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Innenstadt Olfen

Schwerpunkte: Innenentwicklung, Infrastruktur / Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Die nordrhein-westfälische Stadt Olfen (12.182 Einwohner, Landkreis Coesfeld) liegt im Münsterland am nördlichen Rand des Ruhrgebietes und ist durch die naturräumliche Lage zwischen den Flüssen Stever und Lippe sowie durch den Dortmund-Ems-Kanal geprägt. Trotz eines zu erwartenden moderaten Bevölkerungswachstums muss die Stadt zukünftig verstärkt mit Versorgungsdefiziten bei einzelnen Bevölkerungsgruppen rechnen. Zur nachhaltigen Sicherung und Entwicklung der Innenstadt hat der Stadtrat im Jahr 2012 das Integrierte Handlungskonzept "Innenstadt Olfen - Perspektive 2020" als städtebauliches Entwicklungskonzept beschlossen. Hiermit wurde ein Rahmen für die Innenstadtentwicklung in den nächsten 10 bis 15 Jahren geschaffen.

Zur Profilierung und Aufwertung der Innenstadt wurde im Rahmen des Strukturprogramms REGIONALE 2016 ein Prozess angestoßen, der auf den Ansatz Innenentwicklung setzt. Seit Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke" im Jahr 2013 wird Olfen in diesem Prozess unterstützt. Aus der integrierten Entwicklungsstrategie abgeleitete Maßnahmen helfen, langfristige Strukturen für einen attraktiven Lebensmittelpunkt im Stadtkern zu schaffen und die Daseinsvorsorge zu sichern. Der Umbau des Leohauses als neuer Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens, die Umgestaltung des Marktplatzes und die Neugestaltung des Landschaftsraums "Alte Fahrt" als Teil einer verbindenden Grünachse durch die Olfener Innenstadt konnten bereits umgesetzt werden. Diese und weitere Maßnahmen tragen schon jetzt sichtbar zu neuen Qualitäten im Stadtbild und zur erfolgreich Zusammenarbeit vor Ort bei.

Kontext

Olfen weist eine monozentrische städtebauliche Struktur auf. Die Innenstadt ist der räumliche und gesellschaftliche Mittelpunkt und trägt wesentlich zur Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt bei. Bis zum Jahr 2030 erwartet Olfen ein moderates Bevölkerungswachstum, Anpassungen bei der Daseinsvorsorge sind dennoch erforderlich. In einem intensiven Dialog mit ihren Bürgerinnen und Bürgern hat die Stadt die Notwendigkeit erkannt, öffentliche Orte und Treffpunkte zu schaffen, von denen alle Bevölkerungsgruppen profitieren.

Weitere Herausforderungen stellen eine unzureichende Vernetzung der Innenstadt mit den umliegenden Bereichen, unattraktive Freiräume, Baulücken und ein teilweise erheblicher Sanierungsbedarf bei Gebäuden und Einrichtungen dar. Diese funktionalen und gestalterischen Defizite in der Innenstadt vermindern die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt.

Zur nachhaltigen Stärkung, Aufwertung und Entwicklung Olfens sind umfassende Anpassungen sowohl im Bereich der Stadtstruktur als auch bei den Einrichtungen der Daseinsvorsorge erforderlich. Hierzu hat Olfen 2013 ein integriertes Handlungskonzept unter dem Titel "Innenstadt Olfen - Perspektive 2020" erarbeitet, welches im Jahr 2014 fortgeschrieben wurde.

Die Gesamtmaßnahme in Olfen ist eingebunden in die "REGIONALE ZukunftsLAND 2016" – einem regionalen Strukturprogramm auf Zeit, in dessen Rahmen das Land Nordrhein-Westfalen verschiedene Förderansätze ressortübergreifend bündelt. Zentrales Entwicklungsziel der REGIONALE ist es, die Region für die Zukunft aufzustellen, substanzielle Aufgaben anzugehen und attraktiv für die Bevölkerung, insbesondere für junge Menschen, zu erhalten. Das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" stellt eine zentrale Säule zur Finanzierung von Maßnahmen der REGIONALE dar. Die Regionale 2016 dient als Motor vor Ort. Die Stadt Olfen hat die Aufnahme in das Programm genutzt, um Schlüsselmaßnahmen und damit eine aktivierende Stadtentwicklungsstrategie umzusetzen.

