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Altenburg | Historische Altstadt

Maßnahmenschwerpunkte: Turmdächer der Roten Spitzen und der Kirche St. Marien | Äußere Zwingermauer des Schlosses | Sicherung und Instandsetzung des Altenburger Ernestinums

Zusammenfassung

Die Stadt Altenburg (32.788 Einwohner, Stand: 2016), am östlichen Rand des Freistaates Thüringen gelegen, war bis zum Jahr 1918 Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Altenburg. Der reiche und vielfältige Bestand an wertvollen Kulturdenkmalen und Denkmalensembles aus unterschiedlichen Epochen zeugt von der einstigen Bedeutung der Stadt. Historisch wertvolle Bauten aus dem Mittelalter wie die Bartolomäikirche, der Nikolaikirchturm und die Roten Spitzen als Wahrzeichen der Stadt sind touristische Ziele in der Altenburger Altstadt.

Altenburg blieb zwar weitgehend von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont, jedoch verfiel in den folgenden vier Jahrzehnten der Großteil der innerstädtischen historischen Gebäude zunehmend. Viele Gebäude wurden aufgrund der zu hohen Sanierungsbedarfe abgerissen. Erst mit der politischen Wende im Jahr 1989 konnte der Abriss gestoppt werden. In den folgenden Jahren wurde die Innenstadt von Altenburg als Sanierungs- und Erhaltungssatzungsgebiet förmlich festgelegt und im Jahr 1991 in das Städtebauförderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Im Rahmen des Förderprogramms konnten zahlreiche Gebäude in der Innenstadt, darunter auch bedeutende Denkmale wie das Schloss, das Mauritianum, die Roten Spitzen oder der Nikolaikirchturm saniert werden. Übergeordnetes Ziel der Stadtsanierung ist es, die historische Gebäudesubstanz und Stadtstruktur zu erhalten und unter Berücksichtigung der Behebung von städtebaulichen Missständen und Mängeln die Funktion und die Gestalt der Stadt weiterzuentwickeln, um so die Altstadt zu beleben.

Kontext

Die Altstadt Altenburgs liegt westlich des Baches Blaue Flut sowie nördlich des Großen Teiches und bildet zusammen mit den gründerzeitlichen Vorstädten die Innenstadt. Eine klare Trennung zwischen dem mittelalterlichen Altstadtkern und den gründerzeitgeprägten Vorstädten ist im heutigen Stadtbild nicht zu erkennen. Kennzeichen des historischen Stadtgebiets sind eine erhaltenswerte städtebauliche Struktur und die prägende Nutzungsmischung. Der reichhaltige Bestand an historischen Bauten, zahlreichen Einzeldenkmalen und Denkmalensembles entstammt unterschiedlichen Bauepochen. Die Altstadt ist in straßenbegleitende Quartiere mit Blockrandbebauung gegliedert und verfügt nur in repräsentativen Bereichen mit öffentlichen Einrichtungen und am Rand über offene Platzbereiche.

Das Fördergebiet setzt sich aus dem Sanierungsgebiet historische Altstadt und dem Erhaltungsgebiet Innenstadt zusammen, wobei ein Großteil der im Rahmen des Programmes geförderten Maßnahmen innerhalb des Sanierungsgebietes liegt. Die Grenzen des Sanierungsgebietes entsprechen in etwa dem Verlauf der früheren Stadtmauer. Um das Sanierungsgebiet herum erstreckt sich das Erhaltungsgebiet. Das Fördergebiet schließt am östlichen Rand das Quartier "Um die Roten Spitzen", südlich und östlich daran angrenzende Straßenabschnitte, das Areal rund um das Schloss mit Schlosspark und dem Lindenau-Museum sowie die nördlich verlaufenden Straßenabschnitte entlang der Kanalstraße und Wettiner Straße ein. Der südlich des Sanierungsgebiets gelegene Teil umfasst die an der Altstadt angrenzenden Grundstücke entlang des Johannisgrabens. Das gesamte Gebiet gilt mit einer Gesamtfläche von 172,06 ha bundesweit als eines der größten Fördergebiete im Programm Städtebaulichen Denkmalschutz.

