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Mittelbereich Seelow

Schwerpunkte: Kooperationen / Innenentwicklung / Infrastruktur/ Daseinsvorsorge / Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Der Mittelbereich Seelow besteht aus der Stadt Seelow, der Gemeinde Letschin und den Ämtern Seelow-Land, Golzow, Lebus und Neuhardenberg. Die Stadt Seelow stellt als Mittelzentrum einen Großteil an Einrichtungen der Daseinsvorsorge für die circa 30.000 Einwohner (Stand: 2015), der traditionell dünn besiedelten Region bereit. Bereits vor der Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" im Jahr 2012 arbeiteten die Mitgliedskommunen gemeindeübergreifend zusammen. Aus diesem Erfahrungsaustausch der Verwaltungsbeamten (Hauptverwaltungsbeamte und Hauptamtsleiter) entwickelte sich mit Unterstützung des Modellvorhabens der Raumordnung "Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge" (MORO) und des Städtebauförderprogramms aus einem lockeren Verbund eine feste Struktur interkommunaler Zusammenarbeit. Durch die interkommunale Zusammenarbeit ist es gelungen, eine gemeinsame Strategie für den Mittelbereich zu erarbeiten und die Identität der Kommunen mit ihrer Region zu stärken.

Kontext

Der Kooperationsraum befindet sich circa 60 km östlich von Berlin im Landkreis Märkisch-Oderland, an der Grenze zu Polen. Auf einer Fläche von rund 822 km² leben circa 30.000 Menschen (Stand: 2015). Der Strukturwandel und der damit verbundene Bevölkerungsrückgang haben in der dünn besiedelten Region bereits erhebliche Anpassungsprozesse ausgelöst. Die Bevölkerung im Kooperationsraum ist seit 2000 insgesamt stark zurückgegangen, bis 2030 ist eine weitere Abnahme von zehn Prozent und mehr prognostiziert.

Der Bevölkerungsrückgang führt langfristig zu einem sinkenden Bedarf an Bildungs- und Betreuungsangeboten für Kinder und Jugendliche, einem steigenden Bedarf im Bereich der medizinischen Versorgung, der Pflege und Betreuung älterer Menschen und erfordert neue Lösungen auch im Bereich der freiwilligen Feuerwehr. Durch die absehbare Überalterung der Mitglieder müssen zusätzlich aktive Feuerwehrkräfte neu angeworben und bisherige Einsatzstrukturen verändert werden. Die Bildungs- und Betreuungsangebote gilt es zu bündeln und an den entsprechenden Orten zu sichern und auszubauen.

Projektbeschreibung

Neubau Feuerwehrgerätehaus Lietzen Neubau Feuerwehrgerätehaus LietzenNeubau Feuerwehrgerätehaus Lietzen Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Grundlage für die Umsetzung der Fördermaßnahme ist das Mittelbereichsentwicklungskonzept Seelow, das gemeinsame Ziele und Maßnahmen formuliert und auf die Herausforderungen bei der Sicherung der kommunalen Infrastruktur unter den Bedingungen des Bevölkerungsrückgangs eingeht. Übergeordnetes Ziel der Gesamtmaßnahmen ist es, die Gemeinden des Mittelbereichs als Anker der Daseinsvorsorge zu stärken. Dazu ist es notwendig, die interkommunale Zusammenarbeit zu intensivieren und die kommunale Infrastruktur im Mittelbereich anzupassen. Es soll ein langfristig tragfähiges Netzwerk entstehen, auf das die zukünftige Entwicklung der Region aufbauen kann. Dazu wurden Maßnahmen in allen beteiligten Kommunen formuliert.

