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Ortskern Burgbrohl

Schwerpunkte: Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Die Ortsgemeinde Burgbrohl mit circa 3.200 Einwohnern befindet sich im Landkreis Ahrweiler, westlich des Rheins im Brohltal und wird vom Brohlbach durchflossen. Innerhalb der Verbandsgemeinde Brohltal besitzt die Ortsgemeinde Burgbrohl gemeinsam mit der Nachbargemeinde Niederzissen grundzentrale Versorgungsfunktion. Aufgrund der engen Tallage verläuft durch den linearen Ortskern eine stark befahrene Bundesstraße, die die Attraktivität der Gemeinde als Wohnstandort und die Funktion als Versorgungszentrum beeinträchtigt.

Bereits seit 2001 mit Aufnahme in das Stadtsanierungsprogramm des Landes Rheinland-Pfalz wird diesem Funktionsverlust präventiv begegnet. Mit der Überführung der Maßnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" im Jahr 2011 wurde gezielt eine integrierte Entwicklungsstrategie zur Stärkung und Sicherung der zentralörtlichen Funktion erarbeitet. Dazu sollen die Potenziale der Region und die Entwicklungschancen im Ortskern durch eine abgestimmte Kombination mehrerer Instrumente genutzt werden. Schlüsselmaßnahmen im Rahmen der Programmumsetzung sind die Qualifizierung der Brohltalaue als multifunktionaler Begegnungs-, Spiel- und Aufenthaltsort, die Sanierung der Kaiserhalle sowie ein Modernisierungsprogramm zur Aktivierung von privaten Eigentümern.

Kontext

Die städtebauliche Struktur des Grundzentrums ist durch die naturräumliche Lage im Brohltal und die Brohlbachaue geprägt. Gleichzeitig ist Burgbrohl ein überregional bedeutsamer Wirtschafts- und Arbeitsplatzstandort. Über die durch den Ortskern verlaufende Bundesstraße werden die Zuliefer- und Pendelverkehre mehrerer überregional tätiger Unternehmen abgewickelt. Dies führt zu einer hohen Verkehrs- und Lärmbelastung und zu einem Funktions- und Attraktivitätsverlust des Ortskernes. Seit 2003 schrumpft die Bevölkerung leicht. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der über 65-Jährigen zu und die Zahl der unter 20-Jährigen ab.

In der Vergangenheit wurden bereits punktuell Verluste zentrenrelevanter Angebote und Nutzungen erkennbar. Anzeichen hierfür sind zunehmende Leerstände in den Erdgeschosszonen, fehlende Qualitäten öffentlicher Aufenthaltsbereiche, städtebauliche Brachflächen und Baulücken im Ortskern und eine mangelnde Investitionsbereitschaft in Bestandsgebäude seitens der Eigentümer. Um einem weiteren Funktions- und Identitätsverlust im Ortskern entgegen zu wirken und Burgbrohl als Grundzentrum zu sichern, erarbeitete die Ortsgemeinde im Jahr 2013 in Abstimmung mit der Verbandsgemeinde eine integrierte Entwicklungsstrategie.

Projektbeschreibung

Josefsplatz mit barocker Josefssäule vor der Umgestaltung Josefsplatz mit barocker Josefssäule vor der UmgestaltungJosefsplatz mit barocker Josefssäule vor der Umgestaltung Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Im April 2013 wurde die "Entwicklungsstrategie zur Stärkung und Sicherung der zentralörtlichen Funktion der Gemeinde Burgbrohl in der Verbandgemeinde Brohltal" erstellt. Darin werden zentrale Handlungsschwerpunkte abgeleitet. Ziel ist es, die zentralörtliche Funktion in den Bereichen Infrastruktur, Freizeit, Kultur und Einzelhandel zu stärken. Neben der Bildung eines attraktiven und lebenswerten Wohn- und Aufenthaltsortes sowie der Qualifizierung von Angeboten des Fremdenverkehrs sollen die Innenentwicklung und der Erhalt der stadtbaukulturellen Qualitäten unter anderem durch Sanierung, Leerstandsabbau oder Baulückenschließungen gezielt gestärkt werden. Im Mittelpunkt der Gesamtmaßnahme steht daher die Umsetzung baulich-investiver Projekte zur Sicherung der Funktionsfähigkeit sowie zur Attraktivierung und Belebung des Ortskerns.

