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Bad Neuenahr-Ahrweiler | ESM Stadtteil Ahrweiler

Maßnahmenschwerpunkte: Mühlenteichmauer, Mühlenteichanlage und Schützbahn | Revitalisierung und Aufwertung der Oberhutstraße | Modernisierung und Instandsetzung privater Objekte

Zusammenfassung

Erst aufgrund des Zusammenschlusses der zwei Nachbarstädte Ahrweiler und Bad Neuenahr im Jahr 1969 entstand die Stadt namens Bad Neuenahr-Ahrweiler (ca. 27.000 Einwohner, Stand: 31.12.2013). Der Stadtteil Neuenahr begründet seinen Ursprung auf der Grafschaft und der Burg "Neuenahr", die sich noch heute auf dem Berg Neuenahr im Süden des Gebietes befindet. Die Stadt ist heute nicht nur Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Ahrweiler, sondern auch ein anerkannter Kurort. Bad Neuenahr-Ahrweiler ist für die kohlensäurehaltigen Natronthermen an der Apollinarisquelle und den Weinanbau bekannt und eine der bedeutendsten touristischen Destinationen in Rheinland-Pfalz.

Typisches Straßenbild in Bad Neuenahr-Ahrweiler Typisches Straßenbild in Bad Neuenahr-AhrweilerTypisches Straßenbild in Bad Neuenahr-Ahrweiler Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Heute ist der Ortsteil Ahrweiler durch die im Gesamten erhaltenen Stadtmauer umschlossen, die zugleich das im Jahr 2009 förmlich festgelegte Programmgebiet "ESM Stadtteil Ahrweiler" begrenzt. Während der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des südlichen Stadtteils zerstört. Nach dem Krieg begann man mit dem Wiederaufbau, sodass die meisten Fachwerkhäuser heute nicht mehr aus der Gründungszeit der Stadt, sondern aus der Nachkriegszeit stammen. Der Erhalt der verbliebenen Stadtstruktur aus dem 13. Jahrhundert und somit des historischen Erbes sind hier von größter Bedeutung. Eine besondere Herausforderung im Sanierungsgebiet stellt die zunehmende Alterung der Bevölkerung dar. Durch die erfolgreiche Etablierung der Stadt als Altersruhesitz wird dieser Trend noch verstärkt. Die Aktivierung des Stadtkerns Ahrweilers nicht nur als Seniorenstandort, sondern auch als familienfreundlicher Ort ist für die Stadt von besonderer Bedeutung. Der Tourismus und die sich stark entwickelnden Handels-und Dienstleistungsangebote sind heutzutage zentrale Standbeine der Kurstadt. Im Gegenzug fordert die ständig wachsende Zahl der Besucher die weitere Umgestaltung und Entwicklung der Stellplatz- und Verkehrssituation im Programmgebiet.

Kontext

Die durch den Stadtratsbeschluss festgelegte Gebietsabgrenzung vom November 2009 umfasst neben dem gesamten Altstadtkern auch die Stadtmauer sowie den Abschnitt der Oberhutstraße vor dem Obertor. Nach der Erstellung des Städtebaulichen Entwicklungskonzepts wurde das Gebiet um die hinter der Stadtmauer gelegenen Wallanlagen, die direkt angrenzenden Straßenräume und die Parkplatzflächen vor den Toren erweitert. Grund dafür waren die dortigen Freiflächen, die Potenzial für neue öffentliche Nutzungen bieten und im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen weiterentwickelt werden sollen.

Die Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert um den Altstadtkern sowie dessen mittelalterlicher kompakter Grundriss sind bis in die heutige Zeit in sehr gutem Zustand erhalten. Teil der Befestigungsanlage sind vier Tore zum Altstadtkern: Ahrtor (südlich), Obertor (westlich), Adenbachtor (nördlich) und Niedertor (östlich). Die bauliche Gesamtanlage der Stadtbefestigung mit allen Toren und der Wallanlage ist als Kulturdenkmal geschützt. Zugangsmöglichkeiten zum Altstadtkern, neben den Stadttoren, gibt es zudem in den Bereichen von zwei Straßen, wo die Stadtbefestigung aufgebrochen wurde.