Neben der strategischen Grundlage, die mit der Mittelbereichsentwicklungskonzeption geschaffen wurde, konnten innerhalb der Kooperation bereits Maßnahmen realisiert werden. Durch die Sanierung der Kita "Windmühlenkids" in Neuhardenberg sowie die Neugestaltung der Schulhöfe der Grundschulen Lebus und Seelow konnte vor allem das Bildungs- und Betreuungsangebot für Kinder verbessert werden. Die Kita und die Schulhöfe entsprachen in ihrer Ausstattung und Funktionalität nicht mehr aktuellen Anforderungen. Mithilfe eines Anbaus konnten die Kapazitäten der Kita erweitert und ein neuer Multifunktionsraum geschaffen werden. Bei den Umbaumaßnahmen wurden aktuelle Standards zur Energieeffizienz und des Brandschutzes umgesetzt. Die Kita verfügt über neue Sanitäranlagen und neugestaltete Gruppenräume sowie eine neue Inneneinrichtung. Im Zuge der Sanierung und des Umbaus der Kita wurde, mithilfe von Mitteln aus LEADER, auch der Außenbereich neugestaltet. Während der Bauarbeiten wurde die Kita in das gegenüberliegende Gebäude, die sogenannte Kita II verlegt. Hierzu wurde das Gebäude von Dezember 2015 bis April 2016 mit Mitteln des Programms baulich ertüchtigt. Seit der Fertigstellung und Eröffnung der Kita Neuhardenberg wird die Kita II wieder von Vereinen und als Veranstaltungsraum genutzt. Die Schulhöfe der Grundschulen Lebus und Seelow boten nur wenige Möglichkeiten sich in den Pausen frei zu bewegen. Durch baulichen Maßnahmen entstanden multifunktional nutzbare Flächen mit viel Aufenthaltsqualität und Spielmöglichkeiten.

Ärztehaus Falkenhagen während des Umbaus Ärztehaus Falkenhagen während des UmbausÄrztehaus Falkenhagen während des Umbaus Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Zur Verbesserung der ehrenamtlichen Feuerwehren im Kooperationsraum wird seit 2011 ein Feuerwehrkoordinator eingesetzt. Sein Aufgabenbereich umfasst die interkommunale Ausbildung und Beschaffung, Abstimmung von Planungen sowie weitere interkommunale Aufgaben im Brand- und Katastrophenschutz. Zusätzlich sollen bestehende Feuerwehrgerätehäuser im Kooperationsraum ersetzt oder erneuert werden. Im Rahmen dessen entstand 2018 im Ortsteil Lietzen ein neues Feuerwehgerätehaus. Im Ortsteil Manschnow ist ein weiterer Neubau in Planung.

Auch die gesundheitliche Versorgung ist ein Schwerpunkt der Programmumsetzung im Kooperationsraum. Um die ärztliche Versorgung in der stark ländlich geprägten Region zu sichern und zu verbessern, wird seit 2018 das bestehende Ärztehaus in Falkenhagen saniert und um Räume für eine Physiotherapiepraxis erweitert. Zugleich werden der Außenbereich sowie der angrenzende Jugendclub aufgewertet.

Eine Maßnahme mit einem besonderen interkommunalen Charakter stellt die Sanierung des Sparkassengebäudes in Seelow dar. Die Sparkasse bezog Ende 2018 im angrenzenden sanierten Kaufhaus eine neue kleinere Filiale. Somit besteht gegenüber dem Rathaus der Stadt Seelow die Möglichkeit einen gemeinsamen Verwaltungssitz – im Hinblick auf die bevorstehende Verwaltungsstrukturreform in Brandenburg – zu schaffen. Perspektivisch kann das Gebäude auch als Verwaltungssitz für weitere beteiligte Kommunen genutzt werden. Dadurch lassen sich Ressourcen an einem Ort bündeln und es entstehen kurze Wege, die zu einer Stärkung der interkommunalen Zusammenarbeit beitragen.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung
  • Integriertes überörtliches Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Bildung
    • Gesundheit
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Sanierung und Umbau der Kita "Windmühlenkids" in Neuhardenberg (2015 - 2017)
  • Neugestaltung Schulhof Grundschule Lebus (2014)
  • Sanierung/Neugestaltung Schulhof Grundschule Seelow (2017)
  • Neubau Feuerwehrgerätehaus Lietzen (2018)
  • Sanierung Ärztehaus Falkenhagen (2018)
  • Ersatzneubau Feuerwehrgerätehaus Manschnow (bis 2020)
  • Umbau des Sparkassengebäudes zu einem gemeinsamen Verwaltungssitz in Seelow (in Planung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • EU-Förderung LEADER

