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Hamburg - Wilhelmsburg / Südliches Reiherstiegviertel

Schwerpunkte: Industriebrache / Infrastrukturen

Zusammenfassung

Die Stadt Hamburg hat mit dem Leitbild "Sprung über die Elbe" seit 2000 einen Prozess gestartet, der zum Ziel hat, die Elbinsel Wilhelmsburg stärker an die dynamischen Entwicklungen der Metropole Hamburg anzubinden. Die Anbindung der Elbinsel, die stark von hafenaffinem Industrie und Gewerbe geprägt und von großen Verkehrsinfrastrukturen beeinträchtigt ist, soll mit Hilfe von Stadterneuerungsvorhaben und durch eine Internationale Bauausstellung (2013) und eine Internationale Gartenschau (2013) forciert werden. Nachdem im Rahmen des ExWoSt-Forschungsvorhabens "Stadtumbau West" im Reiherstieg-Viertel - einem Teilraum von Wilhelmsburg - bis 2007 Projekte zur Attraktivierung der Wasserlagen und Wiedernutzung von Brachen umgesetzt worden sind, konzentrieren sich die Maßnahmen im Regelprogramm "Stadtumbau West" auf Wegeverbindungen innerhalb des Stadtteils und als Verbindung mit der Innenstadt.

Kontext

In der geografischen Mitte Hamburgs liegt zwischen Norder- und Süderelbe der heterogene Stadtteil Wilhelmsburg. Man trifft dort auf dörflich geprägte Strukturen mit alten Bauernhöfen oder Kleingartengebieten, auf großflächige, insbesondere hafenaffine Industrie- und Gewerbeflächen, stark frequentierte Verkehrsinfrastrukturen oder Bahnbrachen sowie auf gründerzeitlich geprägte Gebiete und Großwohnsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre.

Seit 2000 steht die Elbinsel Wilhelmsburg stark im Fokus gesamtstädtischer Überlegungen: Mit dem Leitbild "Sprung über die Elbe" wurde ein Prozess zur Entwicklung Wilhelmsburgs als neue Mitte Hamburgs eingeleitet, der Wilhelmsburg und die südlich gelegenen Stadtteile räumlich und funktional an die dynamischen Entwicklungen der Metropole Hamburg, die sich jedoch vorwiegend in den nördlich der Elbe gelegenen Stadtteilen vollziehen, anbinden soll. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) sowie der Internationalen Gartenschau (IGS), die beide 2013 in Wilhelmsburg stattfinden, werden zahlreiche Projekte die Entwicklung des Stadtteils vorantreiben. Dabei spielen auch Stadterneuerungsgebiete eine wichtige Rolle: Neben dem hier dokumentierten südlichen Reiherstiegviertel liegen auch das Sanierungsgebiet "Wilhelmsburg-Zentrum" und das Stadtumbau West-Vorhaben "Weimarer Straße" im Stadtteil Wilhelmsburg. Um der Bedeutung des Stadtteils als neue Mitte Hamburgs auch administrativ gerecht zu werden, wurde der zuvor dem südlichen Bezirk Harburg zugehörige Stadtteil im Zuge einer Verwaltungsreform 2008 dem Bezirk Hamburg-Mitte zugeordnet.

Projektbeschreibung

Die stadtentwicklungspolitischen Herausforderungen für Wilhelmsburg sind entsprechend der Heterogenität des Stadtteils vielfältig: Zur Stabilisierung der Wohnfunktion Wilhelmsburgs sollen neue Wohnformen entwickelt und bestehende Quartiere attraktiviert werden. Dies leistet u. a. die 2009 gestartete Stadtumbau West-Maßnahme "Weimarer Straße", in deren Rahmen das Wohnungsunternehmen SAGA-GWG bis 2013 ein Wohnquartier mit einem finanziellen Aufwand von fast 80 Mio. Euro zum so genannten "Weltquartier" aufwertet. Wilhelmsburg ist ein junger, international geprägter Stadtteil (der Anteil nicht-deutscher Bewohner liegt bei über einem Drittel), was verstärkte Integrationsleistungen notwendig macht. Weiter ist Wilhelmsburg hohen Belastungen durch Verkehrs- und Industrie-Emissionen ausgesetzt. Insbesondere aber muss die Vielzahl an aufgelassenen Industrie-, Gewerbe- und Bahnflächen im Rahmen übergreifender Konzepte neuen Bestimmungen zugeführt werden. Letzteres ist Gegenstand der Stadtumbau-Maßnahmen in Wilhelmsburg, die sich räumlich auf den besonders vom wirtschaftlichen Strukturwandel betroffenen Wilhelmsburger Westen (Reiherstiegviertel mit Schwerpunkt Veringkanal) konzentrieren. Der Veringkanal diente ursprünglich der Erschließung der dort ansässigen Industriebetriebe. Die heute brach gefallenen bzw. untergenutzten Flächen und Anlagen am Kanal bieten sich in großen Teilen für Freizeit und Erholung an. Im Übergangsbereich zwischen Industrie und Wohnquartieren sollen sie entsprechend erschlossen werden.

Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes "Stadtumbau West" wurden für Hamburg-Wilhelmsburg eine vertiefende Bestandsuntersuchung vorgenommen und städtebauliche Entwicklungsperspektiven erarbeitet, welche langfristig auch die gesamtstädtische Bedeutung der Achse von der Hamburger Innenstadt über den Elberaum nach Harburg stärken sollen. Darüber hinaus wurden - aufbauend auf einem Beschluss zur Festlegung als Sanierungsgebiet 2005 - in einem städtebaulichen Rahmenkonzept unter Berücksichtigung der Entwicklungserfordernisse der vorhandenen Unternehmen Strategien und Handlungsansätze für eine langfristige Aufwertung des 61 ha großen "südlichen Reiherstiegviertels" rund um den Veringkanal erarbeitet. Dabei wurden die drei Impulsthemen "Wasser" (Entwicklungspotenziale der Wasserwege und Uferbereiche), "Wege" (Verbesserung der Freiraumbezüge) und "Brachen" (Entwicklung neuer Arbeitsstätten auf Industriebrachen) identifiziert. Die im ExWoSt-Forschungsfeld begonnenen Projekte (s. u.) wurden im Regelprogramm fortgesetzt. Die voraussichtlich letzte Maßnahme - eine Radwegeanbindung an die Innenstadt - ist für 2012 geplant.

Handlungsfelder            

  • Anpassung von Infrastrukturen
  • Anpassung von Wirtschaftsstandorten

Einzelmaßnahmen 

Grünanlage auf dem Gelände eines ehemaligen Sandsacklagers der Deichverteidigung Grünanlage auf dem Gelände eines ehemaligen Sandsacklagers der DeichverteidigungGrünanlage auf dem Gelände eines ehemaligen Sandsacklagers der Deichverteidigung Quelle: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), Hamburg

Nachdem im ExWoSt-Forschungsfeld "Stadtumbau West" zwischen 2002 und 2007 bereits Impulsprojekte vor allem zum Thema Wasser (z. B. Bau von Fußgängerstegen in Uferbereichen bzw. einer Brücke oder Wiedereröffnung einer alten Schleuse für Freizeitschiffsverkehr) und zum Thema Brachen (z. B. Umnutzung eines denkmalwürdigen Turmgebäudes zu Gewerbeateliers umgesetzt werden konnten, konzentrierten sich die Maßnahmen im Rahmen des Regelförderprogramms v. a. auf die Fertigstellung neuer Wegebeziehungen, die die Erreichbarkeit von Zielen innerhalb von Wilhelmsburg verbessern und Wilhelmsburg per Rad mit der Innenstadt anbinden.

  • Wegeverbindung entlang des Schleusenkanals
    2007 wurde eine Wegeverbindung am Veringkanal bis zur historischen Schleusenanlage hergestellt. Das Schleusengelände konnte Ende 2008 für die Öffentlichkeit freigegeben werden.
  • Grünanlage am ehemaligen Sandsacklager
    Auf dem Gelände eines ehemaligen Sandsacklagers der Deichverteidigung, das als Bindeglied zwischen den übergeordneten Wegen in Wilhelmsburg liegt, wurde ein kleiner Park mit Sitzgelegenheiten für Spaziergänger und Radfahrer geschaffen.
  • Radweg zur Innenstadt

    Neue Radwegeverbindung entlang einer Hochstraße Neue Radwegeverbindung entlang einer HochstraßeNeue Radwegeverbindung entlang einer Hochstraße Quelle: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), Hamburg


    Zwischen dem Reiherstiegviertel und der Innenstadt wird eine Wegeverbindung für Fahrradfahrer geschaffen werden, um die zentrale Lage Wilhelmsburgs als positiven Standortfaktor für Wohnen und Arbeiten zu unterstreichen und erlebbar zu machen. Diese Radwegeverbindung ist insbesondere wegen Brückenkonstruktionen aufwändig und wird voraussichtlich im Frühjahr 2012 fertig gestellt sein.

