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Stralsund | Altstadtinsel

Maßnahmenschwerpunkte: Sanierung der Klosteranlagen | Sanierung des Rathauses | Lückenbebauung – Neue Architektur in der historischen Altstadt

Zusammenfassung

Die Hansestadt Stralsund im Norden des Bundeslands Mecklenburg-Vorpommern liegt unmittelbar am Strelasund, einem Meeresarm der Ostsee, und ist sowohl durch den Rügendamm als auch die 2007 fertiggestellte Rügenbrücke das Tor zur Insel Rügen. Die Altstadt Stralsunds befand sich 1989 in einem sehr sanierungsbedürftigen Zustand. Ursache dafür waren insbesondere die Zerstörungen im zweiten Weltkrieg und die jahrzehntelange Vernachlässigung der wertvollen historischen Bausubstanz.

Im Rahmen des Modellstadtprogramms von 1990 bis 1994 und ab 1995 mit dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz erfolgte zunächst die Sicherung akut gefährdeter Baudenkmale sowie schrittweise deren denkmalgerechte Sanierung. Die kommunalen Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen wurden dabei durch eine Vielzahl privater Investitionen unterstützt. Als repräsentatives Kulturdenkmal der Hanse wurde die Altstadt Stralsunds 2002 gemeinsam mit der Wismarer Altstadt in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Nicht nur das wertvolle baukulturelle Erbe sondern auch die attraktive Lage an der Ostseeküste macht Stralsund als "Tor zur Insel Rügen" bei Bewohnern, Touristen und privatwirtschaftlichen Akteuren gleichermaßen beliebt.

Nachdem zunächst die Sicherung und Sanierung gefährdeter historischer Bausubstanz, wie zum Beispiel der charakteristischen Giebelhäuser, im Mittelpunkt der Maßnahmen stand, liegen die aktuellen Schwerpunkte bei der Sanierung öffentlicher Gebäude (Johanniskloster, Katharinenkloster und Kampischen Hof), bei der Schließung von Baulücken im Sinne der Stadtreparatur (Quartier 33), sowie bei der Umgestaltung der Freiräume auf der Nördlichen Hafeninsel und der Wallanlagen. Nach der negativen Bevölkerungsentwicklung in den 1990er Jahren weist die Altstadt heute – neben dem ganzjährigen Zustrom an Touristen – ein positives Bevölkerungssaldo auf.

Kontext

Seit 1995 befindet sich die Hansestadt Stralsund mit dem Programmgebiet "Altstadtinsel" im Städtebauförderungsprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz. Die Altstadt liegt auf der vom Wasser des Strelasund und der im Mittelalter aufgestauten Teiche umgebenen Insel im Nordwesten der Stadt. Bis heute ist die mittelalterliche Grundrissstruktur, das Gefüge der Straßen- und Platzräume sowie die Quartier- und Parzellenstruktur gut erhalten und die Grenze der mittelalterlichen Stadt noch heute im Stadtraum erlebbar. Das Stadtbild der Hansestadt ist geprägt durch die Architektur der Backsteingotik, der umfassenden historischen Klosterlandschaft Stralsunds sowie den repräsentativen Giebelhäusern, Kirchen, dem Rathaus und den Speichergebäuden. Im Jahr 2008 wurde das Sanierungsgebiet der Altstadtinsel um Teile der angrenzenden Frankenvorstadt erweitert.

Handlungsstrategie

Hauptziel der Hansestadt Stralsund ist es, die Altstadtinsel zu einem lebendigen und attraktiven Standort für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit weiterzuentwickeln und vorhandene Qualitäten nachhaltig zu stärken. Dabei soll die Altstadt auch stärker mit den umgebenden Natur-, Stadt- und Landschaftsräumen verbunden werden. Das historische und baukulturelle Zentrum Stralsunds wird entsprechend den Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht als Museum, sondern als aktives Zentrum unter Berücksichtigung der städtebaulichen Charakteristika zeitgemäß und selbstbewusst weiterentwickelt.

Beispielhafte Lückenschließungen in der Hansestadt Stralsund Beispielhafte LückenschließungenBeispielhafte Lückenschließungen Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Neben der Sanierung historischer Gebäude wie zum Beispiel der Klosteranlagen, stehen die Nachverdichtung und Baulückenschließung sowie die Um- und Neugestaltung von Freiräumen, unter anderem dem Neuen Markt und der Wallanlagen im Mittelpunkt der Programmumsetzung. Die Gestaltungssatzung und der Gestaltungsbeirat für die Altstadtinsel sichern maßgeblich die Qualität der Neubauplanungen im Altstadtbereich. Weiterer Handlungsschwerpunkt ist die Nördliche Hafeninsel, die ihre einstige industrielle Nutzung mit dem Strukturwandel verloren hat.
Ihre Freiflächen werden nun behutsam weiterentwickelt.
Im Zusammenhang mit der Programmumsetzung ist zudem die Umsetzung des Verkehrskonzeptes, die Reglementierung der Ferienwohnungen sowie die Stärkung der direkt an die Altstadt angrenzenden Stadträume voranzubringen. Mit der Erweiterung des Programmgebiets im Jahr 2008 ist nun auch die Stärkung der an die Altstadt angrenzenden Stadträume stärker in den Vordergrund gerückt.

