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Dortmund | SG Huckarde Kokerei Hansa

Zusammenfassung

Die Kokerei Hansa ist heute die repräsentative Zentrale der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur mit Sitz der Geschäftsstelle und der zentralen Werkstatt. Die denkmalgeschützte Industrieanlage steht in herausragender Weise für das Aufgabenspektrum der Stiftung, das darin besteht, hochrangige Industriedenkmale an derzeit 14 Standorten in Nordrhein-Westfalen zu erhalten, zu erforschen, öffentlich zugänglich zu machen und neu zu nutzen.

Als Denkmal hat die Kokerei Hansa eine zentrale Bedeutung; von ursprünglich 17 Großkokereien, die in den 1920er Jahren im Ruhrgebiet entstanden, wurde einzig die Kokerei Hansa bewahrt. Das Verständnis des modernen Ruhrgebiets der 1920er Jahre, das auf eine exzellente Vernetzung in Form der Verbundwirtschaft von Kohle, Koks, Eisen, Stahl und Gas setzte, wird an keinem Ort – nicht nur in der Region – sondern auch im weltweiten Vergleich, deutlicher als auf der Kokerei Hansa. Auch die architektonische Planung, die schon damals auf eine kontinuierliche Erweiterung setzte, spiegelt den Gedanken des Fortschritts und ist ein gutes Beispiel für den Industriebau der Moderne.

Kompressorenhalle der Kokerei Hansa Kompressorenhalle der Kokerei HansaKompressorenhalle der Kokerei Hansa Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Neben den erhaltenen Koksofenbatterien mit einer fortschrittlichen Ofentechnik, die überhaupt erst die Verbundwirtschaft im großen Maßstab ermöglichte, ist die Maschinenhalle mit ihrer herausragenden technikhistorischen Ausstattung von fünf Gaskolbenkompressoren aus den Jahren 1928-1938 das Highlight der Anlage. Ein weiteres Markenzeichen der Kokerei Hansa ist die Authentizität. Der sorgsame Umgang mit der originalen Bausubstanz ist allgegenwärtig und lässt Besucherinnen und Besucher die hohe Qualität der historischen Baukultur unmittelbar spüren. Dabei verharrt die Kokerei nicht in der Geschichte, sondern spannt den Bogen bis weit ins postindustrielle Zeitalter hinein. Als begehbare Großskulptur macht sie in weiten Bereichen die rasante Rückeroberung des Terrains durch die Natur explizit zum Thema.

Seit 2017 ist das Denkmal mit dem größten, sichtbaren Regenwassertrennsystem an einem Industriedenkmal-Standort ausgestattet. Das wertvolle Regenwasser wird gesammelt und zur renaturierten Emscher gepumpt. Eine Fläche von rund 170.000 qm ist auf diese Weise vom Mischwasserkanal abgekoppelt.

Gemeinsam mit der Stadt Dortmund wird die Industriedenkmalstiftung die Kokerei Hansa weiterentwickeln. Die Umnutzung diverser Gebäude steht auf der Agenda: eine Gastronomie in der Gastiefkühlanlage, ein Jugendzentrum im Schalthaus, eine Büronutzung für Start-ups in der Lehrwerkstatt sowie der Ausbau des Raumangebotes für Vermietungen und Veranstaltungen in hochkarätigen Räumen, wie zum Beispiel dem Salzlager. Die Kokerei Hansa soll künftig ein Zentrum der Industriekultur in Nordrhein-Westfalen mit folgenden Schwerpunkten bilden: Ehrenamt in der Industriekultur, Austausch und Qualifikation für ca. 350 Vereine (in enger Zusammenarbeit mit den beiden Landschaftsverbänden), bautechnische Beratung und Bildungszentrum zu Themen der Industriedenkmalpflege und Koordinierungsstelle der Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet bzw. des gleichnamigen UNESCO-Welterbe-Projekts. Eine zentrale Rolle wird der Kokerei Hansa außerdem im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 zukommen. Sie wird als nördlicher Ankerpunkt des Projekts „Emscher nordwärts“ eine profilgebende Bedeutung im Freizeit- und Erholungsbereich, im Quartierszentrum sowie im Emscher-Grünzug haben und eine neue räumliche Anbindung an die Dortmunder City erfahren.

Durch das Engagement verschiedener Akteure wie der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, der Stadt Dortmund, der Interessengemeinschaft Huckarder Vereine, der Hansa Gesellschaft für Industriekultur e.V. und privater Investoren konnten zahlreiche Gebäude der Kokerei Hansa und einige wenige der Zeche Hansa erhalten werden. Seit 1999 wurden diverse Gebäude saniert und neu genutzt. So u.a. die ehemalige Waschkaue als Ausstellungsort, die Kompressorenhalle als Ort für Veranstaltungen, der Ausbau von Besucherpfaden, die Sanierung des Salzlagers (1. Schritt Ausbau zur Nutzung für 199 Personen). Das ehemals zur Kokerei zählende Turbokompressorenhaus befindet sich in privater Hand; dort wurde die „Kletterhalle Bergwerk“ eingerichtet. Die zur Zeche Hansa zählende "Alte Schmiede" wurde zur Kulturstätte ausgebaut und ist Heimstätte der Interessengemeinschaft Huckarder Vereine.

