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Neuruppin | Historische Altstadt

Maßnahmenschwerpunkte: Predigerwitwenhaus in der Fischbänkenstraße | Museum Neuruppin im Noeldechen-Haus | Straßensanierung der Kommunikation | Aufwertung des öffentlichen Raums (Straßen / Wege / Plätze)

Zusammenfassung

Die 70 Kilometer nördlich von Berlin gelegene Stadt Neuruppin grenzt im Südosten an den Ruppiner See und im Norden an die Ruppiner Schweiz sowie die Kyritz-Ruppiner Heide. Als eine der flächengrößten Städte Deutschlands ist Neuruppin überwiegend landschaftlich geprägt.
Das heutige Neuruppin bildet sich aus der ehemaligen Stadt Neuruppin, Alt Ruppin sowie umliegenden Dörfern und Siedlungsteilen beidseitig des historischen Stadtkerns. Im Jahr 1238 wurde der Marktflecken "Rapin" erstmals urkundlich erwähnt. Bereits 1256 erhält der Ort als wirtschaftliches Zentrum der Grafschaft Arnstein das Stadtrecht. Ab 1688 wird die Stadt als Garnisonsstandort genutzt und bleibt mehr als 300 Jahre Standort von Truppen – unter anderem von 1945 bis 1993 für die Sowjetische Armee. Die Gesamtstadt wird nachhaltig durch die militärischen Nutzungen geprägt.

Der Stadtbrand des Jahres 1787 zerstörte große Teile des mittelalterlichen Bestands der Innenstadt zwischen der heutigen Friedrich-Engels- und August-Bebel-Straße. Die städtebauliche Struktur der historischen Altstadt Neuruppins ist daher geprägt durch den Wiederaufbau nach frühklassizistischen Maßgaben. Die Baustruktur ist durch ein rechtwinkliges Netz von entsprechend weiträumigen, durchgrünten Raumfolgen, Straßenzügen und Platzanlagen mit angrenzender geschlossener, zweigeschossiger Blockrandbebauung gekennzeichnet.

Die klassizistischen Wohn- und Geschäftsgebäude wurden seit 1870 zudem durch Gründerzeitbauten ergänzt. Bereits 1979 wird die Altstadt im Gesamten als Flächendenkmal unter Denkmalschutz gestellt. Die Verabschiedung der Neuruppiner Erklärung am 28. Mai 1991 bildete den Beginn des Städtebauförderungsprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz sowie der gleichnamigen Expertengruppe. Im gleichen Jahr erfolgte die Aufnahme der historischen Altstadt in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz und die Stadt wird aktives Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg". Insgesamt wird die Neuruppiner Altstadt zu den Stadtteilen mit der positivsten Bevölkerungsentwicklung der Fontanestadt gezählt. Allerdings weist das Gebiet auch die höchste Wohnungsleerstandsquote der Gesamtstadt auf. Dieser Zustand wird auf schwer zu revitalisierende Objekte, die teilweise auch stadtbildprägend sind, zurückgeführt.

Kontext

Das Programmgebiet "Historische Altstadt" konzentriert sich in der klassizistisch geprägten Altstadt sowie deren noch erhaltene spätmittelalterliche Stadtbereiche im Nordwesten und Osten der Altstadt. Das in Teilen von der historischen Stadtmauer umgebene Programmgebiet wird im Osten vom Ruppiner See, im Westen von der Wallpromenade und im Süden der Karl-Liebknecht-Straße begrenzt. Zur Absicherung der Sanierungsziele sind im Nordosten des Gebietes der Bereich "Ernst-Toller-Straße" und im Süden "Regattastraße" als Ergänzungsgebiete festgelegt worden.

Gegliedert wird die klassizistische Stadtanlage durch die drei großen stadtraumprägenden Plätze Kirchplatz, Schulplatz und Bernhard-Brasch-Platz an der Karl-Marx-Straße sowie weiträumigen, linearen Straßenräumen. Stadtbildprägend und über die historischen Sichtachsen im Stadtraum sichtbar sind unter anderem die Klosterkirche St. Trinitatis, die Pfarrkirche am Kirchplatz und das Alte Gymnasium. Die noch heute erhaltene, historische Parzellenstruktur ist gekennzeichnet durch die Abfolge Vorderhaus – Wirtschaftshof – grüner Hofbereich.

