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Cochem | Stadtkern

Maßnahmenschwerpunkte: Modernisierung des Kapuzinerklosters, 3. Bauabschnitt | Errichtung von Stadtbalkonen | Förderung privater Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen

Zusammenfassung

Die Stadt Cochem an der Mosel (ca. 5.600 Einwohner, Stand 31.12.2017) befindet sich im nördlichen Rheinland-Pfalz und liegt zwischen den Städten Koblenz und Trier. Nachdem der rheinische Pfalzgraf bereits um 1000 begann, dort eine Burg zu bauen, erhielt Cochem wenige hundert Jahre später Stadtrechte und die bis heute teilweise erhaltene Festungsmauer wurde errichtet. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Moselstadt zu einem Handwerks- und Handelszentrum und verschiffte Waren über Mosel und Rhein in umliegende Städte. Mit der Eröffnung der ersten Moselbrücke, der Skagerak-Brücke, wuchs auch die Stadt infolge der Eingemeindung von Cond und Sehl. Große Teile der Cochemer Altstadt sowie die Moselbrücke fielen den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer.

1973 begann man mit der Durchführung der Vorbereitenden Untersuchungen für das Sanierungsverfahren im Stadtkern Cochems sowie mit der Erstellung eines Stadtentwicklungskonzepts. Daraufhin wurden erste Maßnahmen der Stadterneuerung realisiert. Die Stadt ist einerseits durch die Moselschifffahrt von einem hohen Tourismusaufkommen gekennzeichnet. Andererseits führen der demografische Wandel und Wanderungsbewegungen zu einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung. Eine kleinteilige historische Bebauung, veraltete Wohnungsgrundrisse und der Mangel an qualitativen innerstädtischen Freiräumen haben zur Folge, dass die Altstadt als Wohnstandort nur wenig gefragt ist. Unter anderem aus diesen Gründen wurde Cochem 2011 mit dem Programmgebiet "Stadtkern" in das Städtebauförderungsprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen.

Die Stadt weist eine historische, kleinteilig gewachsene Struktur mit Marktplatz und engen Gassen auf. Kennzeichnend für den städtebaulichen Charakter der historisch gewachsenen Stadtstruktur sind die enge, kleinteilige Bebauung zwischen dem Klosterberg und der Moselpromenade, sowie die Abfolge von öffentlichen Plätzen und stadtbildtypischen Gässchen, die zwischen der Mosel und der Innenstadt verlaufen. Die "Reichsburg" am südlichen Rand des Programmgebiets, das Kapuzinerkloster und der Turm der St. Martin-Kirche kennzeichnen die Silhouette der Moselstadt.

Erschließungssituation im Bereich der Altstadtgassen Erschließungssituation im Bereich der AltstadtgassenErschließungssituation im Bereich der Altstadtgassen Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

















Kontext

Programmgebiet "Stadtkern" Programmgebiet "Stadtkern"Programmgebiet "Stadtkern" Quelle: Stadt Cochem, Stast-Land-plus Büro für Städtebau und Umweltplanung, Juli 2012

Das Programmgebiet "Stadtkern" befindet sich am linken Moselufer und wird im Norden begrenzt durch den Endertplatz und das Moselvorgelände. Im Osten und Süden führt die Grenze des Programmgebiets entlang der Mosel und endet südlich der "Reichsburg". Im Westen erstreckt sich das Gebiet bis zur Kreuzung der "Oberbachstraße" und "Am Rähmchen". Die historische Altstadt ist funktional geprägt durch die unmittelbare Lage an der Mosel sowie einem hohen Anteil von Einzelhandel, Gewerbe und Gastronomie. Im Programmgebiet "Stadtkern" stehen eine Vielzahl von repräsentativen, historischen Gebäuden unter anderem zahlreiche schiefergedeckte Fachwerk-Giebelhäuser, die aufgrund ihrer baukulturellen Prägung sowohl regional, als auch überregional bedeutsam sind.
Im Programmgebiet "Stadtkern" befinden sich circa 350 Gebäude mit einem hohen Anteil an erhaltenswerter, historischer Bausubstanz. Ungefähr die Hälfte der im Rahmen der Vorbereitenden Untersuchung erfassten Gebäude ist über 110 Jahre alt – ein Drittel der Bauten wurde zwischen 1851 und 1900 erbaut.