Die meisten Fachwerkhäuser, die das heutige Stadtbild des Sanierungsgebietes prägen, wurden in der Nachkriegszeit entsprechend ihrer historischen Vorbilder wieder aufgebaut. Neben den Fachwerkhäusern sind in Ahrweiler viele in den späten 1970ern und 1980er Jahren entstandene Neubauten (vor allem im Bereich der Haupteinkaufsstraße) zu sehen. Die kleinteilige Grundstücksparzellierung mit den rückwärtigen Gartenbereichen und diversen Nebengebäuden bilden zum Teil geschlossene Blockinnenbereiche. Die Wallanlagen stellen die bedeutendste öffentliche Frei-und Grünfläche dar. Der Marktplatz und die hinführenden Straßen, Niederhut- und Ahrhutstraße, wurden im Rahmen der Stadtsanierung als Fußgängerzone ausgebaut.
32 Gebäude im Programmgebiet sind in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Zu erwähnen sind die wichtigen und gleichzeitig stadtbildprägenden Bauten: die St. Laurentius-Kirche am Marktplatz, der Weisse Turm (das älteste Gebäude der Stadt), die Burg Adenbach, der Blankartshof und die ehemalige Alte Post (Marktplatz 12).

Handlungsstrategie

Das Städtebauliche Entwicklungskonzept "Altstadtkern Ahrweiler" sieht als ein Ziel, das mit dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz verfolgt wird, die Bewahrung des Altstadtkerns und seiner prägenden Charakteristika vor. Insbesondere in der weiteren, behutsamen Stadterneuerung, im Ausbau der öffentlichen Flächen sowie in der Verbesserung der Parkplatzsituation besteht noch Handlungsbedarf. Zudem sind die Folgen des demografischen Wandels und die damit verbundene Überalterung der Gesellschaft in Ahrweiler deutlich wahrnehmbar. Daher soll Ahrweiler attraktiver für junge Familien werden. Gleichzeitig muss die technische Infrastruktur an die steigende Zahl der älteren Stadtbewohner angepasst werden. Die Sicherung und der weitere Ausbau der schon vorhandenen wirtschaftlichen Potenziale des Altstadtkerns sind darüber hinaus ebenfalls von großer Bedeutung. Ahrweiler profitiert enorm vom Tourismus, der unter Berücksichtigung des baukulturellen Erbes weiterentwickelt werden soll. Als Basis für die Kurfunktion und den Tourismus in der Stadt ist angedacht, die prägenden frei- und stadträumlichen Qualitäten zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln.

Handlungsfelder            

  • Modernisierungs- und Instandsetzung im Baubestand und Wohnumfeld
  • Behutsame Erneuerung des Stadtbildes und Sicherung der historischen Bausubstanz
  • Neugestaltung von öffentlichen Flächen
  • Weiterentwicklung des Verkehrskonzeptes
  • Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs im Altstadtkern und Schaffung neuer öffentlicher und privater Stellplätze
  • Einbeziehung und Informieren der Gebäudeeigentümer und Bewohner

Einzelmaßnahmen (Auswahl)        

  • Mühlenteichmauer, Mühlenteichanlage und Schützbahn
    Durch das Fördergebiet, zwischen Obertor und Blankart-Scheune, fließt der Mühlenteich. Der mittelalterliche Wasserlauf stellt für das Fördergebiet ein wichtiges Freiraumelement dar. Ursprünglich befanden sich sieben Mühlen an dem Teich, heutzutage ist nur noch das alte Mühlrad an der Straße "Auf der Rausch" vorhanden. Die Häuser entlang des Teichs sind über kleine Brücken zu erreichen.
    Eine der bedeutendsten Maßnahmen, die im öffentlichen Raum durchgeführt wurden, war bisher die Sanierung der Mühlenteichmauer und der Mühlenteichanlage sowie die Neugestaltung und Neupflasterung der Straße "Schützbahn". Das Bruchsteinmauerwerk an der Mühlenteichmauer befand sich in marodem Zustand, weshalb die Sanierung notwendig war. Zusammen mit der Teichmauer fanden auch Sanierungsarbeiten an der Mühlteichanlage statt. Diese dienten dem Erhalt des historischen Wasserlaufs. Die zu der Anlage parallel verlaufende Straße Schützbahn wurde ausgebaut, neugestaltet und der vorherige Asphaltbelag durch Pflasterstein ersetzt. Ziel war es, wieder ein altstadtgerechtes Straßenbild herzustellen. Der gesamte Straßenraum sollte aufgewertet werden und einen platzartigen Charakter bekommen. Es wurden sowohl neue Sitzmöglichkeiten und Laternen installiert, als auch Bäume gepflanzt. Die Erneuerungsmaßnahmen endeten im Jahr 2015. Durch die Sanierung hat der gesamte Straßenraum deutlich an Aufenthaltsqualität gewonnen.

