Navigation und Service

Treffurt | Sanierung Altstadt

Maßnahmenschwerpunkte: Sicherung und Sanierung Hessischer Hof und
Mainzer Hof | Modernisierung der Ziddelstraße 17a und Neubaumaßnahme Ziddelstraße 17b | Sanierung von Straßen


Die Fachwerkstadt Treffurt (ca. 5080 Einwohner, Stand: 30.09.2018) bietet mit ihrer historischen Altstadt, die von der Burg Normannstein bekrönt wird, ihrer landschaftlich reizvollen Lage im Werratal mit den sehr gut ausgebauten Rad- und Wanderwegen und ihrer Lage an der Deutschen Fachwerkstraße besondere touristische Anziehungspunkte. War der Tourismus eine lange Zeit wegen der Lage der Stadt im Grenzgebiet der DDR weitgehend nicht existent, so wurde dieser nach der Wiedervereinigung zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt. Doch Treffurt ist seit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen nach der Wende auch heute noch von einem anhaltenden Bevölkerungsrückgang mit einer zunehmenden Überalterung sowie von Gebäudeleerständen geprägt.

Die Sanierung der historischen Altstadt begann bereits 1991, als das Fördergebiet „Sanierung Altstadt“ in das Städtebauförderprogramm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen aufgenommen wurde. Seit 1998 ist das Gebiet Teil des Städtebauförderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz.

Kontext

Das Fördergebiet „Sanierung Altstadt“ umfasst mit einer Gesamtfläche von 26,45 ha den historischen Altstadtkern sowie die Burganlage Normannstein.
Die bereits erzielten Sanierungserfolge sind im Stadtraum deutlich ablesbar. Die Sanierung des Rathauses am Marktplatz oder der Umbau der ehemaligen Zigarrenfabrik zu einem Bürgerhaus sind hier beispielhaft zu nennen. Doch die Stadt steht auch weiterhin vor Herausforderungen, die in der Sanierung des Gebäudebestands und des öffentlichen Raums bei gleichzeitig schwierigen topographischen Verhältnissen sowie der hohen Leerstandquote liegen. Das Programmgebiet des Städtebaulichen Denkmalschutzes ist von teils sehr kleinen und teils sehr großen Gebäudestrukturen gekennzeichnet. Zudem befinden sich die Häuser und Wohnungen größtenteils in Privateigentum. Weiterhin ist das Angebot für Touristen, insbesondere des Wander- und Radtourismus ausbaufähig.
Mit den im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Treffurt 2030 (erstellt 2015) definierten Maßnahmen soll Treffurt unter Berücksichtigung des demografischen Wandels ein attraktiver Standort für Wohnen, Wirtschaft und Tourismus werden.

Handlungsstrategie

Mit dem integrierten Stadtentwicklungskonzept Treffurt 2030 aus dem Jahr 2015 wurde das Leitbild „Lebenswertes Treffurt“ mit den zentralen Entwicklungslinien „Etablierung als lebenswerter Wohnstandort“, „Erhalt und Aufwertung der historischen Zentren und Strukturen“, „Gewerbe halten und bedarfsgerecht entwickeln“, „weitere Entwicklung und Etablierung als Fremdenverkehrsort“ und „Ausbau interkommunaler Kooperation“ erarbeitet.

Modernisierung der Ziddelstraße 17a und Neubau Ziddelstraße 17b Modernisierung der Ziddelstraße 17a und Neubau Ziddelstraße 17bModernisierung der Ziddelstraße 17a und Neubau Ziddelstraße 17b Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

Es wurde ein Sanierungsträger beauftragt, der die Koordination bzw. Betreuung und Begleitung der vorgesehenen Maßnahmen übernimmt. Dabei soll der Dialog mit in der Öffentlichkeit verstetigt und private Initiativen und privates Kapital durch die Ausweitung strategischer Beratung bzw. Planung mobilisiert werden.
Geplant ist eine bessere Vermarktung der historischen Fachwerkgebäude, die im Inneren über eine eher kleinteilige Grundrissstruktur verfügen. Insbesondere für das Wohnen junger Familien soll durch die Zusammenlegung kleinerer Gebäude („Aus 2 mach 1“) attraktiver Wohnraum geschaffen werden. Parallel erfolgt der Abbruch abgängiger bzw. nicht zu vermarktender Bausubstanz, um so Freiflächen für ein ansprechenderes Wohnumfeld zu schaffen.
Daneben soll die strategische Beratung und Planung im Sinne der Stadtsanierung ausgeweitet werden. Kern dieses Vorgehens ist die Rolle der Stadt als Zwischeninvestor oder Projektinitiator, der besonders problematische Grundstücke planerisch vorbereitet, Anschubfinanzierungen leistet und Einzelentwicklungskonzepte für große Brocken erstellt. Darüber hinaus ist ausgehend von der eher heterogenen Eigentümerstruktur ggf. die Entwicklung von quartierbezogenen Lösungen und Konzepten zur Reaktivierung der ungenutzten Bausubstanz angedacht. Dieser Ansatz wurde im Kontext des Hessischen Hofes bereits aktiv weiterverfolgt.