Das Alte Gymnasium am Schulplatz Das Alte Gymnasium am SchulplatzDas Alte Gymnasium am Schulplatz Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Die zentral gelegene historische Altstadt ist der Entwicklungsschwerpunkt der Fontanestadt und überwiegend geprägt durch Wohnen und einer kleinteiligen Mischung von Handel, Dienstleistung, Handwerk und öffentlichen Einrichtungen. Entlang der Hauptachse Karl-Marx-Straße sowie den zentralen Plätzen des Gebietes wird der Schwerpunkt auf die Konzentration von Handel und Dienstleistung gelegt. Der Tempelgarten als Grünfläche im Westen des Programmgebiets, sowie die sanierte Seepromenade am Ruppiner See, auch "Bollwerk" genannt, stellen Freizeit- und Ruhezonen innerhalb des Programmgebiets zur Verfügung. Für den zentralen Bereich "Alte Keksfabrik/Rosengarten", dem südlichen Bereich "Kommunikation" und dem nördlichen Bereich "Wallviertel" wurden aufgrund der besonderen baulichen und funktionalen Missstände Blockkonzepte erstellt, die die weiteren Sanierungsziele in diesen Gebieten konkretisieren.

Handlungsstrategie

Mit dem Fokus auf eine Innen- vor Außenentwicklung wird die Altstadt auch künftig der Schwerpunktbereich der gesamtstädtischen Entwicklung Neuruppins sein. Maßgeblich leitend für die zukünftige Sanierungsstrategie sind neben den Themen Wohnen, Handel und Dienstleistung, auch der Ausbau der Bildungsangebote sowie die kulturelle und touristische Entwicklung in der historischen Innenstadt. Schwerpunkt der zukünftigen Sanierungsvorhaben sind die Aufwertung des öffentlichen Raums, sowie die Stärkung der innerstädtischen Funktionen indem noch bestehende Leerstände in den Bereichen Wohnen und Gewerbe beseitigt werden sollen. Bei den Maßnahmen zum Erhalt und zur Ergänzung des historischen Stadtgrundrisses steht der öffentliche Raum im Fokus. Zwischen Altstadt, Bahnhof und Seeufer ist in diesem Zusammenhang die Herstellung einer barrierefreien Wegeverbindung geplant. Aufgrund des derzeitigen Sanierungsstandes werden auch mit Abschluss des Programmgebietes 2025 nicht alle Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen sein. Dementsprechend sollen die Arbeiten darüber hinaus fortgeführt werden.

Handlungsfelder            

  • Sicherung und Wiederherstellung historischer Baustrukturen
  • Erhalt der Parzellenstruktur von Vorderhaus-Wirtschaftshof-grüner Hofbereich zur Bewahrung der ensembleprägenden Funktion
  • Belebung und Stärkung der Attraktivität der Altstadt durch konzentrierte Maßnahmen der gewerblichen Entwicklung und Ausdifferenzierung in den zentralen Geschäftsbereichen
  • Stärkung und Ausbau der Wohnfunktion, unter anderem unter Einbringung und Berücksichtigung alternativer Wohnformen
  • Neu- und Umgestaltung sowie Wiederherstellung von Straßen, Wegen, Plätzen hinsichtlich der Barrierefreiheit
  • Stärkung des nichtmotorisierten Individualverkehrs in der historischen Innenstadt

Einzelmaßnahmen

  • Sanierung des Predigerwitwenhauses

    Das um 1735 vor dem großen Stadtbrand von 1787 erbaute Predigerwitwenhaus in der Fischbänkenstraße ist eines der wichtigsten Fachwerkhäuser Neuruppins. Bereits in den 1990er Jahren wurde das Gebäude aufwendig saniert. Der Name des Hauses entspringt seiner ursprünglichen Nutzung: So war es Heimstatt für Frauen und Kinder verstorbener Geistlicher – nach deren Tode konnten sie hier kostenfrei wohnen. Heute ist das Gebäude Sitz der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft und umfasst sowohl Wohnungen als auch Geschäftsräume. Um das Gebäude langfristig mit Leben zu erfüllen, werden seitens der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft und des Neuruppiner Kulturbeirates derzeit Konzepte erarbeitet, die ein Café, ein Musikhaus oder eine Galerie in dem derzeit leerstehenden Hofgebäude vorsehen.

  • Sanierung und Erweiterung des Neuruppiner Museums
    Bereits seit Mitte der 1950er Jahre befindet sich im Noeldechen-Haus das Neuruppiner Museum. Angesichts der steigenden Besucherzahlen und des wachsenden Bestands an Ausstellungsexponaten wurde eine Erweiterung erforderlich. Von 2012 bis 2014 wurde das 1791 im klassizistischen Stil erbaute Wohnhaus in der August-Bebel-Straße daher saniert und um einen zeitgenössischen, zweigeschossigen Neubau erweitert. Bereits 2009 wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt, mit dem Lösungen für die denkmalgerechte Sanierung des Bestands in Verbindung mit einem adäquaten, bestandsgerechten Anbau gefunden werden sollten. Das Büro Heidenreich & Springer Architekten gewann den ersten Preis und wurde mit der Ausführung des Entwurfs beauftragt. Ergebnis ist ein Erweiterungsbau, der sich in Materialität und Struktur an der umgebenen Bebauung orientiert. Neben der Erweiterung wurde das Museum barrierefrei ertüchtigt. Neben der Geschichte der Neuruppiner Bilderbögen und ihrer Herstellung zeigt das Museum heute Exponate zu Theodor Fontane und Karl-Friedrich Schinkel.

