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Kommunales Netzwerk Einbeck – Kreiensen

Schwerpunkte: Innenentwicklung, Infrastruktur / Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Die Stadt Einbeck (33.641 Einwohner, Stand: 01.07.2016), bestehend aus der Kernstadt Einbeck und 46 Ortsteilen, liegt im niedersächsischen Landkreis Northeim circa 75 Kilometer südlich von Hannover. Dank einer jahrhundertealten Brautradition und eines spätmittelalterlichen Fachwerkbestands im Zentrum ist Einbeck als Bier- und Fachwerkstadt bekannt.

Die Auswirkungen des demografischen Wandels, wie eine zunehmende Alterung der Bevölkerung, in Verbindung mit einer angespannten finanziellen Haushaltslage, sind in Einbeck seit Jahren spürbar. Im Jahr 2013 wurde Einbeck in das Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" aufgenommen. Mit den Fördermitteln konnte die Stadt ein kommunales integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept erarbeiten. Geplant sind Maßnahmen zur Stärkung der Jugend- und Sozialarbeit (Neubau Multifunktionshalle), zur Stärkung von Einbeck als Kulturstandort (Ausbau Magistrale der Kultur) sowie für eine bessere Vernetzung und Erreichbarkeit der Ortsteile (Revitalisierung einer Bahnstrecke, Neugestaltung ZOB, Barrierefreiheit).

Kontext

Maßnahme barrierefreie Erschließung Altes Rathaus Maßnahme barrierefreie Erschließung Altes RathausMaßnahme barrierefreie Erschließung Altes Rathaus Quelle: Stadt Einbeck

Seit der Eingliederung von Kreiensen im Jahr 2013 ist Einbeck die bevölkerungsreichste Stadt im Landkreis Northeim. Der Ortsteil Einbeck übernimmt mit circa 15.000 Einwohnern die Funktion eines Mittelzentrums, der Ortsteil Kreiensen die eines Grundzentrums. Die beiden fusionierten ehemaligen Einheitsgemeinden übernehmen auch die Versorgung für die anderen Ortsteile.

Auf Grundlage ihres Gebietsänderungsvertrags vereinbarten die beiden ehemaligen Einheitsgemeinden Einbeck und Kreiensen folgende gemeinsame Ziele:

  • Anpassung an den demografischen Wandel,
  • Sicherung einer kommunalen und ortsnahen Daseinsvorsorge,
  • Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen,
  • zukunftsfähige Entwicklung der Verwaltung,
  • Anpassung und Förderung von Bildung, Kinder- und Jugendarbeit,
  • Förderung des bürgerschaftlichen Engagements sowie
  • Verbesserung des ÖPNV-Angebotes, insbesondere zur Anbindung der Kreienser Ortsteile.

Die Gemeinden haben zudem die Sicherung von Kindertagesstätten, Schulen und Jugendeinrichtungen verbindlich vereinbart.

Die Stadt Einbeck ist heute mit den Herausforderungen des demografischen Wandels und einer traditionell geprägten Wirtschaftsstruktur konfrontiert. Bis 2030 wird für die Stadt ein Bevölkerungsverlust von 16 Prozent prognostiziert. Während der Anteil der unter 18-Jährigen um 21 Prozent sinken wird, wird der Anteil der über 80-Jährigen um 15 Prozent wachsen. Diese demografische Entwicklung macht sich bereits an zunehmenden Leerstand, Arbeitsplatzabbau, sinkenden Schülerzahlen, fehlenden bedarfsgerechten Angeboten für Senioren, Überalterung bei Ärzten, Auslastungs- und Nachwuchsproblemen für Vereine sowie bei Kultur-, Freizeit- und Jugendeinrichtungen bemerkbar. Ein eingeschränktes ÖPNV-Netz stellt außerdem eine Hürde für die Vernetzung der Ortsteile und die Erreichbarkeit der Daseinsvorsorgeangebote dar. Diese Herausforderungen gehen mit der Pflicht zum Abbau von in Einbeck jahrzehntelang angesammelten Altschulden im Rahmen des niedersächsischen Zukunftsvertrags einher.

