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Monschau | Altstadt Monschau

Maßnahmenschwerpunkte: Instandsetzung und Erneuerung der Burg Monschau | Sanierung von Bruchsteinmauern und -treppen | Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG)

Zusammenfassung

Die Stadt Monschau (11.649 Einwohner; Stand 2017), am südwestlichen Rand Nordrhein-Westfalens gelegen, wurde 1198 als Mons Ioci das erste Mal urkundlich erwähnt. Ausschlaggebend für die Stadtentwicklung war die bereits drei Jahre zuvor 1195 erbaute Burg Monschau sowie die wirtschaftliche Blütezeit der Tuchherstellung im 18. Jahrhundert. Stadtbildprägend ist die mehrgeschossige, enge Bebauung mit Fachwerk- und Bruchsteinhäusern auf meist kleinteiligen Grundstücken. Die schieferverkleideten Fassaden und Dächer der Gebäude verleihen der Altstadt Monschau ihr charakteristisches Stadtbild ebenso wie die Bruchsteinmauern, die sowohl im Sockelbereich der Häuser, für öffentliche Treppen und Einfassungen als auch zur Geländeterrassierung verwendet wurden. Die Bürgerhäuser dieser Epoche überstanden den Zweiten Weltkrieg weitestgehend ohne Zerstörung und sind bis heute erhalten, sodass die heutige Stadtstruktur dem Wiederaufbau nach dem Geldernschen Krieg 1543 entstammt.

Generell wurden neben der Erweiterung des Maria-Hilf-Stifts nahe der Burg Monschau bisher nur wenige Neubauten errichtet.
Die Kernstadt Monschaus zeichnet sich durch eine überregional bedeutsame, mittelalterliche Altstadt mit mehr als 300 Einzeldenkmalen aus. Bedeutende Bauwerke in der Entstehung der mittelalterlichen Stadtstruktur sind vor allem die Burg Monschau mit Eselsturm, außerdem der Haller, die Pfarrkirche und das Aukloster mit Aukirchturm.

Bereits seit 1985 konnten mithilfe von städtebaulichen Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen öffentliche und private Vorhaben, die den Erhalt der historischen Altstadt unterstützten, realisiert werden. Der Daueraufgabe die Altstadt für Wohnen, Handel, Gewerbe und Tourismus gleichermaßen zu sichern, stellt sich Monschau derzeit mit dem seit 2013 beschlossenen Städtebaulichen Entwicklungskonzept und der Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz 2014. Erschwert wird die zukünftige Entwicklung zum einen durch die zunehmende Alterung der Einwohner und den damit einhergehenden Generationenwechsel, zum anderen durch den nur schwer zu sanierenden Bestand. Unzeitgemäße Grundrisse, große Flächen mit eingeschränkten Erschließungsmöglichkeiten, fehlende Außenflächen und Barrieren behindern eine zukunftsfähige Entwicklung der Fachwerk- und Bruchsteinhäuser insbesondere für junge Familien und ältere Menschen. Mit den Verlusten an Einwohnern und der Verlagerung des wirtschaftlichen Zentrums in den Ortsteil Imgenbroich geht zudem der Leerstand zahlreicher Gebäude einher. Um weiteren Funktionsverlusten vorzubeugen und den Bevölkerungsrückgang zu minimieren, konzentriert die Stadt ihre Bestrebungen auf die Aufwertung des Wohnumfelds. Die Sanierung und Verbesserung des öffentlichen Raums sowie die Mobilisierung von Eigentümern und Geschäftsinhabern sind die Kernziele der städtischen Strategie, um die Altstadt als Wohn- und Arbeitsstandort sowie touristische Destination zu stärken.

Kontext

Blick auf die Kessellage der Stadt und die dichte Bebauung Blick auf die Kessellage der Stadt und die dichte BebauungBlick auf die Kessellage der Stadt und die dichte Bebauung Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Die Stadt, die sich zwischen Oberem und Mittlerem Rurtal im Naturpark Hohes Venn-Eifel und den angrenzenden belgischen Ardennen befindet, wird in ihrem historischen Zentrum von Rur und Laufenbach durchflossen. Durch die Tallage zwischen den Berghängen des Rahmenbergs und des Burgbergs zeichnet sich die Stadtstruktur durch eine bewegte Topographie.
Die 83,1 Hekar große Gesamtmaßnahme umfasst die historische Kernstadt von Monschau entlang der beiden Flüsse sowie die angrenzenden Bereiche der Burg Monschau und des Rahmenbergs mit dem Bodendenkmal des Haller. Das Gebiet entspricht damit der Abgrenzung der Denkmalbereichssatzung von 1993 bezieungsweise den Geltungsbereichen I und II des 1908 erstmals beschlossenen und zuletzt 2012 geänderten Ortsstatuts. Die Altstadt wird durch den motorisierten Individualverkehr über drei zentrale Straßen erschlossen: Die Laufenstraße von Norden, die St. Vither-Straße von Süd-Westen und die Schleidener Straße von Osten. Um eine autoarme Altstadt zu gewährleisten, wurde 1997 ein Verkehrs- und Parkleitsystem eingerichtet.

