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Arbeitsgemeinschaft Niederer Fläming

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Seit dem Jahr 2010 arbeiten die Stadt Jüterbog und das Amt Dahme/Mark mit den Gemeinden Niederer Fläming, Dahmetal, Ihlow und der Stadt Dahme/Mark im Mittelbereich Jüterbog (2017: 21.266 Einwohnerinnen und Einwohner, Landkreis Teltow-Fläming) zusammen. Nach der Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" wurde im Jahr 2011 die "Arbeitsgemeinschaft (AG) Niederer Fläming" gegründet, um so in enger Zusammenarbeit die Angebote der Daseinsvorsorge zu sichern. Zentrales Ziel ist, die Region für Familien attraktiv zu gestalten und auf die steigende Zahl älterer Menschen zu reagieren. Im Rahmen der interkommunalen Kooperation haben die Kooperationspartner ein überörtliches integriertes Entwicklungskonzept gemeinsam erarbeitet, auf dessen Grundlage Maßnahmen umgesetzt werden. Seit der Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" hat die AG Niederer Fläming unter anderem das Mehrgenerationen- und Multifunktionshaus "Campus der Generationen" an einem Schulstandort in der Gemeinde Niederer Fläming realisiert und ein integriertes Mobilitätskonzept (ÖPNV) mit Rufbus-Service erstellt und umgesetzt.

Kontext

Der Kooperationsraum der AG Niederer Fläming liegt im ländlich geprägten und dünn besiedelten Südwesten des Landes Brandenburg. Überregional bekannt ist die Region durch den Flaeming-Skate, der zum Wandern, Skaten und Radeln einlädt. Der Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg (LEP B-B) 2009 legt die Stadt Jüterbog als Mittelzentrum fest. Seit 2000 ist der Kooperationsraum von einem starken Bevölkerungsrückgang betroffen, der sich Prognosen zufolge bis 2030 fortsetzen wird (Jüterbog -16,9 Prozent, Dahme/Mark -20,7 Prozent, Niederer Fläming -15,6 Prozent). Trotz eines leicht positiven Wanderungssaldos der Stadt Jüterbog bis 2015, überwiegen die Auswirkungen der natürlichen Bevölkerungsentwicklung in der Region und stellen sie vor große Herausforderungen. Vor allem die Altersstruktur wird sich weiter stark verändern: Während die Anzahl von Kindern (unter 15 Jahren) um über ein Viertel und die Anzahl der Jugendlichen und Erwachsenen (zwischen 15 und 65 Jahren) um über ein Drittel bis 2030 zurückgehen werden, wird die Anzahl der älteren Bevölkerung (über 65 Jahren) rasant wachsen (Jüterbog 30,2 Prozent, Dahme 17,4 Prozent, Niederer Fläming 42,7 Prozent).

Der demografische Wandel gilt als Rahmenbedingung für die Probleme, die die Aufnahme in das Programm veranlassten: Die mangelnde Erreichbarkeit der Ortsteile und Versorgungszentren, der teilweise sehr hohe innerörtliche Leerstand sowie ein Versorgungsnotstand verschiedener Bereiche im ländlichen Raum führten dazu, dass sich die Gemeinden im Mittelbereich Jüterbog zusammengetan haben, um gemeinsam den Herausforderungen zu begegnen. Nachdem Schließungen von Einrichtungen schon erfolgt sind, gilt es nun im Kooperationsraum verbleibende Standorte der Daseinsvorsorge in kooperativer Abstimmung und unter Bündelung von Funktionen zu sichern und zu stärken und dabei die Erreichbarkeit in der vom demografischen Wandel stark betroffenen Region zu gewährleiten.

Die AG beauftragte ein externes Planungsbüro, das ein kontinuierliches Kooperationsmanagement gewährleistet und so die Durchführung von Maßnahmen, die Beratung, Beteiligung und Öffentlichkeitsarbeit für den Kooperationsraum übernimmt.

Projektbeschreibung

Grundlage für das Leitbild, die Handlungsfelder und die Maßnahmen im Rahmen der Kooperation ist das überörtlich abgestimmte integrierte Entwicklungskonzept, das im Jahr 2012 erarbeitet und im Jahr 2014 fortgeschrieben wurde. Das entwickelte Leitbild sieht vor, Infrastrukturen der Daseinsvorsorge zu sichern und zu stärken, um die Region sowohl als Wohnort für Familien attraktiv zu gestalten als auch für die wachsende Zahl älterer Bewohnerinnen und Bewohner die Lebensqualität zu sichern und zu erhöhen. Dabei wird eine Strategie der Nutzung von Synergieeffekten und der Konzentration von Einrichtungen der Daseinsvorsorge verfolgt in Verbindung mit einem Mobilitätskonzept für den gesamten Kooperationsraum. Als zentrale Handlungsfelder wurden zunächst die Bereiche Bildung, Lebensqualität, Mobilität/technische Infrastruktur sowie Wirtschaft verankert und in der Fortschreibung um die Bereiche Gefahrenabwehr, Sportstätten und Tourismus erweitert.