Handlungsfelder            

  • Erhalt des Stadtdenkmals durch Sicherung, Sanierung und Modernisierung der historischen Gebäude
  • Um- und Neugestaltung von Freiräumen sowie die Entwicklung öffentlicher Freiräume für Bewohner
  • Umgang mit Freiräumen, Baulücken und Brachen sowie denkmalverträgliche Ergänzung des historischen Stadtgrundrisses u. a. Nachverdichtung vorhandener Baulücken
  • Entwicklung von Freiflächen insbesondere im Bereich der Hafeninsel
  • Stärkung des Standorts Altstadt und Sicherung der Zentrumsfunktion Belebung, Aneignung, gegenwartsbezogene Gestaltung und Sicherung der Vielfalt des mittelalterlichen Stadtraums

Einzelmaßnahmen (Auswahl)        

Nach über 25 Jahren kontinuierlich vorangetriebener Stadtsanierung wurden in der Hansestadt Stralsund zahlreiche Einzelmaßnahmen und Projekte initiiert und umgesetzt; die Altstadt als attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort sowie Zentrum für Freizeit und Kultur weiterentwickelt. Schlüsselmaßnahmen der vergangenen Jahre waren unter anderem:

  • Sanierung der Klosteranlagen
    Ab 1993 wurde die Gesamtanlage des unter Denkmalschutz stehenden Heilgeistklosters mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert, denkmalpflegerisch und technisch wieder hergerichtet und damit für zeitgemäßes Wohnen weiterentwickelt.

    Blick auf die Klosteranlage in Stralsund Blick auf die KlosteranlageBlick auf die Klosteranlage Quelle: Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund mbH

    Um 1256 noch in der Stadt verortet, verlagerte man das Heilgeistkloster im 14. Jahrhundert nach außen. Die Heilgeistkirche ist heute ältester Teil der Anlage. An die Hallenkirche schließen zwei Langhäuser an, die gemeinsam den Kirchgang bilden. Im Zuge der Restaurierung wurden hier Wohnungen eingebracht, im Elendenhaus befindet sich heute eine Sozialstation. Mit dem "Selbsthilfemodernisierungsprogramm" wurden die Eigentümer der parallel zum Kirchgang anschließenden "Klosterbuden" bei

    Wohnhäuser im Johanniskloster Wohnhäuser im JohannisklosterWohnhäuser im Johanniskloster Quelle: Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund mbH

    der Sanierung unterstützt und die kleinen Fachwerkgebäude so zu zeitgemäßen Wohnbauten weiterentwickelt. Die Anlage des Heilgeisthospitals, oder auch Heilgeistkloster, ist bis heute geprägt durch die Geschlossenheit der Straßen, Gänge, Plätze und Grünflächen.
    Anknüpfend an das im Heilgeistkloster bereits umgesetzte Konzept wurde auch für die mitten in der Altstadt gelegenen beiden Höfe Am Johanniskloster ein Gestaltungskonzept entwickelt. Ziel war es, die Charakteristik der Gesamtanlage zu erhalten und gleichzeitig einen attraktiven Standort für Leben, Wohnen und Arbeiten zu schaffen. Bereits seit 1990 wurden Sanierungsmaßnahmen realisiert und die Klosterhöfe umgestaltet. Die so genannten Klosterbuden sind heute beliebte Wohnstandorte vor allem bei jungen Familien.
    Dagegen erfolgt die Sanierung der Klausurbereiche der beiden großen Klosteranlagen St. Johannis und St. Katharinen in mehreren Abschnitten, die schrittweise auf Grundlage einer Entwicklungskonzeption realisiert werden.
  • Sanierung des Rathauses
    Im 13. Jahrhunderts wurde das Rathaus der Hansestadt Stralsund als Kaufhaus und Gerichtslaube errichtet. Das heutige Kulturdenkmal wurde ab 1990 in mehreren Bauabschnitten saniert und instandgesetzt.
    Mit dem letzten großen Bauabschnitt der umfassenden Sanierungsmaßnahmen wurde auch das Erdgeschoss mit Läden und einem Café ausgestattet und der Keller als "Markthalle" für temporäre Veranstaltungen instandgesetzt. Im Frühjahr 2017 begann – nach Sanierungsarbeiten an Fassadenteilen in den Jahren 1993, 1995 und 1998 – die Sanierung der 30 Meter breiten und 29 Meter hohen Schaufassade des Rathauses.
  • Lückenbebauung – Neue Architektur in der historischen Altstadt
    In den vergangenen Jahren sind in einer Vielzahl vorhandener Baulücken in der historischen Altstadt Wohnhäuser entstanden. Beratend begleitet durch den Gestaltungsbeirat der Hansestadt Stralsund konnten die Brachen durch qualitativ hochwertige Neubauten ergänzt werden, die sich sensibel in das städtebauliche Umfeld einfügen und sich durch eine besondere Detailqualität auszeichnen. Nicht nur der gestalterische Anspruch kommt den Gebäuden zugute – mit dem Verzicht auf angegliederte Gärten und Stellplätze gliedern sie sich altstadtverträglich in die historische Parzellenstruktur ein. Markante Beispiele des Zusammenspiels aus neuer Architektur und historischer Stadt ist zudem bis heute das auf der Nördlichen Hafeninsel im Jahr 2008 eröffnete OZEANEUM sowie das 2012 wiederbebaute Quartier 17.

