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Gemeinde Tholey - Ortsmitten Theley und Tholey

Schwerpunkte: Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Die Gemeinde Tholey (ca. 12.200 Einwohner, Landkreis St. Wendel) liegt im nördlichen Saarland. Das Gemeindegebiet ist durch einen dörflichen Charakter geprägt und in neun Ortsteile gegliedert. Tholey ist der Verwaltungssitz und Theley der größte Ortsteil der Gemeinde. Die Ortsteile bilden gemäß dem Landesentwicklungsplan (LEP) von 2006 ein bipolares Grundzentrum, das auch Versorgungsfunktionen für die umliegenden Ortsteile übernimmt.

Neben der Ansiedlung von Gewerbe- und Industrieparks, die die Gemeinde Tholey zu einem regionalen Arbeitsplatzstandort machen, ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Durch die Lage am Schaumberg ist die Gemeinde Tholey als Luftkurort Ziel für überregionalen Fremdenverkehr. Das soziale Infrastrukturangebot ist gut ausgebaut, konzentriert sich überwiegend auf die Ortsteile Tholey und Theley und erfüllt bisher die örtlichen Versorgungsfunktionen.

In der Gemeinde ist die Belebung und Revitalisierung des bipolaren Zentrums mit den zwei Ortskernen Tholey und Theley zentrales Ziel. Damit soll die wirtschaftlich gut aufgestellte Gemeinde vor allem als Wohnstandort gestärkt werden. Gleichzeitig sollen durch eine stabile Nachfrage bestehende Einrichtungen der Daseinsvorsorge gesichert werden. Ausgangspunkt ist ein aktiver Umgang mit bestehenden, teilweise erheblichen, Leerständen und städtebaulichen Missständen in den Ortskernen.

Kontext

Die Gemeinde Tholey besteht aus neun Ortsteilen, die bis zur saarländischen Gebietsreform im Jahr 1974 eigenständige Gemeinden waren. Innerhalb der Gemeinde hat eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Ortsteilen schon vor der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm stattgefunden: Im Jahr 2005 wurden die "Leitideen der Zukunftsentwicklung" für die Gesamtgemeinde erarbeitet.

Die Gemeinde Tholey wird seit langem von Bevölkerungsverlusten geprägt, verursacht durch Geburtenrückengänge und Sterbeüberschusse. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft bei gleichzeitiger Verschiebung der Altersstruktur (Zunahme der älteren Menschen) fortsetzen.

Das Handlungserfordernis ergibt sich in Tholey und Theley insbesondere aus dem seit 2005 kontinuierlich zunehmenden Leerstand: Die Ortskerne der beiden Ortsteile sind von erheblichen Funktionsverlusten und städtebaulichen Missständen betroffen, was ihre Aufgabe als bipolares Grundzentrum bedroht. Neben der Häufung von Leerständen in zentralen Lagen wirkt sich auch der Mangel an qualitativen Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum negativ auf die Entwicklung der beiden Ortsteile aus.

Dies führt neben dem bereits an viele Orten sichtbaren Leerstand zu einer Reduktion der Steuereinnahmen und der Kaufkraft, sodass die Handlungsspielräume der Kommune eingeschränkt werden. Die Entwicklung der Gemeinde als attraktiver Wohn- und Arbeitsort sowie als touristische Destination mit überregionaler Ausstrahlung wird dadurch gehemmt.

Projektbeschreibung

Einer der neu gestalteten "Trittsteine" im Ortskern von Theley Einer der neu gestalteten "Trittsteine" im Ortskern von TheleyEiner der neu gestalteten "Trittsteine" im Ortskern von Theley Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Ziel der Gesamtmaßnahme ist die Aufwertung der Ortskerne als bipolares Zentrum und die Sicherung der Daseinsvorsorge. Die Belebung und Revitalisierung der Ortskerne durch die Stärkung der Wohn- und Aufenthaltsfunktionen steht im Mittelpunkt.