Die Herausforderungen des demografischen Wandels in Verbindung mit der besonderen wirtschaftlichen und finanziellen Situation von Einbeck sowie der Flächengröße (230 Quadratkilometer) und der Siedlungsstruktur (Kernstadt plus 46 Ortsteile) bildeten wesentliche Grundlagen für die Aufnahme ins Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden".

Projektbeschreibung

Leitbild der Gesamtmaßnahme ist es, die Stadt lebenswert zu gestalten und als Arbeitsort attraktiv zu halten. Das kommunale integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept umfasst eine Vielzahl von Handlungsfeldern, die alle Bereiche der Daseinsvorsorge umfassen. Um langfristig die Raumstruktur zu stärken, wurde mit dem Konzept ein hierarchisch gegliedertes Modell erarbeitet, welches Ankerorte für die Umsetzung von Maßnahmen der Daseinsvorsorge benennt. Je nach Bedeutung eines Ortsteils für das Gesamtnetzwerk werden Schwerpunkte für die Maßnahmenumsetzung gelegt. Das Grundzentrum Einbeck wird als Netzwerkkern angesehen, hier konzentrieren sich die Schlüsselmaßnahmen.

Eine besondere Bedeutung im Rahmen der Gesamtmaßnahme kommt den Jugendlichen zu. Hierzu wurde 2016 ein ehemaliges Flüchtlingswohnheim aus den 1990er Jahren zum Haus der Jugend umgebaut. Mit Hilfe von Städtebaufördermitteln soll ein integrierter Standort für Jugendarbeit entstehen. Ein weiterer Teil des ehemaligen Flüchtlingswohnheims soll zum Jugendgästehaus umgebaut werden. Am selben Standort soll außerdem eine Multifunktionshalle für Jugendliche und Vereine als Event- und Funsporthalle neugebaut werden. Die Maßnahmen an diesem Standort zielen auf eine effektive Bündelung der Ressourcen der Jugendarbeit ab. Die Umsetzung ist für das Jahr 2017 geplant.

Aufgrund der besonderen Siedlungsstruktur der Stadt Einbeck stellen die Vernetzung der Ortsteile und der Ausbau des ÖPNV ein zentrales Handlungsfeld dar. Die Bahnstrecke zwischen Einbeck-Salzerhelden und Einbeck-Mitte wird daher für den Personennahverkehr reaktiviert. Dazu sind begleitende Maßnahmen wie eine Neu- beziehungsweise Umgestaltung des Zentralen Omnibusbahnhofs sowie des Umfeldes der Bahnhöfe von Einbeck, Kreiensen und Salzerhelden geplant. Hier sollen Park and Ride Plätze entstehen und eine bessere und barrierefreie Erreichbarkeit gewährleistet werden.

Für die Versorgungszentren Einbeck und Kreiensen stellt die Innenentwicklung ein zentrales Handlungsfeld dar. Eine nachhaltige Innenentwicklung erfordert einen systematischen Umgang mit Leerstand beziehungsweise Leerstandrisiko. Hierfür wird aktuell ein Baulücken- und Leerstandskataster erarbeitet. Ein gezieltes Leerstandsmanagement für die Gesamtstadt ist vorgesehen.

Um Einbeck als Kultur- und Tourismusstandort zu stärken, soll die sogenannte Magistrale der Baukultur als Verbindung zwischen dem Touristenmagneten "PS-Speicher", einem Motorrad- und Automobil-Museum, und der Innenstadt ausgebaut werden. Hierfür wurde ein Gesamtkonzept erarbeitet, zu dem eine aktive Akteursbeteiligung durchgeführt wurde. Die Umsetzung ist ab 2017 geplant.

