Navigation und Service

Quedlinburg | Altstadt

Maßnahmenschwerpunkte: Erhalt stadtbildprägender Gebäude durch Grunderwerb und Sicherung | Ersatzneubauten im historischen Stadtgefüge | Sanierung des Quedlinburger Marktplatzes

Zusammenfassung

Die nördlich des Harzes in Sachsen-Anhalt gelegene Stadt Quedlinburg wurde 1994 aufgrund ihrer weitgehend geschlossenen Bebauung in der historischen Innenstadt einschließlich Stiftsberg, Münzenberg und der Kirche St. Wiperti als UNESCO-Weltkulturerbestätte anerkannt – Hauptattraktion der Stadt ist das geschlossene Stadtbild mit seinen dicht bebauten, mittelalterlichen Strukturen und den in einer einzigartigen Qualität flächenhaft erhaltenen Fachwerkhäusern.

Blick über die Quedlinburger Altstadt Blick über die Quedlinburger AltstadtBlick über die Quedlinburger Altstadt Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Die historische Innenstadt ist der wesentliche Aufwertungsschwerpunkt der Stadt Quedlinburg. Sie gilt es, als attraktiven und lebendigen Wohn-, Einzelhandels-, Arbeits- und Aufenthaltsort in ihrer historischen Struktur zu erhalten und auszubauen. Die historische Bausubstanz Quedlinburgs ist vielerorts noch von Leerstand und Verfall geprägt. Vor allem bei den sogenannten "dicken Brocken" steht eine Sanierung oftmals noch aus. Insgesamt erschweren fehlende Finanzierungsmöglichkeiten die Sanierungsprozesse.

Die Sanierung der historischen Altstadt begann bereits 1991 als das Fördergebiet "Altstadt" in das Städtebauförderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen wurde. Aufgrund des besonderen Schutzstatus ist das im Fördergebiet befindliche UNESCO-Welterbegebiet (ca. 80 ha) ein besonderer Handlungsschwerpunkt.

Kontext

Das Fördergebiet umfasst mit einer Gesamtfläche von 250 ha die historische Altstadt und Neustadt, den Schlossberg mit Stiftskirche und Schlossgebäuden, die westliche Vorstadt und die östlich und südlich angrenzenden Stadtbereiche. Seit nunmehr 28 Jahren wird mit Hilfe der Städtebauförderung, der Akquise weiterer Fördermöglichkeiten, durch die Erstellung und Fortschreibung konzeptioneller Grundlagen und Planungen sowie den Beschluss von Satzungen und Prioritätenlisten die Stadtsanierung kontinuierlich vorangetrieben. So konnte im Rahmen des Bundesprogramms "Nationale Projekte des Städtebaus" der Nordhang des Stiftsbergs neugestaltet werden.

Weitere erfolgreich umgesetzte Maßnahmen waren die Sanierung der Kirche St. Wiperti und mehrerer großformatiger Einzelgebäude, die Revitalisierung von Industriebrachen und die Herrichtung des öffentlichen Raums miteinhergehend die Sanierung des Rathausplatzes. Neben der Sicherung und Modernisierung von gefährdeten Gebäudebeständen muss sich die Stadt der langfristigen und anspruchsvollen Aufgabe stellen, zeitgemäß auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und des Klimaschutzes zu reagieren. Dabei ist hervorzuheben, dass Quedlinburg aktuell ein positives Wanderungssaldo, demnach mehr Zuzüge als Fortzüge zu verzeichnen hat. Die rückläufigen Bevölkerungszahlen sind auf das negative natürliche Saldo (mehr Sterbefälle als Geburten) zurückzuführen.

Handlungsstrategie

Bei der Umsetzung des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz in Quedlinburg liegt der Fokus auf der Sicherung, Erhaltung und Instandsetzung raumprägender Gebäude in der historischen Innenstadt. Das geschlossene historische Stadtbild mit den zahlreichen Denkmalen soll bewahrt und zukunftsfähig weiterentwickelt werden. Ziel ist die Stärkung der historischen Innenstadt als attraktiven Standort zum Wohnen, Arbeiten, Leben, Erholen, Einkaufen sowie für Tourismus und Wirtschaft. Eine Besonderheit ist der Status des zentralen Bereichs des Erhaltungsgebietes als UNESCO-Weltkulturerbe – auf diesen Bereich richtet die Stadt daher besonderes Augenmerk. Mit dem Welterbemanagementplan, dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept und dem Denkmalpflegeplan hat die Stadt im Jahr 2012 die wesentlichen Grundlagen für deren Sicherung, Erhalt und Weiterentwicklung geschaffen.

