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NeuLand - Gemeinsam innen stark

Schwerpunkte: Kooperation, Innenentwicklung, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Stadtspaziergang in Berching Stadtspaziergang in BerchingStadtspaziergang in Berching Quelle: Schober Architekten, München

2010 schlossen sich 16 Städte, Gemeinden und Ortsteile aus dem Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz zu einer interkommunalen Kooperation zusammen. Unter dem Projektnamen "NeuLand – Gemeinsam Innen stark!" werden Strategien und Handlungsempfehlungen zum zukunftsorientierten Umgang mit Gebäudeleerstand und vorhandenen Baulandreserven entwickelt und Modellprojekte umgesetzt. Durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit wird die Bevölkerung für den demografischen Wandel und die Leerstandsproblematik sensibilisiert und Engagement angestoßen.

Kontext

In Deusmauer wird die leerstehende Schule zum Dorfladen. In Deusmauer wird die leerstehende Schule zum Dorfladen.In Deusmauer wird die leerstehende Schule zum Dorfladen. Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Die Folgen demografischer Veränderungen sowie des Strukturwandels im "Neumarkter Land" stellen die Kommunen trotz günstiger Ausgangsbedingungen vor neue Herausforderungen. Gebäudeleerstand ist inzwischen in allen Kommunen der Kooperation gegenwärtig: Denkmalgeschütze Gebäude, Ladenlokale und viele Gasthäuser sind ungenutzt, zahlreiche innerörtliche, erschlossene Baugrundstücke sind unbebaut. Durch die Ausdünnung von Dienstleistungsangeboten und Infrastruktureinrichtungen verlieren viele Innenstädte und Ortskerne zusätzlich an Attraktivität und Anziehungskraft. Seit 2010 wird die interkommunale Kooperation im Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" unterstützt.

Projektbeschreibung

Übergreifendes Ziel der interkommunalen Kooperation ist die Stärkung der Ortskerne als lebendige Zentren durch Innenentwicklung. Mit dem Projekt "NeuLand Gemeinsam Innen stark!" sollen der bestehende und drohende Gebäudeleerstand reduziert und neue Flächenausweisungen beschränkt werden. Die historische Bausubstanz und das kulturelle Erbe werden bewahrt und Arbeitsplätze in den Kommunen erhalten und geschaffen. Mit öffentlichkeitswirksamen Impulsprojekten werden weitere private Investitionen angestoßen.

Die interkommunale Zusammenarbeit konzentriert sich auf vier Schwerpunkte: Neben der Erarbeitung eines interkommunalen Einzelhandelskonzepts stehen die überörtliche Öffentlichkeitsarbeit zum Thema "Leerstand", ein interkommunales Kunst- und Kulturmanagement und die Investorensuche für Wohnen in allen Lebensphasen im Mittelpunkt.

Um die Potenziale der Umnutzung von Bauwerken in den Ortskernen aufzuzeigen wurden beispielhafte Nutzungskonzepte für Gebäude und Grundstücke erarbeitet. Dabei wird insbesondere auf die Herausforderungen der Anpassung der historischen Bausubstanz an heutige Wohnbedürfnisse und die Belange des Denkmalschutzes reagiert. Es ist gelungen, für Leerstand und brachliegende Flächen Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln. Neben der Schaffung von Wohnangeboten für unterschiedliche Zielgruppen (Familien, Senioren, generationenübergreifende Angebote) wird ein Schwerpunkt auf die Schaffung von Gemeinschaftseinrichtungen durch die Kommunen in Zusammenarbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gelegt. Beispielhaftes Impulsprojekt ist die Einrichtung eines Dorfladens mit Bürgertreff in einem leerstehenden Schulgebäude im Velburger Ortsteil Deusmauer. Zudem wird die Ortsmitte zu einem verkehrsberuhigten Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität umgestaltet. Mit einer internetbasierten Immobilienbörse soll die Suche nach Nachnutzungsmöglichkeiten unterstützt werden.

Häuserfahrt durchs Neumarkter Land Häuserfahrt durchs Neumarkter LandHäuserfahrt durchs Neumarkter Land Quelle: Schober Architekten, München

