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Zwickau-Eckersbach

Räumlicher Schwerpunkt: Wohnsiedlung

Zusammenfassung

Die Stadt Zwickau hat seit 1990 ca. ein Fünftel der Bevölkerung verloren. Im Rahmen des Stadtumbaus gelang eine Konzentration der Rückbauaktivitäten auf zwei Teile der Großwohnsiedlung Eckersbach. In den anderen Bereichen wurde dagegen das Wohnungsangebot durch Umbau und Sanierungen im Bestand diversifiziert und optimiert. Zwickau-Eckersbach steht als Beispiel für die Verknüpfung von flächenhaftem Rückbau und bedarfsgerechter Anpassung der Plattenbaubestände in einer Großwohnsiedlung.

Kontext

Die Stadt Zwickau (91.384 Einwohner zum 31.12.2015) liegt im Südwesten Sachsens im Tal der Mulde. Das Stadtgebiet umfasst fünf Stadtbezirke, zu denen drei große DDR-Wohnsiedlungen gehören. Alle drei Siedlungen sind als Stadtumbaugebiete ausgewiesen.

Die Wohnsiedlung Eckersbach entstand nordwestlich des Stadtzentrums zwischen 1961 und 1988. In sechs Bauabschnitten (E1, E2 und E3, E4, E5/1, E5/2, E5/3) wurden in dieser Zeit 12.120 Wohnungen zumeist in vier- und fünfgeschossigen Zeilen fertig gestellt. Sie befinden sich überwiegend im Eigentum der Gebäude- und Grundstücksgesellschaft Zwickau mbH (GGZ) und der Zwickauer Wohnungsbaugenossenschaft eG (ZWG).

Mit ca. 27.000 Einwohnern lebten 1990 ungefähr 22% der Bevölkerung Zwickaus in Eckersbach. Das Gebiet besaß eine gute Ausstattung mit Schulen und Kindertagesstätten. In den 1990er Jahren wurden Wohnungen und Straßen in den ältesten Siedlungsteilen saniert. Gleichwohl wanderte über ein Drittel der Eckersbacher Bewohner ab. Die Abwanderung war selektiv: Sie konzentrierte sich auf die jüngsten Teilgebiete E5/2 und E5/3. In der Folge lag der Leerstand dort im Jahr 2000 bei 40%. Zudem waren auch soziale Problemlagen entstanden, denen die Stadt 1999 mit der Unterstützung des Programms Soziale Stadt in der Wohnsiedlung zu begegnen begann. Weil insbesondere in den Teilbereichen E5/2 und E5/3 die Wohnungsleerstände stark zunahmen, wurden ab 2002 in Eckersbach auch Stadtumbaufördermittel eingesetzt.

Projektbeschreibung

Der modifizierte Umgang mit den Siedlungsbeständen in Eckersbach wurde 1999 zunächst durch einen von der Stadt Zwickau und dem Sächsischen Staatsministerium des Innern (SMI) durchgeführten Wettbewerb "Nachhaltige Entwicklung eines Plattenbaugebietes" eingeleitet. Er lieferte erste Ideen für die Überarbeitung der städtebaulichen Rahmenplanung von Eckersbach. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept von 2002 führte diese Ideen fort und bereitete so planerisch den Umbau der Großwohnsiedlung mit Reduzierung des Wohnungsbestandes vor.

Konzeptionell favorisierten die beiden Wohnungsunternehmen GGZ und ZWG zunächst eine Auflockerung der Bestände durch Rückbau in unterschiedlichen Siedlungsbereichen. Die in die Planung einbezogenen Ver- und Entsorgungsunternehmen (Zwickauer Energieversorgung GmbH und Wasserwerke Zwickau GmbH) engagierten sich dagegen für die aus ver- und entsorgungstechnischer Sicht sinnvollere Lösung des flächenhaften Rückbaus der jüngsten Gebietsteile. Im weiteren Abstimmungsprozess setzte sich dieser Ansatz schließlich durch und wurde von Wohnungsunternehmen, Versorgern und Stadt kooperativ und konsequent umgesetzt.

Parallel zu dem flächenhaften Rückbau nahmen die Wohnungsunternehmen in den älteren für den Verbleib vorgesehenen Siedlungsteilen, wo Straßen und Wohnumfeld bereits in den 1990er Jahren aufgewertet worden waren, gebäudebezogene Sanierungen, Umbauten und Anpassungen der Wohnungsgrundrisse vor, um das Wohnungsangebot stärker zu diversifizieren. Ab 2005 begegneten die Wohnungsunternehmen dabei auch zunehmend den Bedürfnissen einer alternden Mieterstruktur. Zeitgleich nahm die Stadt auch die Anpassung der sozialen Infrastruktur stärker in den Blick, zunächst in den konzeptionellen Fortschreibungen später durch darauf fußende konkrete Maßnahmen. Einige Kindergärten und Schulen mussten geschlossen werden. Verbleibende wurden bzw. werden gezielt in Wert gesetzt, um die Betreuungs- und Bildungslandschaft sowie das Angebot für junge Menschen insgesamt in der Siedlung attraktiv zu halten. Auch für ältere Mitbürger sind entsprechende Angebote vorgesehen.

