Navigation und Service

Barntrup-Dörentrup, Region Nordlippe

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Die Stadt Barntrup (ca. 8.900 Einwohner) und die Gemeinde Dörentrup (ca. 8.000 Einwohner) liegen im Nordosten von Nordrhein-Westfalen. Der demografische Wandel und die damit verbundenen städtebaulichen Herausforderungen veranlassten die beiden Kommunen, gemeindeübergreifend zusammenzuarbeiten. Um die Wohn-, Arbeits- und Lebensverhältnisse in der Region dauerhaft zu verbessern, sollen die Ortskerne attraktiv und zukunftsfähig entwickelt werden. Im Jahr 2012 wurde ein gemeinsames integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept beschlossen, dessen Erarbeitung mit Mitteln des Städtebauförderprogramms "Kleinere Städte und Gemeinden" unterstützt wurde. Zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zur Anpassung der kommunalen Infrastruktur wurden bereits umgesetzt. Besonderheiten sind die Schaffung multifunktionaler Einrichtungen in den Ortskernen, die Unterstützung privater Modernisierungsmaßnahmen im Gebäudebestand sowie die Einrichtung eines Verfügungsfonds in Barntrup.

Kontext

Die Stadt Barntrup ist Mittelzentrum, Dörentrup ist Unterzentrum. Beide Kommunen stehen vor den städtebaulichen und sozialen Herausforderungen, die aus geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den Auswirkungen des demografischen Wandels resultieren. Während die Hauptorte in ihrer Funktion als Versorgungsstandort für das gesamte Gemeindegebiet gestärkt werden sollen, gilt es in den Ortsteilen die bestehende Grundversorgung zu sichern. Die Alterungsprozesse sowie Bevölkerungsverluste werden sich in den Kommunen in Zukunft fortsetzen. Sinkende absolute Einwohnerzahlen und steigende Anteile älterer Einwohner werden Auswirkungen auf viele Bereiche der Daseinsvorsorge haben. Damit gehen veränderte Ansprüche und Bedarfe an Wohnungen, Infrastruktur und den öffentlichen Raum einher. Als Mittelzentrum ist insbesondere die Stadt Barntrup gefordert, die Herausforderungen des demografischen Wandels mit den Ansprüchen und der Nachfrage nach Infrastrukturen in Einklang zu bringen. Aber auch in Dörentrup gilt es, Daseinsvorsorge in der Fläche mit Effizienz und Multifunktionalität zu kombinieren.

Die Kooperationsgemeinden können auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit auch mit weiteren Kommunen in der LEADERLiaison entre actions de développement de l'économie rurale-Region Nordlippe aufbauen. Ziel ist es, den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen und eine zukunftsfähige Entwicklung anzustoßen. Das in den Jahren 2011/2012 erarbeitete integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept bildet die gemeinsame Handlungsgrundlage für die Programmumsetzung.

Projektbeschreibung

Für die Kommunen Dörentrup und Barntrup liegt ein über das Programm Kleinere Städte und Gemeinden finanziertes integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) in der Fassung vom Januar 2012 vor. Im ISEK wurden die städtebaulich relevanten Handlungsbereiche betrachtet, Schwächen sowie Entwicklungspotentiale abgeleitet und auf dieser Basis Ziele und ein Maßnahmenkonzept erarbeitet. Das ISEK stellt einen Orientierungsrahmen für die Umsetzung der Städtebauförderung dar. Die Erarbeitung bzw. Aufstellung des ISEK wurde durch mehrere Veranstaltungen für die Bürgerinnen und Bürger begleitet.

Im Rahmen der Programmumsetzung wollen die Kommunen die Wohn- und Versorgungsfunktion ihrer Ortszentren stärken, die Daseinsvorsorge durch interkommunale Zusammenarbeit sichern, die Gebäudesubstanz an Marktanforderungen anpassen und die Ortskerne attraktiver gestalten. Abgeleitet aus den Erkenntnissen des ISEK wurden die vier Sanierungsgebiete Dörentrup-Zentrum, Dörentrup-Bega, Barntrup-Zentrum und Barntrup-Sonneborn festgelegt.