Besondere Kennzeichen des Denkmalbereichs sind die Vielzahl an Einzeldenkmalen sowie zahlreiche bauliche Anlagen wie die stadtbildprägenden Natursteinmauern und –treppen. Angesichts der topographischen Kessellage ließ die sich daraus ergebene dichte Bebauung nur wenig öffentliche Freiräume zu. Abgesehen vom Markt, dessen Fläche erst nach dem Stadtbrand 1876 entstand, befinden sich größere öffentliche Grünflächen mit dem Friedhof auf dem Mühlenberg und oberhalb der Burgau im Kurpark.

Handlungsstrategie

Übergeordnetes Ziel der Gesamtmaßnahme ist der Erhalt der historischen Stadtstruktur mit ihrer kleinteiligen Gliederung und ihren besonderen Gestaltungsmerkmalen. Schwerpunktmäßig geht es um die Sicherung leerstehender Bauten und die Beseitigung der Ladenleerstände, um eine nachhaltig funktionale und wirtschaftliche Entwicklung und Stärkung der Bereiche Tourismus, Wohnen und Gewerbe zu erreichen.

Aufgrund der schrumpfenden Einwohnerzahl und der Überalterung der Eigentümer bei gleichzeitig starker touristischer Bedeutung, zielt der staatlich anerkannte Luftkurort auf die dauerhafte Belebung der Altstadt als Standort für Wohnen und Arbeiten ab. Dafür müssen die historischen Immobilien denkmalgerecht instand gesetzt, gehalten und innovativ weiterentwickelt werden. Die Nutzung vieler historischer Gebäude wird zwar durch die Vermietung als Ferienwohnungen gesichert, belebt allerdings nur temporär die Altstadt. Über das Wohnumfeldprogramm unterstützt die Stadt Monschau Eigentümer und Bewohner mit einem Beratungsangebot und kleinteiliger Förderung von Sanierungsmaßnahmen. Anknüpfend an dieses Programm unterstützt das Hof- und Fassadenprogramm private Eigentümer bei der Instandhaltung ihrer Gebäude wegen trotz der teils hohen finanziellen Aufwendung. Um auch lokale Gewerbetreiber finanziell bei ihren Vorhaben zur Stärkung des Standorts Altstadt zu fördern, wie z. B. durch die Gestaltung öffentlicher Flächen oder der Vorbereitung von Veranstaltungen, hat die Stadt einen Verfügungsfonds eingerichtet, dessen Träger der 2016 gegründete Verein Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) ist.

Neben der Qualitätssteigerung öffentlicher Flächen und entsprechenden Wohnangeboten für junge Familien und ältere Menschen soll auch das soziale und kulturelle Angebot für Jugendliche und Senioren erweitert werden. Die Burg Monschau zählt aufgrund ihrer identitätsstärkenden Funktion als Veranstaltungsort sowie Zentrum für Begegnung und Tourismus zu den Maßnahmenschwerpunkten der Stadt, die im Rahmen ihres Entwicklungskonzepts die verstärkte Profilierung der Marke Altstadt vorsieht. Mit ihrer Neugestaltung, Sanierung und Modernisierung soll die Burg als öffentlicher Raum, kultureller Veranstaltungs- und Begegnungsort und touristische Attraktion gestärkt werden.