Handlungsfelder 

  • Quartiersumbau
  • Objektbezogener Umbau
  • Öffentlicher Raum / Wohnumfeld
  • Aufwertung von Einrichtungen der sozialen Infrastruktur

Einzelmaßnahmen (Auswahl)

  • Flächenhafter Rückbau seit 2002

    Der Wohnsiedlungsbereich E5/2 und E5/3, südlich der größten Erschließungsstraße mit Straßenbahnanschluss, wurde zwischen 2000 und 2010 nahezu komplett zurückgebaut. Das Rückbauvolumen belief sich auf ca. 5.800 Wohnungen (3.655 von der GGZ und ca. 2.300 von der ZWG). Die mit dem flächenhaften Rückbau einhergehende Rückführung technischer Einrichtungen (Fernwärmetrassen, Übergabestationen etc.) sowie der Abriss der Straßen und Wege wurden und werden mit Fördermitteln des Stadtumbau Ost aus dem Programmbereich Rückführung städtischer Infrastrukturen gefördert. Für den Abriss von ebenfalls im Rückbaugebiet befindlichen Handels- und Bildungseinrichtungen kamen in Eckersbach Mittel aus dem Programmbereich Aufwertung zum Einsatz. Als Nachnutzung der Abrissflächen im Bereich E5/2 und E5/3 wurde zwischen 2014 und 2016 der Neubau des "Stadion Zwickau" realisiert, in dem auch der Fußballverein FSV Zwickau sein neues Zuhause hat und u.a. auch mit einen Fanshop dort vertreten ist.

  • Gebäude- und Wohnungsumbau seit 2002

    Durch eine Vielzahl von Maßnahmen wurde eine größere Angebotsvielfalt im Wohngebäudebestand erreicht. Mit Änderung von Grundrissen, Abzonung von Gebäuden, Anbau von Aufzügen und Balkonen sowie altersgerechtem Umbau haben die Unternehmen zum Teil aufwändige Sanierungen ihrer Bestände vorgenommen. Ein Beispiel dafür ist die 2006 von der ZWG fertig gestellte "Komarowsiedlung", in der die vormals gleichförmigen Gebäuderiegel in kleingliedrige Einheiten mit großzügigen Balkonen und Dachterrassen umgebaut wurden.

  • Besondere Wohnangebote insbesondere für Senioren

    Die ZWG realisierte 2005 das Seniorenwohnprojekt Service Wohn Park gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO): In zwei Plattenbauten entstanden 75 barrierefreie Ein- und Zweiraumwohnungen mit geräumigen Balkonen. Eine Begegnungsstätte, Sozialstation und Tagespflege sind in das Projekt integriert. Die Grünanlagen des Umfeldes wurden mit einem Springbrunnen und vielen Sitzgelegenheiten ausgestattet. 2006 folgte dann das 92 Einheiten umfassende Neubauprojekt Blumenhof im Zentrum des Gebietes, das mit Betreuungsangeboten gekoppelt ist. Der Umbau eines weiteren Plattenbaus zum "Mehrgenerationenkomplex Astronomenweg" wurde 2011 abgeschlossen. Die 55 Wohnungen sind ebenfalls barrierefrei und werden über einen verglasten Laubengang erschlossen, an den eine neue Aufzugsanlage angebunden ist.

  • Bildungs-, Sport- und Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche

    Im Rahmen des Stadtumbaus hat die Stadt in den Jahren 2008 und 2009 den 1971 gebauten Kinderhort Wichtelhaus teilweise saniert. Zudem wurde die denkmalgeschützte Scheffelbergschule mit Sporthalle zwischen 2002 und 2015 in mehreren Etappen saniert. Dafür kamen auch Fördermittel aus dem Programm Soziale Stadt zum Einsatz. Mit Investitionen aus dem Konjunkturpaket II und Ergänzungsmitteln wurden zudem mehrere Sportplätze und zugehörige Sozialbereiche saniert. Bis Ende des Durchführungszeitraums 2017 werden ein Teil des Ersatzneubaus für die Kita "Apfelbäumchen" und die Innensanierung des Horts "Wichtelhaus" mit Finanzhilfen aus dem Soziale Stadt Programm gefördert.