Im Zentrum von Dörentrup wurde das leerstehende Gebäude des ehemaligen Rathauses rückgebaut, um ein neues multifunktionales Bürgerhaus zu errichten. Nachdem die Verwaltung in ein neues Gebäude umgezogen war, stand der Gebäudekomplex mit rund 2.500 Grundstücksfläche leer. Trotz der zentralen Lage fehlte aufgrund der Bausubstanz ein Nachnutzungsinteresse, so dass das Gebäude zusehends verfiel. Mithilfe von Fördermitteln des Programms "Kleinere Städte und Gemeinden" erfolgte der Abriss, um Raum für den Neubau des Bürgerhauses zu schaffen, das 2015 eröffnte wurrde. Das Bürgerhaus wurde barrierefrei und energieeffizient konzipiert. Der Neubau beherbergt einen Veranstaltungssaal und Räumlichkeiten für mehrere Vereine. Eine Feuer- und Rettungswache wurden in das Gebäude integriert, jedoch ohne Förderung durch das Städtebauförderprogramm. Entstanden ist eine multifunktionale Einrichtung zur Sicherung der Daseinsvorsorge und zur Förderung der sozialen Aktivitäten in der Gemeinde. Darüber hinaus wurden rund um das neue Bürgerhaus wurde im Jahr 2015 eröffnet. Weitere Vorhaben in Dörentrup-Zentrum sind die Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes für den Ortskernweitere Maßnahmen realisiert. Dazu zählen der Mehrgenerationenpark, die energetische Erneuerung und barrierefreie Umgestaltung des Freibads sowie die Neugestaltung der Mühlenstraße zur Steigerung der Aufenthaltsqualität im Ortskernder Mehrzweckhalle. Des Weiteren wurde für das Zentrum in Dörentrup ein Verkehrskonzept erstellt.

Auch in den anderen Sanierungsgebieten wurden bereits Maßnahmen umgesetzt. In Dörentrup-Bega wurde eine Turnhalle zu einer Mehrzweckhalle umgebaut und der Ortskern aufgewertet. Dazu wurde das Gelände in unmittelbarer Nähe zum Kirchhof neu geordnet, indem eine brachliegende Fläche genutzt und abgängige Gebäude abgerissen wurden. Ein großer Teil des Dorfplatzes ist bereits umgestaltet. Dazu zählen auch die Aufenthaltsflächen für Kinder und Jugendliche. Weitere Gestaltungsmaßnahmen sind in Planung.

Wichtigste Maßnahme im Zentrum der Stadt Barntrup ist die Umnutzung der nicht mehr benötigten Hauptschule zu einem Bürger- und Schulforum. Auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie, Erkenntnissen aus Beteiligungsveranstaltungen und eines Architekturwettbewerbs wurde das Gebäude aus den 1970er Jahren energetisch saniert und umgebaut; einzelne Gebäudetrakte wurden abgerissen. Die ehemalige Hauptschule, die durch beide Kommunen im Rahmen eines Schulzweckverbandes betrieben wurde, musste aufgrund zurückgehender Schülerinnen- und Schülerzahlen geschlossen werden. Das Gebäude beherbergt nun ein Gymnasium und ein Bürgerzentrum. Der Schulumbau wurde 2018 fertiggestellt. Architektonisch wurde auf eine möglichst hohe Multifunktionalität, Energieeffizienz und Barrierefreiheit geachtet, die Gemeinschaftsräume wie Aula und Mensa werden sowohl von der Schule als auch von Vereinen oder für kulturelle Veranstaltungen rege genutzt.

Schul- und Bürgerforum in Barntrup Schul- und Bürgerforum in BarntrupSchul- und Bürgerforum in Barntrup Quelle: Plan und Praxis, Berlin

In Barntrup-Sonneborn wurde entlang der Hauptstraße in zentraler Lage ein neuer Dorfplatz realisiert. In unmittelbarer Nähe des Nahversorgers konnte so ein attraktiver Treffpunkt geschaffen werden, der zusätzlich die Einzelhandelsfunktion des Zentrums unterstützt. Des Weiteren wurde die Grünfläche "Oberer Teich" gestalterisch aufgewertet, in ihrer Zugänglichkeit verbessert und stärker in das Ortsbild eingebettet. Aufgrund seiner zentralen Lage bietet die Fläche eine wichtige Erholungsfunktion für Familien und ältere Menschen.

Barntrup hat 2012 einen Verfügungsfonds eingerichtet und die entsprechende Vergaberichtlinie beschlossen. Ziel ist es, öffentlichkeitswirksame Maßnahmen mit dem Verfügungsfonds zu unterstützen. Antragsberechtigt sind Einzelpersonen, Unternehmen, Vereine und Bürgerinitiativen, gemeinnützige Träger sowie private Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Dadurch wurden in Barntrup unter anderem im Stadtpark Spielgeräte angeschafft oder Pflanzmaßnahmen in der Mittelstraße durchgeführt.

