentlichen Straßenraums erfolgte nach gestalterischen Vorgaben. Bis 1999 wurden 196 von 236 Gebäuden unter denkmalpflegerischen Vorgaben modernisiert.

Die Vorbereitenden Untersuchungen wurden von der Stadtverwaltung unter der Mitwirkung des Denkmalamtes erarbeitet. Im Gebiet bestand ab 1991 zudem ein Sanierungsbüro. Wichtige Projekte wie z. B. genossenschaftlich organisierte Modernisierungsprojekte mit hohem Selbsthilfeanteil zur Bildung von Wohneigentum wurden initiiert. Nach Schließung des Büros 1996 übernahm die Stadtverwaltung sämtliche Aufgaben.

Handlungsfelder

Sicherung von historischer Bausubstanz, Straßenraumgestaltung, Aufwertung und Umstrukturierung von Blockinnenbereichen, Sozialplanung, Behutsame Stadterneuerung, Neuordnung des ruhenden und fließenden Verkehrs, Errichtung von Grün- und Spielflächen

Einzelmaßnahmen

Aufwertung der Käthe-Kollwitz-Straße mit Wiederherstellung eines begrünten Mittelstreifens, Wiederherstellung historischer Vorgartenbereiche, Anwohnerparkhaus „Am Planetarium“, Umbau einer Tischlerei zu einer künstlerischen Abendschule, Baulückenschließung Bibliotheksweg 1a, Kinder- und Jugendspielplatz Kritzegraben, Grünanlage Sophienstraße

Finanzierung

Im Rahmen des Bund-Länder-Programms Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen wurden zwischen 1991 und 1998 rund 4,93 Mio. DM abgerechnet. Eine abschließende Darstellung der Kosten ist aufgrund der noch laufenden Maßnahme nicht möglich. Die Stadt erhält seit 1991 Städtebaufördermittel aus dem Bund-Länder-Programm. Darin eingebettet sind Sonderförderungen aus der "Thüringer Initiative zur Gebäudesicherung" sowie dem "Standortbedingten Mehraufwand". Der Schwerpunkt dieses erfolgreichen kommunalen Förderprogramms lag in der stadtbildtypischen und denkmalgerechten Gestaltung von Fassaden, Dächern und privater Freiräume. Über die Sanierung wurden private Investitionen außerhalb der Städtebauförderung angestoßen.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1991Durchführung der Vorbereitenden Untersuchungen und förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets Sophienstraße
1992Förmliche Festlegung der Ergänzung des Sanierungsgebiets
1993Ausweisung des Damenviertels als Denkmalensemble
1995Beschluss zur "Sozialplanung im Sanierungsgebiet Sophienstraße"
199880 % des Gebäudebestands (236 Gebäude) sind modernisiert und instand gesetzt
1999Beschluss zur Fortschreibung der Sanierungsziele einschließlich Gestaltungsvorgaben für die Straßenräume
2006Der Grundausbau des Straßenraums ist zu etwa 50 % erfolgt
2011Voraussichtlicher Abschluss der Sanierungsmaßnahmen

Besonderheiten

  1. Eine tragende Rolle zu Beginn der Maßnahme spielte der hohe Fördermittelsatz von 97,5% aus der "Thüringer Initiative zur Gebäudesicherung", mit dem die Stadt zu Beginn der Maßnahme in die Lage versetzt wurde, die verfallsbedrohten Gebäude ohne bürokratische Hemmnisse vorläufig zu sichern.
  2. Eine weitere flankierende Maßnahme bildete das innerhalb der Städtebauförderung eingebettete kommunale Förderprogramm zum "Standortbedingten Mehraufwand", das private Eigentümer zu Modernisierungen motivieren sollte. Der Schwerpunkt lag auf Baumaßnahmen zur stadtbildtypischen und denkmalgerechten Gestaltung von Gebäudeteilen wie Fassaden oder Dächer und der privaten Freiräume. In der Regel wurde vom Eigentümer zusammen mit dem Sanierungsbeauftragten und der Stadt ein denkmalgerechtes Gestaltungskonzept entwickelt und abgestimmt.

Lernerfahrungen

Obwohl von Beginn an sozialplanerische Belange eine bedeutende Rolle spielten und durch die Aufstellung von Sozialplänen und durch "Abwendungsvereinbarungen" die Sozialverträglichkeit der Sanierungsmaßnahme gesichert werden sollte, hatten die umfangreichen Modernisierungen ein z. T. erheblich ansteigendes Mietniveau zur Folge. Ab Mitte der 1990er war eine Verdrängung der ursprünglichen Bevölkerung zu beobachten. Die Stadt versuchte erneut, über verschiedene Auflagen und Verschärfungen der Genehmigungspraxis, Einfluss auf die sozialen Belange auszuüben. Dies ist nur zum Teil gelungen, und es bleibt abzuwarten, ob mit den nachjustierten Instrumenten das angestrebte Ziel der Erhaltung und Sicherung von preisgünstigem Wohnraum mit gemischter Sozialstruktur auf Dauer zu halten sein wird. Die erfolgreich initiierten Genossenschaftsprojekte zeigen aber auch, dass über ein intensives bürgerschaftliches Engagement mit starkem Selbsthilfeanteil eine erfolgreiche Umsetzung von Modernisierungsvorhaben trotz vieler Widerstände möglich ist und sie einen bedeutenden Betrag leisten können, die angestrebte gemischte Sozialstruktur zu erhalten.

Das Gebiet heute

Die Sanierung hat einen wichtigen Beitrag zur Rettung und zum Erhalt des Quartiers geleistet. In einem relativ kurzen Zeitraum wurden historische Qualitäten wiederhergestellt und die denkmalgeschützte Bausubstanz weitgehend erneuert, so dass das Damenviertel heute als ein attraktives innerstädtisches Wohnquartier gilt. Die Bausubstanz des gründerzeitlichen Ensembles ist inzwischen weitgehend erneuert.

Zusatzinformationen

Bundesland

Thüringen


Gemeinde

Stadt Jena


Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren


Projektbeginn

1991


Projektende

Voraussichtlich 2011


Größe des Sanierungsgebietes

14,4 ha (inkl. Ergänzungsgebiet)


Volumen der Städtebaufördermittel

noch nicht komplett abgerechnet; Volumen der Städtebaufördermittel bis 2002: ca. 6 Mio Euro


Gebietstypus

Gründerzeitliches Wohnquartier am Rand der Innenstadt


Kontaktdaten

Kommune:
Stadtverwaltung Jena
Dezernat Stadtentwicklung
Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung
Am Anger 26
07743 Jena

Herr Dr. Matthias Lerm (FB-Leiter Stadtentwicklung und Stadtplanung)
Tel.: +49 3641 495200; E-Mail: Fb-stadtentwicklung@jena.de


Frau Monika Titze (Fachdienst Stadtentwicklung, Leitung Stadtsanierung)
Tel: +49 3641 495116, E-Mail: titzem@jena.de


Sanierungsbeauftragter:
Planissimo – Büro für Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsplanung

Dr. Reinhard Lehnen
Reichswaldstr. 43
91052 Erlangen
Tel.: +49 9131 302488; E-Mail: dr.reinhard.lehnen@fen-net.de


Stand

Januar 2010


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