  • Straßensanierung der Kommunikation

    Stadtmauer mit Durchwegung zum Ruppiner See. Rechts die Plakette zum 25jährigen Jubiläum der Neuruppiner Erklärung Stadtmauer mit Durchwegung zum Ruppiner See. Rechts die Plakette zum 25jährigen Jubiläum der Neuruppiner ErklärungStadtmauer mit Durchwegung zum Ruppiner See. Rechts die Plakette zum 25jährigen Jubiläum der Neuruppiner Erklärung Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

    Die Kommunikation ist ein Teil der ehemaligen Neuruppiner Stadtbefestigung, bestehend aus Stadtmauer, Wallanlagen und Kommunikation. Noch heute führt der Weg entlang der in großen Teilen erhaltenen Stadtmauer und dient der Erschließung der sich hier befindenden rückwärtigen Grundstücke. Große Teile der Kommunikation sind bereits saniert und erhielten in diesem Zuge eine neue Pflasterung und Beleuchtung. Mit dem Blockkonzept "Kommunikation", das den südlichen Bereich der Kommunikation betrachtet, verfolgt die Stadt das Ziel, die Wohn- und Geschäftshäuser im rückwärtigen Bereich der Rudolf-Breitscheid-Straße zu sanieren und zugleich die Kommunikation als Fuß- und Radwegeverbindung zu sichern und wiederherzurichten. Ziel ist es, die Durchwegung der historischen Innenstadt zum Ruppiner See nachhaltig zu sichern und ansprechend zu gestalten. Über ein intelligentes Rad- und Fußwegenetz soll die Altstadt mit anderen Siedlungsbereichen, aber auch mit der Region verbunden werden.

Finanzierung

Sonstige Programmkulissen:

  • Landesbauprogramme
  • Europäischer Fond für regionale Entwicklung (EFRE)
  • EFRE-Programm zur nachhaltigen Stadtentwicklung (NSE)
  • Stadt-Umland-Wettbewerb (SUW)
  • Zukunftsinitiative Stadtteil (ZIS)

Meilensteine der Gebietsentwicklung

Tabelle: Programmgebiet "Altstadt"
JahrUmsetzungsschritt
1979Die Altstadt wird im Gesamten als Flächendenkmal unter Denkmalschutz gestellt
05/1991In Neuruppin werden mit der Verabschiedung der Neuruppiner Erklärung das bundesweite Städtebauförderungsprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz und die gleichnamige Expertengruppe aus der Taufe gehoben
ab 1991Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz. Die Stadt wird aktives Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg"

Besonderheiten

Besonderes touristisches Potenzial zieht die Stadt aus ihrer Bedeutung als Geburtsstadt Theodor Fontanes und Karl Friedrich Schinkels. Seit 1998 trägt die Stadt offiziell den Titel "Fontanestadt".

Lernerfahrungen

Die aktive Begleitung des Stadtsanierungsprozesses und der Einsatz der Stadt Neuruppin für den Erhalt und die Wiedernutzung von gefährdeten Bestandsgebäuden sind für den Erfolg der Programmumsetzung wesentlich. Mit dem bisherigen Vorgehen konnte die städtebaulich prägende Struktur der Innenstadt mit ihren teils großformatigen Einzelgebäuden erfolgreich gesichert und zukunftsfähig gestaltet werden.

Das Gebiet heute

Von 1991 bis 2017 wurden 69 Vorhaben zur Vorbereitung der Gesamtmaßnahme, 342 private und 30 kommunale Hochbaumaßnahmen, 80 Ordnungsmaßnahmen und 53 Maßnahmen an den Erschließungsanlagen und Freiflächen durchgeführt. Der aktuelle Sanierungsplan verzeichnet derzeit noch sanierungsbedürftige 142 Objekte, von denen sieben Maßnahmen sich bereits in der Durchführung befinden.

Schwerpunkte und Schlüsselprojekte der bisher durchgeführten kommunalen Maßnahmen waren die Stadtmauer, das Predigerwitwenhaus in der Fischbänkenstraße, der Tempelgarten sowie das Neuruppiner Museum. Insbesondere die Sanierung des öffentlichen Raums hat bisher zur funktionalen Stärkung der historischen Innenstadt beigetragen. Schwerpunkte der Sanierungen in den wirtschaftlich und touristisch prägnanten Bereichen waren der Schulplatz am Alten Gymnasium, Teile der Karl-Marx-Straße, die Seepromenade (Bollwerk), Teilbereiche des Seetorviertels, der Neue Markt, Abschnitte der August-Bebel-Straße und die Stadtmauer mit Kommunikation.

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