Handlungsfelder            

  • Erhaltung, behutsame Erneuerung, Stärkung und Weiterentwicklung des historisch gewachsenen Altstadtkerns Treffurts
  • Sicherung der gefährdeten historischen Bausubstanz und Sanierung von stadtbildprägenden Objekten
  • Vermarktung historischer (leerstehender) Gebäude
  • Bedarfsgerechte Sanierung der öffentlichen Straßen und Plätze (barrierearm, seniorengerecht und denkmalgerecht), Schaffung von wohnungsnahen Stellplätzen
  • Erhöhung der Aufenthaltsqualität durch Aufwertung des Ortsbildes
  • Bürgerbeteiligung stärken

Einzelmaßnahmen (Auswahl)        

  • Sicherungsmaßnahmen Hessischer Hof und Mainzer Hof
    Nachdem bereits in den 1970er Jahren die Nebengebäude des „Hessischen Hofes“ abgebrochen wurden, stand das Gebäude seit den 1990er Jahren leer. Zwischen 1995 und 2014 wurden verschiedene Notsicherungsarbeiten an dem stadtbildprägenden, großformatigen Gebäude durchgeführt. Ein im Jahr 2015 erstelltes Gutachten stellte den stark baufälligen Zustand der Bausubstanz fest. In Folge der akuten baulichen Mängel und der ausbleibenden Nutzungsperspektive wurde eine Abrissgenehmigung für das Gebäude erteilt.

    Im Jahr 2016 erwarb die Stadt Treffurt das Gebäude. Trotz des bereits genehmigten Abbruchs wurde das Gebäude auf Initiative der Organisation „Save Europe’s Heritage“ bislang weiterhin erfolgreich gesichert. Oliver Stansfield Smith und Richard Day, der selbst inzwischen Eigentümer eines Fachwerkgebäudes in der Treffurter Altstadt ist, wurden auf die beiden Amtshöfe „Hessischer Hof“ und „Mainzer Hof“ aufmerksam und setzen sich seitdem für deren Rettung ein. Im Zuge erster Gesprächstermine in Treffurt und dem Kontakt zum britischen Kronprinzen konnte eine neue Nachnutzungsperspektive für das großformatige Gebäude entwickelt werden. So fand im Mai 2018 ein Treffen zwischen einer Treffurter Delegation und dem englischen Kronprinzen statt, bei dem die Entwicklung des Gebäudes nach dem Vorbild des schottischen Dumfries House, einer Bildungs- und Begegnungsstätte für junge Handwerker, erörtert wurde. Im November 2018 reiste die Arbeitsgruppe nach Schottland um sich das Vorbildprojekt vor Ort anzuschauen. Parallel erfolgt die Prüfung von Fördermitteln für eine weitere Sicherung und eine Finanzierung der weiteren Entwicklung des Projekts. Nächster Schritt der Stadt ist die Konkretisierung des Nutzungskonzepts, das die Etablierung eines internationalen Zentrums für historisches Zimmereihandwerk vorsieht sowie die Errichtung eines länderübergreifenden Bildungsprojektes für Handwerker aus Deutschland und Großbritannien.

    Mainzer Hof Mainzer HofMainzer Hof Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

    Der benachbarte „Mainzer Hof“ wurde bereits in das Bundesprogramm Stadtumbau/Sicherung aufgenommen und soll auch in den kommenden Programmjahren gesichert werden. Eine Entwicklung des Gebäudes könnte unter Einbringung touristischer Angebote in Verbindung mit der Entwicklung des Hessischen Hofes vorgenommen werden. Die Gewinnung eines Investors hierfür steht noch aus.

  • Modernisierung der Ziddelstraße 17a und Neubaumaßnahme Ziddelstraße 17b
    Das Gebäude in der Ziddelstraße 17a befindet sich aktuell in der Umsetzung. Auf den Grundstücken Ziddelstraße 17a und b werden mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 3,4 Mio Euro Gesamtkosten behindertengerechte Wohnungen sowie eine barrierefreie und rollstuhlgerechte Fahrradpension eingebracht. Hierfür erfolgte 2016 der Abriss des Gebäudes Ziddelstraße 17b, dem Bürogebäude des ehemaligen Möbelbauwerks. Auf dem Grundstück Ziddelstraße 17b wurde zwischen Frühjahr 2017 und Sommer 2018 ein Neubau mit sechs rollstuhlgerechten und barrierefreien Wohnungen errichtet. Das denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen „Schwebdaer Hofes“ in der Ziddelstraße 17a wird derzeit saniert und zu einer Fahrradpension mit 50 bis 60 Betten umgebaut.