Projektbeschreibung

Alte Fahrt nach Abschluss der Bauarbeiten Alte Fahrt nach Abschluss der BauarbeitenAlte Fahrt nach Abschluss der Bauarbeiten Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Ziel der Gesamtmaßnahme im Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" ist es, neben der Stärkung der Innenentwicklung das Stadtbild zu qualifizieren und die soziale Infrastruktur in der Innenstadt bedarfsgerecht anzupassen, sodass dauerhaft tragfähige Strukturen gebildet und ein attraktiver Aufenthaltsort und Lebensmittelpunkt für alle Generationen entsteht. Die Basis hierfür bildet das von der Stadt unter intensiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Jahr 2012 erarbeitete integrierte Handlungskonzept "Innenstadt Olfen Perspektive 2020" (Fortschreibung 2014), welches Themenbereiche für die zukunftsfähige Entwicklung der Innenstadt betrachtet (unter anderem Verkehr, Baukultur, Freiraumstruktur, Energie). Im Rahmen eines Leitbildprozesses wurden eine Bestandsaufnahme und eine Chancen-Defizit-Analyse durchgeführt. Diese bildete die Grundlage zur Ableitung von Handlungsfeldern und Einzelmaßnahmen und schaffte die Voraussetzungen für die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm.

Olfen verfolgt die Neustrukturierung und Vernetzung der Innenstadt, sodass zentral gelegene Infrastruktur- und Bildungseinrichtungen, wie zum Beispiel die Wieschhof-Grundschule und das Seniorenzentrum St. Vitus-Stift, räumlich stärker mit der Innenstadt verknüpft werden und leichter erreichbar sind. Neben der geplanten funktionalen und gestalterischen Aufwertung der vielbefahrenen Bilholtstraße zugunsten von Fußgängern und Radfahrern und der Verbesserung von Querungsmöglichkeiten werden auch die bisher unattraktiven innerstädtischen Grün- und Freiräume, der Stadtpark, der St.-Vitus Park und die "Alte Fahrt" qualifiziert und zu einer Grünachse verknüpft. Der entstehende Freiraumverbund erhöht die Funktionalität und die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes. Die Umgestaltung umfasst unter anderem neue Wegeführungen, Aktivzonen und Ruhebereiche, Bepflanzungen sowie die Neugestaltung eines ehemaligen Hafenbeckens mit Insel und Landschaftstreppe, die einen Panoramablick auf die Innenstadt Olfens gestattet. Seit 2013 wird die Grünachse entwickelt. Die Baumaßnahmen entlang des Landschaftsraumes "Alte Fahrt" konnten 2016 abgeschlossen werden.

Ein Schlüsselprojekt der Olfener Stadtentwicklung ist das "Leohaus": Die Schließung und Aufgabe des ehemaligen Gemeindehauses durch die katholische Kirche im Jahr 2006 war Ausgangspunkt für die Gründung der Bürgerstiftung "Unser Leohaus". Ziel der Stiftung ist der Erhalt des Leohauses als Gemeindezentrum. Die Entwicklung eines tragfähigen Folgenutzungskonzeptes als Ort der Begegnung und des gemeinschaftlichen Lebens in Olfen erfolgte in enger Kooperation mit den Einwohnerinnen und Einwohnern und der Stadt Olfen. Das Gemeindezentrum im Ortskern wurde von 2013 bis 2016 umgebaut. Mit einer umfassenden Sanierung, der Umgestaltung des Vorplatzes und dem Neubau eines Saalgebäudes für Veranstaltungen entstand ein barrierefreies multifunktionales Gemeindehaus. Das Leohaus ist nun wieder Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Olfen. Es ist Sitz der Bürgerstiftung "Unser Leohaus" und bietet unter anderem Räumlichkeiten für die Anlaufstelle der Freiwilligenagentur "Miteinander in Olfen" sowie die Mobilitätszentrale von Olfen. Das "Leohaus-Büro" koordiniert die Nutzung der Räumlichkeiten und entwickelt gemeinsame Aktivitäten.