Handlungsstrategie

Aufgrund der weiter sinkenden Einwohnerzahl zielt die Stadt Altenburg auf die Doppelstrategie "Innenstadt stärken" und "Eine Nummer kleiner – Gesundschrumpfen" ab. Die vorhandenen Qualitäten im historischen Innenstadtbereich sollen erhalten sowie neue Qualitäten geschaffen werden, um einen unwiderruflichen Verlust des baukulturellen Erbes als Hauptidentität der Stadt Altenburg zu verhindern. Schlagworte wie "innen vor außen" und "alt vor neu" verdeutlichen die Hinwendung auf die vorhandenen Qualitäten der Altstadt, dessen baukulturelles Erbe wesentlich zur Identität beiträgt und als oberstes Ziel erhalten bleiben muss. Durch Stärkung der Innenstadt wird ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der gesamten Stadt Altenburg geleistet.

Ziel ist es, stadtbildprägende Gebäude und Bau- und Kulturdenkmale langfristig zu erhalten, wobei ein besonderes Augenmerk auf öffentlichen Gebäuden liegt. Neben der Sicherung ist die Sanierung von Bau-, Kulturdenkmalen und stadtbildprägenden Gebäuden sowie die Bewahrung der Bestandsfassaden mit den typischen Gestaltungselementen, Putzgliederungen, Fenstergestaltungen und Sockelausbildungen ein weiteres Anliegen.

Die noch nicht sanierten Straßenabschnitte, Wege und Plätze sollen zur Qualifizierung des öffentlichen Raumes grundhaft ausgebaut werden. Mit der Optimierung der Verkehrsführung wird der historische Stadtkern attraktiver und erlebbarer. Dies betrifft insbesondere die Lebens- und Aufenthaltsqualität der Bewohner und Besucher, die durch die Schaffung von Grünflächen, die Sanierung von Freiflächen und die Erschließung neuer Freiflächen eine Verbesserung erfährt. Unter denkmalpflegerischen Bezügen wird das öffentliche Grün gestärkt und die Altenburger Altstadt als steinerner Stadtraum respektiert. Um die Altenburger Altstadt langfristig zu beleben, werden Mischnutzungen in den Gebäuden gefördert. Durch die Kombination von Gewerbe und Wohnen wird das wirtschaftliche, kulturelle und touristische Leben im Stadtkern und damit die Altstadt in ihrer Zentrumsfunktion gestärkt.

Um innerstädtisches Wohnen attraktiver zu gestalten, werden die Quartiersinnenbereiche aufgewertet und als private Erholungsbereiche gestaltet. Differenzierte Wohnangebote und barrierefreie, bezahlbare und individuelle Wohnformen sollen die Wohnfunktion der Innenstadt nachhaltig stärken. Hierbei stehen sowohl die Sanierung und Revitalisierung leerstehender Gebäude als auch der Neubau auf vorhandenen Brachflächen und innerstädtischen Baulücken im Vordergrund.

Um die Doppelstrategie "Innenstadt stärken" und "Eine Nummer kleiner – Gesundschrumpfen" sowie die darin gesteckten Entwicklungsziele erreichen zu können, wurden die einzelnen Maßnahmen und Projekte verschiedenen Prioritäten zugeordnet. Kurzfristig umzusetzende Maßnahmen betreffen insbesondere die Sicherung von gefährdeten Gebäuden. Mittel- bis langfristig sollen u.a. noch nicht sanierte Straßen erneuert und Stellplätze aufgewertet werden. Sie wurden und werden mit Unterstützung von unterschiedlichen Förderprogrammen und verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten umgesetzt.

Handlungsfelder            

  • Erhalt und Sicherung des baukulturellen Erbes
  • Umsichtige Verkehrsplanung mit Regelungen des fließenden und ruhenden Verkehrs unter Beachtung der mittelalterlichen Stadtstruktur und der engen Straßen
  • Grundhafter Ausbau des öffentlichen Straßenraumes
  • Sanierung der Gebäude entlang der Magistralen und Hauptverkehrsachsen zur Verringerung der negativen stadtbildprägenden Wirkung
  • Beseitigung von Baulücken und Brachflächen zur Schließung von Raumkanten und Stärkung der typischen Altenburger Stadtstruktur
  • Förderung einer lebendigen Nutzungsmischung aus Wohnen, Handel, Dienstleistung, Kultur, Bildung und Verwaltung
  • Energetische Sanierungen an Denkmalen in Abstimmung mit denkmalpflegerischen Belangen
  • Sicherung des positiven öffentlichen Images der Altenburger Altstadt