Der Burgfrieden, wie auch das Kapuzinerkloster sind als Denkmalzonen ausgewiesen. Jedoch hat Cochem auch einen hohen Gebäudeleerstand aufzuweisen. Dazu kommt, dass in 7 Prozent der Gebäude des Programmgebiets ein oder mehrere Menschen wohnen, die älter als 70 Jahre alt sind, was voraussichtlich in den kommenden Jahrzehnten Eigentümerwechsel oder Leerstand hervorrufen könnte.
Im Programmgebiet befinden sich neben dem zum Kultur- und Tagungszentrum umgebauten Kapuzinerkloster das Rathaus der Stadt Cochem, die St. Martin-Kirche, die Stadtbücherei, das evangelische Gemeindezentrum sowie das Verkehrsamt mit der Tourist-Information der Stadt Cochem. Die kompakte Bebauung des Stadtkerns bedingt einen hohen Parkplatzbedarf sowie einen schmalen Straßenraum.

Handlungsstrategie

Mit der Aufnahme der Stadt Cochem in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz im Jahr 2011 hat sich die Stadt die vollumfängliche Aufwertung des historischen Stadtkerns zum Ziel gesetzt. Entscheidend ist für Cochem die Abkehr vom Saisontourismus zu einem saisonunabhängigen Tourismuskonzept, um diesen wichtigen Wirtschaftsstrang konstant zu sichern. Die Hauptziele der Innenstadtaufwertung liegen insbesondere in den Bereichen Stadtbild und Bausubstanz, Wohnen, öffentlicher Raum und Tourismus.

Cochemer Ladenstraße in der Innenstadt Cochemer InnenstadtCochemer Innenstadt Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

So stehen neben dem Erhalt und der Weiternutzung historischer Bausubstanz, die Förderung privater Modernisierungsmaßnahmen, die Stärkung der Wohnfunktion und die Aufwertung des öffentlichen Raums im Fokus. Abgesehen von der Belebung des Stadtkerns soll dessen besonderer Charakter bewahrt und zugleich für zukünftige, zeitgemäße Nutzungen vorbereitet werden. Hierzu wird die finanzielle Unterstützung privater Gebäudeeigentümer bei Modernisierungen und Sanierungen angestrebt. Hinsichtlich des Zustands der bestehenden Bausubstanz wird davon ausgegangen, dass nicht alle Gebäude im Programmgebiet erhalten werden können und der Rückbau als Instrument zur Entsiegelung und Umgestaltung in Betracht gezogen. Neben der Stärkung von Aufenthaltsbereichen und der damit in Verbindung stehenden Aufwertung bestehender Stadtplätze sollen Straßen und Wege unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit erneuert werden. Zur Entlastung des stark frequentierten Stadtzentrums wird dabei die Fokussierung auf die Stadtkernbereiche abseits der Haupteinkaufslagen angestrebt.

Handlungsfelder            

  • Erneuerung, Sanierung und Modernisierung von privatem Gebäudebestand
  • Umgang mit der engen Baustruktur hinsichtlich einer zeitgemäßen Nutzung
  • Stärkung der Zentrumsfunktionen
  • Förderung der Nach- und Wiedernutzung von Gebäudeleerständen
  • Aufwertung der öffentlichen Plätze und Straßenräume durch Steigerung der Aufenthaltsqualität

Einzelmaßnahmen (Auswahl)   

  • Modernisierung des Kapuzinerklosters
    Zur Gründung eines Klosters übergab Kurfürst Lothar von Metternich im Jahr 1623 Kapuzinermönchen das verlassene Gelände sowie das leerstehende Burghaus auf dem heutigen Klosterberg von Cochem. Mit der Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisierung diente das Gelände verschiedenen Zwecken, darunter der zeitweisen Nutzung als Hospital oder als Gymnasium. Heute wird das Areal als Kultur- und Veranstaltungszentrum genutzt. Es entstand eine für Cochem wichtige Kommunikationsstätte. Ein historisches, ortsbildprägendes ehemals leerstehendes Gebäude wurde wieder belebt.

    Der dritte Bauabschnitt umfasst den Nordflügel des ehemaligen Klostergebäudes, in dessen Zuge unter anderem ein Saal für kleiner dimensionierte Veranstaltungen, eine Rampe für den barrierefreien Zugang, sowie eine Behindertentoilette entstehen. Weitere Maßnahmen sind der Bau eines Lastenaufzugs und der Ausbau des Nonnengartens zu einem Stadtbalkon.