Seit 2014 wird das Gestaltungshandbuch Innenstadt erstellt, um eine nachhaltige Qualifizierung des Stadtbildes und Weiterentwicklung der Baukultur bei zukünftigen Maßnahmen zu erreichen. Entsprechend der Vorgaben wurden bereits mehrere Gassen in der Innenstadt neugestaltet und aufgewertet. Im gleichen Jahr wurde der Marktplatz als Kommunikations-, Begegnungs- und Veranstaltungsort für das öffentliche Leben optisch und technisch qualifiziert. Neues Stadtmobiliar, die Umstrukturierung der Baumstandorte sowie die Ausweitung der Gastronomiebereiche gehörten zu den Maßnahmen. Während der Umsetzung erfolgte eine ständige Absprache mit ansässigen Gastronomen.

Weitere geplante Maßnahmen in Olfen sind die Anpassung der Angebote für ältere Menschen im St. Vitus-Stift sowie die energetische und gestalterisch-funktionale Ertüchtigung des Rathauses und der Wieschhofschule. Der Schulstandort soll durch die Umgestaltung des Schulhofs und den Umbau des Schulgebäudes zu einem Ort der Begegnung aufgewertet und im Sinne einer "Quartiersschule" mit dem Umfeld vernetzt werden. Der Einzelhandel soll in der Innenstadt erhalten bleiben und Baulücken für den Wohnungsbau zur Stärkung der Innenentwicklung bereitgestellt werden. Unter dem Stichwort "Junges Wohnen in der Stadt" sollen neue Wohnmöglichkeiten insbesondere für junge Menschen und Familien in der Innenstadt geschaffen werden.

Sowohl in der Konzeptphase als auch bei der Vorbereitung und Umsetzung von Einzelmaßnahmen werden die Bürgerinnen und Bürger Olfens umfassend beteiligt und aktiv in den Planungsprozess einbezogen. Insbesondere bei der Realisierung des Leohauses haben sie in Eigenleistung und mit umfangreichem, ehrenamtlichem Engagement maßgeblich zur erfolgreichen Umsetzung beigetragen. Während des gesamten Prozesses arbeiteten Initiativen und zukünftige Nutzergruppen eng mit der Stadtverwaltung und den am Bau beteiligten Unternehmen und Planern zusammen. Bei mehreren Bürgerversammlungen und Terminen fanden Meinungsbildprozesse und Diskussionen zu verschiedenen Themen und Planungen (zum Beispiel Stadtbild, Leohaus, Grünachse etc.) statt, wodurch Fragen, Anregungen und Bedenken eingebracht und nachgehend realistische Ziele und Grundlagen für die Umsetzung der Maßnahmen geschaffen werden konnten.

Handlungsfelder 

  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Mobilität
    • Kultur / Freizeit
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Umgestaltung des Marktplatzes (2013 - 2014)
  • Sanierung und Umbau des Leohauses (2013 - 2016)
  • Qualifizierung des Landschaftsraums Alte Fahrt (2013 - 2016)
  • Umgestaltung des Stadtparks (2016)
  • Energetische Erneuerung und barrierefreier Umbau der Wieschhofschule zu einem Ort der Begegnung, Öffnung der Schule für den Stadtteil (ab 2016)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2012Erstellung des integrierten Handlungskonzeptes "Innenstadt Olfen Perspektive 2020"
2013Aufnahme in das Städtebauförderprogramm
2014Fertigstellung Umgestaltung des Marktplatzes / Fortschreibung des integrierten Handlungskonzeptes "Innenstadt Olfen Perspektive 2020"
2016Eröffnung des Leohauses / Fertigstellung Baumaßnahmen an der Alten Fahrt / Fertigstellung Baumaßnahmen im Stadtpark