Finanzierung

  • ExWoSt-Forschungsfeld "Stadtumbau West" (2003 bis 2007)
  • Bund-Länder-Programm "Stadtumbau West": 3.836.000 Euro Bundesmittel bis einschließlich 2010

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2003Beschluss des Rahmenkonzeptes "Sprung über die Elbe", Aufnahme als Pilotprojekt im ExWoSt-Forschungsfeld "Stadtumbau West"
2004Vorbereitende Untersuchung zur städtebaulichen Sanierung Wilhelmsburg Südliches Reiherstiegviertel, Aufnahme in das Programm "Stadtumbau West"
2005Bestandsuntersuchung und Erarbeitung städtebaulicher Entwicklungsperspektiven, Beginn der Umsetzungsphase der Impulsprojekte im ExWoSt-Forschungsfeld (bis 2007)
2008Fertigstellung des Bereichs um die historische Schleuse
2010 bis 2011Fertigstellung von wichtigen Teilen der Radwegeverbindung in die Hamburger Innenstadt

Besonderheiten

In Hamburg-Wilhelmsburg besteht die besondere Konstellation eines Stadtteils mit diversen defizitären Gemengelagen in einer insgesamt wachsenden Stadt. Während Hamburg durch seine Ausrichtung auf Dienstleistungen wie z. B. Handel und Logistik eine wirtschaftsstarke Metropole ist, sind in Wilhelmsburg die (negativen) Folgen des Strukturwandels an vielen Stellen sichtbar. Daher sind die Stadtumbau-Maßnahmen in Wilhelmsburg, obwohl eher kleinräumig ausgerichtet, fest eingebettet in gesamtstädtische Überlegungen zur Stadtentwicklung und folgen übergeordneten Leitbildern wie dem "Sprung über die Elbe". Eine zusätzliche Besonderheit ist die Verknüpfung jener kleinräumigen Maßnahmen mit der Strategie, durch Großereignisse wie die Internationale Bauausstellung und die Internationale Gartenschau Aufmerksamkeit auf die Elbinsel Wilhelmsburg zu lenken.

Lernerfahrungen

Am Beispiel des Reiherstiegviertels in Hamburg-Wilhelmsburg kann die Bedeutung einer systematischen konzeptionellen Vorgehensweise zur Neupositionierung eines Stadtraums abgelesen werden: Flächenbedarfe in zentralen Lagen führten zum politischen Beschluss, die Elbinsel Wilhelmsburg umzustrukturieren und stärker an die Innenstadt anzubinden. Diese politische Leitlinie wurde im räumlichen Leitbild "Sprung über die Elbe" verankert. Die Umsetzung erfolgte dann über vielfältige konzeptionelle Konkretisierungen, so z. B. für den Reiherstieg als Rahmenkonzept. Auf der Basis dieses Rahmenkonzeptes wurden dann wiederum kleinräumig Planungen für Wasserlagen, Wegeverbindungen und Brachenaktivierung aufgesetzt. Eine solche Vorgehensweise ermöglicht auch über mehr als zehn Jahre eine Orientierung kleinräumiger Maßnahmen an einem gesamtstädtischen Zielkorridor.

Zusatzinformationen

Bundesland

Hamburg


Gemeinde

Hamburg


Programmbereich

Stadtumbau West


Projektbeginn

2004 (Programmaufnahmejahr)


Projektende

voraussichtlich 2012


Größe des Gebietes

61 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

Bis einschließlich Programmjahr 2010: 3,84 Mio. Euro


Gebietstypus

Industriebrache


Kontaktdaten

Freie und Hansestadt Hamburg
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU)
Amt für Wohnen, Stadterneuerung und Bodenordnung
Postfach 300580
20203 Hamburg
Tel: +49 40 42840 -8435
E-Mail: klaus.dobbrodt@bsu.hamburg.de


Link / weitere Informationen

Städtebauliches Erneuerungskonzept für das südliche Reiherstiegviertel

Stand

Dezember 2011

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