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Glückstadt

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Glückstadt (circa 11.200 Einwohner, Landkreis Steinburg) ist nach Itzehoe die zweitgrößte Stadt im Landkreis Steinburg und liegt direkt an der Elbe. Sowohl durch die Autobahn A 23 als auch durch eine Bahnverbindung ist Glückstadt gut erreichbar und dadurch Wohnsitz für viele Pendler. Trotzdem hat die Stadt mit Einwohnerverlusten zu kämpfen und steht vor großen Herausforderungen - hervorgerufen durch den demografischen Wandel sowie die geografische Randlage. Zusammen mit ihren Umlandgemeinden bildet Glückstadt eine Kooperation und erstellte das Integrierte Entwicklungskonzept "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge Glückstadt und Umland". Darin werden Strategien und Maßnahmen formuliert, die eine Grundversorgung der Bevölkerung mit elementaren öffentlichen und privaten Dienstleistungen in Glückstadt sicherstellen sollen.

Der Schwerpunkt der Programmumsetzung liegt auf Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und bei öffentlichen Einrichtungen. Im Fokus steht dabei der Stadtkern von Glückstadt mit Rathaus, Marktplatz sowie der Fußgängerzone und angrenzenden Straßenzügen. Durch einen breit angelegten Beteiligungsprozess während der Konzepterstellung ist es gelungen, unterschiedliche Akteure einzubinden sowie die interkommunale Zusammenarbeit Glückstadts mit den Umlandgemeinden zu stärken und auch über die Städtebauförderung hinaus zu verstetigen.

Kontext

Die Stadt Glückstadt liegt direkt an der Elbe und verfügt über einen Binnenhafen, der über ein Sperrwerk vom Außenhafen getrennt ist. Die Stadt hat circa 11.200 Einwohner und ist als Unterzentrum von großer Bedeutung für die Versorgung der Umlandgemeinden. Der Verlust großer Arbeitgeber führte in den letzten Jahren zu einem wirtschaftlichen Abwärtstrend und beschleunigte den Einwohnerrückgang in Glückstadt und Umgebung. Die Situation wird verschärft durch den demografischen Wandel, die geographische Randlage innerhalb des weiteren Hamburger Umlandes sowie die begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen der kommunalen Verwaltungen.

Das Einzelhandelsangebot innerhalb der historischen Innenstadt ist kleinteilig und wird durch ein großes Angebot an gastronomischen Betrieben ergänzt. Insbesondere in den Sommermonaten erfreut sich die Innenstadt großer Beliebtheit. Jedoch sind auch negative Entwicklungen in der Innenstadt feststellbar: Leerstände und bauliche Mängel an Gebäuden beeinträchtigen das Stadtbild, das Einzelhandelsangebot ist in einigen Bereichen ausbaufähig und es fehlt an einem funktionalen Übergang zwischen Hafen und Innenstadt. Dies führte zu einem erhöhten Handlungsbedarf und zur Aufnahme in das Programm Kleinere Städte und Gemeinden.

Um Glückstadt als zentralen Versorgungsbereich für die Umlandgemeinden zu sichern, wurde im Rahmen der Stadt-Umland-Kooperation eine überörtlich integrierte Strategie entwickelt – das "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge Glückstadt und Umland".

Projektbeschreibung

Fußgängerzone Glückstadt Fußgängerzone GlückstadtFußgängerzone Glückstadt Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Das „Zukunftskonzept Daseinsvorsorge Glückstadt und Umland“ wurde im März 2014 fertiggestellt. Die Erarbeitung erfolgte in zwei Phasen. In der sogenannten Analysephase wurde die Angebots- und Nachfragesituation in Glückstadt untersucht. Darauf aufbauend wurden im zweiten Schritt Strategien für die Gestaltung der zukünftigen Daseinsvorsorge erarbeitet und bewertet. Die Erarbeitung des Konzeptes wurde dabei von einer Lenkungsgruppe begleitet. Für die Stadt Glückstadt wurden mehrere Handlungsfelder genannt, von denen Brand- und Katastrophenschutz, Breibandversorgung, Jungendarbeit und Freizeit, Medizinische Versorgung, Pflege sowie Mobilität und Erreichbarkeit im Rahmen des Arbeitsprozesses des Zukunftskonzeptes behandelt wurden. Zu drei weiteren Handlungsfeldern – Wohnen (Wohnungsmarktkonzept), Nahversorgung (Einzelhandelskonzept) und Barrierefreiheit (Gutachten Barrierefreiheit) – wurden gesonderte Gutachten erstellt, die an relevanten Stellen immer wieder Querbezüge zum Zukunftskonzept herstellen. Durch das Wohnungsmarktkonzept zeigte sich, dass in Glückstadt insbesondere das bestehende Wohnungsangebot qualitativ weiterentwickelt und auf großflächigen Wohnungsneubau verzichtet werden soll. Dadurch soll die Leerstandsituation trotz weiter zurückgehgehender Einwohnerzahlen verbessert und ein Abwärtstrend insbesondere in den älteren Einfamilienhausquartieren vermieden werden.

