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Kooperationsraum Fronreute-Wolpertswende

Schwerpunkte: Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Der Kooperationsraum Fronreute-Wolpertswende liegt im Landkreis Ravensburg in Oberschwaben, nördlich des Bodensees. Die Gemeinden liegen gemäß Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg im ländlichen Raum und zählen zum Mittelbereich Ravensburg/Weingarten. Friedrichshafen/Ravensburg/Weingarten ist das am nächsten liegende Oberzentrum. Die Hauptorte, in denen sich die Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur konzentrieren, sind Blitzenreute und Fronhofen sowie Wolpertswende und Mochenwangen. Darüber hinaus existieren kleinere Ortschaften.

Durch veränderte Rahmenbedingungen und Bedarfe ergeben sich vor allem im Bereich der sozialen Infrastruktur Anpassungsbedarfe. Zentrales Handlungserfordernis ist die erhaltende Erneuerung der Ortskerne in Blitzenreute und Mochenwangen, um die Qualität als Wohn- und Lebensstandort im Kooperationsraum insgesamt zu sichern. Der angestrebte konsequent nach innen gerichtete Entwicklungsprozess im Gemeindeverwaltungsverband erfordert zudem eine Stabilisierung und Qualifizierung der baulichen Strukturen in den Ortskernen. Die Aufwertung der Ortskerne geht einher mit der Standortneuordnung von Einrichtungen der Daseinsvorsorge in Blitzenreute und Mochenwangen.

Kontext

Die Gemeinden Fronreute und Wolpertswende bilden seit 1978 einen Gemeindeverwaltungsverband. Es bestehen vielschichtige Verflechtungen, die sich unter anderem aus der geografischen Lage der Orte ergeben. Die Hauptorte der Gemeinden sind Blitzenreute und Fronhofen sowie Wolpertswende und Mochenwangen, die entsprechende Dienstleistungs- und Nahversorgungsfunktionen auch für die anderen Ortsteile erfüllen. Die interkommunale Zusammenarbeit konnte mit der Erstellung des interkommunalen integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes im Jahr 2014 und durch die Programmaufnahme im selben Jahr weiter intensiviert werden. Beide Gemeinden sind Teil von Kooperationen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern (unter anderem Abwasser, Naherholung), die über den Gemeindeverwaltungsverband hinausgehen.

Die Bevölkerungsentwicklung ist in beiden Gemeinden leicht wachsend; beide Orte haben eine wichtige Entlastungsfunktion für den Verdichtungsraum Ravensburg-Weingarten. Der demografische Wandel zeigt sich vor Ort vor allem durch einen erhöhten und wachsenden Anteil an älteren Personen. Zentrales Handlungserfordernis ist die städtebauliche Aufwertung der Ortskerne in Blitzenreute und Mochenwangen. Hierdurch soll unter anderem die Qualität der Orte als Wohn- und Lebensstandort im Kooperationsraum gestärkt werden. Vor allem in den Ortskernen von Blitzenreute und Mochenwangen lassen sich städtebauliche Missstände feststellen, deren Behebung Ziel der beiden Gesamtmaßnahmen ist.

Die Infrastrukturausstattung im Kooperationsraum ist als gut zu bezeichnen. Es steht ein breites Angebot im Bereich Bildung und Sport sowie Einzelhandel und kleineren Handwerksbetrieben zur Verfügung. Der Pendlersaldo zeigt, dass die Arbeitsplätze mehrheitlich außerhalb des Kooperationsraumes liegen.

Projektbeschreibung

Das interkommunale integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept Blitzenreute – Mochenwangen wurde 2014 fertiggestellt. In diesem Konzept haben die Gemeinden Rahmenbedingungen zu den Orten und die derzeitige Situation der Vernetzungen und Kooperationen festgehalten und sich gemeinsam auf die Entwicklungsplanung und auf einzelne Schlüsselmaßnahmen festgelegt. Zentrale Ergebnisse der Voruntersuchungen für die Sanierungsgebiete sind bereits in das interkommunale Konzept eingeflossen und begründen die Maßnahmen im Zusammenhang.

Die Gesamtmaßnahmen in beiden Kommunen zielen auf die Stärkung der Ortskerne und richten sich im Schwerpunkt auf die Erneuerung der öffentlichen Infrastruktur durch Anpassung und Neuordnung. Dabei wird das Ziel einer konsequenten Innenentwicklung verfolgt, um die Orte als Wohnstandort zu stärken. Mit den geplanten Einzelmaßnahmen werden vorhandene örtliche Angebote der Daseinsvorsorge langfristig gesichert.