Weitere Informationen zur Geschichte und Bedeutung der Zeche Hansa erhalten Sie hier.

Kontext

Das Programmgebiet umfasst die innerstädtische Industriebrache der einstigen Kokerei Hansa einschließlich der Zeche Hansa Schacht 3 und befindet sich im westlichen Stadtgebiet der Stadt Dortmund im Stadtbezirk Huckarde. Der Stadtbezirk umfasst die Stadt- und Ortsteile Huckarde, Deusen, Jungferntal, Kirchlinde, Rahm und Wischlingen. Mit einer Fläche von etwa 1.500 ha gehört er zwar zu den kleinsten Dortmunder Stadtbezirken, ist zugleich jedoch mit rund 37.000 Einwohnern einer der am dichtesten besiedelten. Das Gebiet wird im Westen begrenzt durch die Emscherallee, im Norden durch den Mooskamp und den Nettebach sowie im Osten durch die Gleisanlagen und den Deusenberg. Es reicht im Süden bis an die Franziusstraße. Geprägt ist das Gebiet durch eine überwiegend gewerbliche Nutzung der gemischten Industriebebauung.

Die Kokerei Hansa ist Zentrum des „Hansa Revier Huckarde“, das Bereiche für Freizeit- und Erholung sowie bedeutende Standorte der Industriekultur u.a. die Kokerei Hansa, das Bahnbetriebswerk Mooskamp und den Deusenberg umfasst. Angrenzend an das Gelände der einstigen Kokerei und Zeche befindet sich das Wohnquartier Huckarde-Nord. 2017 wurde das Integrierte Handlungskonzept Huckarde-Nord erarbeitet. Es definiert Ziele innerhalb des künftigen Stadtumbaugebiets „Huckarde-Nord“, liegt innerhalb der Gebietskulisse des Dekadenprojekts „Dortmund blickt nordwärts“ (2015-2025) und nimmt die Verknüpfung des Stadtquartiers mit dem Industriedenkmal Kokerei Hansa in den Blick.

Handlungsstrategie

Die Maßnahmen auf der Kokerei Hansa dienen der Sicherung, dem Erhalt und der Instandsetzung der Gebäude der einstigen Industrieanlage unter den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes. Die Instandsetzungsmaßnahmen bilden die Grundlage, um die Anlage öffentlich zugänglich zu machen und neuen, nachhaltigen Nutzungen zuzuführen. Über Erlebnispfade, Führungen und die Einbindung in das regionale Tourismuskonzept, wie der Route der Industriekultur, wird die ursprüngliche Funktion der Kokerei für künftige Generationen sichtbar und erlebbar gemacht. Kulturveranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen, ExtraSchicht, Tag des offenen Denkmals und vielfältige Bildungsangebote (insbesondere für Kinder und Jugendliche im Stadtbezirk) prägen das Angebot vor Ort.

Stillgelegte Koksofenbatterie Stillgelegte KoksofenbatterieStillgelegte Koksofenbatterie Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Das Integrierte Handlungskonzept Huckarde-Nord sieht neue Wegeverbindungen vor, um die Kokerei aus ihrer Randlage zu befreien und eine bessere Verbindung zu den Ortskernen Huckarde und Deusen sowie zur Dortmunder City zu erreichen. Gewerbliche Nutzungen sollen künftig die nachhaltige Revitalisierung der Anlage unterstützen.

Handlungsfelder

  • Erhalt und Sanierung der historischen Bausubstanz sowie der technischen Infrastruktur
  • Einbringung neuer gewerblicher, kultureller Nutzungen sowie soziokultureller Angebote und Verknüpfung mit den Angeboten des angrenzenden Stadtbezirks Huckarde
  • Ausbau, Stärkung und Förderung der Kokerei als „außerschulischer Lernort und Bildungsstandort“
  • Etablierung privatwirtschaftlicher Nutzungen wie Gastronomie, Büronutzungen und Wohnen
  • Verbesserung der Stellplatzsituation sowie der Erreichbarkeit mit PKW-Personenkraftwagen und ÖPNV
  • Ausbau und Verbesserung der Anbindung für den Rad- und Fußverkehr
  • Funktionale Stärkung des Standorts für Kultur, Freizeit und Sport

Finanzierung

1995 wurde die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur vom Land Nordrhein-Westfalen und der RAG Aktiengesellschaft gegründet. Seit 1995 ist die Stiftung Eigentümerin der Kokerei Hansa. Maßnahmen zum Erhalt und zur Weiterentwicklung des Geländes wurden u.a. mit Hilfe öffentlicher Förderungen des Landes NRW, des Bundes, des Regionalverbandes Ruhr und der Emschergenossenschaft durchgeführt.

