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Burghausen | Altstadt/Zaglau

Maßnahmenschwerpunkte: Sanierung des Baumeisterhauses In den Grüben 147 | Sanierung des Gebäudes Taufkirchenpalais am Stadtplatz 97

Zusammenfassung

Die Altstadt von Burghausen (ca. 20.256 Einwohner, Stand: 2017) liegt direkt am Fluss Salzach und an der Grenze zu Österreich. Südlich der höher gelegenen Neustadt bildet sie gemeinsam mit dieser die Innenstadt. Die Vernetzung von Alt- und Neustadt ist aufgrund der topografischen Höhenunterschiede eine große Herausforderung. Obwohl die Altstadt mit dem langgestreckten Stadtplatz und der Straße "In den Grüben" mit kleinteiligen, im Inn-Salzach-Stil errichten Häusern ein hohes Identifikationspotenzial besitzt, orientiert sich die Burghauser Bevölkerung in ihrem Alltag zur Neustadt. Die Altstadt ist vor allem ein beliebter Anziehungsort bei Besuchern und Touristen.

Luftbild der historischen Stadtstruktur Burghausens Blick auf die historische Stadtstruktur BurghausensBlick auf die historische Stadtstruktur Burghausens Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Die gesamte Altstadt von Burghausen ist als schutzwürdiges Ensemble im Jahr 1973 nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz unter Schutz gestellt worden.
Zwischen 1964 und 2001 wurde die Altstadt von Burghausen bereits umfangreich saniert. Neben gebäudebezogenen Einzelmaßnahmen spielte insbesondere die Umgestaltung des Stadtplatzes eine wichtige Rolle. Durch die Errichtung der Stadtplatztiefgarage konnte die Oberfläche neu gestaltet werden. Weitere Schlüsselprojekte waren der Hochwasserschutz und die Anlage einer Fußgängerzone in den Grüben im Jahr 1991. Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz 2009 werden die Sanierungsmaßnahmen in dem bereits 1972 festgelegten Sanierungsgebiet fortgesetzt. Der Schwerpunkt der Maßnahme liegt auf gebäudebezogenen Projekten, um mit der Schaffung neuer attraktiver Wohn-, Einzelhandels- und Gewerbeflächen die Wohn- und Zentrumsfunktion in der Altstadt zu stärken.

Kontext

Die Entwicklung der Stadt Burghausen war eng mit dem Salzhandel auf der Salzach verbunden, der vor allem während des Mittelalters florierte. In dieser Zeit entstand, ausgehend von den Grüben, der historische Kern der Stadt. Die ältesten Gebäude stammen aus der Zeit der Gotik und der Renaissance, die Bebauung am Stadtplatz ist in weiten Teilen zur Zeit des Barocks errichtet worden. In der nördlichen und südlichen Stadterweiterung (Zaglau und Spitalvorstadt) ist die Bebauung meist jüngeren Datums, aus dem 19. bis. 20. Jahrhundert.

Fördergebiet „Altstadt/Zaglau“ in Burghausen Fördergebiet „Altstadt/Zaglau“ in BurghausenFördergebiet „Altstadt/Zaglau“ in Burghausen Quelle: Stadtplanung / Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Burghausen


Das Fördergebiet "Altstadt/Zaglau" umfasst sowohl das förmliche Sanierungsgebiet I, das 1972 beschlossen wurde, als auch das im Rahmen der Programmaufnahme in das Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" vorgeschlagene Untersuchungsgebiet "Stadtplatz und nördliche Altstadt/Zaglau". So beinhaltet das langgestreckte, durch die Salzach im Osten und der Burganlage im Westen begrenzte Fördergebiet nahezu den gesamten Altstadtbereich.
Das Stadtbild im Fördergebiet ist stark von der Inn-Salzach-Bauweise geprägt, deren geschlossene Straßenensembles sich durch Scheinfassaden in Form von hoch gezogenen Häuserfronten auszeichnen. Nach den Stadtbränden 1353 und 1504 erlegte sich die Stadt eine strenge Bauordnung auf, die der Bauweise ihre heutigen Charakteristika gibt. Dazu gehören zu Grabendächern gefaltete Dachflächen, hoch aufgereckte Vorschussmauern und regelmäßig angeordnete Brandgassen. Die Burganlage westlich der Altstadt beeinflusst das Stadtbild mit ihrer Größe und dominiert die Stadtsilhouette. Im mittleren Teil des Gebietes ist der langgestreckte Stadtplatz prägendes Element.