    Bereits erfolgte Straßensanierung des Burgstiegs Bereits erfolgte Straßensanierung des BurgstiegsBereits erfolgte Straßensanierung des Burgstiegs Quelle: Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz

  • Sanierung von Straßen
    Die Sanierung der Straßen ist zum Teil bereits erfolgt. Aktuell in der Umsetzung befindet sich die Sanierung der Altstadtstraßen, so u.a. in der Bergstraße und der Kirchstraße. Hierfür wurde das bestehende Treffurter Pflaster aus Kalkstein in den Randbereichen wiedergenutzt. Im Mittelbereich wurde eine neue Pflasterung aus Betonwerksteinen mit Kalksteinvorsatz eingelegt und damit die Straßen nach dem Vorbild der regionaltypischen Kalksteinpflasterungen erneuert. Die weiteren Pläne zur Sanierung der Straßen sehen eine Erneuerung des Burgsteigs, der Margaretenstraße, des nördlichen Teils der Rathausstraße, der Torstraße und der Egon-Bahr-Straße unter Beachtung der Barrierefreiheit nach dem Vorbild der Puschkinstraße vor. Die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen unter Berücksichtigung u. a. der Anforderungen an eine Barrierefreiheit wird durch die gegebene Topografie Treffurts erschwert, da viele der Kopfsteinpflasterwege ein starkes Gefälle aufweisen.

Finanzierung

Neben der Finanzierung der Maßnahmen über den Städtebaulichen Denkmalschutz, werden Sicherungsmaßnahmen über das Städtebauförderprogramm Stadtumbau Ost (seit 2017 Fördergebiet „Altstadt“) finanziert. Einzelne Maßnahmen werden über ELER, LEADER und über das thüringische Förderprogramm Revitalisierung von Brachflächen (REVIT) finanziert. Weiterhin kommen Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie zum Einsatz.

Tabelle: Meilensteine der Gebietsentwicklung
JahrUmsetzungsschritt
1991Beginn vorbereitender Untersuchungen, Aufnahme in das Programm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen
1993Bericht über die Vorbereitenden Untersuchungen, Inkrafttreten der Sanierungssatzung für das Gebiet „Altstadt Treffurt“ (21,4 ha), Inkrafttreten der Gestaltungssatzung
1997Erweiterung des Sanierungsgebietes um 5,1 ha mit Burg Normannstein, Erlass der Richtlinie „Kommunales Förderprogramm“, Inkrafttreten der Erhaltungssatzung
1998Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz
1999Bestätigung des Städtebaulichen Rahmenplans „Altstadt Treffurt“
2015Erstellung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts 2030
2016Inkrafttreten der überarbeiteten Erhaltungs- und Gestaltungssatzung


Besonderheiten

Mit der genannten Nachnutzungsperspektive für den Hessischen Hof wurde Treffurt im November 2018 im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Europäische Stadt: Wandel und Werte“ mit dem 1. Preis in der Kategorie „Stadtgebäude“ ausgezeichnet.

Lernerfahrungen

Insgesamt bedurfte die Stadt Treffurt einer gesamtstädtischen Handlungsstrategie, um mit den Herausforderungen, die u.a. in dem demografischen Wandel, der anvisierten Stärkung der lokalen Wirtschaft durch den Tourismus und der Erhaltung der städtebaulichen Eigenart sowie der baukulturell bedeutsamen Bausubstanz liegen, passgenau umgehen zu können. Die Erarbeitung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts Treffurt 2030 (von 2015) und des darin enthaltenden teilräumlichen Entwicklungskonzepts „Altstadt Treffurt“ mit tragfähigen Handlungsansätzen war demnach folgerichtig.

Das Gebiet heute

Seit der Wiedervereinigung konnten zunächst mit dem Städtebauförderprogramm Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen (1991-2007), dann seit 1998 mit dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz sichtbare Erfolge in der Treffurter Altstadt erzielt werden. Vorhaben von gesamtstädtischer Bedeutung, wie die Sanierung des baukulturell bedeutsamen Rathauses, das mit dem Marktplatz den historischen Mittelpunkt der Stadt bildet, oder der Burg Normannstein konnten realisiert werden. Darüber hinaus sind die zahlreichen größeren und kleineren Sanierungsmaßnahmen an Privathäusern, die die positiven Wirkungen des kommunalen Förderprogramms veranschaulichen, im Stadtraum deutlich wahrnehmbar.
Doch die Stadt steht auch weiterhin vor der Herausforderung, städtebauliche Missstände zu beseitigen. Die beiden „großen Brocken“ Mainzer Hof und Hessischer Hof benötigen eine umfassende Sanierung und neue Nutzungsperspektiven. Dabei ist hervorzuheben, dass neue externe Handlungsimpulse für den Hessischen Hof eine positive Entwicklung für den einst abrissbereiten Bau in Aussicht stellen.

Diese Seite