    Die durch kleine Brücken geprägte Mühlenteichanlage in Ahrweiler Mühlenteichanlage in AhrweilerMühlenteichanlage in Ahrweiler Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

  • Revitalisierung und Aufwertung der Oberhutstraße
    Eine besondere Herausforderung im Bereich des Sanierungsgebietes stellt die Oberhutstraße mit den zu ihr vertikal liegenden Gassen, der Steinfelder Gasse und der Houverathsgasse, dar. Dieser Bereich ist von fehlender Nachfrage und sichtbarem Leerstand gekennzeichnet. Aufgrund dessen sind seine Revitalisierung und Aufwertung von großer Bedeutung. Ziel der Stadt ist es, mit Hilfe der Fördermittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz die Oberhutstraße umzubauen, ihr Umfeld zu renovieren und zu verschönern und durch diese Aufwertungsmaßnahmen bestehende Missstände, wie schmale Bürgersteige und fehlende Straßenbegrünung, zu beseitigen.
    Leerstand gibt es vor allem in den Läden in Erdgeschosslage, die im Rahmen der Maßnahmen revitalisiert werden sollen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Belebung der Straße, indem die traditionellen Nutzungen, wie Wohnen, Handel, Gastronomie, Gewerbe etc. nebeneinander ausgebaut werden. Dazu zählt auch die attraktive Umgestaltung der bestehenden Häuser in den Wallgassen.
    Für die Einbeziehung von jungen Familien wird ebenfalls eine entsprechende Handlungsstrategie entwickelt. Hierfür sind u.a. der Bau von attraktiven Wohnungen mit Privatgärten, Spielplätzen und die Gestaltung von grünen Erholungszonen geplant.
  • Modernisierung und Instandsetzung privater Objekte
    Seit der Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz wurden 28 private Objekte modernisiert und instandgesetzt. Im Fördergebiet werden heute zirka fünf private Objekte pro Jahr renoviert bzw. modernisiert. Die Stadt hat eine Richtlinie zur Förderung von privaten Maßnahmen innerhalb des historischen Kernbereichs der Stadt, die sogenannte Modernisierungsrichtlinie sowie die Gestaltungs- und Erhaltungssatzung veröffentlicht. Darin befinden sich als festgeschriebene Regelungen u.a., bei Fachwerkhäusern nur Innendämmung zu verwenden, um so die sichtbare historische Holzkonstruktion zu erhalten. In der Modernisierungsrichtlinie wird genau gelistet, welche Modernisierungsarbeiten und welche Objekte gefördert werden können. Neben Grundinstandsetzungsarbeiten werden die Gebäude vor allem energetisch saniert. Bei den Instandsetzungsarbeiten soll auf Auswahl der Materialien und Gestaltungselemente geachtet werden, damit der altstadttypische Charakter erhalten bleibt. Maßnahmen, die den Regularien nicht entsprechen, werden von der Stadt dementsprechend nicht gefördert. Als Sondermaßnahme wird die Renovierung der Schaufenster gefördert, um positiv auf andere Maßnahmen zu wirken. Sowohl durch die bei den privaten Objekten durchgeführten Sanierungsmaßnahmen als auch durch die öffentlichen Maßnahmen im Programmgebiet wird das Interesse von Außenstehenden geweckt und die Nachfrage nach Privatimmobilien erhöht.

Finanzierung

Weitere Städtebauförderprogramme im Fördergebiet:

  • Stadterneuerung Altstadtkern (1977–2010)

Weitere Städtebauförderprogramme in der Kommune:

  • Programm Aktive Stadtzentren: "Kernstadt Bad Neuenahr" (seit 2014)
  • Strukturprogramm zur städtebaulichen Erneuerung 2004–2012 (15,5 ha)

Das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz kann mit den verschiedenen Fördermitteln für die energetische Sanierung (KfW-Bank) kombiniert werden. Dies betrifft beispielsweise Sanierungsmaßnahmen an Denkmalen und in Sanierungsgebieten sowie Modernisierungs- und Instandsetzungsvorhaben, wie zum Beispiel neue Fenster oder die Wärmedämmung des Hauses.