Aufbauend auf dem Zukunftskonzept Daseinsvorsorge wurden im April 2015 die vorbereitenden Untersuchungen mit einem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept für den Stadtkern von Glückstadt beschlossen. Darin werden die städtebaulichen Missstände im Stadtkern vertiefend untersucht sowie auf Grundlage der Empfehlungen aus bestehenden Konzepten konkrete Maßnahmen formuliert. Im Ergebnis wurden ein Maßnahmengebiet sowie angrenzend ein förmliches Sanierungsgebiet festgelegt. Die Gebiete umfassen die historische Innenstadt von Glückstadt sowie den Binnenhafen und den Bahnhof, die im Rahmen des Prozesses als vielseitige Wohn-, Kultur-, und Erholungsstandorte weiterentwickelt werden sollen.

Marktplatz während der Bauarbeiten Marktplatz während der BauarbeitenMarktplatz während der Bauarbeiten Quelle: Stadt Glückstadt

Im Sommer 2017 begannen die Bauarbeiten im Rathaus Glückstadt. Ziel des Umbaus ist es, bauliche Barrieren zu beseitigen, Sanitärräume zu erneuern und den energetischen Standard zu verbessern. Dazu werden der Aufzug erneuert, Fenster ausgetauscht, die öffentlichen Sanitäranlagen barrierefrei zugänglich gemacht und das Datennetzwerk verbessert. Während der Bauarbeiten führte eine bautechnische Prüfung zu zeitlichen Verzögerungen. Dadurch können die Umbaumaßnahmen erst 2019 abgeschlossen werden.

Bereits 2018 wurde die Neugestaltung des Marktplatzes durchgeführt. Die ganze Fläche wurde neu gepflastert und ist durch eine ebene Granitfläche nun barrierefrei begehbar. Die an den Marktplatz angrenzenden Straßen – Große Kemper Straße und Am Fleth – sollen ebenfalls barrierefrei umgestaltet werden. Dazu gehören auch neue Sitzgelegenheiten, eine neue Beleuchtung sowie Fahrradstellplätze. Dadurch werden die Straßen in ihrer Funktion als Fußgängerzonen und Einzelhandelsstandort gestärkt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung der historischen Bausubstanz. Mittels sogenannter Modernisierungsvereinbarungen unterstützt die Stadt Eigentümerinnen und Eigentümer bei der Sanierung von Baudenkmalen. Auch die geplante Modernisierung der historischen Druckerei Augustin soll finanziell unterstützt werden. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen Investor und Stadt ist unterschriftsreif.

Seit Anfang 2018 ist in Glückstadt eine Stadtmanagerin tätig und übernimmt Aufgaben in den Bereichen Wirtschaftsförderung und Citymanagement. Dazu zählen unter anderem die Betreuung und Unterstützung des ortsansässigen Gewerbes, Maßnahmen zur Revitalisierung der Innenstadt, Leerstandsmanagement sowie die Unterstützung und Bündelung des ehrenamtlichen Engagements der verschiedenen Vereine und Verbände der Stadt. Die Stadtmanagerin wird von der Stadt Glückstadt finanziert.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung
  • Integriertes überörtliches Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Mobilität
    • Kultur / Freizeit
    • Nahversorgung
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Neugestaltung des Marktplatzes (2018)
  • Barrierefreier Umbau des Rathauses (2019)
  • Barrierefreier Umbau der Großen Kemper Straße (in Planung)
  • Barrierefreier Umbau Am Fleth (in Planung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2013Fertigstellung Bericht Barrierefreies Glückstadt, Untersuchung im Rahmen des "Zukunftskonzepts Daseinsvorsorge" / Fertigstellung Regionales Einzelhandelskonzept für die Stadt Glückstadt und den Nahbereich
2014Fertigstellung "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge Glückstadt und Umland" / Fertigstellung Wohnungsmarktkonzept Glückstadt und Umland / Einrichtung eines Stadtmanagements
2015Fertigstellung Vorbereitende Untersuchungen mit Integriertem städtebaulichem Entwicklungskonzept
2016Fertigstellung 1. Fortschreibung Zukunftskonzept Daseinsvorsorge Glückstadt und Umland Handlungsfeld Brand- und Katastrophenschutz / Modernisierungsrichtlinie (aktualisiert in 2018)
2018Fertigstellung Radverkehrskonzept für Glückstadt / Neugestaltung des Marktplatzes
2019Barrierefreier Umbau des Rathauses / Beginn der Fortschreibung des Wohnungsmarktkonzeptes