Meilensteine der Gebietsentwicklung

Tabelle: Meilensteine der Gebietsentwicklung
JahrUmsetzungsschritt
1962Flächendenkmal Altstadt
1989Abrissstop für de Altstadt durch Veranlassung einer Bürgerinitiaitve; Gründung eines Bürgerkomitees "Rettet die Altstadt e.V."
1990Aufnahme in das Programm "Modellvorhaben der Stadterneuerung"
1991Bürgerschaftsbeschluss zur Sanierungsstrategie / städtebaulicher Rahmenplan
1992Förderung erster privater Modernisierungen
1993Schutz des Denkmals Altstadtinsel durch das Denkmalschutzgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern
1995Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz
1996Aktion "Offensive Altstadt" | Fußgängerzone | Fassadenprogramm | öffentlicher Raum
1999Berufung eines Gestaltungsbeirats
2000Gemeinsame Bewerbung der Hansestädte Stralsund und Wismar um Aufnahme der Altstädte in die UNESCO-Welterbeliste
2001"Offensive Altstadt" – Menschen in die Altstadt
2002Aufnahme der Altstädte Stralsunds und Wismars in die UNESCO-Welterbeliste
2009Offensive Altstadt – Welterbe erhalten & Zukunft gestalten
2014Baukonstruktive Sanierung des Kampischen Hofes; Entwicklungskonzeption Katharinen- und Johanniskloster
2015Fortschreibung des Managementplans Altstadt


Besonderheiten

Rathaus der Hansestadt Stralsund mit Schaufassade Rathaus mit SchaufassadeRathaus mit Schaufassade Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Im Jahr 2002 wurde die historische Altstadt von Stralsund gemeinsam mit der Altstadt Wismars in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Die Geschichte beider Städte ist geprägt durch ihre Rolle als Zentrum des Wendischen Quartiers der Hanse vom 13. bis zum 15. Jahrhundert sowie ihrer Zeit als Zentrum des schwedischen Königreichs im 17./18. Jahrhundert. Aus dieser Zeit haben sich bis heute Hanse-typische Bautechniken und Formen erhalten, die sich unter anderem im Rathaus der Hansestadt Stralsund widerspiegeln. Bis heute haben sich über die Vielzahl historischer Baudenkmale, Neubauten und Überformungen hinaus, der mittelalterliche Stadtgrundriss und die Charakteristika einer "hansischen Seehandelsstadt" in Form gotischer Backsteinbauten erhalten.

Lernerfahrungen

Am Beispiel Stralsunds wird deutlich, dass insbesondere planvolles, strategisches Vorgehen, Umsicht und ein langer Atem erforderlich sind, um die historische Bausubstanz und damit die charakteristische Stadtgestalt qualitätsvoll und dauerhaft zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Mit Beginn der Programmumsetzung wurde vorrangig die Altbausubstanz vor Einsturz und von Verfall akut bedrohte Bauten zunächst gesichert und für eine denkmalgerechte Sanierung erhalten. Dabei trägt die konsequente und aufeinander abgestimmte Anwendung des städtebaulichen Instrumentariums langfristig wesentlich zum Erfolg der Programmumsetzung bei.

Das Gebiet heute

Nachdem die Einwohnerzahlen im Zuge der Wende von 6.000 Einwohnern in den Jahren 1990 bis 1998 auf 3.500 kontinuierlich zurückgingen, leben heute wieder mehr als 6.000 Menschen in der Altstadt. Bislang konnten über die Hälfte der öffentlichen und privaten Gebäude sowie ein großer Teil der öffentlichen Straßen, Wege und Plätze in der Altstadt Stralsunds saniert werden. Seit über 25 Jahren trägt die Stadtsanierung mit ihrer hohen städtebaulichen Qualität zur Vitalität des Stadtkerns bei – heute ist die Altstadtinsel der lebendige Mittelpunkt der Stadt, Bühne für Begegnung und Kultur, Standort für Freizeit, Arbeit und Wohnen und Treffpunkt für Jung und Alt. Dazu trägt seit 1990 die Städtebauförderung wesentlich bei – insbesondere die in den vergangenen Jahren behutsam und altstadtgerecht eingebrachten Neubaulösungen, welche die verbliebenen Brachen und Baulücken schließen, tragen derzeit zur qualitätsvollen Weiterentwicklung der Altstadt bei. Die Sanierung weiterer Gebäude, die Erneuerung und Umgestaltung des öffentlichen Raums sowie die Stärkung der an die Altstadt angrenzenden Stadträume stellen aktuelle Herausforderungen dar.

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