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm Soziale Stadt (seit 1999)
  • Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost (seit 2002)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2002Stadtumbaukonzept 2002 (gesamtstädtisch), Aufnahme in das Programm Stadtumbau Ost
seit 2002Flächenhafter Abriss Eckersbach, Teilgebiete E5/2 und E5/3
seit 2005Realisierung von besonderen Wohnangeboten (bspw. Seniorenwohnen Komarowsiedlung, Mehrgenerationenkomplex Astronomenweg)
2006Integriertes Handlungskonzept für das Plattenbaugebiet Zwickau-Eckersbach, Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf
2006Beschluss des gesamtstädtischen Stadtentwicklungskonzepts SEKO ZWICKAU 2020
2008-2009Außensanierung des Kinderhorts Wichtelhaus
2009Städtebauliches Entwicklungskonzept SEKO Zwickau-Eckersbach (Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzeptes von 2006)
2013INSEK 2030 (Fortschreibung SEKO ZWICKAU 2020)
2014-2016Rückbau der Verkehrsflächen des ehemaligen Eckersbacher Marktplatzes im Gebiet E5/2 und Anlage eines Wohngebietsparks als Verbindung zum neuen Stadion
2014-2016Neubau des Stadions Zwickau als Nachnutzung der Rückbauflächen E5/2 und E5/3

Besonderheiten

Teilrückbau und Sanierung eines Wohngebäudes in Zwickau-Eckersbach Teilrückbau und SanierungTeilrückbau und Sanierung Quelle: IRS

Der Stadtumbau in Zwickau-Eckersbach zeigt beispielhaft eine strategische Verknüpfung von Aufwertung, Rückbau und Rückführung städtischer Infrastruktur in einem Fördergebiet. Eine weitere Besonderheit ist, dass in den verschiedenen Teilgebieten unterschiedliche Konzepte zur Reduzierung des Wohnungsbestandes realisiert werden konnten: Neben dem flächenhaften Rückbau in E5/2 und E5/3 wurden in anderen Bereichen Geschossreduzierungen und Grundrissänderungen durchgeführt. Damit konnte auch die Vielfalt des Wohnungsangebots gesteigert werden.

Lernerfahrungen

Durch die frühe Einbindung der Versorgungs- und Entsorgungsunternehmen gelang es, deren Belange in die Konzeptfindung einzubinden und die Interessen zwischen ihnen und den Wohnungsunternehmen auszuloten. Die klare Festlegung von Abrissbereichen einerseits und das Lenken von Investitionen in die Sanierungen und die Diversifizierung des Wohnungsangebots andererseits haben zu einer Stabilisierung der Sozialstruktur in Eckersbach beigetragen. Auch die räumliche Bündelung der Programme Soziale Stadt und Stadtumbau Ost hat hier wichtige Synergieeffekte erzielt, da Maßnahmen der sozialen Begleitung des Stadtumbauprozesses sowie der Öffentlichkeitsarbeit finanziert werden konnten.

Im Rahmen des Stadtumbaus konnten die beiden großen Wohnungsunternehmen GGZ und ZWG nicht nur ihre Leerstände deutlich reduzieren sondern auch ihr Wohnungsangebot nachfragegerecht erweitern.

Das Gebiet heute

In der Wohnsiedlung lebten am 31.12.2014 8.788 Einwohner, was ca. einem Zehntel der Bevölkerung von Zwickau entspricht. Die Leerstände in Eckersbach sind durch den Rück- und Teilrückbau sowie die Zusammenlegung von Wohnungen insgesamt deutlich zurückgegangen. Ohne die (zwischenzeitliche) Nutzung zur Unterbringung von ca. 150 Flüchtlingen und Asylbewerbern lägen die Leerstände in den verbleibenden Beständen höher als die derzeitigen 15 %. Allerdings standen die Unterbringungsblöcke schon auf der geplanten Rückbauliste und langfristig soll am flächendeckenden Rückbau in diesem Bereich festgehalten werden. Zudem steigt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung in Eckersbach (er liegt bereits jetzt über dem der Gesamtstadt), wodurch sich auch ein kontinuierlicher Anpassungsbedarf für die soziale Infrastruktur ergibt.

Derzeit erfolgt die Erarbeitung eines Stadtteilentwicklungskonzepts, um den Bedarf für eine Anschlussförderung zu ermitteln. Dabei stehen vor allem die Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund, die Anpassung an die Altersstruktur und die Neuentwicklung der Rückbauflächen im Fokus. Weiterhin wird damit gerechnet, dass der Rückbau wieder an Bedeutung gewinnen wird. Um die städtebauliche Situation am Rande der Zeilenbebauung nachhaltig zu verbessern und den infrastrukturellen Ausbaugrad zu nutzen, wird dort an der Etablierung von Wohnbauflächen als Eigenheimstandorte gearbeitet.

Zusatzinformationen

Bundesland

Sachsen


Gemeinde

Zwickau


Programmbereich

Stadtumbau Ost


Projektbeginn

2002


Projektende

-


Größe des Gebietes

ca. 220 ha


Volumen der Stadtumbaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis 2015: 9.430.112 Euro


Gebietstypus

Wohnsiedlung


Kontaktdaten

Stadtplanungsamt Zwickau
André Kämmer / Jens Raußer
Tel.: +49 375 83-6921
Fax: +49 375 83-6161
E-Mail: stadtplanungsamt@zwickau.de


Link / weitere Informationen

Integriertes Stadtentwicklungskonzept INSEK Zwickau 2030


Stand

März 2014, Aktualisierung: September 2016

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