Die Themen Bildung und Lebensqualität werden im Schlüsselprojekt "Campus der Generationen" verknüpft. Am Standort der Schule in Werbig (Gemeinde Niederer Fläming) wird in mehreren Bauabschnitten von 2012 bis 2020 ein Mehrgenerationenhaus entstehen, welches unterschiedliche Angebote zur Daseinsvorsorge an einem Ort bündelt. Neben der Schulnutzung sind Betreuungsangebote für Jung und Alt, aber auch Dienstleistungen der Kommune und Räumlichkeiten für die ärztliche Versorgung und Nahversorgung vorgesehen. Bereits vorhandene Angebote wie (Schul-)Speisung, Schulbibliothek, Sporthalle oder Computerkabinett sollen hier in Zukunft generationsübergreifend genutzt werden. Die Mensa wurde bereits zum multifunktionalen Dorfgemeinschaftshaus umgestaltet, die Schule und der Hort wurden saniert und die Heizungsanlage modernisiert. Parallel zur generationenübergreifenden Quartiersgestaltung erfolgte eine barrierefreie, klimagerechte und energiesparende Erneuerung.

Weitere Projekte im Bereich Bildung sind die Sanierung (energetische Maßnahmen sowie Modernisierung der Heizungsanlagen) und barrierefreie Umgestaltung der Grundschule Dahme und der Wiesenoberschule Jüterbog.

Parkplatz am Bahnhof Jüterbog vor und nach der Umgestaltung Parkplatz am Bahnhof Jüterbog vor und nach der UmgestaltungParkplatz am Bahnhof Jüterbog vor und nach der Umgestaltung Quelle: Bruckbauer & Hennen GmbH

Bevölkerungsrückgang, Alterung und Rückzug von Daseinsvorsorgeinfrastruktur aus der Fläche haben im Mittelbereich Jüterbog zu neuen Herausforderungen im Bereich Mobilität geführt. Darauf hat die AG Niederer Fläming mit einem integrierten Mobilitätskonzept reagiert, das den Grundstein für wesentliche Verbesserungen der Mobilität im Kooperationsraum legt. Die Umsetzung des Konzeptes wird seit 2014 zur Hälfte vom Landkreis und zur Hälfte aus kommunalen Eigenmitteln finanziert. Unter anderem wurden Rufbus-Angebote geschaffen mit einer Ausweitung der Betriebszeiten in die über 50 Ortsteile. Eine weitere Maßnahme im Programm, die auf eine Stärkung des Zugpendelverkehrs abzielt, war der Bau eines Parkplatzes für gut 150 Stellplätze am Bahnhof Jüterbog. Dabei wurden die ersten Bauabschnitte (unter anderem Grunderwerb, ein Gebäudeabriss) aus dem Programm Kleinere Städte und Gemeinden gefördert und weitere Bauabschnitte wurden im Rahmen der Richtlinie des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft zur Förderung von Investitionen für den Öffentlichen Personennahverkehr im Land Brandenburg (RiLi ÖPNV-Invest) umgesetzt.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Bildung
    • Mobilität
    • Pflege und Senioren
    • Gesundheit
    • Nahversorgung
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben

Einzelmaßnahmen

Wiesenoberschule Jüterbog Wiesenoberschule JüterbogWiesenoberschule Jüterbog Quelle: Bruckbauer & Hennen GmbH

  • Integriertes Entwicklungskonzept (2012)
  • Energetische Sanierung der Grundschule Dahme und Schulhofgestaltung (2012, 2018-2019)
  • Integriertes Mobilitätskonzept, ÖPNV (2012 und seit 2014 in Umsetzung)
  • Parkplatz am Bahnhof Jüterbog (2013-2015)
  • "Campus der Generationen" am Standort der Grundschule Werbig, Gemeinde Niederer Fläming (2012-2018, weitere Arbeiten geplant)
  • Komplettsanierung der Wiesenoberschule Jüterbog (seit 2015)
  • Standortvergleichsuntersuchung Feuerwache Dahme (2013)
  • Untersuchung zum Musealen Netzwerk (2014-2015)


Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Nationale Klimaschutzinitiative
  • Zuwendungen auf Grundlage der Richtlinie des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft zur Förderung von Investitionen für den Öffentlichen Personennahverkehr im Land Brandenburg (RiLi ÖPNV-Invest)
  • EU-Förderung Leader
  • Bundesmittel "Anlaufstelle für ältere Menschen"
  • Kommunales Infrastrukturprogramm 2016-2019 des Landes Brandenburg (KIP)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2010Beginn der Zusammenarbeit der Kommunen im Mittelbereich Jüterbog / Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2011Gründung der Kooperation AG "Niederer Fläming"
2012Beschluss eines Integrierten Entwicklungskonzeptes / Workshop "Campus der Generationen" in Werbig, energetische Sanierung der Grundschule Dahme
2013Beginn der Bauarbeiten am Parkplatz am Bahnhof Jüterbog / Fertigstellung der Sanierung der Schulmensa am zukünftigen "Campus der Generationen"
2014Fertigstellung des integrierten Mobilitätskonzeptes und Umsetzung im Kooperationsraum / Vorbereitung für den Neu- und Ausbau des 2. Bauabschnittes und Verlagerung der Schul- und Hortnutzung in den vorderen Gebäudeteil am "Campus der Generationen" (Gemeinde Niederer Fläming)
2015Fertigstellung des Parkplatzes am Bahnhof Jüterbog / Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Wiesenoberschule Jüterbog / Sanierung der Heizungsanlage in der Wiesenoberschule Jüterbog
2016Neu- und Ausbau des 2. Bauabschnittes "Campus der Generationen": Schule und Hort (Gemeinde Niederer Fläming) / Ausschreibung zur Sanierung der Wiesenoberschule Jüterbog
2017Einweihung von Schule und Hort am "Campus der Generationen" (Gemeinde Niederer Fläming)
2018Unterzeichnung neuer Kooperationsvereinbarung nach Beitritt der Gemeinde Niederer Fläming in das Amt Dahme/Mark, Beginn der Sanierung Haupthaus und Außenanlage der Wiesenoberschule Jüterbog


Besonderheiten

Der Kooperationsraum kann auf eine im Jahr 2010 initiierte Zusammenarbeit der Gemeinden im Mittelbereich Jüterbog zurückgreifen. Die Mitglieder der gegründeten AG "Niederer Fläming" streben eine enge Zusammenarbeit in allen Politikfeldern an, um die Attraktivität und Lebensqualität in der Region gemeinsam zu sichern und zu erhöhen. Die Kooperationspartner der AG Niederer Fläming bilden einen Kooperationsrat, der etwa viermal im Jahr tagt und über gemeinschaftliche Aktivitäten, Projekte und Geschäftsangelegenheiten abstimmt. Vertreten sind der/die jeweilige Bürgermeister/in beziehungsweise der/die Amtsdirektor/in und jeweils eine Person aus der Stadtverordnetenversammlung (Jüterbog) oder dem Amtsausschuss (Dahme/Mark). Der/Die Vorsitzende des Kooperationsrats wechselt im zweijährlichen Rhythmus zwischen den Hauptverwaltungsbeamten. 2018 wurde der Kooperationsvertrag erneuert und auch nach Beitritt der Gemeinde Niederer Fläming in das Amt Dahme/Mark mit seinen Zielen, Projekten und der Gebietskulisse bestätigt.

Lernerfahrungen

Eine wichtige Grundlage für die gemeinsame Arbeit im Kooperationsraum war die Festlegung auf inhaltliche Kernbereiche (Bildung, Lebensqualität, Mobilität) im integrierten Entwicklungskonzept. Zusammen mit der kontinuierlichen externen Unterstützung durch eine Geschäftsstelle (Kooperationsmanagement) hat die interkommunale Kooperation eine feste Basis und ihr Mehrwert wird für alle Beteiligten deutlich. Weitere Aspekte, die zum Erfolg der Zusammenarbeit beitragen, sind die Finanzierung des Kooperationsmanagements anteilig entsprechend der Einwohnerzahl der beteiligten Gemeinden und der zweijährige Wechsel des Vorsitzes im Kooperationsverbund. Außerdem ist die sinnvolle Bündelung mit anderen Förderprogrammen hervorzuheben, durch die eine integrierte Maßnahmeumsetzung im Kooperationsraum erfolgen kann. Der gemeinsame Webauftritt der Arbeitsgemeinschaft sorgt für eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und vermittelt die Inhalte und Erfolge der Kooperation der Bevölkerung im Raum.

Zusatzinformationen

Bundesland

Brandenburg


Gemeinden

Stadt Jüterbog und Amt Dahme/Mark mit den Gemeinden Niederer Fläming, Dahmetal, Ihlow und der Stadt Dahme/Mark


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2010 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2017: ca. 3,4 Mio. Euro


Siedlungsstruktureller Typ

dünn besiedelte ländliche Kreise


Kontaktdaten

Stadt Jüterbog
Bauamtsleiterin
Kira Wenngatz
Mönchenkirchplatz 1
14913 Jüterbog
Tel.: 03372 463 300
E-Mail: bauamt@jueterbog.de

Geschäftsstelle der AG "Niederer Fläming"
c/o Bruckbauer & Hennen GmbH
Anja Bruckbauer
Schillerstraße 45
14913 Jüterbog
Tel.: 03372 444 69 33
E-Mail: info@bruckbauer-hennen.de


Weiterführende Informationen (Links)

Webseite der AG Niederer Fläming


Stand

August 2018

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