Um die Erholungs- und Aufenthaltsqualität zu steigern und die Verweildauer von Besuchern zu erhöhen wurde die östliche Brohltalaue zu einer generationengerechten Grün- und Freizeitanlage umgestaltet. Entstanden ist ein attraktiver multifunktionaler Begegnungs-, Spiel- und Aufenthaltsort für unterschiedliche Nutzer- und Zielgruppen, der den Ortskern mit den höher gelegenen Ortsteilen über den Bach hinweg für Fußgänger barrierefrei verbindet. Errichtet wurden unter anderem ein Trinkbrunnen, ein Kunstrasenkleinspielfeld und ein Wasserspielplatz sowie eine Brückenanlage. Im Rahmen der Umgestaltung konnte auch die Renaturierung des Bachlaufes realisiert werden. Die Maßnahme wurde im Zeitraum von 2013 bis 2016 umgesetzt.

Oberhalb des Ortskerns wird zur Stärkung baukultureller Qualitäten sowie zum Erhalt kultureller und sozialer Einrichtungen und Angebote die 1896 erbaute Kaiserhalle denkmalgerecht saniert und durch den Neubau eines Nebengebäudes zeitgemäßen Nutzungsansprüchen (unter anderem Konzerte, Vereinsaktivitäten, Bürgerhaus) angepasst. Für die Sanierung der Kaiserhalle wurden ergänzend Mittel des Denkmalschutzes akquiriert. Dazu hat die Ortsgemeinde Burgbrohl die Kaiserhalle im Jahr 2010 vom Bürgerverein erworben und im Mai 2015 mit der Umsetzung der Maßnahme begonnen. Die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Zur Verbesserung des Ortsbildes soll der Josefsplatz in der Ortsmitte von Burgbrohl umgestaltet werden. Die Aufenthaltsbereiche rund um die barocke Josefsäule sollen ansprechend gestaltet, ein Tourismus-Info-Büro errichtet und Stellplatzflächen angelegt werden. 2016 wurden die Planungen zur Umgestaltung erstellt, die Umsetzung erfolgt in 2017. Ergänzende Stellplatzflächen sind auf einer ehemals ungeordneten Brachfläche im Ortskern in direkter Nachbarschaft zum Haus der Kultur entstanden. Die Baumaßnahme wurde 2014 fertig gestellt. Die Ortsgemeinde prüft derzeit den Umzug der Gemeindeverwaltung in das Haus der Kultur, um das kulturelle und administrative Zentrum der Ortsgemeinde an einem Ort zu bündeln.

Zur Aktivierung von Eigentümern wurde ein Modernisierungsprogramm durch die Ortsgemeinde Burgbrohl aufgesetzt. Seit Aufnahme in das Städtebauförderprogramm werden Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen von Immobilieneigentümern unterstützt. Das Modernisierungsprogramm richtet sich insbesondere an Eigentümer im Ortskern. Es soll einen Beitrag zur Aufwertung des Ortsbildes leisten und die Wohnfunktion sichern. Dazu hat die Ortsgemeinde Burgbrohl eine Modernisierungsrichtlinie erlassen, die das Vergabeverfahren und die Förderbedingungen regelt. Es ist jährlich mit insgesamt 60.000 Euro ausgestattet. Zahlreiche Eigentümer von Immobilien in der Ortskernlage haben das Programm bereits genutzt und weitere Investitionen in umliegenden Privatimmobilien angestoßen. Flankierend zur Förderung privater Modernisierungsvorhaben aus Mitteln der Städtebauförderung hat die Verbandsgemeinde Brohltal mit Beginn des Jahres 2016 das Förderprogramm "Leben im Ortskern" basierend auf dem sogenannten Wallmeroder Modell eingeführt.

Die Aktivitäten der Ortsgemeinde Burgbrohl sind mit der Verbandsgemeinde abgestimmt. Die Koordinierung erfolgt durch ein externes Büro, das auch die Ansprache und Beratung von Eigentümern übernimmt. Aktuelle Planungsstände werden regelmäßig in öffentlichen Ratssitzungen vorgestellt und ergebnisoffen diskutiert. Anregungen werden bei der Planung und Umsetzung der Einzelmaßnahmen berücksichtigt. Über die Umsetzung von Maßnahmen wird zudem regelmäßig im Zuge der Pressearbeit und im Mitteilungsblatt der Orts- und Verbandsgemeinde berichtet.