Handlungsstrategie

Bei der Programmumsetzung im Städtebaulichen Denkmalschutz konzentriert sich die Stadt Burghausen auf die Stärkung der Altstadt. Dort ist der Erhalt der großzügigen Stadtplatzanlage mit der angrenzenden kleinteiligen Bebauung einerseits und andererseits die mittelalterliche Parzellenstruktur in den Grüben von besonderem denkmalpflegerischen Interesse. Obwohl ein Großteil der Gebäude bereits im Rahmen der ersten Stadtsanierung instandgesetzt wurde, ist der Handlungsbedarf groß. Viele Maßnahmen liegen bereits mehrere Jahrzehnte zurück, sodass nun Modernisierungen notwendig sind, um die zahlreichen Einzeldenkmale und weitere erhaltenswerte Gebäude auch zukünftig nutzen zu können. Die Sanierung der Gebäude wird auch durch das 1996 aufgelegte kommunale Förderprogramm zur Wiederherstellung von Altstadtfassaden, Haustüren, Garagen- und Hoftoren sowie Fenstern im historischen Altstadtbereich angeregt. Durch eine sich derzeit in Erstellung befindliche Altstadtdokumentation, die die Gebäude in der Altstadt einzeln untersucht, hat die Stadtverwaltung einen guten Überblick über den Zustand der einzelnen Bauten. Um Gebäude mit besonderem denkmalpflegerischen und stadtbildprägendem Wert zu sanieren, geht die Stadt teilweise in den Zwischenerwerb.

Eine besondere Situation ergibt sich durch die unmittelbare Lage der Burghauser Altstadt an der Salzach. Bereits in der Vergangenheit sind zur Sicherung der historischen Gebäudesubstanz gegen Hochwasser Schutzmaßnahmen vorgenommen worden. Derzeit ist der Hochwasserschutz in den Grüben und in der Spitalvorstadt ausreichend, die Stadt plant jedoch, die historischen Gebäude mithilfe eines eigenen Aufstecksystems noch besser zu schützen.

Ein wesentliches Ziel ist weiterhin die Belebung der Altstadt in Verbindung mit der Beseitigung von Gebäudeleerständen in Ladengeschäften und Wohneinheiten. Diese geht einher mit der Qualifizierung der Bausubstanz durch Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Die Funktionen Wohnen, Arbeiten, Einzelhandel, Dienstleistungen und Tourismus sollen in der Altstadt verknüpft werden. Um die Altstadt zukünftig verstärkt in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, ist eine bessere Verbindung von Alt- und Neustadt unabdingbar. Die Stadt strebt im Rahmen zukünftiger Sanierungsmaßnahmen eine Verbesserung der derzeit bestehenden Parkraumangebote an. Mithilfe von Oberflächenumgestaltungen soll zudem die barrierefreie Zugänglichkeit der öffentlichen Straßen und Plätze gewährleistet werden. Um die Zielstellungen zu erreichen, arbeitet die Stadtverwaltung eng mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Burghauser Touristik GmbH zusammen. Alle drei Akteure haben eine große Akzeptanz in der Stadtbevölkerung.

Handlungsfelder            

  • Sicherung der bedrohten historischen und der hochwassergefährdeten Gebäude
  • Instandsetzung des Wohnraums im vorhandenen Gebäudebestand und Beseitigung von Leerständen in den Wohnungen und Ladengeschäften
  • Freiraumgestaltung, verkehrliche Entlastung und Verbesserung der Parkraumsituation im öffentlichen Raum
  • Erhalt der mittelalterlichen Parzellenstruktur
  • Funktionsstärkung der Altstadt durch Stärkung von Wohnen, Einzelhandel, Kunst, Kultur, Gastronomie und Gewerbe
  • Energieeffiziente Gebäudesanierung unter Berücksichtigung von Baukultur und Denkmalschutz
  • Erstellung eines Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes

Einzelmaßnahmen (Auswahl)

Neben einigen bereits abgeschlossenen Maßnahmen, die durch Fördermittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz unterstützt wurden, sind weitere Sanierungsvorhaben in der Altstadt Burghausens geplant (Stand: September 2015). So wurde das sogenannte Ecker-Binder-Haus, das sich In den Grüben 177 befindet und Mängel hinsichtlich der Nutzung und der Bausubstanz aufweist, von der Stadt gekauft und in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege bis dato gesichert. Nach den Voruntersuchungen, die im Frühjahr 2018 fertig gestellt wurden, wird derzeit ein Nutzungskonzept samt Sanierungsvorschlag erarbeitet.

Weiterhin ist die Sanierung der Häuser In den Grüben 182/185 sowie des Taufkirchenpalais am Stadtplatz 97 Schwerpunkt der Gesamtmaßnahme. Bereits bewilligt ist der Bau eines zweigeschossigen Parkdecks zur Entlastung der örtlichen Parksituation in der Altstadt.

  • Sanierung des Baumeisterhauses In den Grüben 147

    Das Baumeisterhaus ist eines der stattlichsten Bürgerhäuser in den Grüben. Das Gebäude wurde in den Jahren 2013 und 2014 in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege generalsaniert. Die Grundsubstanz stammt aus dem Mittelalter, im 18. Jahrhundert wurde es von dem Barock-Baumeister Franz Anton Glonner saniert und umgebaut.