Die Stadt nutzt verstärkt die touristischen Potenziale des als UNESCO-Welterbe eingetragenen baukulturellen Erbes. Sie fördert bewusst einen altstadtverträglichen Einzelhandel und verzichtet auf die Ansiedlung von großvolumigen Einzelhandelsketten. Kleinräumige Wohngebäude, die sich nicht für eine dauerhafte Wohnnutzung eignen, werden nach Möglichkeit als Ferienwohnungen vermarktet.

Handlungsfelder

  • Sicherung akut bestandsgefährdeter Gebäude im Welterbegebiet
  • Sanierung und Instandsetzung von Gebäudebeständen unter baukulturellen und energetischen Gesichtspunkten
  • Stadtreparatur durch Lückenschließungen und vereinzelten Ersatzneubauten
  • Wohnortnahe Parkmöglichkeiten
  • Barrierearme Gestaltung und Sanierung des öffentlichen Raums
  • Ausbau des touristischen Angebots im Bereich Handel, Gastronomie und Gewerbe

Einzelmaßnahmen

Nach über 25 Jahren kontinuierlich vorangetriebener Stadtsanierung wurden in Quedlinburg zahlreiche Einzelmaßnahmen und Projekte initiiert und umgesetzt. Schlüsselmaßnahmen der vergangenen Jahre waren unter anderem:

  • Erhalt stadtbildprägender Gebäude durch Grunderwerb und Sicherung
    Der im 16. Jahrhundert errichtete Westflügel des denkmalgeschützten "Fleischhofs" in der Wordgasse 4 wurde im Jahr 2017 von der Stadt Quedlinburg erworben. Ziel ist es, das stadtbildprägende Gebäude vor dem Verfall zu retten und langfristig zu erhalten. Sicherungsmaßnahmen erfolgen über das Programm Stadtumbau. Ein Welterbezentrum ist als mögliche Nutzung angedacht.
    Das Gebäude wurde bereits 2014 in der Broschüre "Wenn Häuser schreien könnten – ein Hilferuf" vorgestellt, die die dringenden Sicherungs- und Sanierungsbedarfe an historisch wertvollen Gebäudebeständen in Quedlinburg detailliert gelistet nach Straße, Anzahl der betroffenen Nutzungseinheiten, dem Bauzustand und dem städtebaulichen Wert des Gebäudes aufzeigt.

    Charakteristische Fachwerkbebauung mit ergänzenden Neubauten Charakteristische Fachwerkbebauung mit ergänzenden NeubautenCharakteristische Fachwerkbebauung mit ergänzenden Neubauten Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz















  • Sanierung des Quedlinburger Marktplatzes
    Zwischen August 2012 und Dezember 2013 wurde der Quedlinburger Marktplatz umgestaltet. Vorausgegangen war im Jahr 2011 unter intensiver Beteiligung der Öffentlichkeit ein Architekturwettbewerb zur Gestaltung des Markplatzes. Der Siegerentwurf gibt dem Platz einen hell-warmen Charakter und setzt auf optimale Begehbarkeit. Der Platz geht als zusammenhängender Raum bis zur Marktstraße und zur Breiten Straße. Die Platzfläche wird von einem schmalen, hellen Rahmen aus ortstypischem Bernburger Mosaiksteinpflaster eingefasst. Der Oberflächenbelag des Platzes selbst besteht aus Granit-Großsteinpflaster, in das das Quedlinburger Stadtwappen und stilisierte Blüten in farbigen Mosaiken vor dem Rathaus eingelegt sind. Die notwendige Niederschlagsentwässerung ist zugleich gestalterisches Element und erinnert an die historischen Wasserkanäle, die sogenannten "Fleite", die bis 1840 den Platz in Nord-Südrichtung durchflossen. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde an der Ostseite in der Nähe der "Standesamttreppe" eine Steinbank als Projekt der Jugendbauhütte aufgestellt. Das Denkmal der "Münzenberger Musikanten" des Bildhauers Professor Wolfgang Dreysse wurde um das Element Wasser ergänzt. Fest eingebaute Bänke laden zum Verweilen ein.
  • Vereinzelte Ersatzneubauten im historischen Stadtgefüge
    An der Steinbrücke 17/ Carl-Ritter-Str. 2-3 wurde ein Ersatzneubau für einen Gebäudekomplex aus dem Jahr 1958 errichtet. Aufgrund seiner zentralen Lage hat der Neubau eine besondere Bedeutung in der historischen Innenstadt von Quedlinburg. Wesentliche Aufgabe war zunächst die Sanierung und der Umbau des Gebäudes aus den 1950er Jahren. Während der Bauarbeiten, als man sich für den Abbruch und Neubau entschied, ging es darum, sich am Vorgängergebäude zu orientieren und so adäquat mit der großen Baulücke im Gefüge des mittelalterlichen Kontexts umzugehen. Der Neubau hat eine Lamellenfassade und orientiert sich auf der Seite der Steinbrücke, in Bezug auf die Dachform und die Dachgauben an der historischen Umgebung. In der Carl-Ritter-Straße 2-3 hat es ein Flachdach. Es wird mittels eines Mini-Blockheizkraftwerks versorgt und beherbergt im Erdgeschoss mehrere Einzelhandelsbetriebe, darunter einen hochpreisigen Modeladen sowie darüber barrierearme Wohnungen. Gerade mit dem qualitativ hochwertigen Ladenangebot stärkt das Gebäude die Einzelhandelssituation in Quedlinburg maßgeblich. Der Neubau hat den Deutschen Bauherrenpreis Neubau 2014 gewonnen, da es sich gut in den historischen Bebauungszusammenhang einfügt.
  • Sanierung und Ergänzungsbau Kornmarkt 5 und 6
    Im Kornmarkt 5 und 6 wurde in die historischen Strukturen ein großformatiger Veranstaltungsneubau integriert. Das Gebäudeensemble ist heute als "Palais Salfeldt" ein anerkannter Kongressstandort. Straßenseitig ist die historische Fassade sichtbar, der Neubau liegt dahinter. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte 1997 das damals leerstehende historische Gebäude, das laut der Inschrift von 1737 stammt, erworben und die Gesamtsanierung veranlasst. Das heutige Kongresszentrum verbindet die historischen Nachbargebäude direkt mit dem Neubau, der den großen Hauptsaal des Kongresszentrums mit rund 400 Sitzplätzen beherbergt. Das Palais Salfeldt ist ein weit über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus bekannter Kongressstandort, in dem unter anderem seit vielen Jahren in regelmäßigem Abstand der Kongress Städtebaulicher Denkmalschutz stattfindet.

Finanzierung

Die Stadt Quedlinburg nutzt soweit möglich die Überlagerung von Fördergebieten für einen möglichst großen Handlungsspielraum. Kombiniert werden dabei insbesondere die Programme "Städtebaulicher Denkmalschutz", "URBAN 21", "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" sowie "Stadtumbau Ost“.

Meilensteine der Gebietsentwicklung
JahrUmsetzungsschritte
1990Abriss-Stopp, Beginn der vorbereitenden Untersuchungen
1991Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz
1992Aufnahme in das Programm Stadtsanierung, Städtische Richtlinien zur Förderung privater Gebäudemodernisierungen
1993Festlegung Sanierungsgebiet per Sanierungssatzung, Aufstellung Erhaltungssatzung
1994Aufnahme UNESCO-Welterbeliste, Goldmedaille im Bundeswettbewerb "Erhaltung des historischen Stadtraums in den neuen Ländern"
1995Baulückenwettbewerb
1996Erstellung und Beschluss Rahmenplan
1997Deutsche Stiftung Denkmalschutz übernimmt den kommunalen Mitleistungsanteil der beiden Städtebauförderprogramme für Quedlinburg bis 2009
1998Fertigstellung des Denkmalverzeichnisses, Eröffnung des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg
1999Gründung der ersten Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Quedlinburg
2008Fortschreibung Rahmenplan
2013Fertigstellung des Welterbemanagementplans, des Denkmalpflegeplans mit Leerstandsanalyse (2012) und des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (2012)
2014Festakt 20 Jahre UNESCO-Weltkulturerbe
2018/2019Fortschreibung des Denkmalpflegeplans
2019Festakt 25 Jahre UNESCO-Weltkulturerbe


Besonderheiten

Das Depot "Historische Baustoffe der Stadt Quedlinburg" wurde 1993 gegründet. Das Depot verwahrt seitdem Türen, Fenster, Mauersteine, Sandsteine, Dachziegel und Altholz, die über Jahre hinweg geborgen wurden, und stellt diese zur Wiederverwendung bereit. Eine große Qualität des Depots ist die Erhaltung von historischen Gebäudeteilen, die anderenfalls unwiederbringlich verloren wären. Das Depot ist deutschlandweit einzigartig.