Handlungsfelder 

  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Kultur / Freizeit
    • Nahversorgung
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Öffentlicher Raum

Einzelmaßnahmen

  • Umgestaltung einer Brachfläche im Ortskern zu Stellplätzen am benachbarten Haus der Kultur (2014)
  • Umgestaltung des ehemaligen Kurparks Burgbrohl zur "Brohtalaue-Ost", einer generationengerechten Grün-und Freizeitanlage (2012-2016)
  • denkmalgerechte Sanierung der Kaiserhalle (2015-2017)
  • Umgestaltung des Josefsplatzes mit einem Tourismus-Info-Büro in der Ortsmitte (2017)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Landesprogramm Gewässerentwicklung "Aktion Blau Plus"
  • Deutsche Stiftung Denkmalschutz
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1999Durchführung vorbereitender Untersuchungen und Aufnahme in das Stadtsanierungsprogramm des Landes Rheinland-Pfalz
2000Beschluss des Sanierungsgebietes "Ortskern Burgbrohl"
2010Ankauf Kaiserhalle
2011Aufnahme in das Förderprogramm
2013Entwicklungsstrategie zur Stärkung und Sicherung der zentralörtlichen Funktion der Gemeinde Burgbrohl in der Verbandsgemeinde Brohltal
2016Eröffnung Brohltalaue-Ost


Besonderheiten

Kaiserhalle vor der Sanierung Kaiserhalle vor der SanierungKaiserhalle vor der Sanierung Quelle: Xocolatl/Wikimedia

Die Gesamtmaßnahme im Städtebauförderprogramm ist zentrales Element einer konsequent auf die Innenentwicklung und Funktionsstärkung des Ortskernes ausgerichteten Entwicklungsstrategie, die seit mehreren Jahren in Burgbrohl verfolgt wird. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf einer stadtbaukulturellen Qualitätssicherung des regionaltypischen Ortsbildes und der Wahrung ortsbildprägender und historischer Freiflächen und Gebäude (unter anderem Kaiserhalle und Josefsplatz).

Die Maßnahmen der Städtebauförderung werden mit flankierenden Aktivitäten der Verbands- und der Ortsgemeinde verknüpft, die die allgemeine Entwicklungsstrategie unterstützen: So wurde parallel zur Umsetzung der Maßnahmen des Förderprogrammes in der Verbandsgemeinde im Jahr 2016 das kommunale Förderprogramm "Leben im Ortskern" basierend auf dem sogenannten Wallmeroder Modell eingerichtet. Das finanzielle Anreizprogramm zur Belebung der Ortskerne in der Verbandsgemeinde richtet sich insbesondere an junge Familien. In den von den Ortsgemeinden festgelegten Fördergebieten sind der Erwerb und die Sanierung alter Bausubstanz, eine Bebauung von Baulücken (inklusive Grunderwerb) oder der Abriss alter Gebäude und Neubau an gleicher Stelle förderfähig. Außerhalb der Fördergebiete können auch Einzelvorhaben innerhalb der bebauten Ortslage gefördert werden, wenn diese nachweislich im Jahr 1950 oder früher errichtet wurden.

Ferner setzt die Ortsgemeinde Burgbrohl im Rahmen der Flüchtlingsunterbringung auf einen dezentralen Ansatz, indem gezielt Eigentümer (potentiell) leer stehender Immobilien im Ortskern angesprochen werden, um diese für die Unterbringung zur Verfügung zu stellen. Neben der Integration wird damit auch ein Beitrag zur kurzfristigen Behebung von leer stehenden Wohngebäuden geleistet.

Lernerfahrungen

Im Rahmen der Maßnahme, insbesondere bei der Umsetzung von finanziellen Anreizprogrammen im Ortskern sowie bei der Aktivierung und Ansprache von Immobilieneigentümern, wird ein starker Fokus auf kooperatives Handeln gelegt. Verbandsgemeindeverwaltung, Ortsgemeinde, Planer und Eigentümer entwickelten im Rahmen des Förderverfahrens ein gemeinsames und abgestimmtes Vorgehen bei der Sanierung von Gebäuden, so dass kommunale und private Interessen in Einklang gebracht werden konnten. So ist es gelungen, den Ortskern als Wohnstandort zu sichern und aufzuwerten.

Zusatzinformationen

Bundesland

Rheinland-Pfalz


Gemeinde

Burgbrohl


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016: 1.374.600 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen


Kontaktdaten

Walter Schneider
Ortsbürgermeister Burgbrohl
Brohltalstraße 118
56659 Burgbrohl
Telefon: 02636 3663
Mobil: 0177 7211124
E-Mail: info@burgbrohl.de


Angelika Görres
Verbandsgemeindeverwaltung Brohltal
Kapellenstraße 12
56651 Niederzissen
Telefon: 02636 9740-719
Fax: 02636 80146
E-Mail: angelika.goerres@brohltal.de


Link / weitere Informationen

Internetauftritt der Ortsgemeinde Burgbrohl

Internetauftritt der Verbandsgemeinde Brohltal


Stand

August 2016

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