Besonderheiten

Die Barrierefreiheit ist bei allen Maßnahmen in Glückstadt von großer Bedeutung und wird konsequent thematisiert. Um die Thematik ressortübergreifend bearbeiten zu können, wurde 2013 der Bericht Barrierefreies Glückstadt, eine Untersuchung im Rahmen des "Zukunftskonzepts Daseinsvorsorge" erstellt. Dort werden Empfehlungen sowie gute Beispiele aufgeführt und konkrete Maßnahmen genannt. Es soll ein einheitliches Netz aus barrierefreien Angeboten, wie Sanitäranlagen und Wegeverbindungen entstehen. Im Rahmen dessen wurde in Glückstadt der Marktplatz neu gestaltet und das Rathaus umgebaut. Weitere Maßnahmen wie der Umbau von Straßenzügen und öffentlichen Einrichtungen zugunsten der Barrierefreiheit sind geplant. Zudem wurde am Tag der Städtebauförderung 2015 die Aktion "Barrierefreies Glückstadt" durchgeführt. Städtische Politiker, Vertreterinnen und Vertreter des Seniorenbeirates, des Seniorenverbandes, der Glückstädter Werkstätten, des Seniorenzentrums sowie Bürgerinnen und Bürger waren dazu eingeladen, mithilfe unterschiedlicher Hilfsmittel, wie Rollstühlen, Rollatoren oder Brillen, die das Sichtfeld verschiedener Augenerkrankungen simulieren, die Barrierefreiheit in Glückstadt zu testen. Dabei ging es insbesondere darum, bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein größeres Bewusstsein zu schaffen und Schwachstellen sowie Handlungsbedarfe zu erkennen.

Lernerfahrungen

Die Erstellung des Zukunftskonzepts Daseinsvorsorge wurde in Glückstadt von einer sogenannten Lenkungsgruppe inhaltlich und konzeptionell begleitet. Die Lenkungsgruppe besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung der Stadt Glückstadt, der Politik sowie den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Umlandgemeinden. Im Rahmen der Konzepterarbeitung wählte die Lenkungsgruppe in ihrer ersten Sitzung die sechs Schwerpunktthemen des Zukunftskonzepts aus, anhand derer im Anschluss die verschiedenen Arbeitsgruppen gebildet wurden. Innerhalb der Lenkungsgruppe wurden die Maßnahmen einvernehmlich abgestimmt.

Die Arbeit der Lenkungsgruppe soll auch nach Fertigstellung des Konzeptes weiter fortgeführt werden. In Zukunft soll die Lenkungsgruppe zu einer Stadt-Umland-Kooperation ausgeweitet und damit nicht mehr allein als Entscheidungsgremium für Maßnahmen in Glückstadt genutzt werden, sondern alle Maßnahmen von interkommunaler Bedeutung - auch in den Umlandgemeinden, beispielsweise in den Bereichen Tourismus und Radverkehr - mit einbeziehen. Die Erweiterung der Lenkungsgruppe zu einer Stadt-Umland-Kooperation ist das Ergebnis einer gemeinsamen Abstimmung von Stadt und Umland. Ihre Implementierung soll durch einen Moderator begleitet werden.

Mit der Lenkungsgruppe bestand bereits ein geeignetes Gremium, das eine Steuerungs- und Koordinierungsfunktion während der Konzepterstellung einnahm. Durch die Ausweitung zu einer Stadt-Umland-Kooperation kann die interkommunale und akteursübergreifende Zusammenarbeit, auch über die Städtebauförderung hinaus, weiter ausgebaut werden und damit einen wichtigen Beitrag zur Verstetigung des Prozesses leisten.

Zusatzinformationen

Bundesland

Schleswig-Holstein


Gemeinden

Stadt Glückstadt


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2012 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2018: 1.441.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Dünn besiedelter ländlicher Kreis, ländlicher Kreis mit Verdichtungsansätzen


Kontaktdaten

Stadt Glückstadt
Fachbereich Technik und Stadtentwicklung Glückstadt
Dr. Lüder Busch
Am Markt 4
25348 Glückstadt
Telefon: +49 4124/930-400
E-Mail: l.busch@glueckstadt.de


Weiterführende Informationen (Links):

Webseite der Stadt Glückstadt


Stand

März 2019

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