Lernerfahrungen

Die Stadt setzt im Sanierungsprozess vorrangig auf Einzelfallentscheidungen und geht damit auf die spezifischen Anforderungen der Häuser und ihrer Eigentümer ein – insbesondere die stetige finanzielle und fachliche Unterstützung in der Programmumsetzung hat sich hierbei bewährt. Die wesentlichen Hemmnisse sind die schwache Wirtschaftsstruktur der Stadt sowie fehlende kommunale Eigenmittel. Dies erfordert eine hohe Investitionsbereitschaft privater Bauherren, finanzielle Hilfen der öffentlichen Hand und privater Spender sowie insgesamt großes Engagement aller Beteiligten.

Altstadtgasse am Stiftsberg Altstadtgasse am StiftsbergAltstadtgasse am Stiftsberg Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Mit der Erstellung des Welterbemanagementplans, des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts, des Denkmalpflegeplans und des ergänzenden Papiers "Wenn Häuser schreien könnten" hat die Stadt die aktuell bestehende Situation in der historischen Altstadt umfangreich kartiert, analysiert und bewertet. Der Fokus der Erfassung liegt – begründet in dem übergeordnetem Konzept, dem Welterbemanagementplan – auf dem Welterbebereich. Die Grenzen des Fördergebiets Städtebaulicher Denkmalschutz spielen eine eher untergeordnete Rolle. Daten und Statistiken wurden entsprechend im Rahmen der Konzepterstellung für das Welterbegebiet erhoben, sodass auf Grundlage dessen die aktuelle Situation im Fördergebiet einzuschätzen ist.


Das Gebiet heute

Die Stadt Quedlinburg hat seit der Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz im Jahr 1991 große Erfolge bei der Sicherung und Wiederherstellung der historischen Bausubstanz erzielt. Dank einer kontinuierlichen Steuerung der Stadtsanierung konnten mit einem Sanierungsgrad von 65 Prozent bislang viele Gebäude, darunter zahlreiche stadtbildprägende, erfolgreich saniert und so das historische Stadtbild wiederhergestellt werden. Hinzu kommen erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen im öffentlichen Raum, energetische Maßnahmen, die Stärkung der Stadt als Standort für Wohnen, Arbeiten, Leben und Tourismus sowie der Ausbau der Beteiligungskultur.

Durch Baulückenschliessung konnten vor allem die Schmale Straße, Ballstraße und Stieg als Blockränder wiederhergestellt werden. Quedlinburg zielt mithilfe des Baulückenwettbewerbs "Mut zur Lücke – Mut zu Neuem", eine Initiative der Architektenkammer Sachsen-Anhalt, auf eine hohe baulich-gestalterische Qualität bei der Schließung von Brachen und Baulücken im bestehenden Gefüge der Altstadt ab.

Bei nach wie vor zahlreichen im Bestand bedrohten Gebäuden ist der Finanzbedarf für die Stadtsanierung immer noch immens hoch. Insbesondere bei den "dicken Brocken" besteht dringender Handlungsbedarf. Erschwerend kommen in vielen Fällen der Tatbestand der Immobilienspekulation oder aber die fehlenden Eigenmittel bei Privateigentümern oder der Welterbestadt Quedlinburg hinzu.

Zusatzinformationen

Bundesland

Sachsen-Anhalt


Gemeinde

Quedlinburg


Programm

Städtebaulicher Denkmalschutz


Programmaufnahme

1991


Realisierungszeitraum (geplant)

2030


Größe des Gebietes

250 ha


Volumen der Bundesfinanzhilfen

1991-2018: 36.839.1043 €


Gebietstypus

Historischer Stadt- und Ortskern


Kontaktdaten

Fachbereichsleiter Bauen
Thomas Malnati
Tel.: +49 3946 / 90 57 00
E-Mail: thomas.malnati@quedlinburg.de

Besucheranschrift
Halberstädter Straße 45, 06484 Quedlinburg

Postanschrift
Markt 1, 06484 Quedlinburgn


Stand

2018

Diese Seite