    Kleinteilige, historische Bebauung In den Grüben 147 In den Grüben 147In den Grüben 147 Quelle: Stadt Burghausen

    Die komplette Projektsteuerung wurde im Auftrag von Privatinvestoren durch die Firma Schumacher & Partner GmbH durchgeführt. Nach der Sanierung verfügt das Gebäude heute über ein Ladenlokal sowie sieben Mietwohnungen mit sechs Garagenstellplätzen. Das gesamte Investitionsvolumen betrug etwa 2,4 Millionen Euro. Die Fertigstellung erfolgte Ende 2014. Im Rahmen dessen wurde die historische Fassade von 1784, das historische Raumgefüge und der innenräumliche Gestaltungscharakter wieder hergestellt. Die Modernisierungsmaßnehmen erfolgten sehr detailliert, so wurden auch die historischen Decken-, Wand- und Fußbodenoberflächen saniert sowie die historischen Fenster, Türen, Treppen und Gartenanlagen rekonstruiert.

  • Sanierung des Taufkirchenpalais am Stadtplatz 97

    Das Taufkirchenpalais am Stadtplatz ist mit seiner spätbarocken Stuckfassade eines der repräsentativsten und prägendsten Häuser im Burghauser Stadtkern.

    Das am Fuße des Ludwigsberg gelegene Haus wurde 1742 erbaut und war ursprünglich eine der Residenzen der Herzöge von Niederbayern-Landshut und Sitz der namensgebenden Familie Taufkirchen. Um das stadtbildprägende Gebäude zu sichern und einer neuen, kulturellen Nutzung zuzuführen, hatte zunächst die Stadt Burghausen das historische Palais erworben. 2016 wurde das Gebäude an das Unternehmen Beck veräußert, da sich weder eine museale noch schulische Nutzung einrichten ließ. 2017 bis 2018 folgten die komplexen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen der beiden hintereinander liegenden Häuser des Palais. Die neue Nutzung des Taufkirchenpalais verbindet den Firmensitz des Unternehmens im vorderen Gebäudeteil mit Wohnungen für Familien im hinteren Gebäude. Die behutsame Sanierung und Wiederherstellung des historischen Bestands wurde im Frühjahr 2018 fertiggestellt.

Finanzierung

Das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz kann mit dem kommunalen Fassadenprogramm kombiniert werden.

Meilensteine der Gebietsentwicklung

Tabelle: Meilensteine der Gebietsentwicklung
JahrUmsetzungsschritt
1965Aufnahme in das Bayerische Landesprogramm "Studien- und Modellvorhaben zur Erneuerung von Städten und Dörfern"
ab 1971Förderung im Rahmen des neuen Städtebauförderungsgesetzes von Bund und Ländern
1973Eintragung der Altstadt als Ensemble in die Bayerische Denkmalliste
2009Aufnahme in das Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz
03/2009Beschluss zur Durchführung Vorbereitender Untersuchungen

Besonderheiten

Charakteristische Inn-Salzach-Bauweise der Straße "In den Grüben" Charakteristische Inn-Salzach-Bauweise der Straße "In den Grüben"Charakteristische Inn-Salzach-Bauweise der Straße "In den Grüben" Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Der Großteil der Gebäude im Fördergebiet ist aufgrund des Baualters und den regionaltypischen Charakteristika im Inn-Salzach-Stil von baukultureller Bedeutung und entsprechend schützenswert. Die Architektur wird durch relativ schlichte Häuserfassaden in verschiedenen Farben gekennzeichnet. Eine Besonderheit ist der Fassadenabschluss als Attika, der die dahinterliegenden Satteldächer (meist giebelständig) verdeckt.
Daneben sind die langgestreckte Burganlage mit 1.051 Metern Länge auf dem Ludwigberg, der längliche Stadtplatz und die kleinteilige mittelalterliche Bebauung entlang der Straße "In den Grüben" städtebauliche Besonderheiten der Stadt.

Lernerfahrung

Mit dem gebietsbezogenen Ansatz des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz kann die historische Innenstadt von Burghausen zukunftsweisend weiterentwickelt werden.
Der Programmansatz kombiniert für die Stadt Burghausen ideal die relevanten Themen, wie Wohnen, Einzelhandel, Baukultur und Verkehr und fördert damit die Altstadt unter den Gesichtspunkten einer integrierten Stadtentwicklung.

Das Gebiet heute

Im Fördergebiet "Altstadt/Zaglau" wurden im Rahmen der bisherigen Stadtsanierung seit 1964 bereits ca. 240 von insgesamt 274 Gebäuden saniert. Mithilfe des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz konnten seit 2009 weitere Gebäude saniert werden. Derzeit sind dennoch zahlreiche Gebäude, insbesondere in den Grüben, aber auch am Stadtplatz sanierungs- oder sicherungsbedürftig. Da die Sanierungsmaßnahmen an einzelnen Gebäuden und im öffentlichen Raum oftmals schon längere Zeit zurückliegen, wird es auch in Zukunft weiteren Handlungsbedarf geben.

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