Meilensteine der Gebietsentwicklung

Tabelle: Meilensteine der Gebietsentwicklung
JahrUmsetzungsschritt
2006Aufstellung der Gestaltungssatzung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler für Teilbereiche des Stadtteils Ahrweiler
2009Aufnahme des Gebietes in das Städtebauförderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz
11/2009Festlegung einer vorläufigen Gebietsabgrenzung durch einen Stadtratsbeschluss
2010Erarbeitung des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes
06/2010Informationsveranstaltung über das Sanierungsgebiet "Stadtteil Ahrweiler" in der Zehntscheuer
10/2010Stadtratsbeschluss über Begrenzung Fördergebiet
03/2012Besuch der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz

Besonderheiten

Der Dreißigjährige Krieg und der dritte französische Raubkrieg im Jahr 1689 hinterließen in der Stadt große Spuren. Brandschäden und völlige Zerstörung der Häuser waren mitunter die Folge. Insgesamt spiegeln sich die unterschiedlichen Einflüsse der Epochen noch heute in den zahlreichen Baudenkmälern sowie der verschiedenartigen Architektur wider, welche das Stadtbild maßgeblich prägt.

Ahrweiler stellt aufgrund seiner sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer und Stadtstruktur eine Besonderheit unter deutschen Städten dar. Diese soll daher für zukünftige Generationen geschützt werden. Die Alterung der Bevölkerung und die Etablierung Bad Neuenahr-Ahrweilers als Altersruhesitz stellt das Programmgebiet vor eine besondere Herausforderung. Die Entwicklung des Anteils der Bewohner über 65 Jahre und die Prognose, nach der das Durchschnittsalter im Jahr 2025 58 Jahre betragen wird, macht deutlich, dass der Anteil der älteren Bevölkerung weiter deutlich zunehmen wird:
Anteil der Menschen über 65-Jährige im Jahr 1987: 23,4 %
Anteil der Menschen über 65-Jährige im Jahr 2008: 30,6 %

Lernerfahrungen

Das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz führt die bisherige Stadtsanierung in Ahrweiler fort. Die Konzentration der Stadt auf die Lösung der Verkehrsprobleme und die Renovierung der vernachlässigten Bereiche zeigt, dass die Schwerpunkte des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz zielgenau angesetzt werden. Die kleinteilige Unterstützung durch innovative Ansätze, wie die Sanierung der Schaufenster, bietet gute Möglichkeiten für die Aktivierung und Mobilisierung von anderen Eigentümern derzeit noch unsanierter Läden.

Das Gebiet heute

Mit der Festlegung der Altstadt Ahrweilers als Sanierungsgebiet im Jahr 1976 und der Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz am 29. Dezember 2009 soll der Erhalt der historischen Stadtstrukturen weiterhin gewährleistet werden. Der größte Teil des Fördergebiets wird durch die Bebauungspläne abgedeckt, die Gestaltungssatzung schließt die komplette Altstadt ein. Da die geschlossene Stadtstruktur keine Erweiterungsmöglichkeiten hat, wird das Quartier nachverdichtet und die Baulücken geschlossen.

Vor dem Hintergrund der alten Stadtstruktur sind der Umgang mit dem starken Durchgangsverkehr sowie die schwierige Parkplatzsituation immer noch wesentliche Herausforderungen in dem Gebiet. Diese sollen durch das neue Verkehrskonzept gelöst werden. Die wirtschaftliche Situation der Stadt ist sehr gut, was dazu führt, dass die Nachfrage u.a. für Wohnraum vorhanden ist und zusätzlich steigt. Nach aktuellen Angaben gelingt es vermehrt junge Familien mit Kindern als neue Altstadtbewohner zu gewinnen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Rheinland-Pfalz


Gemeinde

Bad Neuenahr-Ahrweiler


Programm

Städtebaulicher Denkmalschutz


Programmaufnahme

2009


Realisierungszeitraum (geplant)

2020


Größe des Gebietes

21,5 ha


Volumen der Bundesfinanzhilfen

2009-2016: 1.123.000 €


Gebietstypus

Historischer Stadt- und Ortskern


Kontaktdaten

Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Hauptstraße 116
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Telefon +49 2641 / 87 286
E-Mail stadt@bad-neuenahr-ahrweiler.de


Stand

2016

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