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Köln-Severinsviertel

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Das im Süden der Kölner Altstadt liegende Severinsviertel hat durch die mehr als 20 Jahre dauernde Sanierung einen erheblichen Entwicklungssprung vollzogen und ist heute ein sehr beliebtes Wohnquartier mit urbanen Qualitäten, gekennzeichnet durch eine intensive Nutzungsmischung, eine kleinteilige Gewerbestruktur und eine gemischte Bevölkerungsstruktur.

Auslöser für die Sanierungstätigkeit waren zum einen Nutzungskonflikte, die problematische Entwicklung der Bevölkerungsstruktur, fehlende soziale Infrastruktur und Mängel in der Bausubstanz. Zum anderen wurde nach der Betriebsverlagerung der Süßwarenfabrik Stollwerck die Chance gesehen, positive Entwicklungen für die Sanierung und Neugestaltung des Viertels anzustoßen und neue Funktionen anzusiedeln. Dazu gehörten Grün- und Freiflächen, Gemeinbedarfseinrichtungen und Wohngebäude.

Heute zählt das Severinsviertel zu den beliebtesten innerstädtischen Stadtteilen Kölns, das nach wie vor durch seine gemischte Nutzung sowie viele kleine Läden und Kneipen geprägt ist und als eine Hochburg des Kölner Karnevals gilt.

Kontext

Das Severinsviertel liegt im Süden in der Kölner Altstadt, grenzt im Osten an den Rhein und war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein bedeutender Wohn- und Gewerbestandort. Aufgrund der relativ geringen Zerstörungen war das Severinsviertel nach Kriegsende ein gesamtstädtischer Ausgangspunkt für den Wiederaufschwung Kölns.

In den 1970er Jahren wuchs in der Stadt Köln das Bewusstsein, dass die Stadterneuerung eine zentrale Notwendigkeit für die weitere Entwicklung Kölns darstellt. Mit Inkrafttreten des Städtebauförderungsgesetzes sind die rechtlichen und fördertechnischen Grundlagen für die Stadterneuerung geschaffen worden, woraufhin für mehrere Stadtteile Gutachten erstellt wurden. Dem Severinsviertel wurde in diesem Zusammenhang eine sehr hohe Dringlichkeit für eine Sanierung eingeräumt, begründet durch die zentrale Lage, den hohen Anteil an erhaltenswerter Bausubstanz und den Handlungsbedarf durch das brach gefallende Areal der Stollwerckfabrik.

Projektbeschreibung

Für die Sanierung wurde das Ziel der Erhaltung und Stärkung des Severinsviertels als relativ preisgünstiges Wohngebiet mit intensiver funktionaler Mischung, gemischter Sozialstruktur sowie typischem Milieu und Stadtbild verfolgt. Im Laufe der Sanierung erfolgte eine Schwerpunktsetzung insbesondere in Bezug auf Erhalt und Modernisierung der Wohnungen sowie Erhalt preisgünstigen Wohnraums.

Im Jahre 1981 wurden die Projektgruppe "Severinsviertel" und das Amt für Stadterneuerung zum Amt für Stadterneuerung und Sanierung fusioniert. In gebiets- und fachbezogenen Teams arbeiteten Architekten, Stadt- und Sozialplaner, Juristen und Verwaltungsfachkräfte zusammen. 1979 wurde die Landesentwicklungsgesellschaft NRW als Sanierungstreuhänderin eingesetzt.

Wesentliche Maßnahmen der Sanierung waren der Neu-, Um- und Ausbau der Wohnbebauung, die Erstellung von Gemeinbedarfseinrichtungen, die Herrichtung von Denkmalen (ein Beispiel hierfür ist die Severinstorburg), die Veränderung der Verkehrsführung einschließlich des ruhenden Verkehrs und des Fußgänger- und Radverkehrs sowie die Schaffung von Grünflächen (Trude-Herr-Park). Infolge starker Bürgerproteste wurde von der geplanten Entkernung und dem Abriss des gesamten Stollwerckfabrikgeländes abgesehen, welches durch die Treuhänderin LEG erworben und im Zuge der Sanierung als preisgünstiger Wohnstandort, Grünfläche und Standort für Gemeinbedarfseinrichtungen entwickelt wurde.

