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Programm

Vielfältige strukturelle, stadt- und sozialräumliche Anpassungsbedarfe wurden in Deutschland bereits Ende der 1990er Jahre deutlich. Die Expertenkommission "Wohnungswirtschaftlicher Strukturwandel in den neuen Ländern" (bekannt auch als "Lehmann-Grube-Kommission") konstatierte im Jahr 2000 aufgrund der Bevölkerungsverluste in Ostdeutschland einen dauerhaft erheblichen Wohnungsleerstand. Für die kommunale Aufgabe, Bevölkerungsrückgang und Leerstand zu bewältigen, wurde damals der Begriff "Stadtumbau" geprägt. 2002 startete das Städtebauförderungsprogramm "Stadtumbau Ost".

In Westdeutschland nahm man zur Jahrtausendwende ebenfalls verstärkt wahr, dass Wirtschaftsstrukturkrisen in Teilräumen sowie der demografische Wandel Stadtumbau-Bedarfe in einzelnen Städten mit sich brachten bzw. noch mit sich bringen würden. Die Herausforderungen des Stadtumbaus in Westdeutschland ließen sich zu diesem Zeitpunkt weder im Ausmaß noch in der Aufgabenstellung genau beschreiben. Vor diesem Hintergrund wurden ab 2002 zunächst 16 Pilotvorhaben in einem ExWoSt-Forschungsfeld "Stadtumbau West" umgesetzt.

Eine der wesentlichen Erkenntnisse im ExWoSt-Forschungsfeld war die Bestätigung des breiten Förderansatzes des 2004 gestarteten Regelförderprogramms "Stadtumbau West", das die betroffenen Kommunen bei der Bewältigung der Folgen des wirtschaftlichen und demografischen Wandels unterstützt. Ziel des Stadtumbaus ist vielfach eine städtebauliche Qualitätsoffensive im Bestand. Die Qualitätsoffensive soll in der Regel in enger Kooperation mit privaten Akteuren, insbesondere mit Gebäude- und Flächeneigentümern umgesetzt werden. Im Hinblick auf diese Zusammenarbeit wurden 2004 im Städtebaurecht eigene Regelungen zum Stadtumbau (§ 171 a -d BauGB) geschaffen.

Grundlagen und Ziele

Unter dem Anspruch einer nachhaltigen Stadtentwicklung und auf der Grundlage von städtebaulichen Entwicklungskonzepten wurden im Stadtumbau West insbesondere folgende Ziele verfolgt:

  • städtebauliche Neuordnung sowie die Wieder- und Zwischennutzung von Industrie-, Verkehrs- oder Militärbrachen,
  • Verbesserung des öffentlichen Raums, des Wohnumfeldes und der privaten Freiflächen,
  • Anpassung der städtischen Infrastruktur einschließlich der Grundversorgung,
  • Aufwertung und Umbau des Gebäudebestandes,
  • Wieder- und Zwischennutzung freigelegter Flächen,
  • Rückbau leer stehender, dauerhaft nicht mehr benötigter Gebäude oder Gebäudeteile.

Eine Arbeitsgruppe der Bund-Länder-Kommission Städtebauförderung hat 2005 einen Leitfaden als Arbeitshilfe für das Programm "Stadtumbau West" - vergleichbar mit dem Leitfaden für das Programm "Soziale Stadt" - erstellt. Der Leitfaden  konkretisiert die formulierten Ziele. Er geht davon aus, dass Stadtumbau West eng mit einer "Stadtentwicklung ohne Wachstum" verbunden ist und daher bei der Umsetzung "Rückbau und Aufwertung" konzeptionell und systematisch miteinander verbunden werden müssen. Thematisiert wurden im Leitfaden auch die Entwicklungsprozesse und Handlungsfelder, bei denen Städte Hilfestellung durch das Stadtumbau-Programm erhalten sollen. Zudem wurden Hinweise zum Verfahren und zur Umsetzung aufgezeigt.

Handlungsräume

Im Stadtumbau West stellten Innenstädte bzw. Ortskerne, Wohnquartiere unterschiedlicher Baualtersklassen sowie Industrie-, Gewerbe- und Militärbrachen Handlungsraumschwerpunkte dar.

Handlungsraum Innenstädte und Ortskerne

Die Stadtumbau-Konzepte für Innenstädte und Ortskerne zielten darauf ab, die Kernbereiche der Kommune als Wohn- und Wirtschaftsstandort aufzuwerten. Diese Konzepte umfassten einen vielfältigen Strategiemix. Insbesondere beschränkten sie sich nicht auf die Beseitigung von Überhängen baulicher Anlagen, sondern zielten darauf ab, durch Schaffung neuer städtebaulicher Qualitäten Innenstädte und Ortskerne attraktiver zu machen und untergenutzte Anlagen einer Nutzung zuzuführen.

Handlungsraum Wohnsiedlungen

Für den Stadtumbau West stand in Wohnsiedlungen eine qualitative Aufwertung und Anpassung im Vordergrund der Aktivitäten. Im Wesentlichen bedeutete dies, die städtebauliche Dichte zu reduzieren, Wohnungsbestände zielgruppenspezifisch zu gestalten, das Wohnumfeld und den öffentlichen Raum aufzuwerten, soziale Infrastruktur anzupassen, die Grundversorgung zu sichern und ggf. einen Bewusstseins- und Imagewandel einzuleiten.








Handlungsraum Industrie-, Gewerbe- und Militärbrachen

Einige Städte im Stadtumbau West standen vor der Aufgabe, großflächige Brachen, die z.B. als Hafen, Zechen, Fabriken oder Militärgelände ehemals extraterritorialen Charakter aufwiesen, wieder in den Stadtkörper zu integrieren. Angesichts von Menge und Größe der Immobilien waren nicht nur unmittelbare, dauerhafte und bauliche Nachnutzungsperspektiven, sondern zunehmend auch temporäre Nutzungen der Gebäude oder Renaturierung der Flächen zu erwägen.


Finanzierung

Seit 2004 bis einschließlich 2016 hat der Bund Finanzhilfen von insgesamt rund 947 Mio. Euro für die Förderung im Programm "Stadtumbau West" zur Verfügung gestellt. Ende 2016 umfasste das Stadtumbau West-Programm 646 Maßnahmen in 529 Kommunen.

Bundestransferstelle Stadtumbau West

Die wissenschaftliche Begleitung des Programms Stadtumbau West wurde im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung vom Bremer Büro FORUM zunächst im Rahmen der ExWoSt-Forschungsfeldassistenz ab 2008 bis 2017 als eigenständige Bundestransferstelle Stadtumbau West wahrgenommen. Die Inhalte der Archivfassung stammen überwiegend aus dieser Transferstellentätigkeit.

Weiterführende Informationen zur Entstehung und Entwicklung des Programms Stadtumbau West enthält die Publikation Broschüre: 10 Jahre Stadtumbau West: Programmprofil und Praxis (2014)

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