  • Aufwertung öffentlicher Plätze, hier Oberbachstraße/In der Hohl
    Im Stadtzentrum sollen an verschiedenen Stellen zurückgezogene Ruheinseln abseits der Straßen entstehen, die einen Ort der Ruhe und des Austausches für die einheimische Bevölkerung in der dicht bebauten Altstadt bedeuten. Diese begrünten, öffentlichen Aufenthaltsräume ergänzen gleichzeitig auch das Angebot für die Touristen.
    Wesentliches Merkmal der Neugestaltung der Mündung Oberbachstraße/In der Hohl ist der Bau einer neuen, aus dem in der Oberbachstraße verlaufenden verrohrten Gewässer gespeisten Brunnenanlage. Rund um und mit dem Brunnen entsteht ein kleiner, einladender Stadtraum, der dem Zugang zum historischen Stadtkern neue Identität verleiht und künftig wichtiger Anlaufpunkt jedes Stadtrundgangs sein wird.
    Darüber hinaus soll mit der Aufwertung von Straßenräumen das Stadtbild insgesamt aufgewertet und bereichert werden. Der Teilbereich der Mündung Oberbachstraße/In der Hohl bildet hierbei eine wesentliche Maßnahme an einem der wichtigen Stadtzugänge. Ziel ist es, den Platz als Ausgangs- aber auch als einen wesentlichen Zielpunkt von Stadtspaziergängen des Stadtkerns zu fungieren. An diesem auch historisch bedeutsamen Platzbereich bietet sich die Möglichkeit, das Element Wasser des vorhandenen namenlosen Bachlaufs symbolisch in die Gestaltung aufzunehmen und den Platz zu beleben.

  • Errichtung von Stadtbalkonen
    Verschiedene exponierte Flächen sollen in den kommenden Jahren zu solchen innerstädtischen Aussichtpunkten mit verschiedenen Blickbezügen auf den historischen Stadtkern und die Mosel entwickelt werden. Die infrastrukturelle Herausforderung liegt hier darin, die Stadtbalkone und zentralen Sehenswürdigkeiten nach Möglichkeit untereinander mit einem historischen Rundweg zu verbinden und dabei an das bestehende Fußwegenetz anzuschließen. Die Schaffung und Aufwertung von Naherholungsräumen und die Verlängerung der Aufenthaltsdauer in der Stadt liegen dabei im Fokus.

Finanzierung

  • Städtebauliche Erneuerung, Programmteil: historische Stadtbereiche – städtebaulicher Denkmalschutz
  • Energetische Stadtsanierung (Programm 432 der KfW – Zuschüsse für integrierte Quartierskonzepte und Sanierungsmanager)

Meilensteine der Gebietsentwicklung

Tabelle: Programmgebiet "Altstadt"
JahrUmsetzungsschritt
1973Durchführung der Vorbereitenden Untersuchungen für das Sanierungsverfahren im Stadtkern Cochems sowie Erstellung eines Stadtentwicklungskonzepts. In der Folge konnten erste Maßnahmen der Stadterneuerung realisiert werden.
1978Reichsburg geht an das Eigentum der Stadt Cochem über.
2011Die Stadt Cochem wird mit dem Programmgebiet "Stadtkern" in das Städtebauförderungsprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen.

Besonderheiten

Die Cochemer Altstadt ist durch die Nähe zur Mosel und aufgrund zahlreicher Sehenswürdigkeiten eine der bedeutendsten Tourismusdestinationen der Region. Neben der touristischen Bedeutung des Stadtkerns umfasst das Moseltal um Cochem ein bekanntes deutsches Weinanbaugebiet.

Lernerfahrungen

Moselpromenade und Silhouette der Altstadt Moselpromenade und Silhouette der AltstadtMoselpromenade und Silhouette der Altstadt Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Die Herausforderungen in der Innenstadtentwicklung differieren stark. Einerseits ist Cochem durch die Moselschifffahrt von einem hohen Tagesbesucher- und Touristenaufkommen gekennzeichnet. Andererseits führen der demografische Wandel und Abwanderungstendenzen zu schwindender und älter werdender Bevölkerung. Im Umgang mit diesen Herausforderungen leistet die Städtebauförderung einen wichtigen Beitrag, indem auch die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren gefördert werden.

Das Gebiet heute

Insbesondere die Innenbereiche der historischen Stadtquartiere weisen einen hohen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf auf, da diese Bereiche zum Teil versiegelt, überbaut oder ungenutzt sind. Ebenso sind noch Leerstände in stadtbildprägenden Bereichen zu verzeichnen, so unter anderem in der Straße Burgfrieden.
Neben dem Abschluss von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen gehören zu den aktuellen Maßnahmen unter anderem der weitere Ausbau des Kapuzinerklosters, die Anlage von Stadtbalkonen, der Ausbau der Bern- und Liniusstraße, die Neugestaltung des Platzbereichs Altbach/Oberstraße, die energetische Untersuchung des Rathauses Cochem und die Untersuchungen zum Aufbau eines Nahwärmenetzes.

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