Umfeld der neugebauten Kita in Mochenwangen Umfeld der neugebauten Kita in MochenwangenUmfeld der neugebauten Kita in Mochenwangen Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Eine entsprechende Maßnahme wird in Mochenwangen, einem Ortsteil der Gemeinde Wolpertswende, realisiert. Dort soll das Schul- und Hallenbadareal im Ortskern neugestaltet werden. Als "neue Mitte" entsteht in integrierter Lage ein Standort für öffentliche Infrastruktur unter Mehrfachnutzung von Gebäuden und Stellplätzen. Dazu wurde das Areal neu geordnet, die aus energetischer und ökonomischer Sicht nicht mehr wirtschaftlich zu unterhaltenden Gebäude (unter anderem Hallenbad, Mehrzweckhalle) wurden abgerissen. In einem weiteren Schritt wurde eine neue Kindertagesstätte, das "Kinderhaus Kleine Strolche", errichtet. Auch der Neubau einer Mehrzweckhalle inklusive Außenanlagen ist geplant. Im Jahr 2017 wurde der Grundsatzbeschluss für die Sanierung und Modernisierung der Eugen-Bolz-Schule gefasst. Im Zuge der Neuordnungsmaßnahmen des Areals entstehen neue öffentliche Räume, Freiflächen und veränderte Wegebeziehungen. Beispielsweise ist durch den Abriss des alten Schulgebäudes und Hallenbades ein großer, durchgrünter Platz als Mitte von Kindergarten, Schule, Mehrzweckhalle, Feuerwehr und Sportplätzen entstanden. Über die verkehrsberuhigte Schulstraße wird eine direkte Verbindung in die historische Ortsmitte (Kirchplatz) geschaffen. Durch den Abriss eines weiteren Gebäudes (Pizzeria) konnten öffentliche Stellplätze sowie eine öffentliche Fußwegeverbindung zum Schulgelände/Kinderhaus geschaffen werden. Die Neuordnung ist ein zentrales Element der Strategie der nachhaltigen Innenentwicklung der Gemeinde Wolpertswende einschließlich der energetischen Ertüchtigung. Die Kindertagesstätte konnte Ende 2016 eröffnet werden. Das Gebäude wurde in Holzbauweise in Passivhausstandard entwickelt und ist ein erster wichtiger Baustein im Rahmen der Ortkernsanierung von Mochenwangen. Die Vorplanungen für die Mehrzweckhalle und die Umfeldgestaltungen laufen an, ein Baubeginn ist diesbezüglich für 2020 geplant.

Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt in der Stärkung der sozialen Infrastruktur sowie der städtebaulichen Aufwertung der Ortskerne von Blitzenreute und Mochenwangen. In Blitzenreute lag der Fokus bisher auf vorbereitenden Maßnahmen. Die beiden städtebaulichen Gesamtmaßnahmen beginnen für die beiden Gemeinden sowie für den Kooperationsraum ihre Wirkung zu entfalten.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Bildung
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Neuordnung des Ortskerns ("neue Mitte") Mochenwangen (seit 2015 laufend), im ersten Schritt Neubau Kindertagesstätte Mochenwangen (2015-2016) und nachfolgend Modernisierung und Sanierung der Eugen-Bolz-Grundschule in Mochenwangen (2018)
  • Neuordnung durch Erwerb und Abbruch ausgewählter Gebäude in den Ortskernen Blitzenreute und Mochenwangen mit dem Ziel der innerörtliche Nachverdichtung (2015-2018)
  • Vorplanungen (Grunderwerb, Neuordnung) für den Neubau eines multifunktionalen Bürger- und Familienzentrums Blitzenreute
  • Vorplanungen für die Neugestaltung des Rathaus-Areals
  • Zuschüsse für private Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Fachförderungen (u. a. Schulbauförderung, Ausgleichstock energetische Sanierung für finanzschwache Kommunen)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1978Bildung des Gemeindeverwaltungsverbands Fronreute-Wolpertswende
2014Erstellung des interkommunalen integrierten Entwicklungskonzeptes Blitzenreute – Mochenwangen / Aufnahme in das Förderprogramm / Vorbereitende Untersuchungen in den Ortskernen und Beschluss zur Festsetzung Fördergebiet Blitzenreute
2015Beschluss zur Festsetzung Fördergebiet Mochenwangen
2016Neubau Kita in Mochenwangen
2018Modernisierung und Sanierung der Eugen-Bolz-Grundschule in Mochenwangen