Mit Aufnahme in das Städtebauförderprogramm hat die Gemeinde Tholey das integrierte Gemeindeentwicklungskonzept Tholey (GeKo) erstellt. Verknüpft mit einem integrierten Zukunftsprogramm wurden Bestandserfassungen und -analysen durchgeführt und anschließend Ziele und Maßnahmen abgeleitet. Das Konzept nimmt alle neun Ortsteile der Gemeinde in den Blick und entwickelt eine ganzheitliche Entwicklungsperspektive.

Das teilräumliche Entwicklungskonzept (TeKo) für die Ortsmitte Theley entstand im Juni 2012. Ziel ist es, die Ortsmitte Theley als attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort unter Berücksichtigung der dörflichen Siedlungsstruktur zu stabilisieren. Äquivalent zum TeKo Theley soll auch für den Ortskern Tholey ein teilräumliches Entwicklungskonzept erstellt werden. Räumlicher Handlungsschwerpunkt ist das im Ortszentrums von Tholey gelegene Gebiet "Im Matzenecken / Turmstraße". Das Konzept befindet sich momentan in der Erarbeitung und soll Ende 2019 fertiggestellt werden. Im Ortskern von Tholey konnten bis auf den Ankauf und Abriss leerstehender Gebäude sowie dem anschließenden Verkauf der Grundstücke noch keine weiteren Maßnahmen aus Mitteln des Programms realisiert werden.

Die Innenentwicklung ist ein zentrales Ziel der Entwicklung in der Gemeinde Tholey. In diesem Rahmen wurde das alte Kino im Zentrum von Theley abgerissen. Das lange Zeit leerstehende Gebäude macht damit Platz für den Neubau eines Wohnhauses mit barrierefreien Wohneinheiten. Des Weiteren wurden entlang der Primstalstraße Freiräume durch sogenannte Trittsteine gestaltet. Um die dicht bebaute Straße aufzulockern und attraktive Freiräume und Parkmöglichkeiten im Zentrum zu schaffen, wurden dazu leerstehende Gebäude durch vier kleinteilig angelegte Freiflächen, die sogenannten Trittsteine, ersetzt. Dadurch erhält das Ortsbild ein qualitätsvolles dörfliches Flair. Die Anlage eines weiteren Trittsteins ist geplant. Ergänzend dazu soll auch das Kirchenumfeld in Anlehnung an die Trittsteine neugestaltet werden. Der Platz soll als Treffpunkt für alle Generationen dienen. Um den Platz zu vergrößern, sind der Ankauf eines angrenzenden Privatgrundstücks und der Abriss des darauf befindlichen Gebäudes vorgesehen. Im nördlichen Teil der Ortsmitte von Theley wurde das ehemalige Hotel "Bard" saniert. Dort befinden sich heute ein regionaler Hofladen, eine Physiotherapiepraxis sowie mehrere Wohneinheiten. Seit der Fertigstellung des Entwicklungskonzeptes Theley haben sich neue Möglichkeiten ergeben und damit die Prioritäten bei der Umsetzung einiger Maßnahmen verändert. Daher soll das Konzept für Theley in Teilen aktualisiert und durch neue Maßnahmen erweitert werden. Beispielsweise ist es durch veränderte Eigentumsverhältnisse nun möglich die Fläche gegenüber der Kirche umzugestalten und zu Dorfplatz für Theley zu entwickeln.

Ehemaliges Hotel "Bard" in Theley vor der Umgestaltung Ehemaliges Hotel "Bard" in Theley vor der UmgestaltungEhemaliges Hotel "Bard" in Theley vor der Umgestaltung Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Handlungsfelder 