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2006Beginn des interkommunalen Erfahrungsaustauschs auf Verwaltungsebene
2011Gründung der Kooperation und Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung
2012Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2013Fertigstellung der "Regionalstrategie zur Sicherung der Daseinsvorsorge in der Oderlandregion" / Erarbeitung der Mittelbereichskonzeption
2014Umgestaltung des Schulhofes der Grundschule Lebus
2016Erarbeitung des integrierten Stadtentwicklungskonzepts Seelow
2017Modernisierung der Kindertagesstätte Neuhardenberg / Umgestaltung des Schulhofes der Grundschule Seelow
2018Neubau Feuerwehrgerätehaus in Lietzen / Sanierung Ärztehaus in Falkenhagen
2019Umbau des Sparkassengebäudes zu einem gemeinsamen Verwaltungssitz in Seelow (in Planung)


Besonderheiten

Aufgrund ihrer zentralörtlichen Funktion und um den Kooperationsraum zu stärken, übernimmt die Stadt Seelow als federführende Kommune die Verantwortung für die Zusammenarbeit und koordiniert die Abstimmung der Kommunen untereinander. Dazu wurde in der Verwaltung der Stadt Seelow im Bereich Wirtschaftsförderung das interne Kooperationsmanagement eingerichtet. Dessen Aufgaben umfassen die Koordination des Tagesgeschäftes der Kooperation, die Vorbereitung der Entscheidungen des Kooperationsrates, die Durchführung des Programms Kleinere Städte und Gemeinden sowie anteilige Projektleistungen für Einzelvorhaben der Kooperationspartner. Zusätzlich werden die Kooperationsaktivitäten durch ein externes Beratungsunternehmen unterstützt, das die Kooperation nach außen vertritt und sich um die Abwicklung und Beantragung der Maßnahmen kümmert.

Lernerfahrungen

Die Initiative zur Kooperation geht auf einen Erfahrungsaustausch der Verwaltungsbeamten (Hauptverwaltungsbeamte und Hauptamtsleiter) zurück, der im Jahr 2006 begann. Um im Rahmen des Modellvorhabens des Raumordnung "Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge" gefestigtere Strukturen zu haben, wurde der sogenannte "MORO-Rat" ins Leben gerufen. Die Struktur des MORO-Rates wurde im Rahmen der Umsetzung des Programms Kleinere Städte und Gemeinden übernommen. Unter der neuen Bezeichnung "Kooperationsrat" sind hier die Amtsdirektoren und Bürgermeister der beteiligten Gemeinden beziehungsweise Ämter vertreten. Der Kooperationsrat koordiniert die Zusammenarbeit der Mitgliedskommunen und legt auf Basis der Mittelbereichsentwicklungskonzeption deren Schwerpunkte fest. Zudem stimmt der Rat über den Umsetzungsplan ab, der die Grundlage für den geplanten Einsatz der Fördermittel bildet. Der Rat und die Hauptverwaltungsbeamten treffen sich regelmäßig. Die Geschäftsstelle befindet sich in der Stadt Seelow und obliegt der dortigen Wirtschaftsförderung.

Der Wirtschaftsförderer und der Kooperationsrat haben somit entscheidend dazu beigetragen ein interkommunales Netzwerk zu etablieren, das kurze Kommunikationswege schafft und zusammen mit der Wirtschaftsförderung eine konkrete Anlaufstelle für die Kommunen, aber auch für alle interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürger bildet. Dadurch ist es gelungen, den Mittelbereich Seelow über die Jahre von einem lockeren Verbund zu einem interkommunalen Netzwerk mit festen Strukturen weiterzuentwickeln. Der Kooperationsraum versteht sich heute als eine Region, die nach außen auch als solche auftritt und sich entsprechend positioniert.

Zusatzinformationen

Bundesland

Brandenburg


Gemeinden

Stadt Seelow, Amt Golzow, Amt Lebus, Amt Neuhardenberg, Amt Seelow-Land, Gemeinde Letschin


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2012 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2018: circa 1.427.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

dünn besiedelter ländlicher Kreis


Kontaktdaten

Stadt Seelow
Thomas Drewing
Küstriner Straße 61
15306 Seelow
Telefon: +49 3346-802152
Fax: +49 3346-802200
E-Mail: thomas.drewing@seelow.de


Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbH
Herr Dr. Uwe Schieferdecker
Ludwig-Richter-Straße 23
14467 Potsdam
Telefon: +49 331-271680
Fax: +49 331-2716830


Link / weitere Informationen

Informationen des Mittelbereichs Seelow


Stand

September 2018

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