Besonderheiten

Die Umsetzung der Maßnahmen fällt in eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die beiden Gemeinden bereiten sich mit den beiden städtebaulichen Gesamtmaßnahmen auf die Zeit nach dem Aufschwung vor. Unter Berücksichtigung langfristiger Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung werden Maßnahmen umgesetzt, die auch mittel- bis langfristig die Auswirkungen des demografischen Wandels abfedern. Sie nutzen das aktuelle Zeitfenster der guten Rahmenbedingungen zur Erneuerung ihrer sozialen Infrastruktureinrichtungen sowie zur teilweisen Neuordnung ihrer Ortskerne. Damit agieren die beiden Gemeinden sehr vorausschauend und berücksichtigen bei ihren Planungen beziehungsweise bei der Umsetzung der Gesamtmaßnahmen den Umstand, dass der derzeitige wirtschaftliche Aufschwung vermutlich nicht von Dauer sein wird.

Lernerfahrungen

Hervorzuheben ist die lange eingeübte Zusammenarbeit der beiden Gemeinden bereits vor der Aufnahme in das Förderprogramm, sodass der teilweise viel Zeit in Anspruch nehmende Aufbau von Organisationsstrukturen entfiel. Trägerschaftlich kann die Zusammenarbeit auf den seit 1978 bestehenden Gemeindeverwaltungsverband aufbauen, dessen personelle Aufstockung zum Ausbau gemeinsamer Verwaltungsstrukturen führte. Das Beziehungsgeflecht zwischen den lokalen Akteuren ist eng, was auch durch die geografische Situation der Tal- und Hanglagen beider Gemeinden bedingt ist. Gemeinsames integriertes Handeln zeigte sich bereits bei der Erstellung des interkommunalen integrierten Entwicklungskonzeptes Blitzenreute – Mochenwangen. Das 2014 erstellte interkommunale Konzept wurde in beiden Gemeinderäten diskutiert und beschlossen. Hierzu fanden auch gemeinsame Gemeinderatssitzungen statt. Als gemeinsame Handlungsfelder werden im IEK Naherholung und Tourismus, interkommunales Gewerbegebiet, Gemeindeverwaltungsverband, Bildung und Betreuung, Senioren, Energie, Mobilität sowie Grundversorgung / Einkaufen genannt. Standortentscheidungen für Einrichtungen der Daseinsvorsorge werden unter Berücksichtigung der kommunalen Eigenständigkeit der beiden Gemeinden gemeinsam vorbereitet. Die Umsetzung der Einzelmaßnahmen in den beiden Fördergebieten erfolgt durch die jeweilige Gemeinde eigenständig. Die Zusammenarbeit steht auf einem soliden Fundament und wird sich durch den Ausbau des Gemeindeverwaltungsverbands weiter intensivieren, unter anderem durch die Erweiterung des Rathausgebäudes in Blitzenreute.

Zusatzinformationen

Bundesland

Baden-Württemberg


Gemeinden

Fronreute (Ortsteile Fronhofen, Blitzenreute und Steig), Wolpertswende (Wolpertswende, Niedersweiler, Segelbach, Vorsee, Haller, Bruggen, Moosehren, Stroppel, Ziegelhütte, Hatzenturm, Steinhausen und Mochenwangen)


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2014 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2018: 971.111 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtischer Kreis


Kontaktdaten

Gemeinde Fronreute
Finanzverwaltung
Patrick Kassner
Schwommengasse 2
88273 Fronreute
Telefon: 07502 954-24
Telefax: 07502 954-33
E-Mail: Patrick.Kassner@Fronreute.de


Gemeinde Wolpertswende
Kämmerei
Jennifer Hauser
Kirchplatz 4
88284 Wolpertswende
Telefon: 07502 9403-17
Telefax: 07502 9403 -26
E-Mail: j.hauser@wolpertswende.de


Weiterführende Informationen (Links):

Webseite der Gemeinde Fronreute

Webseite der Gemeinde Wolpertswende

Stand

Februar 2019

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