Meilensteine der Gebietsentwicklung
JahrUmsetzungsschritte
1980Stilllegung der Zeche Hansa
1991Unterschutzstellung des Werkstättengebäudes aus dem Jahr 1903, der "Alten Schmiede"
1992Schließung der Kokerei
1995Kokerei Hansa nun Eigentum der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
1997Einrichtung der Geschäftsstelle der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur im einstigen Verwaltungsgebäude der Kokerei Hansa
1998Unterschutzstellung des Gebäudebestands aus den 1920er und 1930er Jahren
1999Das Industriedenkmal der Kokerei Hansa wird Ankerpunkt der Route Industriekultur und erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
2001/2005Masterplan für das Gelände der Kokerei Hansa
2008Erweiterung des Sanierungsgebietes "Stadterneuerung Ortskern Huckarde" um die Kokerei und Zeche Hansa
2015Zeche Hansa Schacht 3 mit Fördergerüst und Maschinenhalle nun Eigentum der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
2016Quartiersanalyse Huckarde-Nord
2017Integriertes Handlungskonzept Huckarde-Nord / Dortmund blickt nordwärts


Besonderheiten

Die Kokerei Hansa ist als Bestandteil der Dortmunder Industriegeschichte bedeutender Standort des Industrietourismus. Die Anlage ist ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur, die auf einem touristischen Rundkurs von 400 km industriekulturelle Stätten und Orte im Ruhrgebiet erschließt. Sie ist eingebunden in verschiedene Themenrouten: Nr. 6 (Dortmund: Dreiklang Kohle, Stahl und Bier), Nr. 16 (Westfälische Bergbauroute), Nr. 18 (Chemie, Glas und Energie), 24 (Industrienatur), Nr. 28 (Wasser: Werke, Türme und Turbinen). Außerdem zählt die Kokerei Hansa zur Route der Industrienatur. Der 1999 eröffnete Erlebnispfad „Natur und Technik“ und der 2017 angelegte "Industriewaldweg" stehen für die Verbindung des Industriedenkmals mit der Industrienatur. Als "begehbare Großskulptur im Grünen" ist die Kokerei Hansa Bestandteil des Emscher Landschaftsparks. Das Industriedenkmal Kokerei (teilweise barrierefrei) ist ein zertifizierter Standort von "ServiceQualität Deutschland" (Stufe 1). Die Anlage ist eingebunden in Gesamtentwicklungspläne der Stadt Dortmund und das Stadtumbauprojekt Huckarde Nord.

Lernerfahrungen

Durch die Einbringung von gewerblichen, kulturellen und touristischen Angeboten und Nutzungen konnte das Industriedenkmal in seiner ursprünglichen Struktur erhalten und zugleich öffentlich zugänglich gemacht werden. Stiftung und Stadt stehen nun vor der Aufgabe, die einstige "verbotene Stadt" in den angrenzenden Stadtbezirk einzubinden, wobei die Entwicklung der Randbereiche des Areals als Verknüpfungsraum im Zuge künftiger Planungen nachhaltig zu gestalten ist.

Das Gebiet heute

Mit der förmlichen Festlegung des Sanierungsgebietes "Kokerei Hansa" am 18. Dezember 2008 sollte der Erhalt der denkmalgeschützten Industrieanlage für künftige Generationen sowie für die Einbringung nachhaltiger Nutzungen und soziokultureller Angebote gesichert werden. Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur ist seit 1995 Eigentümerin der Kokerei Hansa. Mit Hilfe öffentlicher Förderungen des Landes NRW, des Bundes, des Regionalverbands Ruhr und der Emschergenossenschaft wurden in der Zeit von 1999 bis 2018 bereits eine Vielzahl an erhaltenden Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Geländes realisiert. Das Finanzvolumen liegt bislang bei rund 37,3 Mio. Euro (Stand: 2017). Der darin enthaltene Bundesfinanzanteil liegt bei rund 5,5 Mio. Euro.

Durch die Sicherung, Erhaltung und Nutzbarmachung der denkmalgeschützten Gebäude hat die Kokerei bis heute als touristischer Anziehungspunkt und Ort für Kultur und Bildung stark an Bedeutung gewonnen. Der bisherige Umgang mit dem Industriedenkmal zeugt vom Bewusstsein für den Bestand und vom Anliegen, die authentischen Strukturen der Anlage zu erhalten. So ist die Funktion der Kokerei bis heute ables- und erlebbar geblieben.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Gemeinde
Dortmund

Programmbereich
Städtebaulicher Denkmalschutz

Programmaufnahme
2013

Realisierungszeitraum
2018

Größe des Gebiets
25 ha

Volumen der Bundesfinanzhilfen
2013-2018: 6.087.000 €

Gebietstypus
Industriekultur

Kontaktdaten

Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
Emscherallee 11
44369 Dortmund
+49 231 93 11 22 0
www.industriedenkmal-stiftung.de


Stand
2018

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