Die Programmbegleitung durch einen externen Beauftragten und die Öffentlichkeitsarbeit erfolgen überörtlich für den gesamten Kooperationsraum.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Integriertes überörtliches Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Kultur / Freizeit
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

Neugestalteter Dorfplatz in Barntrup-Sonneborn Neugestalteter Dorfplatz in Barntrup-SonnebornNeugestalteter Dorfplatz in Barntrup-Sonneborn Quelle: Plan und Praxis, Berlin

  • Gemeinsames integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (2012)
  • Mehrgenerationenpark Dörentrup-Zentrum (2013)
  • Errichtung des multifunktionalen Bürgerhauses Dörentrup-Zentrum auf dem Grundstück des ehemaligen Rathauses (2015)
  • Umbau der Turnhalle in Dörentrup-Bega zur Mehrzweckhalle (2015)
  • Aufwertung der Grünanlage "Oberer Teich" und des Dorfplatzes Barntrup-Sonneborn (2016)
  • Umnutzung der Hauptschule Barntrup in ein Bürger- und Schulforum (2018)
  • Sanierung des Freibades in Dörentrup (2018)
  • Barrierefreie und energetische Sanierung der Mehrzweckhalle in Dörentrup (2019)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • EU-Förderung LEADER

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2011Aufnahme von Dörentrup und Barntrup ins Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2012Beschluss des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts / Festlegung der Sanierungsgebiete / Einrichtung eines Verfügungsfonds
2013Rückbau des alten Rathauses in Dörentrup und Baubeginn für das multifunktionale Bürgerhaus / Fertigstellung Mehrgenerationenpark Dörentrup / Machbarkeitsstudie Umnutzung Hauptschule Barntrup
2014Aufwertung Grünanlage "Oberer Teich" in Barntrup-Sonneborn
2015Fertigstellung des multifunktionalen Bürgerhauses in Dörentrup / Abschluss Umbau Turnhalle in Dörentrup-Bega zur Mehrzweckhalle / Baubeginn Umnutzung Hauptschule Barntrup (geplant)
2018Fertigstellung ehem. Hauptschule Barntrup zum Schul- und Bürgerforum / Fertigstellung der Sanierung des Freibades Dörentrup
2019Barrierefreie und energetische Sanierung der Mehrzweckhalle in Dörentrup


Besonderheiten

Der Aktivierung privater Investitionen in den Gebäudebestand wird im Kooperationsraum eine große Bedeutung beigemessen. In allen Sanierungsgebieten sollen kommunale und private Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen gefördert werden. Private Eigentümer werden gezielt angesprochen und durch Informationsmaterial zu Fördermöglichkeiten sowie durch Anreizprogramme unterstützt. Zuwendungsfähig sind unter anderem Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen wie die Verbesserung der Gebäudefassaden, die Erneuerung von Dachflächen inklusive ökologisch wertvoller Begrünung, die Gestaltung von Hofflächen sowie die Entsiegelung befestigter Flächen zur Schaffung von nicht-öffentlichen Grün- und Gartenflächen. Die genauen Fördervoraussetzungen finden sich in den Vergaberichtlinien der Kommunen. Auch durch das Anreizprogramm "Jung kauft Alt" wurden zu Beginn der Förderzeit private Investitionen durch einen Zuschuss unterstützt.

Eine weitere Besonderheit sind die umfassenden übergeordneten Konzepte und Aktivitäten. Hierzu zählen das integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) für die LEADER-Region Nordlippe, ein regionales Leerstandsmanagement sowie ein Zukunftsentwicklungskonzept aus dem Jahr 2010 in Barntrup. Es sind somit vielfältige, raumübergreifende Handlungsansätze gegeben, die im Rahmen überörtlicher Konzepte abgestimmt und mit Hilfe externer Prozessbegleitung koordiniert werden.

Lernerfahrungen

Die Kooperation der Stadt Barntrup und der Gemeinde Dörentrup zeigt, wie es gelingen kann, bestehende Planungen und Konzepte für die Programmumsetzung zu nutzen und zielgerichtet weiterzuentwickeln. Den Akteuren ist es gelungen, tragfähige Lösungen für multifunktionale Infrastruktureinrichtungen zu erarbeiten und dabei geschickt unterschiedliche Nutzungen zu kombinieren. Damit werden sowohl im Bestand als auch im Neubau Orte geschaffen, die nicht nur die Daseinsvorsorge sichern und Angebote für unterschiedliche Zielgruppen bereithalten, sondern auch einen wichtigen Impuls für die Belebung der Ortskerne auslösen. Sie stärken die Gemeinschaft, da Räume für Kommunikation und Austausch, für Vereine, Initiativen und öffentliche Veranstaltungen geschaffen werden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinden

Stadt Barntrup und Gemeinde Dörentrup


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2018: 2.937.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtische Kreise


Kontaktdaten

Stadt Barntrup
Fachbereich 3 – Planen und Bauen
Mittelstraße 38
32683 Barntrup
Telefon: +49 5263 409160
E-Mail: info@barntrup.de


Gemeinde Dörentrup
Fachbereich Bauen und Umwelt
Herr Dirk Süllwold
Poststraße 11
32694 Dörentrup
Telefon: +49 5265 739 1480


DSK – Regionalbüro Bielefeld
Mittelstraße 55
33602 Bielefeld
Telefon: +49 521 58486434
E-Mail: bielefeld@dsk-gmbh.de


Weiterführende Informationen (Links):

Informationen zur Programmumsetzung in Dörentrup

Informationen zur Programmumsetzung in Barntrup


Stand

März 2019

Diese Seite