Handlungsfelder

Gewerbeflächenkonversion, Integration historischer Fabrikgebäude in den städtebaulichen Kontext, Modernisierung und Neubau von Wohngebäuden, Erhalt der Nutzungsmischung, Sozialer Wohnungsbau, Schaffung öffentlicher Grün- und Freiflächen, Straßenbegleitgrün und von Gemeinbedarfseinrichtungen, Neuordnung des Verkehrs, denkmalgerechte Sanierung von bedeutenden Einzelbauwerken, Umzugslenkung

Einzelmaßnahmen

Bürgerhaus Stollwerck, Bürgerpark Trude-Herr-Park, Sanierung Severinstorburg und Umnutzung zum Veranstaltungsort, Umgestaltung Chlodwigplatz, Umnutzung des Geländes der Stollwerck-Fabrik, Neubauten an der Karl-Korn-Straße, Kinder und Jugendzentrum / Theaterschule in der Elsaßstraße, Straßenraumgestaltung Rolandstraße, Neubau am Kartäuserwall, Sanierung der Severinskirche, Bau von drei Kindertagesstätten, Schaffung einer Altenpflegeeinrichtung

Finanzierung

Wichtigste Finanzierungsquelle für die Sanierungsmaßnahme waren die Städtebaufördermittel des Bund-Länder-Programms. Diese Gelder kamen zu drei Vierteln vom Land Nordrhein-Westfalen und vom Bund, zu einem Viertel von der Stadt Köln.

Auf der Basis des Gesamtantrages hat Nordrhein-Westfalen Kosten für die Sanierung in Höhe von ca. 92,4 Mio. Euro als förderfähig anerkannt. Gegenzurechnen sind städtische Einnahmen durch die Reprivatisierung der Immobilien des Treuhandvermögens und durch die Erhebung von Ausgleichsbeträgen.

Zusätzlich kamen Mittel in Höhe von insgesamt ca. 87 Mio. Euro aus dem öffentlich geförderten Wohnungsbau und Modernisierungsprogrammen des Bundes und des Landes sowie Mittel zur Fassadenbegrünung, zum Lärmschutz und zum Denkmalschutz zum Einsatz. Ergänzend zu den öffentlichen Mitteln sind noch einmal rund 87 Mio. Euro aus privater Hand für die Sanierung verausgabt worden.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1974-77Vorbereitende Untersuchungen auf dem Betriebsgelände der Firma Stollwerck und in 28 Baublöcken
1975-89Tätigkeit des Sanierungsbeirats
1977Gründung des Amtes für Stadterneuerung, ab 1981 Amt für Stadterneuerung und Sanierung
1978Die Sanierungssatzung wird rechtskräftig.
1979Die Landesentwicklungsgesellschaft LEG NRW wird als Sanierungsträger eingesetzt.
1987Einweihung des Bürgerhauses Stollwerck
1993Einweihung des Trude-Herr-Parks
1995Beginn der Gesamtabrechnung der Sanierungsmaßnahme
1997Abschluss der Sanierungsmaßnahme, Abschluss der Umgestaltung des Chlodwigplatzes

Besonderheiten

  1. Das Severinsviertel wurde zu Beginn der Sanierung in vier Gebiete unterteilt, welche jeweils durch ein externes Architektenteam betreut werden sollten. In Bürgerversammlungen konnten die Bürger ihre Vorstellungen zur Sanierung einbringen. Hier wurden dann vier themenorientierte Strukturkonzepte erarbeitet, die sich auf die Bereiche Wohnungsneu- und -umbau, Gemeinbedarfseinrichtungen, Gewerbe und Verkehr erstreckten. Die Konzepte bildeten eine wichtige strategische Grundlage für die Sanierung.
  2. Im gesamten Verlauf war die Beachtung denkmalpflegerischer Aspekte eine der wesentlichen Herausforderungen der Sanierung. Neben der Vielzahl der Wohngebäude sind die Severinskirche und insbesondere die Severinstorburg stadtbildprägende Gebäude, die einen erheblichen Identifikationswert für das Stadtquartier darstellen. Die Severinstorburg ist das südliche Stadttor der ehemaligen mittelalterlichen Befestigungsanlagen und wurde als eine der ersten großen Maßnahmen der Sanierung instand gesetzt. Die Torburg wird heute noch als Veranstaltungsort genutzt und war zur Zeit der Sanierung der Ort, an dem sich der Sanierungsbeirat getroffen hat.
  3. Die Sanierungsmaßnahmen sind durch insgesamt acht Bebauungspläne gesichert. Das Severinsviertel wurde als besonderes Wohngebiet definiert, in dem die Wohnnutzung besonders erhalten bzw. gestärkt werden soll. Konkret heißt das, dass ab dem 1. Obergeschoss Wohnungen (in Geschäftsstraßen oberhalb des 1. Obergeschosses) geschützt sind. Weiterhin gibt es Einschränkungen bei der Genehmigung von weiteren "Vergnügungsstätten", also Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben. Nicht zuletzt gibt es Festlegungen zur Begrünung, zum Verkehrslärmschutz und zum Emissionsschutz.