Einzelmaßnahmen        

Wichtige Einzelmaßnahmen sind und waren

  • die über mehrere Jahre laufende umfassende Instandsetzung der Bartholomäikirche,
  • die Sanierung von Teehaus und Orangerie,
  • statisch-konstruktive Sicherungen mehrerer innerstädtischer Gebäude – wie dem Schwarzen Bär und dem Weißen Roß – und ihre Wiedernutzbarmachung,
  • die Sanierung der Music-Hall,
  • der grundhafte Ausbau der Märkte, Straßen und Gassen im Sanierungsgebiet,
  • Sanierungsmaßnahmen durch private Eigentümer, den Kulturbund oder der Städtischen Wohnungsgesellschaft,
  • die Gestaltung von Quartierinnenbereichen durch die Städtische Wohnungsgesellschaft und viele weitere Beispiele.

Die im Folgenden aufgeführten Einzelmaßnahmen sind lediglich als Auszug aus dem umfangreichen Spektrum der seit 1991 umgesetzten Maßnahmen zu verstehen.

  • Turmdächer der Roten Spitzen und der Kirche St. Marien

    Die Roten Spitzen sind das Wahrzeichen der Stadt Altenburg. Wahrzeichen von Altenburg - Rote SpitzenWahrzeichen von Altenburg - Rote Spitzen Quelle: Stadt Altenburg

    In den Jahren 2006/2007 wurden umfangreiche Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen an den Turmdächern der Roten Spitzen, dem Wahrzeichen von Altenburg, umgesetzt. Die Spitzen erhielten eine neue Schieferdeckung und an den tragenden Holzelementen wurden Schäden ausgebessert sowie Teile davon ausgetauscht. Aufgrund der anspruchsvollen Bauarbeiten mit einer Werkstatt zwischen den Turmspitzen erfuhr das Projekt große mediale Aufmerksamkeit. In diesem Rahmen erfolgten weitere Sanierungsmaßnahmen an der dazugehörigen Kirche St. Marien des Augustiner-Chorherrenstiftes. Während der Restaurierungsarbeiten am Kirchgewölbe wurde die älteste Marienkrönung als Wandmalerei entdeckt, die aus dem 9. Jahrhundert stammt. Im Jahr 2012 wurde die Sanierung als Gesamtmaßnahme erfolgreich abgeschlossen. Das Bauwerk steht nun den Besuchern und Bewohnern von Altenburg als Museum mit begehbaren archäologischen Grabungsfeldern offen.
  • Äußere Zwingermauer des Schlosses
    Ein Schwerpunkt der Programmumsetzung ist das Altenburger Residenzschloss – die zahlreichen Maßnahmen im Schlosskomplex betreffen u.a. die Instandsetzung des Daches der Schlosskirche und die Sanierung der Fassade. Im Jahr 2008 wurde ein etwa 100 Meter langer Abschnitt der äußeren Zwingermauer des Schlosses saniert und in seiner Standfestigkeit verbessert. Durch verschiedene Arbeiten am Mauerwerk wurde das historische Erscheinungsbild der Mauer erhalten. Für die statische Sicherheit wurden Boden- und Felsnägel durch das Mauerwerk in den Baugrund getrieben, neue Fugen eingesetzt und verwitterte Teile unter Beachtung der denkmalschutzrechtlichen Belange ausgetauscht bzw. saniert.
  • Sicherung und Instandsetzung des Altenburger Ernestinums
    Eines der bedeutenden Projekte in jüngerer Zeit war die Sicherung und Instandsetzung des Altenburger Ernestinums in den Jahren 2012/2013. Untersuchungen am Gebäude diagnostizierten einen schlechten baulichen Zustand mit Schäden im Dachbereich, an der Deckenkonstruktion im obersten Vollgeschoss und an den Außenwänden. Deshalb erfolgten eine Dach- und Deckeninstandsetzung sowie eine statisch-konstruktive Instandsetzung der Außenwände mit dem Ziel, das bedeutende Einzeldenkmal zu erhalten.