Handlungsfelder            

  • Sicherung, Sanierung und Erhalt des mittelalterlichen Stadtgrundrisses, der historischen öffentlichen Gebäude sowie der charakteristischen, stadtbildprägenden Bruchsteinmauern und –treppen
  • Bewahrung und Weiterentwicklung des baukulturellen Erbes im Hinblick auf eine integrierte, klimagerechte Stadtentwicklung
  • Neue Nutzungsperspektiven unter Erhalt und Wahrung der kompakten, historischen Stadtstruktur
  • Stadtverträgliche Förderung des Tourismus unter Berücksichtigung der Zentrumsfunktion und Attraktivität der Altstadt als Wohnstandort
  • Barrierearme Gestaltung des öffentlichen Raums
  • Beförderung der Identifikation mit der Stadt und dadurch Mobilisierung und Beteiligung der Eigentümer, Gewerbetreibenden und Bewohner sowie die Aktivierung der Investitionsbereitschaft

Einzelmaßnahmen (Auswahl)

Wichtige Einzelmaßnahmen sind:

  • Erhalt der öffentlichen und privaten Bruchsteinmauern und –treppen unter den Aspekten der Sicherung des öffentlichen Raums, der Stadtstruktur und der Bausubstanz
  • Aufwertung und Erneuerung privater Dächer, Fassaden und Freiflächen durch das Hof- und Fassadenprogramm
  • Instandsetzung und Erneuerung der Burg Monschau und damit Stärkung der Funktion als identitätsprägendes Wahrzeichen der Stadt mit Aufenthaltsqualitäten für Besucher und Bewohner
  • Erneuerung des öffentlichen Raums durch angepasste Stadtmöblierung, Beleuchtung und Wegweisung in der Altstadt
  • Einebnen des Kopfsteinpflasters für eine barrierearme Altstadt
  • Funktionale und bauliche Aufwertung der Geschäftsstraßen

  • Instandsetzung und Erneuerung der Burg Monschau

    In den zurückliegenden Jahren wurden bereits verschiedene Maßnahmen zur Instandsetzung der Burg Monschau durch die Stadt Monschau unternommen – neben der Beseitigung von Bewuchs gehörten hierzu auch die Erneuerung der Geländer. Dennoch weist sie einen hohen Sanierungs- und Erneuerungsbedarf auf. Um das Bauwerk für Nutzungen außerhalb der "Monschau Klassik" zu qualifizieren, wurde ein Werkstattverfahren durchgeführt. Ziel war es, Lösungsansätze zu entwickeln, mit denen die Burg gesichert, weiterentwickelt und attraktiver gestaltet werden kann. Nun soll als erster Baustein des Vorhabens mithilfe der Städtebauförderung der Innenhof der Burg – insbesondere im Hinblick auf die Barrierefreiheit und Erschließung – aufgewertet werden. Die Maßnahme befindet sich derzeit in der Umsetzung.

  • Sanierung von Bruchsteinmauern und -treppen

    Die Sanierung der Bruchsteinmauern und -treppen in der Altstadt von Monschau ist eine Hauptmaßnahme zur Sicherung und Erhaltung der Stadtstruktur. Ziel ist es, absturzgefährdete und gestalterisch verbesserungswürdige Mauerabschnitte zu erneuern und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

    Die insgesamt 12,5 Kilometer Natursteintrockenmauern in der Altstadt sowie die ca. fünf Kilometer Rur-Ufer-Mauern stellen für die Stadt Monschau eine Daueraufgabe dar. Um die Erneuerungsintervalle zu minimieren, werden aktuell verschiedene technische Möglichkeiten geprüft, die Mauern und Treppen nicht nur zu sichern, sondern auch nachhaltig zu stabilisieren.

    Insbesondere die Mauern in der Eschbachstraße 23-31, Laufenstraße 47 und Rosenthal Süd werden und wurden aufgrund der Einsturzgefährdung saniert. Erhaltende Maßnahmen an den Trockenmauern in der Eschbachstraße und der Laufenstraße wurden im Sommer 2016 umgesetzt. Angedacht ist überdies ein ganzheitliches Konzept für die Sanierung der Bruchsteinstützmauern an der Rur. Seit 2017 engagiert sich auch die Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) für den Erhalt der historischen Bruchsteinterrassen: Dort weiden nun Ziegen, die den Boden nachhaltig verdichten sollen.

  • Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG)

    In den zurückliegenden Jahren wurden bereits verschiedene Maßnahmen zur Instandsetzung der Burg Monschau durch die Stadt Monschau unternommen – neben der Beseitigung von Bewuchs gehörten hierzu auch die Erneuerung der Geländer. Dennoch weist sie einen hohen Sanierungs- und Erneuerungsbedarf auf. Um das Bauwerk für Nutzungen außerhalb der "Monschau Klassik" zu qualifizieren, wurde ein Werkstattverfahren durchgeführt. Ziel war es, Lösungsansätze zu entwickeln, mit denen die Burg gesichert, weiterentwickelt und attraktiver gestaltet werden kann. Nun soll als erster Baustein des Vorhabens mithilfe der Städtebauförderung der Innenhof der Burg – insbesondere im Hinblick auf die Barrierefreiheit und Erschließung – aufgewertet werden. Die Maßnahme befindet sich derzeit in der Umsetzung.