  • Innenentwicklung
  • Integriertes überörtlich abgestimmtes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Sanierung und Erhaltung historischer Bausubstanz
  • Wirtschaft / Tourismus
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Gestaltung von "Trittsteinen" entlang der Primstalstraße im Ortskern Theley (2012-2018 sowie weitere in Umsetzung)
  • Abriss des alten Kinos und Neubau eines Wohnhauses in Theley (in Umsetzung)
  • Erweiterung eines Lebensmittelmarkts und Aufwertung des Umfelds in Theley (2012-2015)
  • Sanierung eines ehemaligen Hotels und Umbau zum Wohn- und Geschäftshaus in Theley (2014-2016)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2005Erarbeitung der "Leitideen der Zukunftsentwicklung" für die Gesamtgemeinde
2011Aufnahme in das Förderprogramm / Fertigstellung des Integrierten Gemeindeentwicklungskonzeptes
2012Fertigstellung Teilräumliches Entwicklungskonzeptes (TeKo) für den Ortsteil Theley
2014Neugestaltung des ersten "Trittsteins" entlang der Ortsdurchfahrt (Primstalstraße) in Theley / Erlass der Modernisierungsrichtlinie
2016Fertigstellung Umbau und Sanierung ehemaliges Hotel im Ortskern Theley / Beginn Bau des Wohngebäudes auf dem Gelände des ehemaligen Kinos in Theley
2018Beginn der Erarbeitung des Teilräumlichen Entwicklungskonzeptes (TeKo) für den Ortsteil Tholey


Besonderheiten

Die Innenentwicklung ist ein übergeordnetes Ziel der Gemeindeentwicklung in Tholey: Das Städtebauförderprogramm ist dabei zentraler Motor dieser Entwicklungsstrategie. Die Ortskerne werden gezielt durch Schlüsselmaßnahmen wie die Trittsteine und die Schaffung attraktiver Ausgangsbedingungen für Investoren durch Abriss und Grundstücksneuordnung aufgewertet, um das Ortsbild zu verbessern. Ein privates Modernisierungsprogramm, das auch aus Mitteln des Städtebauförderprogrammes finanziert wird, soll zur Sicherung der Wohnfunktion im Ortskern beitragen.

Die Sicherung der Daseinsvorsorge ist ein Querschnittsthema in Tholey. Die Revitalisierung der Ortskerne als Wohnstandorte und zentrale Versorgungsbereiche für die Gemeinde steht im Mittelpunkt. Die Qualifizierung touristischer Angebote und eine enge Verknüpfung wirtschaftlicher Aktivitäten mit der Entwicklung der Ortskerne sollen als Motor genutzt werden. Alle Maßnahmen, die im Rahmen des Städtebauförderprogrammes umgesetzt werden, konzentrieren sich daher auf die zwei Ortskerne und tragen zur Sicherung ihrer Funktionsfähigkeit und Belebung bei.

Lernerfahrungen

Die Maßnahme baut auf Vorgängerförderungen auf: Die Gemeinde Tholey war mit den Ortskernen Tholey und Theley bereits Programmkommune im Bund-Länder-Programm Sanierung und Entwicklung. Aus Mitteln des Programms wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, an die das Städtebauförderprogramm anknüpfen kann. So löste die im Jahr 2014 erlassene Modernisierungsrichtlinie die bis dahin geltende Richtlinie aus der Vorgängerförderung ab. Durch das private Sanierungs- und Modernisierungsprogramm sollen private Investitionen in die Bestandsstruktur der beiden Ortskerne angeregt werden. Nach Anlaufschwierigkeiten zu Beginn des Programms wird dieses mittlerweile sehr gut angenommen.

Bei wichtigen Schlüsselgrundstücken konnten durch den kommunal initiierten Abriss attraktive Ausgangsbedingungen für einen Ersatzneubau geschaffen werden. Für den Neubau auf dem Grundstück des ehemaligen Kinos konnte beispielsweise ein Investor gefunden werden, der das Projekt eigenständig umsetzte. Ein weiteres Beispiel ist das ehemalige Hotel Bard. Ein privater Investor hat das leer stehende Gebäude saniert und umgebaut. Somit konnte auf einen Abriss des Gebäudes verzichtet werden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Saarland


Gemeinden

Tholey


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2018: 1.169.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtischer Kreis


Kontaktdaten

Gemeinde Tholey
Christian Henkes
Fachbereich IV - Bauen, Wohnen, Umwelt
Im Kloster 1
66636 Tholey
Telefon: +49 6853 50842
E-Mail: c.henkes@tholey.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Gemeinde Tholey


Stand

März 2019

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