Ein wesentliches Element von "NeuLand Gemeinsam Innen stark!" ist eine ausgeprägte Öffentlichkeitsarbeit und die aktive Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger. Bei sogenannten "Häuserfahrten" werden Interessierte durch sanierte, ehemals leerstehende Gebäude geführt und auf bisherige Erfolge hingewiesen. Auf diesen Exkursionen werden gute Beispiele für sanierte historische Bausubstanz, erfolgte Umnutzungen und gelungene Umbauten gezeigt. Darüber hinaus wird die Bevölkerung für die mit dem Struktur- und demografischen Wandel einhergehenden Problematiken sensibilisiert. Eine weitere Maßnahme der Öffentlichkeitsarbeit sind "DenkFabriken". Bürgerinnen und Bürger entwickeln mit Akteuren aus den Gemeinden und der Wirtschaft Ideen für gemeinschaftliche Wohnmodelle und alternative Konzepte für Umnutzungen. Außerdem dienen die "DenkFabriken" als Forum für die Vernetzung der Bürger, Investoren, Bauunternehmern, Architekten und Vertretern von Banken und Sparkassen.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Leerstandsmanagement
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf Kultur und Freizeit / Nahversorgung / Pflege und Senioren / Jugend und Familien
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Erstellung eines gemeinsamen Internetauftritts
  • Leerstandserhebung, Eigentümerbefragung und Erstellung einer internetbasierten Immobilienbörse
  • Durchführung von "DenkFabriken" und "Häuserfahrten"
  • Gründung eines Dorfladens mit Bürgertreff in Deusmauer
  • Gestaltung der Ortsmitte und der öffentlichen Freiflächen in Deusmauer (in Umsetzung)
  • Zwischenerwerb von Grundstücken in Velburg zur Realisierung von altersgerechtem Wohnraum (in Umsetzung)
  • Umbau des historischen Ökonomiegebäudes in Breitenbrunn zum Feuerwehrhaus verbunden mit der Einrichtung von Mehrzweck- und Vortragsräumen (in Umsetzung)
  • Umnutzung eines historischen Stadlgebäudes für Gemeinschaftseinrichtungen in Velburg ("Kulturstadl") (geplant)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Bündelung mit Kommunalprogrammen (Kommunales Darlehensprogramm, Fassadenprogramm, Familienförderprogramm) und EU-Mitteln (ELER)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Unter dem Arbeitstitel "Kommunale Innenentwicklung und Immobilienservice" führt der Landkreis alle interessierten Gemeinden und die betroffenen Behörden erstmalig zusammen
2010Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" / Leerstandserhebung
2011

Erste Häuserfahrt

/ Erarbeitung von "Impulsprojekten" für alle beteiligten Kommunen / Denkfabrik "Wohnen" / Freischaltung der internetbasierten Immobilienbörse

2012DenkFabrik "Kunst- und Kreativszene" / Gründung des Dorfladens in Deusmauer / Beginn der Umgestaltung der Ortsmitte von Deusmauer / Auslobung Realisierungswettbewerb für den Umbau des Ökonomiegebäudes in Breitenbrunn

Besonderheiten

Hervorzuheben ist die aktive Flächenpolitik der Kommunen. In Velburg werden leerstehende Schlüsselimmobilien von der Stadt erworben. Mehrere kleinere Grundstücke an der Stadtmauer wurden durch die Stadt erworben, um auf der Fläche altersgerechten Wohnraum errichten zu lassen. Die Kommune verschafft sich dadurch einen großen Handlungsspielraum, um gezielt Grundstücke an Investoren zu veräußern, die die anvisierten Ziele und Nutzungen realisieren.

Das Projekt "NeuLand – Gemeinsam innen stark" ist zudem durch eine breite Mitwirkung relevanter Akteure gekennzeichnet. Neben der Projektkoordination durch ein externes Architektur- und Stadtplanungsbüro ist das gemeinnützige Unternehmen Regina GmbH wichtiger Partner für das Projekt. Die Regina GmbH ist ein Verbund von kommunalen und privaten Akteuren mit der Aufgabe, die Regionalentwicklung zu unterstützen und zu gestalten. Unter Einbindung von Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft werden regionale Entwicklungsprozesse koordiniert und umgesetzt. Sie fördert die Netzwerkbildung und nimmt Aufgaben zur Begleitung, Moderation und Dokumentation von Prozessen wahr.

Lernerfahrungen

Die Einbindung der Bevölkerung durch eine ansprechende Webpräsenz und durch Aktionen wie die "Häuserfahrten", Stadtspaziergänge oder die "DenkFabrik" stützen die Vorhaben der Kooperation und tragen gleichzeitig zu einer Bewusstseinsbildung für die Folgen des demografischen Wandels bei. Im Neumarkter Land ist trotz einer relativ kurzen Kooperationsdauer und großen Anzahl der Kommunen eine erfolgreiche Vernetzung gelungen. Die Öffentlichkeit und potenzielle Investoren konnten aktiviert und ein Bewusstsein für die mit der Schrumpfung zusammenhängenden Herausforderungen geschaffen werden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern


Gemeinden

Stadt Berching, Breitenbrunn, Deining, Deusmauer, Stadt Dietfurt, Großalfalterbach, Hohenfels, Lauterhofen, Lupburg, Mühlhausen, Stadt Parsberg, Markt Pyrbaum, Seubersdorf, Sulzbürg, Trautmannshofen, Stadt Velburg


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2010 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2011: 431.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

ländlicher Raum


Kontaktdaten

Stadt Velburg (federführende Gemeinde)
Herr Jürgen Huber
Hinterer Markt 1
92355 Velburg
Tel.: +49 9182 93020
E-Mail: huber@velburg.de


Schober Architekten - Architektur + Stadtplanung
Projektmanagement und wissenschaftliche Begleitung
Augustenstraße 73
80333 München
Tel.: +49 89 52314307/08
E-Mail: info@schober-stadtplanung.de 


Link / weitere Informationen

Internetportal der Stadt Velburg

Stand

August 2012

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