Besonderheiten

Olfen verfolgt mit der Entwicklung der Innenstadt einen umfassenden integrierten Ansatz, der über die REGIONALE 2016 in einen überörtlichen Prozess eingebunden ist. Stabile Trägerstrukturen und die intensiv ausgeprägte Kommunikation der "Macher vor Ort" treiben die Neugestaltung der Innenstadt und die Umsetzung der Maßnahmen stetig voran. Die Bürgerstiftung und das starke ehrenamtliche Engagement, insbesondere im Rahmen der Baumaßnahme Leohaus, bei der mehrere tausend ehrenamtliche Arbeitsstunden durch die Olfener Bürger geleistet wurden, dokumentieren das ausgeprägte kooperative Handeln der Kommune und der Zivilgesellschaft in Olfen. Neben der Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern arbeiten auch Politik und Verwaltung eng zusammen, wodurch ein abgestimmtes und zielorientiertes Handeln gewährleistet ist.

Lernerfahrungen

Die Entwicklungsstrategie in Olfen weist einen präventiven Charakter auf. Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm konnte sich die Stadt frühzeitig mit der Anpassung und Sicherung der Daseinsvorsorge sowie einer nachhaltigen Aufwertung und Entwicklung der Innenstadt auseinander setzen. Obwohl die meisten Angebote der Daseinsvorsorge erst perspektivisch gefährdet sind, stellt sich Olfen schon jetzt für die komplexen und aufwendigen Anforderungen der Daseinsvorsorge in der Zukunft auf. Hierdurch ist es gelungen, neue Qualitäten zu schaffen und die Innenstadt als lebendigen Mittelpunkt zu stärken.

Dabei ist die Innenentwicklung ein zentrales und wesentliches Stadtentwicklungsziel der Stadt Olfen, was nicht erst seit der Aufnahme in das Förderprogramm verfolgt wird. Alle aktuell bewilligten Einzelmaßnahmen im Programm folgen diesem Ziel. Hierbei handelt es sich um Maßnahmen, die die Attraktivität der Innenstadt erhöhen und die Angebote der Daseinsvorsorge in der Innenstadt für alle Bevölkerungsgruppen besser erreichbar macht.

Das ehrenamtliche Engagement in Olfen ist beispielgebend und es ist beachtlich, wie viel Energie in den vergangenen Jahren durch die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Wiedereröffnung des Leohauses aufgebracht wurde. Mit seinen vielen organisatorischen und inhaltlichen Facetten ist das Leohaus Kern der Gesamtmaßnahme. Verschiedene Einrichtungen, Vereine und Nutzungen (unter anderem ein Jugendclub und ein Café im Erdgeschoss des Hauses) konnten integriert werden. Mit der Bürgerstiftung als Betreiber des Leohauses erfuhr die Maßnahme ein enormes bürgerschaftliches Engagement und starke Unterstützung von Initiativen. Dies führte auch zur Stärkung und Schaffung lokaler und regionaler Netzwerke.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinde

Olfen


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2013 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2015: 3,886 Mio. Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtische Kreise


Kontaktdaten

Wilhelm Sendermann
Bürgermeister Stadt Olfen
Kirchstraße 5
59399 Olfen
Telefon: +49 2595 389 161
E-Mail: sendermann@olfen.de


Stadtverwaltung Olfen
Sarah Kiefert
Kirchstraße 5
59399 Olfen
Telefon: +49 2595 389 170
E-Mail: kiefert@olfen.de


Link / weitere Informationen

Städtebauliche Planungen in Olfen


Stand

Januar 2017

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