Finanzierung

Es erfolgte keine Bündelung von Finanzmitteln mit anderen Förderansätzen.

Meilensteine der Gebietsentwicklung

Tabelle: Meilensteine der Gebietsentwicklung
JahrUmsetzungsschritt
1908Beschluss des 1. Ortsstatuts für die historische Altstadt Monschau. Überarbeitung des Ortstatuts in den Jahren 1960, 1967 und 1987
1983Stadtentwicklungsplan als Grundlage für das "Gebietsbezogene Wohnumfeldprogramm"
02/1992Beschluss der Satzung für das Sanierungsgebiet "Historischer Stadtkern"
04/2005Stadtrat verabschiedet Leitbild "Kunst, Kultur, Natur"
2008EuRegionale 2008 mit dem Projekt "Eifel-Ikone Monschau: Altstadt – Kunst – Tradition"
07/2010Beschluss der Satzung über die besonderen Anforderungen an die Baugestaltung zur Pflege und zum Schutz der baulichen Eigenart des Ortsbildes in der Stadt Monschau (Ortstatut)
07/2013Beschluss des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts für die historische Altstadt von Monschau 2013-2018
11/2014Satzung der Stadt Monschau über die Verlängerung der Geltungsdauer der förmlichen Festlegung des Sanierungsgebietes "Historischer Stadtkern" gemäß § 142 Abs. 3 BauGB


Besonderheiten

Blick auf das Rote Haus in Monschau Blick auf das Rote HausBlick auf das Rote Haus Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Wesentliches Charakteristikum der Monschauer Altstadt ist das mittelalterliche Stadtbild mit idyllischen Fachwerkhäusern, engen Gassen und Kopfsteinpflaster. Die Bausubstanz des Stadtkerns aus der Tuchmacherzeit des 17. und 18. Jahrhunderts ist im Wesentlichen erhalten, darunter prachtvolle Bürgerhäuser wie das "Rote Haus", das "Haus Troistorff" und größere, historische Fabrikationsstätten im Altstadtkern. Bis heute ist der mittelalterliche Stadtgrundriss erkennbar und macht Monschau damit zu einem kulturellen Mittelpunkt der Eifel-Region.Lernerfahrungen

Die finanzielle Unterstützung des privaten Engagements von Gewerbetreibenden, Bürgern und bürgerschaftlichen Initiativen wird aktiv durch das Wohnumfeldprogramm, das Hof- und Fassadenprogramm sowie den durch die Immobilien- und Stadtortgemeinschaft (ISG) verwalteten Verfügungsfonds unterstützt und gestärkt. Im historischen Stadtzentrum konnten auf diese Weise durch Aufwertungsmaßnahmen, die Entwicklung von Strategien zum Flächen- und Leerstandsmanagement sowie die Vorbereitung von Veranstaltungen in der historischen Altstadt bereits sichtbare Erfolge erreicht werden.

Das Gebiet heute

Gelegen im Nationalpark Eifel ist die Altstadt von Monschau insbesondere in den Sommermonaten Anziehungspunkt für Touristen. Ausschlaggebend hierfür ist nicht nur die Lage in der landschaftlich reizvollen Umgebung, sondern auch der gut erhaltene historische Bestand an Fachwerk- und Bruchsteinhäusern.
Dennoch sind Sicherungs- und Erneuerungsbedarfe dauerhaft vorhanden. Neben den fortlaufend zu erneuernden Trockenmauern aus Bruchstein, stellen die mehrgeschossigen Einzelgebäude mit extrem geringen Grundflächen eine Daueraufgabe dar, die ohne umfassende öffentliche Unterstützung nicht zu bewältigen ist. Mit dem 2013 beschlossenen Städtebaulichen Entwicklungskonzept und der Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz stellt sich Monschau nun der aktuellen Aufgabe, die Altstadt für Wohnen, Handel, Gewerbe und Tourismus gleichermaßen zu sichern. Dabei konzentriert sich die Stadt auf die Aufwertung des Wohnumfelds, die Sanierung und Verbesserung des öffentlichen Raums sowie die Mobilisierung von Eigentümern und Geschäftsinhabern – mit der Gründung der ISG, dem Hof- und Fassadenprogramm sowie den vorbildlich sanierten öffentlichen Gebäuden wie dem Stadtarchiv hat Monschau bereits deutliche Erfolge nachzuweisen.

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