Lernerfahrungen

  1. Das Severinsviertel ist heute eine "gehobene Wohnlage" mit positivem Image, in der vergleichsweise hohe Mieten bzw. Immobilienpreise zu zahlen sind. Die Sanierung hat somit neben der baulichen Aufwertung zu einer erheblichen Steigerung der Nachfrage nach Wohnraum geführt, was sich in den überdurchschnittlich hohen Miet- und Kaufpreisen niederschlägt. Mit der erhöhten Nachfrage hat auch eine Aufwertung der Sozialstruktur stattgefunden,die sich räumlich stark an der gründerzeitlichen Bebauung im Viertel orientiert.
  2. Im Quartier bestanden einerseits Konflikte zwischen der Wohnnutzung und dem Gewerbe und andererseits fehlten Flächen für die Expansion des Gewerbes. Zunächst sollte daher das Augenmerk auf die Verlagerung von Gewerbebetrieben gelegt werden, um den Nutzungskonflikt zu lösen. Im Verlauf der Sanierung kam man aus planerischen und finanziellen Überlegungen zu dem Schluss, von dem Ziel der Gewerbeverlagerung abzurücken. Außerdem standen durch die bereits erfolgten Betriebsverlagerungen der Firma Stollwerck, der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke Köln und einer Spedition größere Ersatzflächen für Gewerbetreibende zur Verfügung.
  3. Begleitet wurde die Sanierung im Severinsviertel durch erhebliche Proteste der Bevölkerung, die dazu geführt haben, dass einige Qualitäten im Stadtteil erhalten blieben bzw. geschaffen wurden, die zunächst in den Planungen nicht berücksichtigt waren. Hierzu zählen u.a. Wohnungen des Sozialen Wohnungsbaus, die in einem ehemaligen Riegel der Schokoladenfabrik Stollwerck errichtet wurden.

Das Gebiet heute

Das Ziel, das Severinsviertel als Wohngebiet mit intensiver funktionaler Mischung, gemischter Sozialstruktur und typischem Milieu und Stadtbild zu erhalten, ist weitgehend erreicht worden. Die Gemeinbedarfseinrichtungen stellen einen Gewinn für den Stadtteil dar. Die Grünflächen sowie die Neuordnung des (ruhenden) Verkehrs schaffen stadträumliche Qualitäten, die das Gebiet zu einem geschätzten urbanen Stadtteil machen. Die Sanierung hat neben der baulichen Aufwertung auch zu einer erheblichen Steigerung der Nachfrage nach Wohnraum geführt, was sich in den überdurchschnittlich hohen Miet- und Kaufpreisen niederschlägt. Einschränkend muss angemerkt werden, dass auf Dauer die gemischte Sozialstruktur und das typische Milieu möglicherweise nicht zu erhalten sein werden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Gemeinde

Köln

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren

Projektbeginn

1974: Beginn der Vorbereitenden Untersuchungen

1978: Inkrafttreten der Sanierungssatzung

Projektende

1997

Größe des Sanierungsgebietes

36 ha

Volumen der Städtebaufördermittel

noch nicht vollständig abgerechnet (vorauss. ca. 92,4 Mio. €)

Gebietstypus

Dichtes innerstädtisches Quartier in Blockrandbauweise mit hoher Nutzungsmischung und großflächiger Konversionsfläche der ehemaligen Stollwerck-Fabrik

Kontakt

Stadt Köln

Amt für Stadtentwicklung und Statistik

Herr Michael Heckmanns

Frau Maria Kröger

Willy-Brandt-Platz 2

Stadthaus Deutz
50679 Köln

Tel.: +49 221 22122267

Fax: +49 221 22128493

E-Mail: stadtentwicklung.statistik@stadt-koeln.de

Stand

Januar 2010

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