Das kommunale integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept wurde in einem intensiven Beteiligungsprozess erstellt. Dies begann mit einer Auftaktveranstaltung in 2013 und wurde in mehreren Konferenzen weitergeführt. Die Steuerungsgruppe, der Arbeitsausschuss auf Verwaltungsebene, die Geschäftsstelle und die zur Hälfte mit Experten und zur anderen Hälfte mit Bürgervertretern besetzten thematischen Arbeitsgruppen wurden in allen Prozessschritten eingebunden. Während die Beteiligten in einer Strategiekonferenz den Ist-Zustand auswerteten und erste Visionen und Umsetzungsstrategien entwickelten, konnten sie in einer Umsetzungskonferenz die Strategien überprüfen und Projektumrisse skizzieren.

Handlungsfelder 

  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Leerstandsmanagement
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Mobilität
    • Kultur / Freizeit
    • Jugend und Familien
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Umnutzung und Ergänzung einer Bestandsimmobilie zum Jugendgästehaus Einbeck (2017)
  • Multifunktionshalle, Neubau einer Event- und Funsporthalle für Jugendliche (ab 2018)
  • Magistrale der Baukultur, barrierefreie Umgestaltung der Tiedexer Straße (ab 2018)
  • Barrierefreie Innenstadt, Marktplatz (Bereich Marktkirche) und Marktstraße (ab 2018)
  • Altes Rathaus, barrierefrei Erschließung und Umnutzung

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" (Stadt Einbeck als Teil des Regionsprojektes Fachwerklandschaft Südniedersachsen "Das Fachwerk Fünfeck" Duderstadt-Einbeck-Hann.Münden-Northeim-Osterode am Harz)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2013Eingliederung von Kreiensen in die Stadt Einbeck / Aufnahme in das Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" / Auftaktveranstaltung für das integrierte Entwicklungskonzept
2014Strategie- und Umsetzungskonferenzen zur Erarbeitung des integrierten Entwicklungskonzeptes / Fertigstellung des integrierten Entwicklungskonzeptes
2016Erstellung eines Gesamtkonzeptes für die Magistrale der Baukultur


Besonderheiten

Durch die angespannte Haushaltslage im Rahmen des niedersächsischen Zukunftsvertrags versucht die Stadt Einbeck möglichst viele Fördermittel aus unterschiedlichen Fördertöpfen zu bündeln. Neben dem Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" (Sanierungsgebiet "Neustadt-Möncheplatz") wird Einbeck auch im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Städtebaulicher Denkmalschutz" sowie des Bundesprogramms "Nationale Projekte des Städtebaus" gefördert. Bei der Finanzplanung der Einzelmaßnahmen werden weitere Finanzierungsquellen auf EU-Ebene (Europäischer Sozialfonds, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung EFRE), Bundesebene (KfW-Modernisierungsprogramme, Entflechtungsgesetz, Klimaschutzinitiative), Landesebene (Wohnbauförderung) sowie private Investitionen in Betracht gezogen.

Lernerfahrungen

Im Rahmen des Netzwerks Einbeck erarbeiteten die Beteiligten eine verbindliche gemeinsame Erklärung. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Erklärung steht die Akzeptanz des demografischen Wandels. Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und der Anpassung der Daseinsvorsorge wird betont. Die Aufgabe, der Verkauf und ein Rückbau von Daseinsvorsorgeeinrichtungen werden als mögliche Alternative anerkannt.

Zusatzinformationen

Bundesland

Niedersachsen


Gemeinde

Einbeck


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2013 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016: 590.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

dünn besiedelte ländliche Kreise


Kontaktdaten

Gemeinde Einbeck
Herr Jürgen Höper
Teichenweg 1
37574 Einbeck
Tel.: +49 5561 916 216
E-Mail: stadtverwaltung@einbeck.de


Link / weitere Informationen

Informationsseite der Stadt Einbeck über "Bauen, Wohnen, Energie"


Stand

März 2017

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