Finanzierung

Weitere Städtebauförderungsprogramme im Fördergebiet (abgeschlossene und laufende Maßnahmen):

  • Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen
  • Stadtumbau Ost
  • Investitionspakt
  • Thüringer Landesprogramm: Strukturwirksame städtebauliche MaßnahmenBund-Länder-Programm Stadtumbau Ost, Programmteil Aufwertung

Weitere Städtebauförderungsprogramme in der Kommune:

  • Stadtumbau Ost (seit 2003, bis voraussichtlich 2020)

Meilensteine der Gebietsentwicklung

Tabelle: Meilensteine der Gebietsentwicklung
1990Stopp des Gebäudeabrisses
1991Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz
1991Durchführung von Vorbereitenden Untersuchungen
07/1992Satzungsbeschluss zum "Sanierungsgebiet Altenburg Altstadt"
2005-2006Durchführung von Vorbereitenden Untersuchungen für das Sanierungserweiterungsgebiet "Pauritzer Vorstadt" mit detaillierten Sanierungszielen
09/20072. Änderung des Satzungsbeschlusses und förmliche Festlegung zum Sanierungsgebiet Altenburg Altstadt
2008Fortschreibung der Sanierungsziele für das Sanierungsgebiet mit einer Kosten- und Finanzierungsübersicht
11/2010Besuch der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz in Altenburg
2014erneute Fortschreibung der Sanierungsziele
22.06.2006Beschluss Erhaltungssatzung
2002Integriertes Stadtentwicklungskonzept Wohnen, Fortschreibung im Jahr 2009


Besonderheiten

Ein wesentliches Kennzeichen der Altenburger Altstadt sind die geschwungenen Straßenräume mit Versetzungen und wechselnden Straßenbreiten. Breite Straßen, die früher auch als Marktflächen genutzt wurden, wechseln sich mit schmalen Straßen und Gassen ab. Die Straßen sind oftmals auf stadtbildprägende und bedeutsame Gebäude ausgerichtet, wodurch sich deren imposante Wirkung entfaltet.

Lernerfahrungen

Gute Möglichkeiten, um derzeit noch unsanierte und ungenutzte historische Gebäude zu aktivieren, bieten Ansätze zur Mobilisierung von Eigentümern und Bürgern, wie das Stadtforum Altenburg.
Das Stadtforum Altenburg – Forum für Denkmalschutz und Stadtentwicklung gründete sich 2008. Das Netzwerk diskutiert und bündelt Ideen und Strategien zur Stadtentwicklung und zu einem behutsamen Stadtumbau. Neben Veranstaltungsreihen, die den Dialog zu Fragen der Stadtsanierung ermöglichen, engagiert sich das Stadtforum u.a. mit der Mobilisierung von Kaufinteressenten für den Erhalt stadtbildprägender Gebäude. Inzwischen hat sich das Beteiligungsgremium gemeinsam mit dem Tag des offenen Denkmals als wichtiges Instrument zur Beteiligung der Bürgerschaft am Stadtsanierungsprozess etabliert.

Das Gebiet heute

Seit Anfang der 1990er Jahre konnte in Altenburg im Rahmen des Förderprogramms eine Vielzahl an Maßnahmen und baulichen Vorhaben umgesetzt werden, die einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des baukulturellen Erbes leisten. Im bisherigen Stadtsanierungsprozess wurde der Großteil der denkmalgeschützten Gebäude von stadtweiter Bedeutung gesichert. Bisher konnte ein guter Umsetzungsstand der Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen erreicht werden.

Viele Denkmale und Gebäude von baukultureller Wertigkeit konnten wiederbelebt werden. So trugen beispielsweise die Sanierungsmaßnahmen an den Roten Spitzen und der Kirche St. Marien des Augustiner-Chorherrenstiftes erheblich zur Aufwertung des städtebaulichen Erscheinungsbildes und zur Stärkung der für die Stadt Altenburg wichtigen kulturellen "Leuchttürme" bei. Ferner wurde etwa ein Viertel des gesamten öffentlichen Raumes innerhalb des Sanierungsgebietes in den letzten Jahren erneuert. Durch die regelmäßige Aktualisierung und Anpassung der Konzepte an die aktuellen Rahmenbedingungen ist eine an den gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnissen ausgerichtete Innenstadtentwicklung auch in der Zukunft sichergestellt.

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